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Thank you, Kenny

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Thank you, Kenny

Beitragvon Polsi » 03.05.2011, 23:27

Egal, wo man derzeit auch hinhört, die großen Fangmeldungen bleiben aus. An sämtlichen mir bekannten Gewässern geht derzeit wenig bis gar nichts - ein Phänomen, das sich hier in der Gegend jedes Jahr Anfang/Mitte Mai zu wiederholen scheint. Ich hatte wieder ein bisschen Zeit für eine Kurzsession, doch machte mir keine großen Hoffnungen auf einen Fang. Die beiden anderen Angler am Gewässer waren von der Flaute ebenfalls betroffen und klagten darüber, dass "nix geht". Doch die Umstände waren durchaus karpfenverdächtig: Erst starker Wind und Todessturm, danach ein feiner Regen und dann eine schwüle, aber nicht zu warme Wetterlage. Zudem hörte man noch nichts von laichenden Fischen. Die Chancen waren also da.

Ich startete natürlich wieder mit der Taktik, die sich hier in der bisherigen Saison bewährt hat: Snowman- und Pop Up-Präsentationen, garniert mit köstlichen PVA-Sticks, angeboten inmitten einer großflächigen, aber sparsamen Boiliefütterung. Als sich nach einigen Stunden noch nichts getan hatte, war ich zwar nicht überrascht, doch ich wusste instinktiv, dass mir einer Schneider bevorstehen würde, wenn ich nichts veränderte. Ich überlegte kurz und beschloss, die ufernahe Rute zu belassen und mit der Freiwasserrute ein wenig zu experimentieren.


Als erstes wollte ich die Ködergröße herunterschrauben. Eine Maßnahme, die in schwierigen Zeiten schon oft geholfen hat. Anstatt der 20er Murmel wollte ich nun einen gelben 15 mm-Pop Up anbieten. Inspiriert von einem Artikel, den ich gelesen hatte, probierte ich auch gleich ein anderes Rig aus, nämlich das so genannte KD-Rig. Es handelt sich dabei um eine Montage, die der Engländer Kenny Dorset erfunden hat. Ursprünglich konzipiert als Pop Up-Montage zeichnet sich dieses Rig vor allem durch die gekurvte Hakenform, das aggressiv abstehende, überlange Haar und das Bleischrot direkt am Haar aus. Einmal ausgeworfen, liegt der Haken flach am Grund, während der Pop-Up direkt darüber schwebt. Der große Vorteil des Rigs liegt darin, dass sich der Haken aufgrund des vorteilhaften Winkels, in dem das Haar absteht, bereits beim Einsaugen in einer perfekten Hakposition befindet. Die Hakenspitze weist immer direkt in Richtung Unterlippe.

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Ich hatte das Rig zwar bereits 2010 eingesetzt, doch eher bescheidene Erfolge feiern können. Rückblickend würde ich sagen, dass ich damals zwei schwere Anwendungsfehler begangen habe: Mein Haar war wohl immer etwas zu kurz, und außerdem habe ich mit dem Rig ausschließlich normale sinkende Köder angeboten.

Nun fühlte es sich einfach richtig an, wieder einmal auf diese Montage zurückzugreifen. Zusätzlich gab ich meinen Spot im Freiwasser auf und visierte ein kleines Seerosenfeld an - ein schlauer Schachzug, wie sicher herausstellen sollte. Ich musste mich auf den Boden setzen und von dieser Position aus werfen, um die Montage ohne Kollisionen mit Ästen und Zweigen unbeschadet an den Platz zu bekommen. Nach ein paar Testwürfen ohne Vorfach hatte ich den Dreh raus und markierte die Distanz zum Seerosenfeld mit einem Stopperknoten auf der Schnur. Dem Rig folgten ein paar lose Boilies, die ich mit der Schleuder um das Seerosenfeld verteilte.

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Nun wurde es langsam dunkel und biss auf ein paar Schnurschwimmer und einen vermuteten Weißfischbiss hatte sich nichts getan. Ich war gerade dabei, ein paar Gegenstände zusammen zu packen, als plötzlich Leben in die Rute mit dem KD-Rig kam. Gottseidank, der Fisch hing! Erst kam er brav Richtung Ufer, doch dann gab er richtig Gas. In Ufernähe wollte der Karpfen einfach nicht ermüden, eine kraftvolle Flucht folgte der anderen. Doch ich wusste bereits, dass der Fisch kein Kapitaler war, denn seine Fluchten waren zwar kraftvoll und energisch, aber zu nervös und zu wenig ausdauernd für einen richtigen Bullen. Dennoch war ich überrascht von der Kampfkraft des Fisches.

Im Kescher lag schließlich ein prachtvoller, schlanker Schuppi. Ein richtiger "Torpedo", wie ich diese Fische gerne nenne. Sie zeichnen sich immer wieder durch besondere Kampfkraft aus.

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Nun war ich natürlich auf den Hakensitz gespannt, und der war gelinde gesagt, einfach phänomenal. Der Haken saß in der Unterlippe und gerade so tief im Maul, dass ich das Öhr außen noch fassen konnte. Der gekurvte Hakenschenkel hatte sich an das Karpfenmaul angelegt, und das beste: Der Haken war während des Drills nicht einen Millimeter gewandert, sondern steckte bombenfest in der wulstigenUnterlippe des Fisches, was eine eventuell Maulverletzung zuverlässig verhinderte. Diesen Karpfen hätte ich tagelang drillen können, ohne ihn jemals zu verlieren oder ihm eine unnötig große Hakenwunde zuzufügen.

