TdM 05/20: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

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TdM 05/20: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 20.05.2020, 16:37

Nachdem ich doch schon ein paar Jahre meine eigenen Köder baue und mich auch viel mit diesem Thema beschäftigt habe ist es an der Zeit wieder mal ein kleines Tutorial zum Thema zu verfassen.

Leider lässt mich das Forum nicht einen Gesamtbeitrag machen, weil zu viele Bilder-URLs verwendet werden. (wär fein, wenn einer der Mods das zusammenführen könnte)

Trotzdem viel Spaß damit!

Vor dem Bauen selber kommt für mich mittlerweile die Arbeit am Computer, denn eine gute Vorlage ist die halbe Miete um später einen schönen Köder zu bekommen. Dabei ist es egal, ob man Vorlagen von anderen Bastlern benutzt, Fotos von am Markt erhältlichen Ködern verwendet, mit CAD entwirft oder eigene Entwürfe einscannt. Sobald etwas digital verfügbar ist, kann man es ganz einfach vergrößern oder verkleinern, spiegeln, vervielfältigen oder ausdrucken.
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Ich drucke meine Vorlagen übrigens auf etwas dickeres Papier, da dies bei einem späteren Schritt einen Vorteil hat.

Die Vorlage wird nun einfach ausgeschnitten und mit einem Klebestick auf 5mm Balsa geklebt. Das hält sicher und kann später auch wieder vorsichtig abgelöst werden.
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Mit dem Cuttermesser kann man nun die beiden Hälften ausschneiden und mit Schleifpapier oder einer Feile punktgenau zurechtschleifen. Ein kleiner Schleifblock mit feinem Schleifpapier ist dafür ein einfaches aber effektives Werkzeug.
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Jetzt wird das Drahtgestell zurechtgebogen. Auch hierfür kann man sich eine Vorlage bauen, oder spezielle Zangen verwenden, aber eine feine Spitzzange und ein kleiner Bohrer mit passendem Durchmesser um die Ösen zu formen tuns auch. Hier verwende ich übrigens 0,5mm Draht aus dem Baumarkt. Zum Wobblerbau gut geeignet, für Spinner oder Spinnerbaits nicht, da nicht gehärtet.
Um die Ausnehmungen für die Gewichte anzufertigen, eignen sich feine Locheisen sehr gut, natürlich kann man dafür auch das Cuttermesser verwenden. Locheisen sind aber für den Köderbau mit Balsaholz sehr, sehr nützliche Werkzeuge.
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Zuletzt geändert von Oze147 am 20.05.2020, 16:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 20.05.2020, 16:40

Anschließend werden die beiden Hälften verklebt. Ein kurzer Trockentest macht dabei Sinn, denn nichts ist frustrierender, als zu merken, dass etwas noch nicht ganz zusammenpasst, wenn schon Kleber aufgetragen wurde. Ich verwende dafür ganz normalen Superkleber, wobei hier beim Zusammenfügen der erste Versuch sitzen muss. Bei Verwendung von 5min Epoxy hat man da noch genug Zeit um notfalls etwas zu korrigieren.
Jetzt kann man die Vorlage vorsichtig ablösen. Wenn das nicht funktioniert, ist es aber halb so schlimm, man muss nur später noch mal eine Vorlage ausschneiden.
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Jetzt wird der Balsakörper zurechtgeschnitzt und geschliffen. Dafür benötigt man eigentlich keine Vorlage, denn dabei die Symetrie zu halten ist nicht wirklich schwierig. Vorne und hinten verjüngen, Kanten brechen, abschleifen-fertig.
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Details am Köder zu haben ist immer etwas Schönes und der herkömmliche Weg ist es, diese einfach ins Holz zu schnitzen. Balsa ist aber nicht ein besonders gutes Schnitzholz und bei kleinen Forellenwobblern wird das ganze noch schwieriger. Ich bin deshalb dazu übergegangen auch die Details auszudrucken und einfach mit Superkleber aufzukleben. Hierbei ist etwas stärkeres Papier von Vorteil, aber sogar bei normalem Druckerpapier heben sich Kiemendeckel oder Flossen schon schön ab. Die Augenhöhlen werden wieder mit dem Locheisen ausgestochen.
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Zuletzt geändert von Oze147 am 21.05.2020, 10:11, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 20.05.2020, 16:41

