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Wie habt Ihr das Fliegenfischen erlernt?

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Wie habt Ihr das Fliegenfischen erlernt?

Beitragvon Lupus » 03.08.2007, 07:48

Hallo Freunde!
Nachdem bei meinem letzten Fangbericht dieses Thema angesprochen wurde und posti eine diesbezügliche "Fred-Eröffnung" :lol: :lol: angeregt hat, komme ich dem Wunsch gerne nach.
Ich hatte in den 70er Jahren jedes Jahr die Sommerferien in Gössl im steirischen Salzkammergut verbracht und fischte mit meinem längst in den ewigen Fischgründen weilenden Freund, Lehrmeister und Original des Toplitzsees, dem Loisl, von den Einheimischen "Schoasanzünda" genannt.
Täglich verbrachten wir am See und schleppten auf Saibling oder fischten mit der Elritze am Tirolerhaken auf Forellen. Da ich schon als Kind einen "Onkel" an die Traisen begleitet hatte und so das Fliegenfischen erstmals live sah, fragte ich Loisl, wie er es denn mit dieser Sparte halte, worauf er verschmitzt entgegnete, das sei seine Spezialität, und tatsächlich brachte er am nächsten Tag eine Fliegenausrüstung mit und demonstrierte es mir eingehendst bei den "Wasserfällen", wo er einige herrliche Bachforellen überlistete und dann noch vom Boot aus über den spiegelglatten See einige Prachtaiteln mit der Trockenen fing.
Ab da war es für mich klar, ich musste auch diese Sparte erlernen. Ich bekam eine Erstausrüstung zu Weihnachten , übte über den Frühjahr "auf der Wiese" anhand dessen was ich bisher sah und auch las, und im Folgejahr konnte ich es das erste Mal probieren. Ich muss vorrausschicken, dass vor allem das Fliegenfischen vom Boot recht günstig war, denn da fielen die üblichen Anfängerfrustrationen wie Hänger weg, und ein paar Aiteln und sogar Forellen sorgten für das nötige Erfolgserlebnis.
Nachdem leider der Fischbestand dort immer schlechter wurde und dann mein großväterlicher Freund und Lehrer auch nach langem Leiden verstorben war, bedeckte ein Schleier des Vergessens meine Jugendbeziehung zu Salmoniden und auch Fliegenfischen.Die nächsten zweieinhalb Jahrzehnte widmete ich mich anderen Angelarten.
Nun gibt es dieses Phänomen, wo man ab Mitte 40 einen starken Wunsch verspürt, Jugenderinnerungen nachzuerleben und es erwachte langsam aber kontinuierlich der Wunsch, wieder in die herrliche Fliegenfischerei einzusteigen.
Den Beginn dieses weiteren Verlaufes möchte ich hier nicht wiederholen, er steht in folgender Geschichte, die ich nach meinem ersten Erfolgserlebnis nach 25 Jahren niedergeschrieben hatte:
http://www.angelforum.at/forum/ftopic1906.html
Und der Rest ist Geschichte.
Gruss und Petri. Lupus
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Beitragvon Biggeron » 03.08.2007, 07:51

Ich hab in Mariazell einen Kurs gemacht beim Herrn Pijawetz Armin :)
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Beitragvon posti » 03.08.2007, 08:13

Nun, da darf ich mich dann auch gleich "outen". Ich angle nunmehr seit ungefähr 20 Jahren. In dieser Zeit hab ich ausser Wallerfischen so ziemlich alles ausprobiert und wieder verworfen. Irgendwie hab ich mir immer schon gedacht, Fliegenfischen das wär was. Aber wie es halt ist mit Familiengründung, chronischem Geldmangel, etc... hab ich es immer wieder hintangestellt weil "es ohnehin viel zu teuer" sei (Fehleinschätzung meinerseits).
Ich bin einer der Glücklichen, bei denen die "Beste Ehefrau von allen" (nach Ephraim Kishon) auch schon von Kindheit an, die Angel schwingt. Allerdings war ihr das Ansitzangeln immer zu langweilig. Zitat: "da kann ich stricken auch" (sie hasst stricken ;-) ), und Spinnfischen immer zu anstrengend. Allerdings jedesmal, wenn wir einen Fliegenfischer gesehen haben, war sie sofort Feuer und Flamme "das wär genau das Richtige für mich!".
Als wir dann einem Verein beigetreten sind, bei dem's auch eine Gruppe Fliegenfischer gibt, kam dann das Eine zum Anderen. Ein Angelkollege hat uns an einem Teich die Grundzüge dieser hohen Kunst gezeigt - begriffen haben wir nix ;-) . Aber der Grundstein war gelegt - ich hab uns beide zu einem Kurs beim Roman Moser angemeldet - die Beste Entscheidung seit langem. In den 4 Tagen wurde uns so richtig der Gebetsroither-Stil eingedrillt.
Meine Bessere Hälfte nimmt das Fliegenfischen so richtig als Mittel zur Entspannung, ich bin von uns Beiden der Besessene geworden. So hab ich heuer im Frühjahr gleich einen Trickwurfkurs besucht (mit Sicherheit nicht der Letzte), und es nicht bereut. Ich kann die Trickwürfe (Switchcast, Parachute und Co.) zwar immer noch nicht, aber wenigstens weiß ich jetzt warum das so ist *kleines Scherzal*.
Mittlerweile angle ich auf so ziemlich Alles, das eine Fliege nimmt (ausser Aal).
posti
 

