von Wolfgang » 04.08.2007, 14:15
Insgesamt angle ich jetzt über 40 Jahre, ich fing mit 11 Jahren an, da ich in dieser Zeit überhaupt das erste Mal mit dem Angeln in Kontakt kam.
Das ergab sich aus dem Umzug in eine wasserreiche Gegend.
Die ersten Anfänge mit der Fliegenfischerei machte ich so mit 14 Jahren, nachdem ich im Urlaub mal mit einem Fliegenfischer in Kontakt kam.
Mir gefiel das einfach und ich wollte es auch können.
Eine Fliegenrute hatte ich nicht, ich behalf mir mit den beiden vorderen Teilen einer Art Matchrute, hinten passte ein alter Korgriff mit Schieberingen von einer Vollglaskinderangel hinein, den ich vorher einfach abgesägt hatte, eine Fliegenrolle einfachster und billigster Art besaß ich, eine Fliegenschnur ebenso einfacher und billiger Art kaufte ich mir, nebst einiger ebenso primitiver Fliegen.
Die Schnur war eine Parallelschnur, welche fürchterlich kringelte.
Ich übte eine Weile auf der Wiese oder am See, wenn mich keiner sah...........
Ich übte nach einem Buch, in dem allerdings zum Fliegenfischen nicht viel drinn stand.
Da ich mit meiner Werferei nicht so recht weiter kam, verlor ich erstmal die Lust daran.
Ungefähr ein Jahr später, damals war das Wettfischen in der ehemaligen DDR noch modern und stand in hoher Blüte, drückte man mir völlig unvorbereitet eine Fliegenrute in die Hand und meinte, ich solle die Disziplin Dreikampf(Friedfischangeln-Spinnangeln-Fliegenfischen) auch belegen.
Nachdem ich meine Bedenken in Punkto Unfähigkeit anmeldete sagte man mir in etwa, "Du sollst die Disziplin nur belegen, damit du in die Wertung kommst, tu einfach so oder setz dich die 3 Stunden ins Gras, die anderen haben größtenteils auch keine Ahnung und an Fischen kommt hier an dem Kanal auch nichts raus!"
Ich tat wie mir geheißen, in dem ich so tat als ob...........
Bei diesem "so tun" passierte nun folgendes, bei so einer Art Rückschwung, also sagen wir mal so, wenn ich die Schnur von der Wasseroberfläche zerrte, wo ich sie vorher mit Mühe 5m hingeklatscht hatte, flog mit einem Mal was kleines , zappelndes durch die Luft.
Die Nachsuche hinter mir in den Brennesseln ergab einen Ukelei(Laube).
Das passierte 2 mal.............
Als dann die einzige Fliege die man mir gegeben hatte irgendwo abhanden gekommen war, setzte ich mich, wie geheißen ins Gras und wartete bis der Spuk ein Ende hatte.
Sehr erstaunt war ich dann allerdings, als ich zum Sieger der Disziplin ausgerufen wurde, meine beiden Ukeleis, die zusammen das beachtliche Gewicht von 60g auf die Waage brachten, waren die einzigen Fische des Tages...............
Darauf hin kaufte ich mir eine richtige Fliegenrute..............
Das Teil habe ich selbstverständlich noch!
Ich spielte damit auch noch ein bisschen herum, ließ es aber wieder sein.
Als ich dann mein erstes Kraftfahrzeug, ein olles Moped besaß, erweiterte sich mein angelrischer Wirkungskreis erheblich.
Dabei wurde ich auch mit der Tatsache konfrontiert, daß es in meiner Nähe sogar Salmonidenstrecken gab.
Da kam ich aber nicht so einfach rann..............mir fehlte dazu eine spezielle Prüfung, die es damals in der DDR gab.
Die war an sich kostenlos und für jeden organisierten Angler zugäglich, aber...................es gab hier niemanden der sie abnehmen wollte, sollte, durfte, konnte...........
Wie sich herausstellte lag es aber nur am Wollen!
Die Jungs wollten einfach nicht.
Also hab ich sie ausgetrickst, in dem ich die Prüfung im Urlaub im Harz in einem dortigen Verein machte, dort war das völlig normal, es gab ja auch reichlich Salmonidengewässer.
In der nächsten Saison, stand ich dann behördlich geprüft am Bach, wo ich mit der Spinnrute sehr gute Erfolge erzielte, aber immer nur bis zum Beginn der Maifliegenzeit, dann sanken meine Fangerfolge und die Kollegen mit der Fliege waren haushoch überlegen.
Da ich beim Angeln Fische fangen will, kam ich in Zugzwang.
Ich ging also in den Keller, wo meine Fliegenrute so vor sich hin einstaubte und holte sie zurück ans Licht, ging in den nächsten Buchladen und kaufte mir W.Zeiske "Modernes Flugangeln"............