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Wenn man die Vorlagen vom Anfang schön ablösen konnte kann man diese im nächsten Schritt wieder verwenden, denn diese werden nun einfach auf ein Stück Alutabe aufgeklebt und ausgeschnitten.
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Dann wird das Tape vorsichtig auf den Köder geklebt. Je weniger Falten desto besser. Für das Glattstreichen funktioniert jeder glatte Stift oder auch einfach ein Fingernagel.
Nun kann man Schuppenmuster mit dem Cutter einritzen oder geeignete Werkzeuge über das Tape rollen um Muster zu erzeugen. Wiederum hab ich hier mein Locheisen verwendet.
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Bei diesem Köder habe ich für das Dekor die Low-Budget Variante verwendet und das sind einfache Filzstifte. Wenn man diese verwenden möchte, sollte man allerdings darauf achten, dass man ein Fabrikat verwendet, dass vom Schutzlack nicht angelöst wird.
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Damit sind wir auch schon beim nächsten Schritt, nämlich 2-3 Schichten Lack. Das funktioniert bei so kleinen Ködern sehr gut mit tauchen und abtropfen lassen. Dabei spart man sich Köderräder und Co.

Während der Lack trocknet, hat man Zeit die Tauchschaufel und schöne selbstgemachte Augen herzustellen.
Die Schaufel schneide ich aus ganz normalen Teilern für Plastikboxen. Das Material ist steif genug aber trotzdem etwas flexibel, was so kleinen Schaufeln immer von Vorteil ist. Eine Vorlage wird wieder einfach aufgeklebt und mit dem Dremel ausgeschnitten und zurechtgeschliffen.
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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 20.05.2020, 16:42

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Die Augen werden wieder mit dem Locheisen aus verschiedenen Folien ausgestanzt und dann mit 5min Epoxy überzogen. Später werden sie teilweise auch noch von Hand bemalt. Das Aussehen eines Köders steigt und fällt sehr oft mit den Augen, deshalb ist es nicht verkehrt wenn man da eine gewisse Arbeit reinsteckt. Für größere Köder ist es aber auch nicht verkehrt, wenn man die Augen einfach fertigt kauft.
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Nachdem der Lack getrocknet ist, kann man weiter am Dekor arbeiten. Meist kommt hier die Airbrush zum Einsatz, man kann aber auch mit dem Pinsel schöne Ergebnisse erzielen. Hier wurde einfach noch der Bauchbereich mit der Airbrush weiß/cremefarben besprüht und am Rücken mit Kupferlack ein paar Akzente gesetzt.
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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 20.05.2020, 16:43

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Nach einer weiteren Lackschicht werden noch die Augen mit 5min Epoxy aufgeklebt. Hierfür ist Superkleber nicht besonders geeignet, weil viele Farbrikate eher milchig trocknen und man dann oft sehr unschöne Rückstände auf den Augen oder dem Köder hat.
Die Tauchschaufel wird auch jetzt verbaut und mit 5min Epoxy verklebt.
Die kleine Aussparung für die Schaufel herauszuschnitzen ist zwar etwas fummelig, aber sieht optisch meiner Meinung nach besse aus, als einfach einen Spalt zu sägen.

