The good, the bad... and the ugly.
Karpfenangeln - eine eigene kleine Welt im Universum. Und wie überall auf der Welt trifft man auch am Wasser die unterschiedlichsten Charakter. Originelle, einfallsreiche Angler, Träumer, Pioniere, Sieger und Verlierer, Freunde und solche, die so tun als ob... Und leider auch genügend Vollidioten.
Hier eine kleine Abhandlung, welche angenehmen und weniger angenehmen Charaktere mir in den letzten 16 Jahren am Wasser immer wieder begegnet sind.
Der Karpfenprolo: Erkennbar an Rodpods, die am Ufer stehen wie Raketenabschussrampen, und zwar egal, wie groß und welcher Art das Gewässer ist. Tritt in Gruppen von mindestens 3 Personen auf, wobei jedes Gruppenmitglied sein eigenes Zwei- bis Dreimannzelt aufstellt, und zwar egal, wie groß der Platz ist. Typisch für ihn ist übertriebener, von Selbstüberschätzung geprägter Alkoholkonsum am Wasser und dadurch resultierendes Gegröle. Der Karpfenprolo ist leicht zu lokalisieren, und so kann man ihm auch ohne Probleme aus dem Weg gehen. Andere typische Ausrüstungsgegenstände: Kugelgriller, Kühlbox, Gaskühlschrank, Campingtisch. Erfolgswahrscheinlichkeit: 30 % (diese errechnen sich vor allem durch die Anzahl der im Wasser liegenden Montagen - irgendwann muss gezwungenermaßen irgendwo ein Fisch vorbeischwimmen).
Der Testfischer: Sein wichtigstes Utensil ist das gratis Käppchen mit dem Logo seines "Baitsponsors", bei dem er seine Boilies um 0,5 % billiger erhält und sich dafür Testfischer nennen darf. "Getestet" werden ausschließlich Produkte, die ohnehin schon seit Jahren im Sortiment der Firma angeboten werden, und auch sonst hat der Testfischer nicht viel bei der Produktentwicklung mitzureden. Wer den Testfischer nicht sofort am Logo auf seinem Käppchen erkennt, wird mit seiner Tätigkeit spätestens nach fünf Sekunden Konversation konfrontiert, denn der Testficher legt viel Wert darauf, seinen "Sponsordeal" jeden unter die Nase zu reiben. Fortgeschrittene Testfischer erkennt man nicht nur am Kapperl, sondern auch am passenden T-Shirt. Wer dieser Spezies aus dem Weg gehen will, braucht sich nur am Parkplatz des jeweiligen Reviers umzusehen, denn in den meisten Fällen ist auch das Fahrzeug des Testfischers mit dem Logo des "Sponsors" bedruckt. Erfolgswahrscheinlichkeit: Da er nur die besten Boilies des besten Herstellers weltweit benutzt, natürlich 100 %.
Der Internethunter: Diese Spezies ist am Wasser kaum zu finden, da sie ihre gesamte Freizeit beim Surfen auf Karpfenwebsites und beim Schreiben von Foreneinträgen verschwendet. Die meisten Exemplare dieser Art hunten erst seit etwa sechs Monaten, wissen aber ausnahmslos über alles bescheid. Es liegt daher der Anschein nahe, dass es sich beim Internethunter um eine der am schnellsten lernenden Arten handelt, doch bei genauerer Beschäftigung mit dem Thema fällt der fehlende Praxisbezug auf. Texte von Internethuntern stammen meist von Websites anderer Internethunter, die diese wiederum von Zeitschriften und Büchern übernehmen. Typische Ausrüstungsgegenstände: Maus und Tastatur. Angelgerät ist zwar vorhanden, doch steht poliert, blitzeblank und staubfrei im Keller. Erfolgswahrscheinlichkeit: 0 %.
