Wie es früher war

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Kaindlau
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Wie es früher war

Beitrag von Kaindlau » 13.01.2020, 13:04

Servus

Wie wir festgestellt haben, besteht großes Interesse an den Schilderungen von den "Alten" Anglern wie das war damals ohne Elektr.Bissanzeiger, Echolot, Kohlefaserruten, Freilaufrollen usw. und statt dessen von Schwimmer(Stoppel), Ausloten, Fiberglasruten (Bambus), Achsrollen usw.die Rede war.
Als die Geräte dazu von Firmen wie DAM (aber wirklich noch als Deutsche Angel Manufaktur), Abu, Shakespeare usw. kamen.
Dank @Lupus, @Grusteve und anderen die gekonnt das vermitteln was das ganze ausmacht, das noch Peryl von @Lupus und Bären (Kescher)von mit die Rede ist.
Hier sollen alle Gschichtel`n ob selbsterlebt oder aus sicherer Quelle erfahren :D stehen, Anekdoten, Unglaubliches aber auch Sachen wie das damals der Natur und Umweltschutz noch wenig bis gar nicht angewendet wurde.
Bilder von damals würden die ganze Geschichte natürlich extrem aufwerten. :up2:

So und jetzt haut tüchtig in die Tasten

Petri aus Enns

Ps.: auf die schnelle von mir ein Foto aus den frühen 90.ern.
Was zeigt es, das ich damals kein extra Bekleidung in Thermo und Camouflage hatte, sondern alte Klamotten,
1 Matchrute mit "Stoppel", damit habe ich damals viele Donaufische gefangen inklusive Karpfen bis zu 5 kg.
1 Sitzkiepe, sieht man heute nicht mehr, ein Ungetüm das einen beim eleganten aufnehmen mit Schulterschwung fast abgewürgt hat, aber eine Vorteil hatte, man konnte darauf sitzen.
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Romario » 13.01.2020, 16:01

Hallo mein Freund!

Also ich leg mal los mit einer kleinen Geschichte aus den frühen 80er Jahren – genauer gesagt aus dem Sommer 1982. Ich war 12 und wir waren 6 Wochen auf „Sommerfrische“ in der Steiermark – in Wahrheit waren wir im Gewerkschaftsheim der ÖBB im 4BettZimmer mit Mama und Schwester – mein Vater war in Wien arbeiten und kam nur am Wochenende vorbei. Die Sommer waren heiss und das Freibad gleich neben dem Gewerkschaftsheim – ein Traum.

Aber das Beste war das nahe Bacherl (der Pfaffenbach) – voll mit dicken Forellen. Ich habe damals bereits an der Donau gefischt – meist auf Karpfen oder Hecht aber Forellen aus einem „Gebirgsbach“ waren mir neu. Natürlich wollte ich eine fangen. Doch mein Vater ahnte bereits mein Ansinnen und sagte: „Brauchst garnet schaun, da kannst und derfst net fischen Punkt.“
Immer wenn mein Vater „Punkt“ sagte war ich noch mehr motiviert. Das Problem war nur, ich hatte weder Rute noch Haken oder sonst irgendwas dabei.
Doch meine Zeit sollte kommen ...

Irgendwann fuhren wir aus dem Dorf in eine nahe Stadt (ich glaub es war Weiz) und meine Mutter ging Einkaufen – in ein echtes Kaufhaus von Damals wo du alles kaufen konntest vom Mehl bis zum Tischtennis-Schläger. Und zufällig auch Angelhaken. Meine Mutter war etwas unaufmerksam und schon waren die Haken und ein 100er Peryl (100m feinste (speib gleich was das für eine Gummischnur war) Mono von Balzer) im Einkaufssackerl. Und auch schon in meiner Hosentasche.
Der erste Sieg.

Der zweite kam als es zu regnen begann und nicht mehr aufhörte. Nach drei Tagen waren die Strassen übersäht von Regenwürmern, die ich einsammelte und in einer Dose voller frischer Erde im kühlen Keller des Gewerkschaftsheims verwahrte.
Und dann kam der Tag, besser gesagt der Morgen an dem meine Stunde schlug.