Beitragvon Justinas » 03.08.2007, 08:39

@Lupus - interessante wende mitte 40er...nach barüchtigten krisen klingt es bei Dir nicht, eher nach neuen energien :)

als ich aus der sehnsucht nach der anwesenheit am wasser letztes jahr entschied, zu fischen, wusste ich noch nicht, dass es fliegenfischen wird. in der tat - zu dem zeitpunkt hatte ich null ahnung, was das ist - und nur leisen schimmer, dass es die methode überhaupt gibt. dann habe ich über angelmöglichkeiten in österreich gelesen und kam auf fliegenfischen - allein beschreibungen darüber haben mich auf anhieb begeistert und so habe ich gelernt: über winter einen haufen bücher gelesen (alles wäre nicht notwenidig gewesen, hat aber spass gemacht - war herrliche unterhaltung an trüben wintertagen), ebenfalls die beiträge hier im forum, das werfen dann auf der wiese anhand buchbeschreibungen und einem lernvideo geübt, anschliessend noch ein bisschen auf dem wiesentreff der forumsmitglieder und dann ging es auch schon los im märz, sobald ich die lizens für den fluss hatte. im mai habe ich noch den kostenlosen kurs von herrn Klejch besucht, der durch paar tipps und tricks zur verfeinerung meiner wurftechnik beitrug.

also hoffentlich kling dieser "schulweg" jetzt nicht zu kompliziert und aufwendig - für mich war alles jedenfalls recht einfach und ich möchte jeden neugierigen und lernwilligen nur ermutigen, diese urige art des fischens auszuprobieren!

servus!
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Beitragvon Lupus » 03.08.2007, 09:05

@Hallo Posti!
Auch sehr interessanter Werdegang. Und dass Deine Frau auch Interesse daran gefunden hat..., meine - obwohl ansonsten eher sportlich - begleitet mich beim Fischen lieber beim Sitzangeln.
@ Justinas: Du bist unser Paradebeispiel eines Senkrechtstarters. Ich freue mich, dass ich Deinen Wiedereinstieg in die Fischerei und damit gleichzeitig Deinen Werdegang als Fliegenfischer nahezu lückenlos verfolgen konnte: Erst beim Wiesenwurftreff, dann anhand Deiner tollen Berichte.
Gruss. Lupus
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Beitragvon Redmire Pool » 03.08.2007, 09:08

Hallo!

Also ich hab das Fliegenfischen leider noch nicht erlernt - aber diese Art zu fischen finde ich sehr interessant und würde mich neben dem Karpfenwacken sehr interessieren - leider fehlt mir die Zeit und das Geld um beides orgentlich zu betreiben!
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Beitragvon posti » 03.08.2007, 09:20

Servus Lupus,
Lupus hat geschrieben:@Hallo Posti!
Auch sehr interessanter Werdegang. Und dass Deine Frau auch Interesse daran gefunden hat..., meine - obwohl ansonsten eher sportlich - begleitet mich beim Fischen lieber beim Sitzangeln.

es war eigentlich nicht so, dass meine Frau "auch daran Interesse" gefunden hat, sondern SIE war tatsächlich die treibende Kraft dahinter. Hätte meine Frau es nicht immer öfter erwähnt, dass das genau das Richtige wär - ich hätt's noch bis zur Pension aufgeschoben ;-)
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Beitragvon Lupus » 03.08.2007, 09:23

