Mur Südlich von Graz

Fluss und Bach
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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von Dino2002 » 20.05.2020, 15:12

Liebe Anglerkollegen,

ich möchte mal zur Mur Süd folgendes zur Diskussion stellen:

Seit heuer habe ich nach längerem die Mur Karte wieder genommen und jetzt eure Berichte und die Beobachtungen über die Fangerfolge gelesen, die teilweise da sind, aber die Masse von euch berichtet durchwegs nichts Positives.
Ich habe intensivst gefischt und die bescheidenen Erfolge decken sich mit euren.

Fischereilich bin ich sicher nicht der Wunderwuzzi, aber ich fische 40 Jahre lang, kenne deswegen die Mur sehr gut und fische recht erfolgreich an der Donau, Drau, Sava,…. mit dem Feederkorb und der langen Bolognese. Die Verhältnisse dort sind manchmal auch mehr als schwierig und das Fangen kein Selbstläufer.

Was mich am meisten betroffen macht an der Mur, ist das völlige Fehlen von Rotaugen, Rotfedern, Lauben, Brachsen und Co.

Ich behaupte mal, dass dies mit ein Grund sein könnte, warum wir unseren Fischbestand bei den anderen Fischarten auch nicht wirklich in die Höhe bringen bzw. dass unsere Artenvielfalt sich auf extrem wenige Fischarten beschränkt.
Ich möchte natürlich auch Karpfen, Zander,…. fangen, sehe unsere Aufgabe als Fischer aber auch in der ökologischen Verantwortung und Gestaltung unserer Gewässern.

Das Hauptproblem ist natürlich der Kormoran, Fischotter,…… aber auch die fehlenden Strukturen in der Mur südlich von Graz. Die Mur ist hier nichts anderes als eine schnurgerade Wasserautobahn.

Die Kormorane, Fischotter … finden bei uns aber überhaupt keine andere Fischerarten als Nahrung als die (Jung-)fische von Karpfen, Barben, Hechten, Zandern, Huchen, Forellen,….. das bedeutet also, dass wir die Fischfresser, recht teuer mit unseren Besatzmaßnahmen füttern.

Folgendes Rechenbeispiel stelle ich einmal in den Raum zur Verdeutlichung des Fehlens von Kleinfischen:

Wir haben ein Gewässer mit 100 Fischen die sich aus Karpfen, Barben, Zandern, Forellen …… zusammensetzen und wir haben eines mit 150 Fischen, mit der gleichen Anzahl an Karpfen,…… aber eben zusätzlich 50 Stück an Rotaugen, Rotfedern, Brachsen, Lauben ……..

Ich behaupte mal kühn, dass sich der gesamte Fischbestand im zweite Gewässer mittel- bis langfristig besser entwickeln kann. Vielleicht kommt irgendwann auch eine Einschränkung der Kormoran und Fischotterbestände (Halleluja!!)

Die Belebung des Bestandes mit Kleinfischen ist sicherlich nicht der Stein der Weisen, kann aber ein Schritt sein in eine andere Richtung. Das kann aber nicht kurzfristig erfolgen und Früchte tragen, sondern
sollte mittelfristig zumindest einmal versucht werden.

PS: Das Zitat meines ungarischen Vermieters zu den Kormoranen will ich euch nicht vorenthalten: „ Was willst du mit den Kormorane machen und schießen, die Vögel kannst du nicht mal essen“ ☹
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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von Polsi » 20.05.2020, 15:43

Dino2002 hat geschrieben:
20.05.2020, 15:12
Liebe Anglerkollegen,

ich möchte mal zur Mur Süd folgendes zur Diskussion stellen:

Seit heuer habe ich nach längerem die Mur Karte wieder genommen und jetzt eure Berichte und die Beobachtungen über die Fangerfolge gelesen, die teilweise da sind, aber die Masse von euch berichtet durchwegs nichts Positives.
Ich habe intensivst gefischt und die bescheidenen Erfolge decken sich mit euren.

Fischereilich bin ich sicher nicht der Wunderwuzzi, aber ich fische 40 Jahre lang, kenne deswegen die Mur sehr gut und fische recht erfolgreich an der Donau, Drau, Sava,…. mit dem Feederkorb und der langen Bolognese. Die Verhältnisse dort sind manchmal auch mehr als schwierig und das Fangen kein Selbstläufer.

Was mich am meisten betroffen macht an der Mur, ist das völlige Fehlen von Rotaugen, Rotfedern, Lauben, Brachsen und Co.

...
Ich bin zwar kein Murangler und habe nur vor Jahren das eine oder andere Mal an der Mur südlich von Graz auf Barben gefischt, aber dasselbe Schicksal betrifft ja viele Flüsse.

