Ich startete natürlich wieder mit der Taktik, die sich hier in der bisherigen Saison bewährt hat: Snowman- und Pop Up-Präsentationen, garniert mit köstlichen PVA-Sticks, angeboten inmitten einer großflächigen, aber sparsamen Boiliefütterung. Als sich nach einigen Stunden noch nichts getan hatte, war ich zwar nicht überrascht, doch ich wusste instinktiv, dass mir einer Schneider bevorstehen würde, wenn ich nichts veränderte. Ich überlegte kurz und beschloss, die ufernahe Rute zu belassen und mit der Freiwasserrute ein wenig zu experimentieren.
Als erstes wollte ich die Ködergröße herunterschrauben. Eine Maßnahme, die in schwierigen Zeiten schon oft geholfen hat. Anstatt der 20er Murmel wollte ich nun einen gelben 15 mm-Pop Up anbieten. Inspiriert von einem Artikel, den ich gelesen hatte, probierte ich auch gleich ein anderes Rig aus, nämlich das so genannte KD-Rig. Es handelt sich dabei um eine Montage, die der Engländer Kenny Dorset erfunden hat. Ursprünglich konzipiert als Pop Up-Montage zeichnet sich dieses Rig vor allem durch die gekurvte Hakenform, das aggressiv abstehende, überlange Haar und das Bleischrot direkt am Haar aus. Einmal ausgeworfen, liegt der Haken flach am Grund, während der Pop-Up direkt darüber schwebt. Der große Vorteil des Rigs liegt darin, dass sich der Haken aufgrund des vorteilhaften Winkels, in dem das Haar absteht, bereits beim Einsaugen in einer perfekten Hakposition befindet. Die Hakenspitze weist immer direkt in Richtung Unterlippe.

Ich hatte das Rig zwar bereits 2010 eingesetzt, doch eher bescheidene Erfolge feiern können. Rückblickend würde ich sagen, dass ich damals zwei schwere Anwendungsfehler begangen habe: Mein Haar war wohl immer etwas zu kurz, und außerdem habe ich mit dem Rig ausschließlich normale sinkende Köder angeboten.
Nun fühlte es sich einfach richtig an, wieder einmal auf diese Montage zurückzugreifen. Zusätzlich gab ich meinen Spot im Freiwasser auf und visierte ein kleines Seerosenfeld an - ein schlauer Schachzug, wie sicher herausstellen sollte. Ich musste mich auf den Boden setzen und von dieser Position aus werfen, um die Montage ohne Kollisionen mit Ästen und Zweigen unbeschadet an den Platz zu bekommen. Nach ein paar Testwürfen ohne Vorfach hatte ich den Dreh raus und markierte die Distanz zum Seerosenfeld mit einem Stopperknoten auf der Schnur. Dem Rig folgten ein paar lose Boilies, die ich mit der Schleuder um das Seerosenfeld verteilte.

Nun wurde es langsam dunkel und biss auf ein paar Schnurschwimmer und einen vermuteten Weißfischbiss hatte sich nichts getan. Ich war gerade dabei, ein paar Gegenstände zusammen zu packen, als plötzlich Leben in die Rute mit dem KD-Rig kam. Gottseidank, der Fisch hing! Erst kam er brav Richtung Ufer, doch dann gab er richtig Gas. In Ufernähe wollte der Karpfen einfach nicht ermüden, eine kraftvolle Flucht folgte der anderen. Doch ich wusste bereits, dass der Fisch kein Kapitaler war, denn seine Fluchten waren zwar kraftvoll und energisch, aber zu nervös und zu wenig ausdauernd für einen richtigen Bullen. Dennoch war ich überrascht von der Kampfkraft des Fisches.
Im Kescher lag schließlich ein prachtvoller, schlanker Schuppi. Ein richtiger "Torpedo", wie ich diese Fische gerne nenne. Sie zeichnen sich immer wieder durch besondere Kampfkraft aus.

Nun war ich natürlich auf den Hakensitz gespannt, und der war gelinde gesagt, einfach phänomenal. Der Haken saß in der Unterlippe und gerade so tief im Maul, dass ich das Öhr außen noch fassen konnte. Der gekurvte Hakenschenkel hatte sich an das Karpfenmaul angelegt, und das beste: Der Haken war während des Drills nicht einen Millimeter gewandert, sondern steckte bombenfest in der wulstigenUnterlippe des Fisches, was eine eventuell Maulverletzung zuverlässig verhinderte. Diesen Karpfen hätte ich tagelang drillen können, ohne ihn jemals zu verlieren oder ihm eine unnötig große Hakenwunde zuzufügen.
Gleich nach dem Versorgen des Fisches machte ich mich zufrieden auf den Heimweg. Rückblickend würde ich sagen, dass die Repositionierung dieser Rute und die Verkleinerung des Hakenköders ausschlaggebend dafür waren, dass ich doch noch einen Karpfen fangen konnte. Man sollte also ruhig einmal seine angestammten Pfade verlassen und spontan auf Situationen reagieren, wenn die Umstände es nötig machen. Zudem bin ich froh, mit dem KD-Rig meinen Frieden geschlossen zu haben. Diese Präsentationsform werde ich in Zukunft sicher des öfteren einsetzen.
Übrigens: Wer wissen möchte, wie man das KD-Rig bindet, kann hier nachsehen: http://korda.co.uk/articles/view.php?id=120