Ich war schon immer ein Frühaufsteher und daher ging ich damals immer so ab 6 Uhr Eierschwammerl-Suchen – doch nicht heute.
Mein Weg führte mich zum Pfaffenbach und zu einem vielleicht 1m hohen Wehr. Darunter ein „Pool“ von vielleicht 2x2m und ca. 1m tief. Vor dem großen Regen war der Bach glasklar und am Kiesgrund sah man die schwarzen Schatten.
Heute war das Wasser trüb und dreckig. Ideale Bedingungen.

Ich hatte die Schur an eine klassische Handangel (Stock massiv, 8-10cm lang) gebunden. Direkt auf der Hauptschnur (ca 10m lang) der Haken. Als Blei benutzte ich eine aufgeschnittene Schrotkugel. Wurm drauf – geht scho!
Und wie: Eine Stunde später hatte ich drei dicke Bachforellen gefangen und machte mich stolz wie Oscar auf den Heimweg.
Bei uns gabs diesen Abend kein Gewerkschaftsessen, sondern Forelle gegrillt 8)

Übrigens: Am gleichen Abend verlor „mein“ Brasilien (mit Socrates, Zico, Falcao etc.) das Halbfinale bei der WM 82 gegen Italien. Mein Fußball-Herz war gebrochen. Aber mein Anglerherz umso vitaler

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Re: Wie es früher war

Beitrag von Sixpack » 13.01.2020, 19:50

Bei den alten Geschichten wüsste ich gar nicht wo ich anfangen sollte.....da waren unfassbar viele Eindrücke,
die sich in die Hirnrinde eingebrannt haben! :lol:
@Hans-Peter: Falls du Bedarf an einer Korbgeflecht-Sitzkiepe hast -eine hätte ich übrig! :lol: :lol: :lol:
(als stilvoller Vintage-Fischer brauchte man ja auch für jedes Revier eine eigene)
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Lupus » 14.01.2020, 07:28

Sehr nette Geschichte, @Romario.

Ja, Gewerkschaftsheime waren damals glaube ich ziemlich in. Auch, dass die Herrn Väter in der Stadt arbeiten mussten und nur über´s Wochenende zu den in den Ferien weilenden Frauen mit Kindern fuhren.

Das war aber auch in den herrschaftlichen Familien so, ich meine sagen wir Industriellenadel um 1900, wo Frau und Kinder auf den Semmering geschickt wurden (in´s legendäre Hotel Panhans), und der Herr Vater kam nur am Wochenende.

Übrigens bei 100er Peryl hätte ich an was anderes gedacht. Nicht an die Länge, sondern an die Stärke. Zu einer Zeit, als es noch keine Geflochtene Schnur gab, war Monofile Schnur tatsächlich teilweise in Stärken bis 1mm Durchmesser erhältlich und wurde 100er Peryl genannt.
Ich selber hatte ein 100er Peryl auf meiner Schlepprolle. Das ist jene Schnur von der das schwere 500g Schleppblei hinunterhing. An den Seitenarmen waren die Fangschnüre mit den Blinkern.

Ich kann bei dem Thread zwar vielleicht das eine oder andere hineinwerfen, aber mit Geschichten geht das glaube ich nicht. Wenn ich eine Geschichte schreibe so in der Art wie die mit den Flusskarpfen und der schönen Müllerin, dann ist die ziemlich lange und hat schon ihre 3 Teile. Ich hätte noch die eine oder andere Geschichte, aber in einem Sammelthread geht sowas leicht "unter".
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Romario » 14.01.2020, 09:04

@Sixpack und @Lupus
Gemma Burschen lasst uns was lustiges lesen - das Leben ist eh so fad im Büro : :cry:
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Schau mal was wir da haben !

Beitrag von Lupus » 14.01.2020, 09:18

Auch ich habe eine Geschichte über "nicht ganz legalen Forellenfang" !!!

Wir schrieben das Jahr 1972 und meine Eltern hatten beschlossen, dass wir unseren Sommerurlaub in der Schweiz, genauer gesagt im Kanton Graubünden verbringen.