Schau, die Rechnung ist doch ganz einfach und bedarf gar keine großen Diskussion:

Schnurgerade Wasserstraße
+ fehlende Laichgründe
+ jede Menge Fischräuber
+ hauptsächlich Totschlag-Angler
= keine Fische.

So viel kannst du gar nicht besetzen, dass man da ansatzweise von einem Bestand reden könnte, ganz egal, ob Kleinfischarten oder nicht. Ganz zu schweigen von einem annähernd natürlichen Bestand, da es ja auch kein natürliches Gewässer mehr ist. Genauso könntest du dich wundern, warum in den Betonbecken bei Forellenzüchter XY kein ausgewogener Fischbestand vorkommt (überspitzt formuliert).
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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von OHKW » 20.05.2020, 17:12

Die Rechnung läuft sogar ohne Fischräuber auf das selbe Ergebnisse hinaus.

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von Lupus » 22.05.2020, 07:39

Hallo Dino !

Danke für den interessanten Beitrag, der wohl allgemein auch auf andere Gewässer übertragen werden kann.

Mir machte an meinem Hausgewässer auch bissl Sorgen, dass Rotaugen, Rotfedern und Brassen ins Hintertreffen kommen. Ich war im März/April mehrmals Friedfischangeln und fing zwar Karpfen und sogar Schleien, aber es fehlten Bisse von Brassen oder Plötzen, obwohl ich nur mit Dosenmais angelte.
Früher als Junger wo ich nur "Karpfen" oder bestenfalls noch "Schleien" wollte, ärgerte ich mich, wenn sich ein Trupp Brassen einfand oder Plötzen und Rotfedern am Köder zuppelten. Heute hätte ich gerne bissl mehr Abwechslung drinnen.
Schleienangeln früher bedeutete, dass man sich erst durch Unmengen "Kleinfische" durchangeln musste, bis endlich eine Schleie anbiss. Heute beisst außer der Schleie vielleicht gar nichts, weil da offensichtlich was fehlt.
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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von konfuzius6699 » 22.05.2020, 13:13

Früher wo das Wasser eigentlich sehr verschmutzt war, der Naturschutz noch nicht relevant war gabs eigentlich viel mehr Fische in den Gewässern als jetzt. Also klares Wasser in Trinkqualität und viele geschützte fischfressende Räuber, die keine natürlichen Feinde sonst haben, sich rasch vermehren können ist für viele Fische doch nicht so ideal. Oder essen die Angler nun so viel mehr die nicht vergifteten Fische . Ich finde die Denkweise und Umsetzung des Naturschutzes in manchen Bereichen viel zu einseitig und dass man oft zu sehr zB Comoran und Fischotter schützt und dabei das Angebot an Grundnahrung die sie bei steigender Populatio benötigen einfach vernachlässigt, obwohl diese auch seit Jahren schon ständig rückläufig ist, obwohl man die letzten Jahrzehnt schon so viel für sauberes Wasser, Lebensraum für Vögel gemacht hat...

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von Dino2002 » 22.05.2020, 16:01

Das die Mur damals als sie grausam dreckig war eine höhere Fischdichte hatte, habe ich auch beobachtet. Was haben wir Nasen gefangen, große Rotaugen,.....
Das Wasser war zwar dreckig aber für Zuckmücken und ähnliche Nährtiere die nicht soviel Sauerstoff benötigten ideal.
Wir haben auch in der Mur Nord ganz starke Äschen gefangen.
Aber die Entwicklung mit dem Kormoranen ist absolut gegenläufig gewesen. Kormoran Bestand rauf - Fischbestand runter.

Was machen wir also ? Warten auf den Gewässer Rückbau ? Das ist bei uns an der Mur durch die Dämme für die E-Industrie technisch nicht mehr möglich.
Die Fischaufstiegsaufstiegshilfen sind der absolute Witz. Es gibt keine Leitströmung bei den Anlagen,.....

Kormoran und Fischotter werden in absehbarer Zeit auch nicht weniger werden. Das ist vor allem ein politisches Thema.
Mit den (einseitigen) Natur- und Vogelschützern will sich keiner anlegen. Kein Landesjägerverband, keine BH, kein Landesoberhaupt,...…

Aktuell setzen wir um viel Geld Besatzfische die das einzige Fischfutter sind, dass die Fischjäger anfinden.

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von Lupus » 23.05.2020, 10:20

das mit früher verdreckten Flüssen und mehr Fischen habe ich auch in Wien erlebt. Der Donaukanal war früher die reinste Kacke-Brühe. Was das stank dort und was für unappetitliche Sachen einem da an Schnur und Montage hängen blieben. Ich glaube, alle Klo´s von Wien und alle Marktabfälle wurden da reingeleitet, aber Fische gab es am laufenden Band. Nasen, Alande, große Bleie, Plötzen, und für besondere Glückspilze auch mal einen Karpfen.

