Polsi hat geschrieben:@Lupus: Ein Karpfen mit 50 cm hat so zwischen 3 und 5 kg, grob geschätzt, das reicht locker für zwei bis drei Personen. Wenn einem das immer noch nicht genug ist, kann man sich ja gerne zwei oder mehrere fangen. Die meisten Gewässer in Kärnten sehen eine Entnahme von 2 bis 6 Fischen pro Tag vor. Ich sehe ehrlich gesagt überhaupt keinen Sinn darin, einen Karpfen mit 70, 80 oder gar größer zu entnehmen.
@Polsi: Wow, 3-5 kg bei 50cm! . Entweder Ihr messt Eure Fische nicht von Kopf bis Schwanzflossenspitze, sondern wie in Osteuropa üblich- bis Ende der Schwanzwurzel, oder Ihr habt nur die extrem hochrückigen (in deutschen Fachbüchern oft als "Aischgründer") Spiegelkarpfen. Denn bei uns herrschen die eher langgestreckten Schuppenkarpfen vor. Selbst die etwas bunkerteren Kaliber haben bei 50cm bestenfalls 2,5 kg. Ein Karpfen mit 5kg hat bei uns vielleicht 65cm, unter Umständen noch mehr.
Ich kann ja jetzt Farbe bekennen, auf die Gefahr hin, dass mich die militanten Karpfenschützer derschlagen: Vorab gesagt interessieren mich inzwischen, da ich seit vielen Jahren anglerisch doch eher in der Bewegungssparte (Fliegen- und Spinnfischen) zu Hause bin, die anglerisch zeitaufwendigeren Großkarpfen persönlich als Zielfisch nicht mehr, aber so in den 70er, 80er Jahren war C&R noch nicht so verbreitet bei uns und niemand fand groß etwas dabei, wenn auch ein kapitaler Fisch verwertet wurde. Noch einmal vorab: Ich würde so etwas heute nicht mehr machen, brauche aber auch nicht so zu tun, als wäre diese Vergangenheit ausgelöscht: Also: In meiner Jugend nahm ich sehr wohl einige Karpfen mit, die zwar heute nur mehr als Mittelklasse gelten, damals aber als "kapital" eingestuft wurden und als kleiner Wichtigtuer damals war ich sogar sehr stolz, mit so einem Bildl in der Fischerzeitung zu sein. Das war ein 78cm langer, ziemlich rundlicher Spiegelkarpfen mit genau 9kg. Ein anderes Mal war es ein viel schlankerer Schuppenkarpfen von der gleichen Länge, und der hatte nur 7 kg. Ich könnte ja die Bildln, die irgendwo versteckt in einem alten Album sind, scannen und da reinstellen, aber ich werde mich hüten. Auch wenn so etwas damals als ganz normal angesehen wurde (außer in Großbritannien). Die Fische wurden voll verwertet. Für die Filets gab es zwei große Familienessen, und für den Rest ein großes Fischsuppenessen. Schändlich, schändlich, ich weiß. Aber worauf ich hinaus will: Ich stamme noch aus einer Zeit und einer Region, wo einen Zentimeterlängen von Fischen eigentlich nur als das Brittelmaß wirklich interessierten, sonst fragte jeder nur "wie schwer war er denn (egal was für eine Fischart) . Und somit habe ich wohl hunderte Karpfen abgewogen in jener Zeit und bei 50cm hatte nie einer 3 kg, geschweige denn 5. Einen Karpfen unter 45 cm fängt man bei uns nur ganz selten und wenn wir bei dem Hauptspeisefisch meiner näheren und auch etwas weiteren Umgebung ein Maximallängenlimit von 50cm einführen würden, hätten wir das Wasser übervoll und würden andere Friedfischarten wohl nicht mehr sehr gut aufkommen.
Wir hatten vor 2 Jahren an unserem Gewässer durchgesetzt, dass Karpfen ab 70cm zurückgesetzt werden müssen, was die überwiegenden Mehrheit begrüßt. Damit können derzeit alle leben. Der Fischer so wie ich (andere werden ihn liebevoll Fleisch- oder Kochtopffischer bezeichnen) kann sich "seinen" 2, 3 oder meinetwegen auch bissl schwereren Karpfen zum Verspeisen heimnehmen, und der ambitionierte Großkarpfenangler hat seine Entfaltungsmöglichkeiten.
Du schreibst noch von Maximaltagesentnahmen bei Euch. Vielleicht sollte ich dazu erklären, dass bei uns zwar maximal 2 Karpfen pro Tag entnommen werden dürfen, aber nicht mehr als 20 pro Jahr. Und nur ganz ganz wenige sind so "wild", dass sie das unbedingt ausschöpfen wollen. Ich kenne auch genug Gewässer , wo nur 1 Fisch pro Tag entnommen werden darf.
Ich will nicht gleich sagen, dass so ein "Gesetz" wie Du es da vorführst, von vorne herein sinnlos ist. An Gewässern, wo kein Besatz eingebracht wird, und sich die Karpfen von selber vermehren k ö n n e n und auch tatsächlich ein kleiner Bruchteil von dem Laich zu "Fischen" wird, würde ich es ganz toll finden, wenn man Entnahme strikt limitiert und sagt, ab 50cm geht der Fisch zurück, und von denen unter 50cm darfst Du vielleicht maximal pro Monat einen mitnehmen. Vielleicht würde ich sagen 50cm ist ein bissl gering und das noch um 5cm erhöhen, weil diese selbstreproduzierenden Fische wahrscheinlich sehr sehr schlanke "Wild"karpfen sind und einer mit 50 gerade 1,5 kg hat, aber Du siehst, selbst ein "Karpfenfresser" wie ich denkt sehr wohl vom Einzelfall betrachtet, differenziert über die Sache nach.
Gruss. Lupus