Als ich ankam, herrschte extrem stürmischer Wind, was die Spotsuche nicht gerade erleichterte. Aufgrund dieses Windes entschied ich mich dazu, eine Rute in eine windgeschützt Bucht in etwa 110 Meter Distanz zu legen. Hier gab es überhängende Bäume und vereinzelte kleine Seerosenfleckerl. Ich band eine Markerboje an einen Baum, um nicht unnötig viele Schnüre im Wasser zu haben, aber trotzdem nicht auf eine Orientierungshilfe verzichten zu müssen.
Mit der zweiten Rute wollte ich unbedingt das Seesrosenfeld beackern. Ich ignorierte die nahrungsarmen, harten Schotterbänke, die ohnehin von jedem befischt werden, und legte mich stattdessen auf eine schlammige Stelle am rechten Ende des Feldes fest.

Der Wind wurde immer stärker, und wenn nicht zufällig Phil vorbei gekommen wäre, hätte ich die Ruten wohl erst irgendwann in der Dunkelheit sauber ablegen können. Zu zweit ging das Ganze aber ruckzuck. Zu jedem Rig fütterte ich ein paar Handvoll Boilies in unterschiedlicher Größen hinzu. Eine Taktik, die sich hier schon sehr gut bewährt hat und die Brachsen nicht allzu stark anlockt.
Phil war noch nicht einmal 30 Minuten weg, als die Rute in der Bucht schon Alarm schlug. Der Fisch hing zwar, doch an einen Bootsdrill war wegen des starken Windes nicht zu denken. Ich musste versuchen, den Fisch vom Ufer aus zu bändigen und hoffte nur, dass er die Hindernisse, die am Weg lagen, nicht ausnutzen würde. Ich hatte Glück und konnte den Fisch bis an mein Ufer pumpen. Hier gab er sich aber noch lange nicht geschlagen, denn dieser Bursche war ein richtiger Kämpfer. Schließlich ermüdete er gegen den sanften Druck meiner Rute doch und glitt widerstandslos in den Kescher. Ein schöner Spiegelkarpfen von etwa 8 Kilo. Ein super Auftakt!

Der Wind hatte zumindest ein wenig nachgelassen und meine Rute lag wieder draußen, als sich der Bissanzeiger abermals meldete. Ich konnte nicht genau definieren, was los war, also fuhr ich samt Rute und Kescher hinaus. Ja, hier hing tatsächlich ein Fisch, der sich noch dazu festgesetzt hatte, allerdings kein Karpfen und auch keine Brachse, sondern ein monstermäßiges Rotauge. Der Fisch wäre ein Foto wert gewesen, allerdings wollte ich die Montag schnell wieder an den Platz bringen, weshalb ich gleich nach dem Zurücksetzen vom Boot aus wieder in die ruhige Bucht ruderte. Dort versuchte ich, den Köder wieder korrekt abzulegen, blieb jedoch irgendwo hängen. Nach einigem Hin und Her staunte ich nicht schlecht, als ich einen mit kiloweise Schlamm beschmutzten, aber noch voll funktionstüchtigen Karpfenkescher ins Boot hievte. Das Glück war wohl auf meiner Seite.
Noch vor Mitternacht stieg der nächste Karpfen auf mein Snowmanrig in der Bucht ein. Auf der Matte erkannte ich den Fisch sofort an seiner eigentümlichen Kopf- und Maulform sowie an einem dreigeteilten Bartel. Es handelte sich um den allerersten Karpfen, den ich in diesem Jahr fangen konnte. Nun, etwa 3 Monate später, sah ich ihn wieder.

Schon zwei Fische in der Bucht, und an den Seerosen kein Lebenszeichen. So langsam begann ich an meiner Platzwahl zu zweifeln, aber nur bis um etwa ein Uhr nachts ein Biss aus dieser Richtung kam. Die Bewegungen des Hangers ließen eher auf eine nervöse Brachse als auf einen kapitalen Karpfen schließen, doch nichts desto trotz befand ich mich wenige Sekunden später im Drill mit einem wütenden Carp. Wieder gelang mir der Drill vom Ufer aus, und im Schein der Kopflampe sah ich schon, dass hier ein "Besserer" am Haken tobte. Der erste Kescherversuch klappte und ich hievte den Schuppi auf die Abhakmatte. Auch dieser Fisch war kein Unbekannter, denn ein Kollege hatte ihn im April 2010 bereits gefangen, allerdings mit über einem Kilo weniger. Jetzt brachte das stolze Tier 12,5 Kilo auf die Waage. Ich erkannte das Tier gleich an seiner auffälligen Wampe.

Kaum war der Fisch zurückgesetzt, ging die Rute in der Bucht wieder ab. Das gibt's doch nicht, dachte ich noch, während ich hastig den Kescher zusammensteckte. Der Fisch hatte sich festgesetzt und ich pumpte mich mit dem Boot über ihn, doch diesmal hatte ich Pech: Der Karpfen war weg, stattdessen hing nur noch ein Patzen Kraut am Haken.
Es dauerte bis etwa vier Uhr morgens, bis die Rigs wieder fangbereit waren, doch auf einen Biss musste ich nicht lange warten: Vollrun an der Seerosenrute. Dieser Karpfen schaffte es, sich tief ins Kraut zu graben, weshalb ich gleich ins Boot stieg, um den Fisch zu lösen. Ruckartig löste sich das Kraut von der Schnur. Der Fisch war noch dran und zeigte sogleich, was er drauf hatte. Mit unbändiger Kraft riss er mir Meter um Meter Schnur von der Rolle, während er das Boot hinter sich her zog. Nach einiger Zeit schmerzten mir schon die Arme, und ich war heilfroh, als der Fisch endlich weiß zeigte und sich keschern ließ. Wieder war es ein richtig schöner, großer Schuppenkarpfen, nur einen halben Kilo leichter als der Vorgänger. War ich hier wirklich am gleichen Gewässer, an dem ich in den vorigen zwei Jahren serienmäßig geblankt hatte?

Mittlerweile war ich schon ziemlich müde und erschöpft und überlegte sogar, die Rute nicht mehr neu auszulegen. Doch ich wollte unbedingt wissen, ob der Seerosenplatz noch weitere Schätze beherbergen würde, also montierte ich mein letztes Blei und ruderte wieder hinaus. Es war schon fast hell, als genau dort ein weiterer Biss erfolgte. Im Vergleich zu den vorigen Fischen sah der Schuppi, der bald darauf im Netz landete aus wie ein Zwerg, war aber natürlich genauso willkommen.

So, nun war es genug, ich ließ die Montage an Land und versuchte, mich etwas hinzulegen, doch natürlich gelang mir das nicht. Die Buchtrute war ja noch draußen und meldete einen Biss. Wieder musste ich mit dem Boot ausrücken, doch auch diesmal konnte ich keinen Fisch keschern. Statt zu drillen, musste ich das Blei aus einem versunkenen, mit Muscheln besetzten Baum lösen.

Nun war es bereits sechs Uhr morgens. Ich war hundemüde und absolut fertig, weshalb ich schnell mit dem Zusammenpacken begann. Sieben Bisse, fünf Fische, davon zwei über 12 Kilo - dieses Ergebnis konnte sich für eine spontane Nachtsession absolut sehen lassen und ist an diesem Gewässer auch mein absoluter bisheriger Rekord. Fast noch mehr freut es mich, einen weiteren Hotspot entdeckt zu haben, der mir dabei hilft, das Puzzle dieses Teichs Stück für Stück zusammen zu setzen.









