Ich war natürlich hochmotiviert und wollte die kurze Zeit, die mir zur Verfügung stand, optimal nutzen. Gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg, also setzte ich mich zuhause hin, band mir ein paar Rigs und versuchte eine halbe Stunde lang, einen gerade noch scharfen Haken richtig scharf zu schleifen, bevor ich ihn schließlich entnervt wegwarf und zu einem neuen griff. Hakenschärpfe-Paranoia ist ein Schwein! Irgendwann gegen Mitternacht beschloss ich, dass es genug war.
Am nächsten Morgen ignorierte ich den Wecker natürlich und wachte viel zu spät auf. Mein anvisierter Angelbeginn um 8 Uhr wurde kurzerhand auf 9.30 Uhr verschoben, was mir aber egal war. Nur keinen Stress! Am Gewässer angekommen, beschlich mich das blöde Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben. Kurzer Check: Kescher, Abhakmatte, Köder, Ruten, Kamera - alles da. Doch als ich meine Ruten beködern wollte, fiel es mir schließlich wie Schuppen von den Haaren. Meine Rigbox, mit der ich mich die Nacht zuvor intensiv beschäftigt hatte, lag wohlbehütet im warmen Heim! Mist...
Glücklicherweise führe ich für solche Fälle immer eine zusätzliche Box mit, in der ich schließlich die wichtigten Komponenten für zwei akzeptable Rigs fand. Mit einer alten, verbogenen Stringernadel schaffte ich es noch, die kleinen Pop-Ups anzuködern, und raus flogen die Montagen, ab ins tiefe Wasser. Mit einem deutlich zu spürenden "Donk" schlugen die Bleie am Untergrund auf.
Meine Confidence war dennoch nicht mehr so hoch. Erst nach dem zweiten Tee und der zweiten Zigarette ging es mit meinem mentalen Zustand wieder bergauf, und nach einer Portion Sweet Chili Beans mit reingeschnittener Bratwurst war ich wieder der Meinung, nicht ganz umsonst hier zu sein.

Am Nachmittag lachte die Sonne für einen kurzen Zeitraum vom Himmel, und urplötzlich erwachte das Wasser wieder zum Leben. Im flachen Wasser stiegen die Kleinfische zur Oberfläche und wurden dabei immer wieder von kleinen Hechten gestört. Sollten die Karpfen etwa auch ins Flache gezogen sein? Einen Versuch sollte es Wert sein, also holte ich eine Rute ein und warf den Köder samt PVA-Stick in die Uferregion zu meiner Rechten.
Plötzlich beobachtete ich einen Karpfen draußen im Freiwasser, wie er mit seinem Rücken die Oberfläche durchbrach und wieder abtauchte. Sofort holte ich eine Rute ein und warf den Karpfen an. Das KD-Rig mit dem kleinen Pop-Up sollte es schon richten.Nur kurze Zeit später buckelte ein weiterer Karpfen, diesmal weiter rechts. Ohne lange nachzudenken war nun auch die Uferrute wieder an Land und ich schleuderte die Montage in Richtung des buckelnden Fisches. Leider passierte erstmal gar nichts, doch ich dachte mir, wenn die Fische nun an der Oberfläche unterwegs waren, könnte es durchaus passieren, dass sie später auch in dieser Region am Grund nach Futter suchen.
Irgendwann war dich dann der festen Überzeugung, dass die Hanger in ihrer Position festgefroren sein mussten. Die Stunden, die meist einen Biss bringen, waren schon vorbei.
Es war schon dunkel, als ich begann, mein Tackle zusammen zu packen. Genau in dem Moment, in dem ich mich anschickte, schweren Herzens einzuholen, spannte sich die locker durchhängende Schnur der linken Rute, der Hanger wanderte nach oben zum Rutenblank und die Funkbox signalisierte einen Biss! Nach kurzem Drill, lag der der kleine Schuppmann im Kescher! Ich freute mich wahnsinnig, dass es doch noch geklappt hatte. Mein zweiter Dezemberkarpfen überhaupt, und dann noch am dritten Adventwochenende. Da musste natürlich ein Weihnachtsmannfoto her!







