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Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Fluss und Bach

Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Lupus » 18.02.2010, 18:06

Hallo Freunde!
Wer kennt sie nicht, die typischen, irgendwann von Menschenhand geschaffenen hot spots: halb verrottete mit Moos überwachsene Baumstämme, die vor mehr als hundert Jahrens zur Uferbefestigung angelegt wurden, Leitwerke zum schnelleren Abfließen des Wassers für den Holztrieb, alte Wehranlagen, brüchiges unterspültes Mauerwerk. Gerade im Bereich von ländlichen Ortschaften sind unsere Salmonidenflüsse oft von Spuren menschlichen Schaffen geprägt, aber genau dort wo es eher ein wenig "spröde" aussieht, stehen die schönsten Forellen und Äschen. Auch sind diese betagten Zeugen der ersten Industrialisierungswelle hervorragende Brutstätten für allerhand Insekten.
Ich kenne etliche kleine Salmonidenflüsse, die solche fischereilich extrem interessanten Stellen bieten.
Manchmal jedoch, sogar in guter Absicht werden Versuche gemacht, solche Gewässer wieder zu renaturieren, und das kann ... wie ich stellenweise beobachten musste, zu Einbußen in der Fischvielfalt führen.
Ein Beispiel ist der Toplitzbach im steirischen Salzkammergut, im Einzugsgebiet der Traun. Vor einigen Jahren hatte man in der Absicht, hier ein Paradies für die Forelle zu schaffen, alles entfernt, was früher an die Zeit erinnerte, als dieser Bach für die Holzschwemme, sozusagen als Verbindungskanal zwischen den beiden Seen verwendet wurde. Während früher überall herrliche Forellen standen, scheinen die Fische die jetzt künstlich geschafften Mäander überhaupt nicht zu mögen. Der Versuch der Renaturierung wurde sozusagen ein Eingriff in die Natur.
Ich könnte noch viele Beispiele von Gewässern aufzeigen, wo man Spuren von einer früheren Uferbefestigung und Nutzung sieht, wo sich hervorragende Einstände für Salmoniden befinden. Nicht auszudenken, würde man dies alles entfernen. Fische sind eben doch nicht immer so süchtig nach einem "zurück zur Natur".
Sicher ein recht widersprüchliches Thema, ich würde mich interessieren, wie Ihr das seht.
Gruss. Lupus
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Royal Coachman » 19.02.2010, 17:10

Hallo Gerhard !

Das ist ein Thema, das leider sehr vernachlässigt wird.

Auch ich kenne einige Beispiele, wo alte Wehre und Längsverbauten geschliffen und durch Steinwürfe usw. ersetzt wurden.
Das Problem hiebei ist, daß Totholz z.B. einen wichtigen Lebensraum für Bachflohkrebse und anderes darstellt.

Es wurde gut gemeint aber schlecht getroffen, genauso wie in manchen Bächen Stauwehre abgerissen wurden und man nun eine starke Verlandung durch Aufschotterung feststellt.

Ich kann nur anhand von zwei Beispielen sprechen, die sind aber gravierend, ein Wehr hast Du noch erlebt an der G. , es exixtiert nicht mehr, ein Steinwurf mit Aufstieg wurde geschaffen nur leider sind in diesem Bereich kaum noch Fische.

Das zweite ist noch schlimmer, ein Wehr in der St. wurde so umgebaut, daß überhaupt nur mehr alles ins Kraftwerk läuft und der Fischaufstieg ein Witz ist.

Schade beide Wehre hatten eine überragenden Fischbestand in Menge und Größe.