Für einen 12 –jährigen, der nur eine Leidenschaft kennt, nämlich das Fischen, waren die frühen 70er Jahre noch finsteres Mittelalter, denn es gab kaum Angebote für Jugendfischen und so waren vor Vollendung des 14. Lebensjahres, von Privatgewässern und eventuellen Mitfisch-Gelegenheiten abgesehen, die Möglichkeiten mehr als eingeschränkt, wozu noch der erschwerende Umstand kam, dass ich der einzige Fisch-Interessierte in der Familie war. Vielleicht konnte man ja meinen Angelvirus als eine Art genetischen Defekt bezeichnen.

Jedenfalls erschien mir das Urlaubsziel Schweiz sozusagen als „Gelobtes Land“, denn ich hatte von Schulkamaraden mit Verwandten in der Schweiz erfahren, dass dort Kinder ohne Lizenz (Patent nennen sie es) ohne weiteres vom Ufer fischen dürfen.

In freudiger Erwartung war ich also damit beschäftigt, mein Angelgerät mit Hingabe vorzubereiten, und als wir am Tage vor der Abreise das Gepäck in den Wagen verstauten, achtete ich kleiner Diktator geradezu akribisch darauf, dass meine Ruten und Rollen nicht durch den Druck der übrigen Koffer zu Schaden kommen könnten. Mein Vater grinste nur und sagte „geh´ Dein ganzes Glumpert da wird ja auch noch irgendwie reinpassen“, worauf ich meistens erpicht darauf war, zu betonen, dass es sich bei meiner Angelausrüstung keineswegs um Glumpert handle, sondern um Präzisionsgeräte für Zielfische, worauf mein Vater lachend erwiderte „und für mich ist es doch ein Glumpert“.

Endlich am Zielort angekommen, „mussten“ meine Eltern mit mir zunächst am ersten Tag die Fischereimöglichkeiten abklären. Zu meinem großen Schreck teilte man uns schon in der Unterkunft die starke Vermutung mit, dass im Kanton Graubünden das Fischen erst ab 16 Jahren erlaubt sein dürfte.

Mir wurde regelrecht schwarz vor den Augen und auch meine Eltern waren besorgt, da sie gehofft hatten, den ganzen Urlaub ihre eigenen Unternehmungen machen zu können, während ich am Wasser saß.

So fuhren wir sofort nach dem Frühstück zum Gemeindeamt, wo unsere Befürchtung bestätigt wurde: „In Graubünden darf die Fischerei erst ab 16 Jahren ausgeübt werden“. Gott behüte 16! Das ist ja Lichtjahre von meinem Alter (ich war im 13. Lebensjahr) entfernt. Bei 14 hätten wir es ja noch irgendwie „drehen“ können, ich sei schon 14, aber körperlich (nicht geistig!) ein wenig hinten nach, und wer verlangt im Urlaub schon einen Ausweis, aber 16 Jahre, dieses Methusalemalter konnte ich nicht einmal nur andenken.

So standen wir also in jener Amtsstube. Ich war im Gesicht weiß wie eine kalkgetünchte Wand. Meine Mutter strich mir mit Bedauern über den Kopf, was mir aber unter fischereilichen Aspekten nicht viel nützte. Mein Vater tat etwas, was mir Hoffnung erweckte. Er ging wortlos hinaus ins Freie, zündete sich eine Zigarette an und sagte vorest einmal nichts. Das war bei ihm immer ein gutes Zeichen und bedeutet, dass er irgendeinen Plan hat. Nachdem er ausgeraucht hatte, meinte er: „Was ist eigentlich, wenn ich mir diese blöde Lizenz auf meinen Namen ausstellen lasse, und Du tust einfach so, als ob Du nur mitfischst oder hilfst. Sieht ja keiner, dass ich nicht fische“. Also gingen wir wieder in die Amtsstube zurück und mein Vater sagte sehr bestimmt, er wolle eine Angellizenz. Der Bedienstete, der unsere Pläne schon durchschaut hatte, sagte noch: „Gut, Sie müssen ein Passfoto machen im nächsten Fotogeschäft und dann kommen Sie wieder. Aber es dürfen nur Sie fischen. Der Kleine da darf nur helfen, aber nicht fischen“. Nachdem mit einer Sofortbildkamera das übliche „Verbrecherfoto“ gemacht wurde (es sah grauenhaft aus, das soll mein lieber fescher Papa sein?), gingen wir wieder die Lizenz lösen und mein Vater zahlte den unverschämt hohen Preis (für Nichtschweizer der höhere Tarif umgerechnet 850 Schilling für 2 Wochen).