Redmire Pool: Ja es ist schon klar. Gerade das gezielte Großkarpfenfischen erfordert doch viel mehr Zeitaufwand als andere Angelarten und es ist eben die Entscheidung des Einzelnen: Will ich mich spezialisieren und wo top sein (und das gilt nicht nur für das Karpfenfischen, sondern für alle anderen Sparten auch) , dann muss ich wissen worauf ich mich einlasse.
Ich bin überzeugt, dass wir alle aber auf unsere Art eine Riesenfreud an der Fischerei haben, egal unter welchem Blickwinkel wir die Prioritäten setzen. Ich selber betrachte mein Fischen eben immer so als eine Art "Fleckerlteppich": von allem etwas...
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Beitragvon Redmire Pool » 03.08.2007, 09:28

@lupus

Also spätestens beim Lotto 6er (also nie :? :( ) fang ich auch noch mit dem Fliegenfischen an - dann hab ich Zeit ohne Ende und auch 2 Monate (Jänner - Feb) für meine Frau... :wink: :lol:
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Beitragvon Hellvis » 03.08.2007, 09:44

Hallo,
ich habe auch vor ca 1 Monat einen Anfängerkurs in Gmunden besucht (2 Tage). Ich bin seit einigen Jahren hier wohnhaft und muss sagen, als Angler im Salzkammergut nicht mit der Fliege zu fischen ist bei der Auswahl an Top-Gewässern schon ein Verbrechen.
Auch bei mir war jemand anderer im Spiel: aus Kostengründen hätte ich nicht von selbst begonnen - nicht weil es mir zu teuer gewäsen wäre, sondern weil ich nicht als Geldverschwender dastehen wollte. Jedenfalls bekam ich von der "Kontrollinstanz" einen Kurs als Weihnachtsgeschenk und damit ist auch jede Folgeausgabe nicht durch mich verursacht.
Habe für dieses Jahr noch einige Tagesausflüge vor (Gmundner Traun möchte ich einmal und auch zur Ager). Einmal sehen, wie viel ich dann wieder verlernt habe.
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Beitragvon Thymallus » 03.08.2007, 09:58

Hallo Leute,

ich habe mir das Fliegenfischen im zarten Alter von 12 Jahr im schönen Kaunertal in einem kleinen glasklaren Bächlein selbst beigebracht. Habe mir dadurch einige Fehler im Bewegungsablauf angewöhnt und kann keine "Spezialwürfe". Ich komme trotzdem an den verschiedenen Gewässer klar und fange meine Fische. Das WICHTIGSTE es macht mir viel Spaß.

PS: Ein Kurs wo man ein paar Spezialwürfe lernt und den einen oder anderen Trick erfährt wäre vielleicht trotzdem nicht so schlecht.
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Beitragvon Eastpark » 03.08.2007, 13:53

HI

Habs mir auch selbst "gelernt".. Werde zwar nciht, diese Perf. Würfe wie andere Schaffen,Aber mit Wurfweiten von 20m Kann ich durchaus mithalten. Für mich Reichts, ganz ehrlich.. Und ich hab ne menge Spass dabei. Das einzige, was ich noch immer ned behersch, is das fischen mit ner Nassfliege oder ähnliches...
Rapid Wien

Lasst mich 1 Woche Mod sein :D

Nennt mich Forensuche...
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Beitragvon Andi_330ci » 04.08.2007, 12:33

Habe es mir auch selbst gelernt, vorher viel zu gesehen und mit einigen Fliegenfischern am Wienfluss damals über meine Fehler und über Verbesserugen gesprochen... kann zwar nicht irgendwelche Kunstwerkswürfe, aber die Fliege kommt meistens im Normalfall immer dort hin wo sie ungefähr in soll!! Ohne "Schnurklatschern" am Wasser :wink:
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Beitragvon Wolfgang » 04.08.2007, 14:15