Mit dieser "Bibel" gings erstmal wieder auf die Wiese hinterm Haus oder an den nächsten See.
Nachdem ich dann noch in Besitz einer richtigen tschechischen Fliegenschnur kam, machte ich leichte Fortschritte, ich konnte so 10m ziemlich sicher erreichen.
Mit ein paar gekauften Fliegen tobte ich nun an den Bach.
Die Fliegen waren nicht der Brüller, kamen aber von einer Firma "Müller"......
Welche einen kleinen Versandhandel betrieb, der mit folgendem Spruch in unserer Angelzeitung warb" Ein Knüller von Müller, eine fängt immer! 12 Fliegen, für jede Jahreszeit eine! Ein Sortiment 12,-Mark"
Der arme Herr Müller muß mächtig überlastet gewesen sein, vertröstete er doch erstmal per Postkarte auf Nachlieferung.............
Nun stand ich also mit den Müller-Fliegen am norddeutschen Bach, mit seinen dicken Maifliegen und den nicht weniger dicken Forellen und Döbeln..............
Nun war dabei leider kein Muster, daß einer Maifliege nahe kam, trotzdem gelang mir der Fang eine kleineren Döbels.
Ein mitleidiger Fliegenfischer, der mich beobachtet hatte schenkte mir dann eine selbstgebundene Maifliege, begann dann auch ein wenig mich in der Werferei zu belehren.
Siehe da ich fing an Fische zu fangen!
Darauf hin habe ich die Fliegenrute nie mehr in die Ecke gestellt.
Ich bin den harten Weg gegangen, habe vor mich hin geübt, habe viele Fehler gemacht, insbesondere gerätetechnische, weil ich mir jeden Blödsinn kaufte, oft das völlig Unangebrachte.
Habe dann mit der Zeit aus meinen Irrtümern gelernt und habe natürlich viel bei anderen Leuten abgeguckt.
Meine Motivation war immer die des Fischefangens, nicht irgendwelche idealistischen Hintergründe.
Es war in der damaligen Zeit nicht so ganz einfach, es gab nur ganz wenig Gerät, ein Modell einer Fliegenrolle, vielleicht 2 Rutenmodelle, die fürchterliche Parallelschnur und nur ganz selten mal, als Importware die wesentlich besseren tschechischen Fliegenschnüre, die schon richtige DT-Schnüre waren, jedoch obwohl als Schwimmschnur bezeichnet, kaum zum Schwimmen zu bekommen waren.
Fliegenbindematerial gab es nicht zu kaufen, auch keine Fliegenhaken.
Man musste auf Federn die man fand oder von Geflügelzüchter zurück greifen, da wurde so mancher "verunfallte" Mäusbussard gerupft, mancher Faschings-Indianerschmuck zweckentfremdet, jeder Kurzwarenladen, Mutters Nähkasten und Wollvorräte durchforstet, schlichtweg, man musste sich was einfallen lassen.
Vorlagen klassischer Muster hatte man kaum, geschweige denn Bindeanleitungen, man musste also zum Selbstentwickler werden, sich viel von der Natur abschauen und viel aus Versuch und Irrtum lernen.
Wurfkurse gab es schon garnicht!
Das wirkt nach, so sagen mir bis heute viele der klangvollen Fliegenbezeichnungen nicht viel, ich muß dann nachgucken, was gemeint ist.
So enstehen meine Fliegenmuster noch heute meist aus gemachten Erfahrungen und unterliegen ständiger Veränderung.
Manches Muster wird dann eben so einfach aus dem Bauch heraus gebunden, ein klassisches Vorbild interessiert mich dabei wenig.
Ich bin auch kein Schönbinder, meine Fliegen sollen Fische fangen und halten.
Wobei ich jetzt nichts gegen Leute haben, die gern klassische Muster binden, oder es sehr genau nehmen, weil sie das gerne machen.
Werferisch habe ich mich so langsam, mit den steigenden Herausforderungen entwickelt und bin den meisten Gegebenheiten, wie ich sie hier antreffe gewachsen.
Auch hier stand immer im Vordergrund, die Fliege muß immer dahin, wo sie hin soll, wie der Wurf nun hieß, war mir immer völlig "Wurscht".
Wie nun mit der Zeit der Vergleich so ergibt, muß ich mich mit meiner Werferei nicht verstecken.
Ich neige auch in keinster Weise zum Gerätefetischismus, der einzige Anspruch den ich stelle ist, das Zeug muß zueinander passen und gut funktionieren, Name und Preis sind zweitrangig bis völlig unmaßgeblich.
Wichtig aber ist, man hat nie ausgelernt!