Ich wußte gar nicht, wie ich meinem Papa danken soll, aber er antwortete nur lakonisch „lass nur, lass nur, jedenfalls weißt Du jetzt, wie viel mir meine Urlaubsruhe wert ist“.

Ein mulmiges Gefühl hatte ich allerdings schon. Wenn ich alleine losziehe und mein Vater nicht dabei ist und ich einfach vor mich hinfische, hätte ich vor Kontrollorganen ordentlich in Erklärungsnotstand kommen können (….ich fisch eh nicht, mein Vater ist da hinten wo, der kommt gleich...) .
Es wurde daher beschlossen, dass mein Vater, ein leidenschaftlicher Liebhaber der Literatur und des Schöngeistigen, seine abendlichen Lesestunden zu einer Parkbank am Ufer des Sees verlegen werde, während ich daneben fische. Um nicht zu sehr als aktiver Fischer in Erscheinung zu treten, vermied ich das aktivere Spinnfischen und zog es vor, nur auf Grund zu angeln.

Hier muss ich als kleines Intermezzo anbringen, dass man sich als Urlaubsangler meistens über kleine Broschüren informierte, welche fast ausnahmslos die Eigenschaft hatten, hinten und vorne nicht zu stimmen. Entweder waren die Daten über Lizenzausgabestellen nicht mehr aktualisiert, oder es fanden sich auch falsche Angaben über den Fischbestand.

Ich muss dazu bemerken, dass es sich bei dem besagten See im Kanton Graubünden um einen eher kalten, glasklaren und tiefen Bergsee handelte, der in erster Linie für Forellen und Saiblinge prädestiniert zu sein schien. In dem Büchlein „Angelführer für die Schweiz“ stand bei jenem Gewässer aber: „guter Bestand an Salmoniden und AALEN!“. Ich bin mir heute sicher, dass in jenem See Aale nicht vorkamen oder vorkommen, aber das Wort „Aal“ faszinierte mich, weil ich in jenem Alter noch hauptsächlich damit beschäftigt war, Erstfische zu fangen. So hatte ich zwar am Habensoll meiner bisherigen anglerischen Tätigkeiten bereits Forellen, Karpfen, Hechte, Schleien und natürlich alle Weißfischarten verbucht, der Aal hingegen fehlte mir noch. Die Beschreibungen in meiner kleinen Anglerfibel als „nachtaktiver Räuber, der sich an der Angel kräftig wehrt“ erschienen mir jedoch verlockend und die Aussicht, bei Dunkelheit so ein kraftwindendes schlangenähnliches Monster ans Ufer zu befördern, bereitete mir schon, seit ich anglerisch denken konnte, einen gewissen wohligen Schauer.

Also sollten es Aale werden, wenn in dem Buch doch stand, dass es sie gäbe. So suchte ich brav wie ich es gelernt hatte, bei Dunkelheit im Garten der Pension mit der Taschenlampe reichlich Tauwürmer und stellte mein „aalsicheres Gerät“ zusammen: 2,10m Vollglasrute kräftig, Trixi-Stationärrolle mit 0,40er Peryl, Laufblei von 60g und großer Einzelhaken am Vorfach.

Am folgenden Abend, bei Einbruch der Dunkelheit zog ich mit meinem Vater los. Er wollte im Schein der Seeparkbeleuchtung ein Buch lesen und ich wollte „Aale fischen“.