Im Hauptstrom war das Wasser auch sehr dreckig, vor allem unterhalb von Wien.

Die Mur hatte ich auch so um 1975 gesehen. Angeblich der verschmutzsteste Fluss von Österreich. Und ich konnte nicht glauben, dass mir Grazer Fischer sogar erzählte, dass er dort große Forellen fängt. Fragte ich ihn, was er damit macht, sagte er "verschenken". Ich: "Waaaaas", wer isst denn das? Worauf er sagte, ich sag ja nicht dazu, dass sie aus der Mur sind........

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von OHKW » 23.05.2020, 11:13

Gibt genug verdreckte Flüsse in denen fast gar nichts mehr lebt. Der Schluss dass der Dreck die Ursache für den Fischreichtum ist, kann auch ziemlich fehlgeleitet sein. Kann sein, dass der Fischbestand TROTZ Dreck noch gut wat, weil Verbau etc. noch nicht so weit fortgeschritten, oder dass der Dreck von Gestern die Ursache für den schlechten Bestand von heute ist, bzw. der unverdreckte unverbaute Zustand von Vorgestern die Ursache vom guten Bestand von gestern (trotz Dreck). Kann auch sein, dass die "Düngung" einen kurzfristigen Boom und einen langfristigen Niedergang bewirkt.
Nachdem die meisten Angelurlaube an saubere Gewässer mit hohem Fischbestand gehen, würde ich zumindest mal behaupten dass der Dreck nicht "notwendig" ist für gute Bestände.

Ich finde das das Ganze etwas gefährlich die Leute auf dumme Gedanken zu bringen.
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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von konfuzius6699 » 23.05.2020, 20:07

Ja klar dass "vergiftete" Flüsse auch keinen Bestand haben, aber in klaren Gewässer wo alles begradigt ist es keine Verstecke gibt , jagt es sich sicherlich besser für Comoran und Otter und andere. Und dass ein nur verdrecktes Wasser mit Nahrungsresten etc , das eben mit Närstoffen und damit auch vermehrt mit diversen Insekten und Kleingetier voll ist die sich davon ernähren, kann man zu dem Schluss kommen, dass es in zweierlei Hinsicht mehr Nahrung für diverse Fische gibt.Dass mehr Nahrung mehr Fische hervorbringt, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Ich kann mich an damals erinnern am Völkermarkter Draustau wo der Zufluss ist, glaub war Abwasser von Papierfabrik... das hat gestunken aber ich habe dort als Kind im Minutentakt Brachsen gefangen ....
Und in meiner Behauotung muss man auch dass sehen das solch ein Brackwasser auch eben nur für bestimmte Fische ideal ist...
Egal wie man es sieht, es gibt mal zu wenig von dem und dann von dem. Wäre genug Nahrung und Deckung für Weißfische , wären viel mehr vorhanden und es würden auch die Fänge der Räuber dann nicht so ins Gewicht fallen. Wenn diese sich mit dem übrigen Bestand vollfressen als mit dem sperrlichen Besatz an gezüchteten ....
Auch ist klar ich wünsche mir auch nicht mehr die alten Zeiten mit den ungenießbaren Brackwasserfischen, aber vielleicht doch ein Umdenken in manch Strategie dass von allem mehr vorhanden ist angefangen ganz unten in der Nahrungskette...
Zuletzt geändert von konfuzius6699 am 23.05.2020, 20:12, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von konfuzius6699 » 23.05.2020, 20:07

DOPPELT gepostet

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von goschi » 28.05.2020, 13:18

Brachsen hab ich in 20 jahren vlt. 10 stk gefangen aber Rotaugen und Rotfedern fängt man schon in den Bereichen ober den Wehren.(zwischen den Ornithologen😉)

Auch gibt es Massenweise Schneider(Schneiderlauben sagen die Leibnitzer).

Gewisse Arten fängt man nur an einigen Abschnitten und Stellen regelmäßig (Barsche zb.)

An Aitel und Barben mangelt es auch nicht.

Meine Erkenntniss Nr.1 ist das die Fangerfolge mit Steigenden Temperaturen extrem steigen.

Juli,August,September sind für mich die besten Monate.

Petri

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Re: Mur Südlich von Graz

Beitrag von Dino2002 » 02.06.2020, 20:48

Aha die Gesuchten sind vorhanden. Aber nur in Spuren.

Insgesamt erscheint mir das aber zu wenig was da herum schwimmt, aber ich denke da sind wir einig. Einig sind wir uns auch, dass die teuren
Besatzfische von den Kormoranen, Fischottern gefressen werden.

Die wichtigste Frage ist aber wie den Zustand ändern und den Kleinfisch Bestand vergrößern ???

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