Abschließend gibt es für den Köder noch 2-3 Lackschichten.
Die Gretchenfrage dabei ist immer :”Warum kein Epoxy?”
Und die Antwort ist, dass es bei kleinen Ködern nicht notwendig ist und auch zu viel aufträgt. Jeder normale wasserbeständige Lack hält ausgehärtet die Belastungen beim Forellen oder Barschangeln lange genug durch, sodass sich das selberbasteln lohnt.
Bei großen Ködern zum Hechtangeln ist ein Epoxycoating allerdings immer noch die beste Wahl.
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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von choco.latte » 21.05.2020, 15:38

Lieber Oze,
vielen vielen Dank. Habe es mit Genuss gelesen :) Es sind einige von mir nicht gestellte Fragen nun beantwortet, aber auch neue aufgetaucht :) Ich werde es mir aber in den nächsten Tagen noch genauer durchlesen und dann die Fragen stellen.

Liebe Grüße,
choco

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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 22.05.2020, 08:11

Gern geschehen!

Und wie gesagt, frag einfach!
Man kann viele Schritte anders machen, andere Werkzeuge verwenden etc., je nachdem, was man zu Verfügung hat.

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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von fuschlsee0 » 22.05.2020, 19:08

Sehr cool OZE!
Machst Du die Tauchschaufel nach Gefühl, oder hast Du dafür auch vorgegebene Größen/Winkel/Formen? Laufen die dann immer so wie Du Dir das vorstellst, oder gibts auch Versager?
LG
F0

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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 22.05.2020, 20:35

fuschlsee0 hat geschrieben:
22.05.2020, 19:08
Sehr cool OZE!
Machst Du die Tauchschaufel nach Gefühl, oder hast Du dafür auch vorgegebene Größen/Winkel/Formen? Laufen die dann immer so wie Du Dir das vorstellst, oder gibts auch Versager?
LG
F0
Danke!

Mittlerweile habe ich auch dafür Vorlagen, aber die Form ist dabei meist gar nicht so wichtig. Wenn man sich an bestehenden Modellen orientiert, kann man da nicht viel falsch machen.
Die meisten Wobbler muss man am Wasser ein bissl nachstellen, also mit einer feinen Zange die Frontöse in die passende Richtung biegen, um eventuell etwas seitlichen Lauf auszugleichen.

Bei den erprobten Modellen gibts eigentlich keine Versager mehr und diese kleinen Balsawobbler sind sowieso recht einfach zu bauen.
Wenn ich aber mal irgendwas Neues baue, das mir so als Idee im Kopf herumspukt, kommt es immer wieder mal vor, dass ein Köder nicht so toll wird, wie ich mir das vorgestellt habe :mrgreen:

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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 26.05.2020, 10:39

Noch ein kleiner Nachtrag zum Thema Lack oder Epoxy.

Wie gesagt fürs Forellen- und Barschangeln funktioniert wasserfester Klarlack in mehreren Schichten ganz gut.

Was beim Hechtangeln passieren kann sieht man hier:

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Ich habe in Eile für einen Tagestrip einen Jerk mit spezieller Farbe und Sinkeigenschaften gebaut und aus Faulheit und Zeitmangel auch nur mit Lackschichten überzogen.
Ein 90er hat dann nur 3-4 Zahnabdrücke hinterlassen und nach einer weiteren Stunde angeln sah der Köder so aus wie am zweiten Bild.
Durch die winzigen Löcher dringt Wasser zwischen die Lackschichten und es kommt zu Blasen, die dann durchs Werfen und den Wasserwiderstand schön langsam abplatzen. Dann kommt das Wasser auch ans Alutape und das beginnt sich auch langsam abzulösen.

Der Köder kann natürlich wieder geschliffen und neu lackiert werden, aber es ist trotzdem ein bissi ärgerlich.

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Re: Wir basteln zusammen...Balsawobbler 2.0

Beitrag von Oze147 » 05.06.2020, 23:03

Weils zum Thema passt:
Kazuma Izuma, der Designer hinter den hmkl Ködern, hat gerade eine Serie auf Instagram laufen, wo er zeigt wie "echte" Japanwobbler gemacht werden.

Für Interessierte, "urahmkl" auf Instagramm suchen.

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