Insgesamt angle ich jetzt über 40 Jahre, ich fing mit 11 Jahren an, da ich in dieser Zeit überhaupt das erste Mal mit dem Angeln in Kontakt kam.
Das ergab sich aus dem Umzug in eine wasserreiche Gegend.
Die ersten Anfänge mit der Fliegenfischerei machte ich so mit 14 Jahren, nachdem ich im Urlaub mal mit einem Fliegenfischer in Kontakt kam.
Mir gefiel das einfach und ich wollte es auch können.
Eine Fliegenrute hatte ich nicht, ich behalf mir mit den beiden vorderen Teilen einer Art Matchrute, hinten passte ein alter Korgriff mit Schieberingen von einer Vollglaskinderangel hinein, den ich vorher einfach abgesägt hatte, eine Fliegenrolle einfachster und billigster Art besaß ich, eine Fliegenschnur ebenso einfacher und billiger Art kaufte ich mir, nebst einiger ebenso primitiver Fliegen.
Die Schnur war eine Parallelschnur, welche fürchterlich kringelte.
Ich übte eine Weile auf der Wiese oder am See, wenn mich keiner sah...........
Ich übte nach einem Buch, in dem allerdings zum Fliegenfischen nicht viel drinn stand.
Da ich mit meiner Werferei nicht so recht weiter kam, verlor ich erstmal die Lust daran.
Ungefähr ein Jahr später, damals war das Wettfischen in der ehemaligen DDR noch modern und stand in hoher Blüte, drückte man mir völlig unvorbereitet eine Fliegenrute in die Hand und meinte, ich solle die Disziplin Dreikampf(Friedfischangeln-Spinnangeln-Fliegenfischen) auch belegen.
Nachdem ich meine Bedenken in Punkto Unfähigkeit anmeldete sagte man mir in etwa, "Du sollst die Disziplin nur belegen, damit du in die Wertung kommst, tu einfach so oder setz dich die 3 Stunden ins Gras, die anderen haben größtenteils auch keine Ahnung und an Fischen kommt hier an dem Kanal auch nichts raus!"
Ich tat wie mir geheißen, in dem ich so tat als ob...........
Bei diesem "so tun" passierte nun folgendes, bei so einer Art Rückschwung, also sagen wir mal so, wenn ich die Schnur von der Wasseroberfläche zerrte, wo ich sie vorher mit Mühe 5m hingeklatscht hatte, flog mit einem Mal was kleines , zappelndes durch die Luft.
Die Nachsuche hinter mir in den Brennesseln ergab einen Ukelei(Laube).
Das passierte 2 mal.............
Als dann die einzige Fliege die man mir gegeben hatte irgendwo abhanden gekommen war, setzte ich mich, wie geheißen ins Gras und wartete bis der Spuk ein Ende hatte.
Sehr erstaunt war ich dann allerdings, als ich zum Sieger der Disziplin ausgerufen wurde, meine beiden Ukeleis, die zusammen das beachtliche Gewicht von 60g auf die Waage brachten, waren die einzigen Fische des Tages...............
Darauf hin kaufte ich mir eine richtige Fliegenrute..............
Das Teil habe ich selbstverständlich noch!
Ich spielte damit auch noch ein bisschen herum, ließ es aber wieder sein.

Als ich dann mein erstes Kraftfahrzeug, ein olles Moped besaß, erweiterte sich mein angelrischer Wirkungskreis erheblich.
Dabei wurde ich auch mit der Tatsache konfrontiert, daß es in meiner Nähe sogar Salmonidenstrecken gab.
Da kam ich aber nicht so einfach rann..............mir fehlte dazu eine spezielle Prüfung, die es damals in der DDR gab.
Die war an sich kostenlos und für jeden organisierten Angler zugäglich, aber...................es gab hier niemanden der sie abnehmen wollte, sollte, durfte, konnte...........
Wie sich herausstellte lag es aber nur am Wollen!
Die Jungs wollten einfach nicht.
Also hab ich sie ausgetrickst, in dem ich die Prüfung im Urlaub im Harz in einem dortigen Verein machte, dort war das völlig normal, es gab ja auch reichlich Salmonidengewässer.
In der nächsten Saison, stand ich dann behördlich geprüft am Bach, wo ich mit der Spinnrute sehr gute Erfolge erzielte, aber immer nur bis zum Beginn der Maifliegenzeit, dann sanken meine Fangerfolge und die Kollegen mit der Fliege waren haushoch überlegen.
Da ich beim Angeln Fische fangen will, kam ich in Zugzwang.
Ich ging also in den Keller, wo meine Fliegenrute so vor sich hin einstaubte und holte sie zurück ans Licht, ging in den nächsten Buchladen und kaufte mir W.Zeiske "Modernes Flugangeln"............
Mit dieser "Bibel" gings erstmal wieder auf die Wiese hinterm Haus oder an den nächsten See.
Nachdem ich dann noch in Besitz einer richtigen tschechischen Fliegenschnur kam, machte ich leichte Fortschritte, ich konnte so 10m ziemlich sicher erreichen.
Mit ein paar gekauften Fliegen tobte ich nun an den Bach.
Die Fliegen waren nicht der Brüller, kamen aber von einer Firma "Müller"......
Welche einen kleinen Versandhandel betrieb, der mit folgendem Spruch in unserer Angelzeitung warb" Ein Knüller von Müller, eine fängt immer! 12 Fliegen, für jede Jahreszeit eine! Ein Sortiment 12,-Mark"
Der arme Herr Müller muß mächtig überlastet gewesen sein, vertröstete er doch erstmal per Postkarte auf Nachlieferung.............
Nun stand ich also mit den Müller-Fliegen am norddeutschen Bach, mit seinen dicken Maifliegen und den nicht weniger dicken Forellen und Döbeln..............
Nun war dabei leider kein Muster, daß einer Maifliege nahe kam, trotzdem gelang mir der Fang eine kleineren Döbels.
Ein mitleidiger Fliegenfischer, der mich beobachtet hatte schenkte mir dann eine selbstgebundene Maifliege, begann dann auch ein wenig mich in der Werferei zu belehren.
Siehe da ich fing an Fische zu fangen!