Gleich nach dem Versorgen des Fisches machte ich mich zufrieden auf den Heimweg. Rückblickend würde ich sagen, dass die Repositionierung dieser Rute und die Verkleinerung des Hakenköders ausschlaggebend dafür waren, dass ich doch noch einen Karpfen fangen konnte. Man sollte also ruhig einmal seine angestammten Pfade verlassen und spontan auf Situationen reagieren, wenn die Umstände es nötig machen. Zudem bin ich froh, mit dem KD-Rig meinen Frieden geschlossen zu haben. Diese Präsentationsform werde ich in Zukunft sicher des öfteren einsetzen.

Übrigens: Wer wissen möchte, wie man das KD-Rig bindet, kann hier nachsehen: http://korda.co.uk/articles/view.php?id=120
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Re: Thank you, Kenny

Beitragvon Franz » 04.05.2011, 05:44

@Polsi

Petri Heil und Danke, für den Top-Bericht! :up2:
Gruß
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Wen du nicht mit Können beeindrucken kannst, den verwirre mit Schwachsinn!!!
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Re: Thank you, Kenny

Beitragvon Lupus » 04.05.2011, 06:00

Hallo Polsi!

Also abgesehen von der fachlichen Kompetenz und der Ernsthaftigkeit, mit der Du Dich mit der Materie auseinandersetzt, fasziniert mich mehr und mehr Dein Schreibstil. Die Art Deiner Satzformulierungen hat etwas für sich!
Also eines habe ich jetzt auch noch gelernt: Ich wußte ja von dem KD – Rig (ich glaube durch Christian Schlott, kann das sein?). Nicht bekannt war mir hingegen die Ursache der Bezeichnung KD.
Nun lese ich auch, dass es die Initialen eines Fischersmannes sind. Ich als eingefleischter Jazz-Fan verband mit KD nämlich die Initialen eines großartigen, aber leider viel zu wenig beachteten Trompeters „Kenny Dorham“, von seinen Fans und Freunden einfach „KD“ „Kay Dee“ genannt, und der trotz seines eigenständigen Stils und Sounds nie aus dem Schatten eines Miles Davis oder Dizzy Gillespie herauskam, weil die eben die bessere publicity hatten. Schade.
Jedenfalls nannte ich das KD – Rig immer „Kenny Dor h a m „ – rig. Ich weiß nicht, ob „mein“ Kay Dee ein Fischer war, aber egal, ich höre meistens nach einer schönen Angelpartie noch einen gscheidn Jazz, denn das tat ich schon als Teenager: Karpfenfischen, und nachher Jazz hören .

Gruß. Lupus
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Re: Thank you, Kenny

Beitragvon Andy.S. » 04.05.2011, 07:39

Petri :)

Wie immer Top zu lesen, gute Fotos und noch dazu eine Anleitung,
zu deinem verwendeten Rig.

Einfach Super :up2:

lg. Andy
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Re: Thank you, Kenny

Beitragvon daniele » 04.05.2011, 07:51

Bumm das is ein prächtiger Schupper!
Super Bericht wiedereinmal!

@ Lupus - Angeln mit einer Jazzsession danach kann echt einiges - Zu empfehlen ist auch immer wieder Rythm n Blues!
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Re: Thank you, Kenny

Beitragvon Polsi » 04.05.2011, 12:34

Lupus, bei Jazz kenn ich mich nicht aus, hab nur ein paar Klassikeralben, wie "Kind of Blue" von Miles Davis und "Time Out" vom Dave Brubeck Quartet. Die hör ich aber immer wieder gerne an, wenn die verzerrten Gitarren einmal zu viel werden.
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Re: Thank you, Kenny

Beitragvon Lupus » 04.05.2011, 17:18

Polsi hat geschrieben:Lupus, bei Jazz kenn ich mich nicht aus, hab nur ein paar Klassikeralben, wie "Kind of Blue" von Miles Davis und "Time Out" vom Dave Brubeck Quartet. Die hör ich aber immer wieder gerne an, wenn die verzerrten Gitarren einmal zu viel werden.

Hey, ist aber schon ein sehr sehr guter Start. "Kind of Blue" vom Miles ist eine Scheibe mit Kultstatus. Ich höre sie immer wieder, denn ich erinnere mich an die Zeit, als ich als Teenager sie, damals noch als LP kaufte, und auch meine Angelleidenschaft voll in Blüte stand. Höre ich das heute, denke ich an den Spätsommertag vor Schulbeginn, als ich sie in einem kultigem Jazzplattenladen kaufte (solche Läden sind längst Vergangenheit), auflegte, und dann auch sicher noch fischen war, denn in jenem Sommer, wo meine Eltern auf Urlaub waren, war ich ganz auf Selbstversorger, ein bissl was essen, viel saufen und 3-er Tschicks rauchen, Jazzlokale besuchen, proben, und vor allem ANGELN, auf all die Schätze, die mein Fischwasser damals und auch noch heute hatte/hat: Wie mattes Gold glänzende Karpfen, schwere grünschimmernde Schleien, heimliche Zander und spritzige Hechte.
Und an all das denke ich auch gerne zurück, wenn ich Miles höre und innerlich lachen muß "heast Oida, Du hast Dich keine Spur verändert, Fischen und Jazzhören so wie als Bua".
Dave Brubeck ist ´halt so a Sach´. Sicher ein immens guter Musiker, aber mir groovt er a bissl zu wenig und spielt und schaut aus wie ein Hauptschullehrer aus den 60er Jahren, Sakko mit Lederflecken auf den Ellbogen, grüne Kravatte und um jovial zu wirken, ein bissl einen Salondialekt reden, Grauer VW vor´m Haus, der jeden Sonntag gewaschen und geputzt wird, und ja keine Schuach und leere Bierflaschen in der Wohnung.......
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