Ich stehe den Renaturierungsmaßnahmen mittlerweile sehr skeptisch gegenüber.

mfg
Gebhard
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Lupus » 20.02.2010, 16:09

Hallo Gebhard!
Danke für Deine Antwort.
Ja, ich glaube zu wissen, welches Wehr das sein muss, von dem Du schreibst, dass es nicht mehr existiert.
Hoffen wir, dass manche alte Baulichkeiten, aus denen sich seit Jahrzehnten so hervorragende Fischeinstände gebildet haben, von gewaltsamer Renaturierung verschont bleiben.
mfg. Gerhard
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon BrownTroutFan » 20.02.2010, 17:10

Ich möchte an dieser Stelle drei gelungene Renaturierungen erwähnen, die die Enns betreffen: westlich der Stadt Schladming bzw. in Haus im Ennstal und etwas weiter flussabwärts in Pruggern. Hier kann die Enns wieder aus ihrem "Korsett" kommen. Außerdem wird die Fließgeschwindigkeit bei Hochwasser durch die Flussverbreiterung gemindert. Und - für Angler sicher interessant: Es sind in diesen Bereichen vermehrt junge Äschen zu beobachten. Ist doch was Schönes, oder? Ich kann euch auch Bildmaterial dazu auf meiner Foto-Website zeigen:
a) Renaturierung Schladming: http://martinhuber.zenfolio.com/p493245 ... #h15d90d50
b) Renaturierung Haus: http://martinhuber.zenfolio.com/p493245 ... #h15ff0336 oder http://martinhuber.zenfolio.com/p493245 ... 0#h13a019a
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Kaindlau » 20.02.2010, 18:44

Servus @Lupus

meiner Ansicht nach kann eine Renaturierung nur ein Segen sein.
Die von dir geschilderten Eingriffe in die Natur wie Uferbefestigungen oder Wehranlagen sind ja damals auch nicht sofort von den Fischen angenommen worden (um nicht akzeptiert sage zu müssen), sondern es dauerte sicher einige Zeit.(es blieb ihnen ja auch nichts anderes übrig) :mrgreen:

Und so wird es sicher wieder einige Zeit dauern bis die Fische eine (Professionelle) Renaturierung als positiv empfinden.
Und natürlich muss sich auch der Mensch (Fischer) wieder umstellen. (ist ja vielleicht nicht mehr so einfach die "Hot Spots" zu finden.)

Und über eines bin ich mir absolut sicher, würden die Fische gefragt ob sie "zurück zur Natur" wollen, alles andere als ein klares ja käme dabei nicht heraus.Ich bin es sowieso, :lol:

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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Royal Coachman » 21.02.2010, 23:46

Hallo Kaindlau!

Du machst es Dir etwas einfach, es werden die Verbauten ja nicht weggerissen, sondern durch andere ersetzt.

Es muß nun Totholz in die Gewässer eingebracht werden, denn was heutzutage unter Renaturierung verstanden wird, ist nur ein Zurückbau in einen früheren Zustand. Echte Renaturierung ist zum größten Teil nicht möglich, da Hochwasserschutzbauten usw. ja nicht abgebaut werden können.

Wenn nun Wehre weggerissen werden, so entsteht ja eine beschleunigte Wasserführung und in der Folge eine Aufschotterung von großen Flußteilen, Kolke werden zugeschwemmt es entsteht eine Wasserautobahn,die bei jedem kleinen Gewitter oder Wolkenbruch Schotter und Geröll tranportiert und da keine Ausweichmöglichkeit besteht einfach im Flußbett ablagert.

Dies kann ich Dir bei mehreren Flüssen in OÖ zeigen, wo früher wunderbare Einstände waren, schießt heute das Wasser einfach grade darüber weg, die großen Steine bzw. Felsen wurden eingegraben und in der Quintessenz: keine Fische mehr vorhanden, da Lebensraum zerstört.

Daß dies nicht in allen Bereichen so läuft ist mir schon klar, aber leider doch öfter als man vermuten würde.

freundlichst
RC
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon posti » 22.02.2010, 11:57

Hallo Leute,
Renaturierung ja, aber nicht um jeden Preis. Sehr häufig vergisst man dabei, dass sich in der Zwischenzeit ja meistens auch die Umgebung und viele andere Parameter geändert haben.
Es gibt in Österreich kaum mehr ein Gewässer, das naturbelassen ist. Wenn ich dann nur einen Teil davon renaturiere, dann ist diese Maßnahme genau NIX wert!