Darauf hin habe ich die Fliegenrute nie mehr in die Ecke gestellt.
Ich bin den harten Weg gegangen, habe vor mich hin geübt, habe viele Fehler gemacht, insbesondere gerätetechnische, weil ich mir jeden Blödsinn kaufte, oft das völlig Unangebrachte.
Habe dann mit der Zeit aus meinen Irrtümern gelernt und habe natürlich viel bei anderen Leuten abgeguckt.

Meine Motivation war immer die des Fischefangens, nicht irgendwelche idealistischen Hintergründe.
Es war in der damaligen Zeit nicht so ganz einfach, es gab nur ganz wenig Gerät, ein Modell einer Fliegenrolle, vielleicht 2 Rutenmodelle, die fürchterliche Parallelschnur und nur ganz selten mal, als Importware die wesentlich besseren tschechischen Fliegenschnüre, die schon richtige DT-Schnüre waren, jedoch obwohl als Schwimmschnur bezeichnet, kaum zum Schwimmen zu bekommen waren.
Fliegenbindematerial gab es nicht zu kaufen, auch keine Fliegenhaken.
Man musste auf Federn die man fand oder von Geflügelzüchter zurück greifen, da wurde so mancher "verunfallte" Mäusbussard gerupft, mancher Faschings-Indianerschmuck zweckentfremdet, jeder Kurzwarenladen, Mutters Nähkasten und Wollvorräte durchforstet, schlichtweg, man musste sich was einfallen lassen.
Vorlagen klassischer Muster hatte man kaum, geschweige denn Bindeanleitungen, man musste also zum Selbstentwickler werden, sich viel von der Natur abschauen und viel aus Versuch und Irrtum lernen.

Wurfkurse gab es schon garnicht!

Das wirkt nach, so sagen mir bis heute viele der klangvollen Fliegenbezeichnungen nicht viel, ich muß dann nachgucken, was gemeint ist.
So enstehen meine Fliegenmuster noch heute meist aus gemachten Erfahrungen und unterliegen ständiger Veränderung.
Manches Muster wird dann eben so einfach aus dem Bauch heraus gebunden, ein klassisches Vorbild interessiert mich dabei wenig.
Ich bin auch kein Schönbinder, meine Fliegen sollen Fische fangen und halten.
Wobei ich jetzt nichts gegen Leute haben, die gern klassische Muster binden, oder es sehr genau nehmen, weil sie das gerne machen.

Werferisch habe ich mich so langsam, mit den steigenden Herausforderungen entwickelt und bin den meisten Gegebenheiten, wie ich sie hier antreffe gewachsen.
Auch hier stand immer im Vordergrund, die Fliege muß immer dahin, wo sie hin soll, wie der Wurf nun hieß, war mir immer völlig "Wurscht".
Wie nun mit der Zeit der Vergleich so ergibt, muß ich mich mit meiner Werferei nicht verstecken.

Ich neige auch in keinster Weise zum Gerätefetischismus, der einzige Anspruch den ich stelle ist, das Zeug muß zueinander passen und gut funktionieren, Name und Preis sind zweitrangig bis völlig unmaßgeblich.

Wichtig aber ist, man hat nie ausgelernt!
Wolfgang
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Beitragvon posti » 04.08.2007, 15:33

@Wolfgang: na das nenn ich einen Anglerischen Werdegang.

Wolfgang hat geschrieben:...
.....Ich bin auch kein Schönbinder, meine Fliegen sollen Fische fangen und halten.

genau das ist auch der Sinn von Kunstfliegen. Egal, ob sie nun getauft, oder Heiden geblieben sind ;-)
....
Wichtig aber ist, man hat nie ausgelernt!

100%ige Zustimmung. Man hört beim Angeln erst dann zu lernen auf, wenn man nicht mehr ans Wasser kann.
posti
 

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