Also pfefferte ich die schwere Laufbleimontage so weit es ging hinaus in den See, das starke Peryl rasselte über die Spule, das schwere Blei klatschte auf die Wasseroberfläche und schoss hinunter in die unergründlichen Tiefen. Wie ich es im Fachbuch „Das ist Grundangeln“ gelesen hatte, spannte ich die Schnur, stellte die Rute zwischen den Ufersteinen steil auf und wartete darauf, dass die Rutenspitze kräftig ausschlagen würde.
Der geschätzte Leser, soferne er nur ein wenig von der Fischerei versteht, wir nachvollziehen, dass eine schwere Laufbleiangel, irgendwo in die Tiefen eines Alpensees versenkt, nicht gerade die erfolgreichste Methode ist, nicht einmal wenn es Aale gäbe, zumal diese bei Dunkelheit sicher eher im Uferbereich nach Nahrung suchen würden. Dass es in dem See nicht einmal Aale gab, konnte ich nicht wissen, würde aber erschwerend noch hinzukommen.

Unbelastet von diesen unwiderlegbaren Tatsachen wartete ich doch hoffnungsfroh auf den ersehnten Biss, und ob man es glaubt oder nicht, plötzlich gab es einen kräftigen Ruck in der harten Vollglasrute und sie bog sich durch! Ich schlug an und spürte in der Dunkelheit einen starken Fisch, der irgendwo draußen in der Tiefe wütete. Mir kam nur merkwürdig vor, dass er nicht diese schlangenartigen Windungen veranstaltete, die ich beim Aal vermutet hätte.

Endlich sah ich schemenhaft im dunkeln Wasser kurz vor dem Ufer einen schönen Fisch herumschlagen, konnte aber noch nicht erkennen, was es war. Mein Vater, der auf das Geschehen aufmerksam geworden war, obwohl ihn sonst die Fischerei nicht interessiert, fragte mich recht aufgeregt, ob er mir helfen könne. Ich bat ihn nur, mir den Kescher („Papa, nicht den Setzkescher, sondern den Kescher, das ist dieses Netz am Stiel“ ) zu reichen. Und schon lag die schöne Beute vor uns und wurde im Schein der Uferlaterne begutachtet. Es war eine herrliche Bachforelle, an die 50 cm lang, ganz dunkelgrün gefärbt mit einem auffällig zitronengelben Bauch und winzig kleinen dunkelroten Punkten, offensichtlich eine lokale Farbvariante dieses tiefen kalten Sees. Der doch für einen so edlen Fisch recht schnöde Wurmköder war tief verschluckt. Nachdem ich den Fisch versorgt hatte, gingen wir Richtung Pension zurück. Meine Mutter kam uns auf der Uferpromenade entgegen und mein Vater, der geborene Nichtangler verkündete stolz: „Schau was WIR da haben!“.

Die große Forelle fand auch in der Küche unserer Ferienpension große Beachtung und ich war sehr stolz auf diesen ungewöhnlichen Urlaubsfang, der vergleichsweise allerdings auch der einzige in dieser Größenordnung blieb.
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Re: Wie es früher war

Beitrag von grusteve » 14.01.2020, 09:36

Lupus hat geschrieben:
Ich kann bei dem Thread zwar vielleicht das eine oder andere hineinwerfen, aber mit Geschichten geht das glaube ich nicht. Wenn ich eine Geschichte schreibe so in der Art wie die mit den Flusskarpfen und der schönen Müllerin, dann ist die ziemlich lange und hat schon ihre 3 Teile. Ich hätte noch die eine oder andere Geschichte, aber in einem Sammelthread geht sowas leicht "unter". :up2:
[/quote]

Genau so ist es und daher sollte doch jede eigene Geschichte-wenn sie nicht nur ein kleiner Zusatz ist- auch ein eigener thread sein.

LG von grusteve
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Romario » 14.01.2020, 12:49

@Lupus
Jawohl, genau solche Stories wollen wir hier lesen - jugendliches Schwarzfischen wie es im Buche steht.
Danke für die nette Geschichte. Und am schönsten finde ich, dass du den Fisch noch genau beschreiben kannst - sowas brennt sich ein :)
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Lupus » 14.01.2020, 12:53

Romario hat geschrieben:
14.01.2020, 12:49
@Lupus
Jawohl, genau solche Stories wollen wir hier lesen - jugendliches Schwarzfischen wie es im Buche steht.
Danke für die nette Geschichte. Und am schönsten finde ich, dass du den Fisch noch genau beschreiben kannst - sowas brennt sich ein :)
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Danke. Trotzdem glaube ich, und @grusteve hat sich dem auch angeschlossen, dass Geschichten, die länger sind, also auch so wie Deine vorhin mit dem Gewerkschaftsheim, besser als eigene Story aufgehoben sind, als in einem Sammelthread.

