Here I stand
My days and nights are now solitude
I struggle on
I've paid my price
Crowbar - All I had (I gave)
Der Punkt, wenn einem alles zu viel wird, ist erreicht, wenn man um 2 Uhr morgens sein Tackle zusammenpackt und ins Auto wirft, obwohl man weiß, dass sich haufenweise Fische am Futterplatz befinden und man sich kaum bessere Chancen auf einen Kapitalen aus einem großen, tiefen Naturgewässer ausmachen kann. Es war meine 78. Nacht in diesem Jahr, die ich am Wasser verbrachte und wahrscheinlich die 100., in der mich mein heimisches Bett aus diversen anderen Gründen nicht sah. Als ich lustlos einen Satzkarpfen abhakte und mich dazu zwingen musste, die Montage wieder abzulegen, um vielleicht doch noch die ersehnte Kanone zu erwischen, war die Session für mich bereits gelaufen. Ich legte mich noch einmal auf mein Bedchair und dachte an den kommenden Sonntag, den ich wohl ein weiters Mal vollkommen übernächtigt und zombiemäßig verbringen würde. Gleichzeitig kam mir der Gedanke an mein Bett, an einen dunklen ruhigen Raum, an tiefen Schlaf, der nicht durch das Piepen der Funkbox unterbrochen wird.
Doch der Reihe nach: Nach meiner einwöchigen Cassien-Tour begann für mich wieder der Alltag, das heißt bei mir: Tagsüber arbeiten, nachts meist fischen. In der ersten Nacht nach Frankreich war ich bei einer guten Bekannten eingeladen, von dort ging es am Morgen dann direkt ins Büro. E-Mails checken, Termine ausmachen, Stories fixieren und recherchieren, Telefonate erledigen, etc. Für den Nachmittag hatten sich Hannes und Barbara von Explosiv Baits angekündigt, die eine ganze Woche an einem großen Kärntner Natursee in meiner Nähe verbringen wollten. Keine Frage, dass ich da für den einen oder anderen Overnighter dazu stoßen würde. Es wurde eine legendäre Session.
Hannes und Barbara sind ein reizendes Pärchen, das sich seit einigen Monaten um den Aufbau ihrer Baitherstellungsfirma "Explosiv Baits" kümmert. Hannes ist ein absoluter Vollblutfischer mit viel Erfahrung, der jede Minute am Wasser voll auskostet. Nicht viele von seiner Sorte können sich glücklich schätzen, eine Partnerin zu haben, die eine solche Form der Besessenheit nicht nur akzeptiert sondern auch noch live dabei ist und sich selbst mit der Materie beschäftigt. Hut ab vor den beiden!

Selbstverständlich brachte das explosive Paar auch gleich eine "kleine" Kostproben aus ihrer Boilieproduktion mit, die im Laufe der folgenden Tage und Nächte wohl zur Gänze in den Fluten des über 100 Hektar großen Sees versenkt wurde. Während sich in der ersten Nacht noch nichts tat, begannen sich die Fische nach und nach einzustellen, und so landete Hannes am zweiten Tag den ersten respektablen Schuppi.

Was danach folgte, war nicht von dieser Welt, und wäre ich nicht live dabei gewesen, hätte ich es wohl nie geglaubt, doch Hannes und Barbara fingen während ihres Aufenthaltes etwa 50 bis 60 (!!!) Karpfen, von denen viele die 10-Kilo-Marke deutlich überschritten.



Die Bisse kamen teilweise im 30-Minuten-Takt, und sogar ich als blutiger Amateur schaffte es, etwas abseits vom Futterplatz ein paar kleinere Exemplare als auch einen großen Spiegler mit mächtigen Flossen zu landen. Wahnsinn!





Immer wieder besuchten uns Kunden von Hannes, die in der Gegend wohnen, und nicht selten wurden während eines solchen "Kundengespräches" zwei, drei weitere Karpfen gelandet. Vollkommen verrückt!





Ich selbst arbeitete tagsüber und kam meist abends ans Gewässer, wo wir den Tag gemeinsam mit unserem Freund Manfred ausklingen ließen, nur um kurze Zeit später wieder drillend am Steg zu stehen. Am Freitag fuhr ich nicht an den See, sondern über die Pack in die grüne Mark, wo ich bei einer Freundin eingeladen war. Nach einer Nacht mit wenig Schlaf ging's mit hündischer Begleitung wieder zurück an den See, um nach den beiden Tiroler Gästen zu sehen, die noch immer fleißig am Fangen waren.




Der Abend wurde wieder sehr angenehm, doch im Laufe der Nacht machte sich der Schlafentzug und die Anstrengungen der letzten Tager immer mehr bemerkbar. Alle sonst ganz normalen Vorgänge fielen schwerer und schwerer. Ich bekam einen Fehlbiss von einem Wels (verschleimtes Vorfach) und landete einen Babyspiegler, doch ich konnte nicht mehr weitermachen. Ich war immer ein Vertreter der Meinung, wenn man sein Hobby nicht mehr richtig genießen kann, sollte man eine Pause machen und einen Gang zurückschalten. Und genau das tat ich. Hannes half mir dankenswerterweise noch beim Tragen des Tackles.
Nichtsdestotrotz bin ich mir sicher, dass das alte Feuer bald wieder da ist, doch die Akkus müssen noch geladen werden. Von Hannes erfuhr ich noch vom Fang eines 15er Spieglers, der seine traumhafte Session würdig beendete.

Mein Dank gilt außerdem dem Explosiv-Team für die großartige Gesellschaft und die Möglichkeit, mit ihnen fischen zu können! Bis bald!









