Diesmal an meiner Seite: Christian, der heuer leider noch kein Glück an diesem See hatte. Doch die Chancen standen gut. Da wir beide um 5, bzw. 6 Uhr morgens wieder zur Arbeit aufbrechen mussten, blieb uns keine andere Wahl als einen Platz zu wählen, der in der Nähe unserer Autos lag, wenn wir nicht das ganze Tackle per Boot an eine ander Uferseite bringen wollten. Wir entschieden uns für den Swim "Arc de Triomphe". Hier konnten wir eine ganze Menge Hotspots anfischen, jedoch aus zugegebenermaßen ungünstigen Winkeln. Darum griff ich auf Safetyclips zurück und stellte sicher, dass das Blei bei einem Biss sofort abgeschüttelt werden würde. Mit unseren vier Ruten deckten wir strategisch günstige Punkte ab. Ein paar Kugeln dazu, fertig.

Als erstes ließ mich ein brutaler Schnurschwimmer voreilig ins Boot hüpfen, in der Absicht, dem gehakten Fisch ja keine Chance zur Zuflucht in ein Hindernis zu lassen. Doch der Fisch war nicht gehakt, und da auch das Blei noch an der Montage war, schloss ich auf einen Fehlalarm. Also wieder ausgelegt.

Wir scherzten noch, wann der erste richtige Biss wohl kommen würde und tippten auf Mitternacht, doch dass exakt zwei Minuten nach zwölf die Bremse der Seerosenrute aufkreischen würde, konnten wir nicht ahnen. Ich kniete mich in den Ferrari und pumpte mich dem Fisch entgegen. Eigentlich hatte ich eine Flucht ins Freiwasser erwaret, doch den Gefallen tat mir der Schuppenträger nicht. Stattdessen sah ich schon bei meiner Ankunft am Spot, wie sich das gesamte Seerosenfeld bewegte. Der Fisch hatte sich richtig unter dem Teppich aus Blättern eingegraben und dabei die Schnur natürlich zwischen zahllosen Stengeln durchgezogen, so dass allein mit dem Druck der Rute nix zu machen war.
Mir blieb nichts anderes übrig, als die Rute abzulegen und mich an der 30 Meter langen 0,65er Mono-Schlagschnur Richtung Fisch zu hangeln. Ich musste an an eine alte Internethunter-Binsenweisheit denken und lachen: "Bei Kraut und Seerosen sollte man geflochtene Schlagschnüre verwenden, die schneiden die Pflanzen nämlich durch!" Jaja, das hätte ich gern gesehen... Die dicke Mono ließ sich langsam aus dem Unterwasserdschungel lösen und bot noch immer genügend Dehnung, um den Fisch nicht ausschlitzen zu lassen. Dieser hatte sich nämlich um ein ganzes Bündel von Stengeln gewickelt. Und wer glaubt, dass diese Seerosenstengel einfach auszureißen wären, der irrt. Die Dinger sind stabil! Ich musste warten, bis der Fisch sich selbst befreit hatte!
Nach endlosen bangen Minuten hatte sich der Fisch eine wenige Quadratmeter große Stelle zwischen den Seerosen freigeschlagen, in dem die Pflanzen ringsherum durch den Wirbel des Drills kurzzeitig zur Seite gedrückt wurden. Das war mein Glück, denn so konnte ihn ein wenig ermüden, bevor er wieder abtauchte und den nächsten Stock erwischte.
Immer wieder musste ich die Rute ablegen und die Schnur per Hand aus dem Urwald befreien. Ich rechnete nicht mehr mit einer glücklichen Landung, doch irgendwann kam der Kopf des Karpfens unter ein paar Blüttern zum Vorschein. Er lag ermüdet auf der Seite.
Wie jetzt aber keschern? Bei jedem verzweifelten Versuch, den Kescher unter das Gewirr aus Blättern und Stengel zu drücken, stieß ich mein Boot weiter vom Fisch weg, während dieser einfach auf der Stelle liegen blieb. Ich schwitzte Blut und Wasser und irgendwie - fragt mich nicht wie- schaffte ich es dann doch, das Netz unter den Schuppi zu schieben. Unglaublich! Ich hatte ihn!
Es war ein wunderschöner Schuppenkarpfen, etwa 8 bis 9 Kilo schwer, schlank, muskulös und kampfstark! Obwohl er gewichtsmäßig gerade einmal über dem Gewässerdurchschnitt liegt, werde ich mich sicher noch sehr lange an dieses unglaublich schweißtreibende Battle erinnern.