@Kaindlau: wenn man die Fische fragen könnte, dann würde die Antwort lauten: "... nur, wenn ich nach der Renaturierung einen Lebensraum vorfinde, der mir Unterschlupf und Nahrung bietet!"
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Elmike » 24.02.2010, 13:01

Ist denk ich stark situationsabhängig. In meinem Murrevier ist etwa der Hechtbesatz meiner Meinung nach rausgeschmissenes Geld. Man sollte besser in Renaturierung, oder eher Umnaturierung investieren und den Fischen Raum zur Reproduktion schaffen, dann kommen sie von allein und bleiben auch. Eine Renaturierung im Sinne der Barben/Salmonidenregion wie vor den Kraftwerksbauten wäre ohnenhin nur durch Sprengung derselben möglich :roll: ...
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon frauennerfling » 24.02.2010, 17:27

hallo leute!

also da misch ich mich jetzt auch wieder mal ein...

wehre unterbrechen die möglichkeit zu wandern und sind jedenfalls schlecht und sollen entfernt werden, wenn immer es möglich ist!! punkt aus!
wenn unter irgendeinem wehr eine dicke forelle steht und ein fischer behauptet, dass desswegen das wehr bleiben muss.......ist das für mich nur ein klares indiz dafür, dass die fischer besser ausgebildet (aufgeklärt) werden müssen.

reNATURierung bedeutet, dass es zurück (re) zum natürlichen zustand gehen soll. und der natürliche zustand ist der der beste zustand (das beste habitat :))! und die dickste forelle steht sowieso im teich beim fischzüchter, der sie auch noch gut füttert. vielleicht sollten einige dorthin fischen gehen, wenn ihnen die renaturierungen missfallen!!

l.g.
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Kaindlau » 24.02.2010, 20:16

Servus

Also um ganz sicher zu gehen, das wir von der selben Sache reden, hier die ersten Zeilen das "Wikipedia" zu dem Thema schreibt.:

Unter Renaturierung versteht man die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen aus z. B. landwirtschaftlichen Bodenflächen, aufgelassenen Eisenbahnstrecken, geschlossenen Flugplätzen oder begradigten Flüssen. Bei der Renaturierung von Bächen und Flüssen wird versucht, das ursprüngliche nichtbegradigte Flussbett wiederherzustellen, die Strömungsgeschwindigkeit und damit die Überschwemmungsgefahr zu reduzieren, sowie ursprüngliche Tier- und Pflanzenarten wiederanzusiedeln.

Einerseits bin ich ja froh, das sich hier vielleicht eine Diskussion über die Natur im allgemeinen, und Renaturierung von Gewässern im besonderen ergibt. :lol: , aber ich habe so meine bedenken. :roll:
Es ist wahrscheinlich einfacher 10 Frauen zu lernen das man beim Brausen auch gleich die Haare waschen kann :mrgreen: , als 10 Fischern zu vermitteln, das wir alle an einen Strang ziehen sollten.
Ich beobachte im Forum schon des längeren, das Themen wo es um meiner Ansicht das wichtigste beim Fischen geht, nämlich sein Hobby in einer weitgehend intakten Natur ausüben zu können, von den meisten nicht einmal gelesen wird. Es sind ja dann immer wieder die selben, die mehr oder weniger dazu Stellung nehmen, oder eigene Beiträge starten, wie eben jetzt "Lupus"

Wo geht es hin in der Zukunft :?: wie ich in einer Werbung sehen konnte gibt es schon "Urban Rods" wo man praktisch beim Nachhauseweg von der Arbeit noch schnell die Spinnrute bei der U-Bahn Station auf Barsche durchzieht. 8)

Einiges ist ja meiner Meinung nach schon geschehen z.B.:www.http://angelforum.at/viewtopic.php?f=13 ... ischtreppe aber vieles muss noch passieren.

Es gibt viel zu tun, packen wir es an. :lol:

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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Royal Coachman » 25.02.2010, 16:20

Hallo Frauennerfling !