Und ja, dass ich den Fisch noch so genau beschreiben kann liegt auch daran, dass es mir in jahrzehntelangem Salmonidenfischen auf waidgerechte Art nicht mehr gelungen ist, diese Bachforelle zu toppen. Ich fische in nicht allzugroßen Voralpenflüssen/Bächen und die 50er Marke konnte ich noch nicht knacken. Daher blieb diese mit "Fremdlizenz" als 12 Jähriger gefangene "Wurmforelle" wohl auch zähneknirschend für fast 50 Jahre mein PB 8)

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Re: Wie es früher war

Beitrag von Andreas » 14.01.2020, 13:32

Servus in die Runde und vielen Dank für eure tollen Geschichten. Da lese ich auch liebend gerne mit! :up2: :up2:

Ein Vorschlag meinerseits wäre, die Geschichten tatsächlich als eigene Themen anzulegen, sie hier aber zu verlinken. Dann gehen sie bestimmt nicht unter.
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Lupus » 14.01.2020, 13:37

Hallo Andreas !

Super Idee !

Das heißt, wenn ich wieder mal ne Geschichte rauslasse, lasse ich sie als eigenen Thread (eigenes Thema quasi in der Rubrik off Topic) raus und Ihr verlinkt es dann mit dem da hier. Verstehe ich das so richtig ?
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Romario » 14.01.2020, 15:06

Hello
Wie es früher war heisst für mich auch - wie früher die Flüsse aussahen
hier eine Skizze und eine Statistik zum Verlust der Fließstrecke aufgrund von Regulierungen.
Was heute noch über ist, ist ein mickriges Etwas - vor allem bei den Nebengewässern ...
greets
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Oldman » 14.01.2020, 16:57

Hallo!
So eine ähnliche Rubrik gab es hier schon einmal. Dennoch will ich diese Wahre Geschichte noch einmal zum Besten geben!
Mein erstes mal angeln oder wie derOerall zu seinem Namen kam.
Ich Angele ziemlich genau seit 40 Jahren.
Für mich war Angeln vorher ein Hobby für Doofe.
Stundenlang am Wasser hocken und auf einen Schwimmer starren.
Eh booo – was ist das Langweilig und so dauerte es auch recht lange bis ich mich überreden
ließ mit zum Angeln zum Forellensee zu kommen.
Ehrlich gesagt, damals stand das Feucht-Fröhliche im Vordergrund. Ich spucke auch heute noch nicht rein, aber im“ hohen“ Alter ist aus Quantität –Qualität geworden. Na ja, wenn es mal sein muss, darf es auch einmal ein Fläschen mehr sein.
So verabredeten sich dann 3 Kollegen für den nächsten Tag zum Angeln.
Gut bestückt mit flüssiger Nahrung, Grill und ausreichend Grillfleisch –(meines hatte ich nach griechischer Art eingelegt) ging es um 06:00 Uhr los.
Am Forellenteich angekommen. Meine Kollegen hatten gerade ihre und meine Ruten(hatten sie mir geliehen – ich hatte noch keine Ausrüstung und keine Ahnung) fertig gemacht, ausgeworfen und das andere Geroedel aufgebaut, da fing es Bindfäden an zuregnen. Ein richtig schöner nicht enden wollender Landregen hatte eingesetzt.
Wir aber waren die Härtesten, mit genügend Stoff im Blut saßen wir unter den beiden Angelschirmen und warteten auf den ersten Biss.
In dieser großartigen Laune kam es zu folgender Wette. Wer den ersten Fisch und wer den schwersten Fisch fängt, gibt je eine Flasche Hochprozentigen aus.
10:00 Uhr es tat sich nichts. So fingen wir unter den Angelschirmen bei strömenden Regen an zu grillen. Obwohl das Fleisch hervorragend duftete, waren wir dem Erstickungstod, durch den sich unter den Schirmen sammelnden Rauch, nahe.
Kurz darauf hat das Fleisch die richtige Farbe, aber ich musste noch schnell einmal - nach Dixihausen. Zurück am Angelplatz – da standen dann meine beiden Kollegen am Grill, grinsend über alle Backen – einmal dürft ihr raten wessen Fleisch sie vernichtet haben.
Wie heißt doch das Sprichwort –Kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort und dieses
gleich zweifach.
Kaum hatten wir unsere Mahlzeit eingenommen, musste der andere Kollege das gewisse
Örtchen aufsuchen. Während er so sei Geschäft verrichtete, hatten wir einen Biss. Schnell
den Fisch –Forelle- gelandet und Ihm an die Angel gehängt und ausgeworfen. Diese Forelle
war der einzige Fisch den wir am ganzen Tag gefangen haben – so hatte er den Ersten und auch den schwersten Fisch gefangen. Ein weiterer lustiger Tag war gerettet.
Doch nun die Krönung – jetzt musste auch der Rädelsführer mehr als dringend aus der Hose,
besser gesagt aus dem Overall – in diesen Dingern reinkommen ist schon schwierig, aber rauskommen, wenn es schnell gehen muss, fast unmöglich. Ich brauche wohl nicht zu beschreiben was geschah. Er war besch . . .en Over - all. So kam dieser Anzug vermutlich auch zu seinen Namen - Overall - .
Ja, Ja, kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort.
Jetzt wisst ihr auch warum ich mir niemals einen Overall kaufen werde.
Ging es mir hier noch um den Spaß, so war es doch der Beginn einer großen
Leidenschaft - Angeln ,Angeln und nochmals Angeln -.

