Hellvis hat geschrieben:In unserer Welt muss man sich - und das kann man nicht statisch, unabhängig von der vorherrschenden Wertevorstellung sehen - die Frage stellen, wer ist der "bessere" Fischer: ein Freak wie R. Walker oder ein "Freizeit-Hunter" von einem der vielen Karpfenanlagen???
Das kommt wohl darauf an, wie man "besser" definiert. Ist der bessere Fischer der, der trotzdem fängt, wo alle anderen schneidern? Oder der, der seine Zeit am Wasser am meisten genießt? Oder doch der, der am Ende des Jahres auf hunderte Großfischfänge zurückblicken kann?
Von einer "Entwicklung" kann man heute bei den meisten Anglern nämlich gar nicht mehr sprechen. Heute fängt man nicht mit dem Angeln an, sondern man beginnt mit dem Carphunting o.ä. Das bestätigen sämtliche Fachhändler. Junge Angler kommen in den Laden und geben erst mal ein paar tausend Euro für in Highend-Ausrüstung aus, ohne auch nur irgendwas über Fischarten, ökologische Zusammenhänge, Gewohnheiten der Fische, etc. zu wissen. Dann fährt man halt an das richtige Gewässer, von dem man weiß, dass regelmäßig fette Fische gefangen werden und schwuppdiwupp, der Hunter ist geboren. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Angelarten aussieht, aber bei den Karpfenanglern ist es definitiv so. Der Unterschied zeigt sich dann halt meist am Verhalten am Wasser. Mit null Bezug zur Materie zeigen diese Leute oft auch null Respekt vor der Natur, nehmen keine Rücksicht auf andere Angler, etc.
Es ist ein Unterschied zwischen Richard Walker (Namen ersetzbar mit anderen "idolen") und "so sein wollen wie Richard Walker". Es gibt keinen zweiten Richard Walker, es gibt auch keinen zweiten Chris Yates, usw. Warum? Weil sich diese Angler ihre eigenen Gedanken gemacht haben, bahnbrechende Erfindungen geboren haben, etc. Was der Großteil von uns macht (nehme mich nicht aus), ist, diese Ideen einfach zu kopieren. Zwar sind wir dann erfolgreich, aber Leute wie Walker werden IMMER einen Schritt voraus sein.
Und man muss das nicht einmal an solchen Größen wie Walker etc. festmachen. Man braucht nur mal an ein beliebiges Gewässer mit vielen Anglern gehen und nur einmal kurz hinschauen: Was gerade in den einschlägigen Hefterln steht, wird 1:1 kopiert, ohne dass die Leute verstehen, dass die Autoren zu ihren Methoden gekommen sind, um spezifische Probleme an ihren Gewässern zu lösen. Mein Lieblingsbeispiel ist der Highpod-Aufbau am Vereinstümpel, vielleicht noch mit Backlead.
Oder ein Blick in ein beliebiges Forum: Die Frage ist nicht "Wie kann ich Fische besser aufspüren?" oder "Ich habe lange Flauten zwischen den Bissen. Wie kann ich trotzdem den einen oder anderen fangen?", sondern: "Was hält ihr von diesem Rodpod?" oder "Welche Fertigboilies sind die besten?"