Der Phantomwaxxler: Keiner kennt ihn, keiner sieht ihn, doch er ist immer da. Er taucht spät in der Nacht auf und ist schon wieder am Heimweg, wenn die Karpfenproleten nebenan ihren Rausch ausschlafen - meist mit nasser Abhakmatte und Kescher. Das Phantom befischt Stellen, an denen er nur dann genügend Platz hat, wenn er sein Bedchair vertikal aufstellt und dagegen lehnend schläft. Seine Methoden unterscheiden sich stark von den gängigen Praktiken der Karpfengemeinde und beinhalten immer wieder schräge und originelle Experimente wie etwa die so genannte Napalmfütterung. Von ihm kann man sich einiges abschauen, wenn man denkt, die eigene Angelei befindet sich seit geraumer Zeit in einer Sackgasse. Diese Experimente gehen leider auch gelegentlich nach hinten los, daher die Erfolgswahrscheinlichkeit von 70 %. Typische Ausrüstungsgegenstände: Steine, Haferflocken, getrockneter Pferdemist, selbst gesammelte Würmer, in einer Vollmondnacht zeremoniell geweihte Selch Pop-Ups.
Der Ratschhunter: Wenn der Ratschhunter morgens an einem Gewässer auftaucht, kann man sich sicher sein, dass er es nicht vor Einbruch der Dunkelheit schafft, seine Rigs auszuwerfen. Zu seiner ersten Tätigkeit gehört ein Gewässerrundgang, bei dem er bei ausnahmslos jedem anderen Angler stehen bleibt und die nichtsahnenden Opfer in eine ausgiebige Konversation verstrickt. Typische Phrasen: "Und, geht wos?", "Wos isn des für a Rodpod?", "Wie long bleibstn?", "Letzens hot mir an dazöhlt...", "Waßt eh, wos vorige Wochn los wor...", "Do wor i im Fischergschäft...". Erfolgswahrscheinlicheit: 100 % (Erfolg ist für den Ratschhunter gleichbedeutend mit möglichst vielen ausgiebigen Konverationen).
Der Karpfennazi: Erstmals tauchten Fotos dieser mehr als unbeliebten Gattung im Jahr 2008 auf dem Internetportal Myspace auf. Diese zeigten androgyne Burschen mit erhobenem rechten Arm im Alter zwischen 17 und 22 vor einem Pelzer Bunker, der mit einschlägigen Fahnen verziert war. Karpfennazis verfügen über einen reichen Fundus an Erfahrung, schließlich sind die meisten von ihnen schon seit 88 dabei. Glücklicherweise werden Karpfennazis immer seltener - sehr zum Gefallen aller anderen Angler. Seit bekannt wurde, dass viele österreichische Gewässer mit Karpfen aus dem Osten besetzt werden und somit kaum noch mit reinrassigen Stämmen zu rechnen ist, legen Karpfennazis ihre (Wolfs)Angeln allenfalls noch bei Blitzsessions aus. Die straff geführte Organisation "Gemeinschaft zur Förderung des deutschen Urkarpfens" (GzWÖU) versucht seither, Besatzmaßnahmen aus osteuropäischen Ländern zu unterbinden und stattdessen mit Hilfe von eigens dafür eingerichteten Laboratorien den genetisch reinen deutschen Urkapfen wieder einzubürgern, der sich unter anderem durch seine ausgeprägten Hitlerbarteln und blaue Augen auszeichnet. Bisher scheiterte dieses Vorhaben aber, da noch kein passendes Zuchtexemplar gefunden wude. Eine Endlösung ist daher nicht in Sicht. Auch dem Karpfennazi kann man leicht aus dem Weg gehen (sehr zu empfehlen!): Aufgrund der Springerstiefel, die nie abgenommen werden, leidet er an einem Schweißproblem und ist weithin zu riechen. Typische Phrasen: "Karpfenrun statt Islam", "Boilierollen statt EU-Kontrollen". Erfolgsquote: 0 %.