Gruß Oldman
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wirst du festellen, dass man Geld nicht essen kann

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Re: Wie es früher war

Beitrag von Lupus » 15.01.2020, 07:33

wirklich köstliche Geschichte, @Oldman.

Mir ist auch ohne Overall einmal ein Missgeschick passiert.

Ich saß am frühen Morgen wie so oft auf Karpfen an. Zum morgendlichen Karpfenfischen gehört auch ein kleines Frühstück, also Kuchen und Kaffee aus der Thermosflasche.
Als ich gerade das Stück Kuchen gegessen hatte und noch den restlichen Kaffee trank, spürte ich so ein Stechen und Schneiden im Bauch.
Was tun in der weiten unberührten Natur ?
An Gewässern, die ich befische, gibt es keine Dixi-hausen :lol: .
Ich hoffte auf ein Nachlassen der tobenden Kräfte in der Hoffnung, dass es sich nur um "Gas" handelt.
Tatsächlich, nach einem vorsichtigen Druckausgleich war der Blitzkrieg in meinem Abdomän nicht mehr so grimmig.

Leider bemerkte ich erst auf der Heimfahrt, als ich im Auto saß, dass sich am Gesäß etwas so kalt und klebrig anfühlt. Es war also mein Versuch des Druckausgleiches leider doch mit "Materialabgang" verbunden. Solange das Zeugs Körpertemperatur hatte, schien ich es nicht bemerkt zu haben.

Tja...….. hätte ich auf die alte Bauerregel gehört "Morgenschiss kommt gewiss" :lol: .

Zu Hause war das auch so ein Gefühl der totalen Niederlage:
Mit "Material" im Hosenboden geht man ja so komisch breitbeinig, fast so wie ein mongolischer Reiter. So saß also der "Canossagang" von der Garage durch den Hof aus.
Und dann ging´s komplett unter die heiße Dusche.
Frei nach Mark Twain: "Decken wir einen Schleier der Barmherzigkeit über den Rest der Szene".
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Re: Wie es früher war

Beitrag von Andreas » 15.01.2020, 08:17

Lupus hat geschrieben:
14.01.2020, 13:37
Hallo Andreas !

Super Idee !

Das heißt, wenn ich wieder mal ne Geschichte rauslasse, lasse ich sie als eigenen Thread (eigenes Thema quasi in der Rubrik off Topic) raus und Ihr verlinkt es dann mit dem da hier. Verstehe ich das so richtig ?
Ja, genau so hatte ich es mir auch gedacht. :D Du kannst es natürlich auch gleich selbst hier verlinken.
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