Du machst es Dir schon einfach, vollkommen naturbelassene Flüsse bilden Naturwehre aus, Baumstämme, Felsstürze usw.,

Das Wehr von dem ich als Beispiel gesprochen habe, liegt mitten in einem Ort , der Bach ist zwischen 2,5m hohen Mauern eingedämmt, Du müßtest den ganzen Ort wegreißen lassen um zu einem renaturierten Flußlauf zu kommen. Eine funktionierende Fischtreppe bringt in der Regel viel mehr Erfolg, wie sich an einem unterliegenden Wehr erleben läßt. Das Wehr war ein 17m breites Schußtafelwehr aus Holz , stark unterspült und beherbergte ca 500 - 600 Forellen, übriggeblieben ist eine gemauerte Fischtreppe und eine Steinwurf mit einem kleinen Tumpf mit ca 5-6 Fischen, wobei jetzt der Ort als Badeplatz entdeckt wurde.

Wie man auch am Toplitzbach erleben darf, wird hier vorgegangen :"wie sich klein Maxl die Renaturierung vorstellt" jedenfalls kommt es mir so vor.

freundlichst
Gebhard
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon frauennerfling » 25.02.2010, 17:25

servus gebhard + lupus!

was soll denn bitte ein naturwehr sein? :o nie gehört davon, meinst du einen wasserfall....aber wurscht

weil ja vom toplitzbach die rede war und ich den nur dem namen nch kenne, hab ich schnell mal gegoogelt und eine beschreibung gefunden, was dort gemacht wurde (www.ezb-fluss.at/downloads/Renaturierun ... tzbach.pdf) und bin nun eigentlich davon überzeugt, dass das eine gute sache ist und durchaus gelungen.
was passt den da deiner meinung nach nicht lupus??? würd mich stark interessieren. du bist doch ein mensch mit gefühl für die umwelt, vielleicht kannst du konkretisieren, was dich da stört.
und nachdem ich gesehen hab wer das geplant hat muss ich sagen, "klein maxl" bist in dem fall wohl sicher du, lieber gebhard.

liebe grüße,
der frauennerfling
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon red tag » 25.02.2010, 20:53

hallo leute!
wieder einmal ein tolles und wichtiges thema hier. es mag ja sein,dass manchmal eine revitalisierung,renautierung unw schiefgeht oder nichts bringt.
aber es steht wohl fest, dass sie grunsätzlich wichtig und gut für den fischbestand sind. auch wenn man zb eine tolle stelle , zb ein wehr weniger hat und dort dann kaum mehr fische sind können die ev weiter aufsteigen und zu ihren laichgründen unsw kommen.
habe mir auch den link über den toplitzbach angeschaut und finde die arbeit dort auch nicht schlecht. das haben auch leute geplant/ ausgeführt die genau wissen wa sie tun. ich halte zb den herrn clemens ratschan, der dort mitwirkte für absulut kompitent und bin jedesmal fasziniert wie gut der sich mit den thema auskennt.
fg red tag
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Royal Coachman » 26.02.2010, 07:44

Hallo Frauennerfling !

Am Papier sieht das toll aus am Toplitzbach, aber die Realität ist, daß ein auch in alten Zeiten berühmtes Gewässer mit starkem Fischbestand heute nur mehr geringe Fischbestände aufweist, aber das interessiert niemand, Hauptsache man hat "renaturiert".
Es tut mir Leid, aber dieser Pfusch unter dem Deckmantel der Wissenschaft ist für mich nur schwer erträglich.
Lies einfach die alten Berichte über Fänge und Fischbestände, dann weißt Du Bescheid.

@ Red Tag : schau Dir doch mal die Taurach im obersten Teil unterhalb des Wasserfalles an ca 2 km, dann weißt Du was ich meine. Bei uns wird doch jeder Baum sofort herausgeräumt und wenn nicht von der Behörde, dann sorgen schon die Paddler dafür, daß es geschieht!
mfg
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Re: Renaturierung: Segen oder manchmal doch nicht?

Beitragvon Ragman » 26.02.2010, 08:28

Royal Coachman hat geschrieben:dann sorgen schon die Paddler dafür, daß es geschieht!
mfg
Gebhard


Ähm ... weil ja Angler sich nie einen Einstand herausschneiden :roll:
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