Was war in der heurigen Saison nur mit mir geschehen? Nachdem ich mein neues Stausee-Revier bereits im April bezwungen hatte (ihr erinnert euch vielleicht an "Die große Herausforderung") zog es mich an andere Plätze, wo ich die feineren Seiten des Karpfenangelns ausleben konnte, auch bedingt durch Zeitmangel, der nur Kurzsessions zuließ. Die Kollegen zerrissen sich schon die Mäuler: Aus dem ehemals so stolzen Big Water Carper war mittlerweile ein reiner Tümpelfischer geworden, der die Launen des Stausees und die drohenden Blanksessions fürchtete und daher lieber auf Nummer sicher ging! Doch nicht mit mir: Endlich hatte ich zwei Nächte hintereinander Zeit! Nun wollte ich es auf alle Fälle angehen, komme was da wolle! Und so stach ich mit meinem treuen, grünen Polyesterboot gegen Mittag in See, um an einen geeigneten Platz zu übersetzen.
Die Batterie geht ein
Doch da kam warf mir das Schicksal schon den ersten Knüppel vor die Beine: Die Batterie meine E-Motors war zusammengefallen, wie das Display meines Echolots (bei mir läuft beides über die gleiche Batterie) zeigte. Von 12,9 Volt in wenigen Sekunden auf 10 und schließlich auf 9, das konnte bei einer frisch aufgeladenen Batterie nicht sein! Ich schaffte es gerade noch, einen aussichtsreichen Platz anzufahren und per Echolot zwei Spots auszumachen. Diesmal wollte ich zwei Plateaus mit Tiefen zwischen einem und 1,5 Meter beangeln. Um die kaputte Batterie wenigstens so weit zu schonen, dass sie mich im voll beladenen Boot noch zurück in den Hafen bringen würde, war ich im Verlauf der Session also aufs Rudern angewiesen. Bei kräftigem Wind gar nicht so einfach, aber schließlich klappte auch das. Am späten Nachmittag lagen die Montagen an ihren Plätzen, beide bestückt mit einer harten 24er-Kugel von Tommis Carpshop.
Verhinderter Marker-Diebstahl
Stefan war gerade auf Besuch, als ein Motorboot vorbeifuhr. An sich nichts Ungewöhliches, doch das Boot wendete und fuhr zielstrebig auf meinen rechten Marker zu. Der wird doch nicht... Und doch, schon greift der Typ hinunter, um den Marker zu schnappen, doch er erwischte ihn nicht richtig. Ich war völlig perplex und schrie vom Ufer aus Richtung Boot.
Ich: "Heeeey"
Typ im Boot hebt entschuldigend die Hand.
Er: "A host do wos dabei henken?
Ich: "Na"
Er: "A Reusn oder wos?"
Ich: "Na"
Er: "I hob gedocht, do liegt wos im Wossa!"
Dann vertschüsste er sich mit seiner schwindligen Besatzung endlich!

Brax Attack
Ich war gerade dabei, mein Geschirr nach einem fetten Holzfällersteak abzuwaschen, als der Receiver die ersten Töne der Session von sich gab. Doch die verhießen nichts Gutes: Der Hanger bewegte sich in hektischen Rucken abwärts. Alles klar, die Brachsen waren da. Der Schleimbeutel verabschiedete sich während des Drills, doch das ersparte mir leider nicht das neuerliche Auslegen im Dunkeln.
Action
Nach Mitternacht kamen eindeutige Biss-Signale vom rechten Spot. Ich nahm die Rute und spürte sofort Widerstand! Das war eindeutig keine Brachse, aber auch kein Monster. Nach einigem Hin und Her landete tatsächlich der erste Karpfen im Kescher! So leicht ist es mir hier nur selten gefallen, meinen Zielfisch auf die Schuppen zu legen, ich war schon zufrieden.

Kurz vor der Morgendämmerung erfolgte ein Vollrun auf der linken Rute. Cool, beide Spots hatten funktioniert! Im Drill zeigte sich wieder eindrucksvoll der Unterschied zwischen einem fetten Teichfisch und einem muskulösen Drau-Schuppi! Was waren mir diese Drills schon abgegangen...

Sch***-Wetter
Von 6 Uhr morgens bis Mittag regnete es durchgehend. Glücklicherweise erfolgten in dieser Zeit auch keine weiteren Aktionen. Zum Regen kam starker Wind und ein enormer Temperatursturz. Es war richtig ungemütlich. Ich hatte Glück und erwischte ein Zeitfenster mit wenig Wind, um meine Montagen neu auszubringen. Am frühen Nachmittag war ich damit fertig. Später besuchten mich Michi und Korki.
Grande Finale
Abends wurde es dann richtig kalt, so dass ich es bevorzugte, meine Zeit im Zelt zu verbringen. Gegen 23 Uhr schlief ich tatsächlich ein, was mir ganz recht war, denn Bisse kommen an diesem Gewässer generell meist erst ab Mitternacht. Als ich zwischendurch erwachte und es schon nach 3 Uhr morgens war, hatte ich mich mit einer fischlosen Nacht eigentlich schon abgefunden. Doch dann kam ein Piep, gefolgt von einem Dauerton, der für das Finale sorgte. Ein extrem spannender Drill entbrannte, um im Kescher lag ein perfekter Schuppenkarpfen. 8,5 Kilo schwer und perfekt in der Unterlippe gehakt.

Da soll noch einer sagen, ich wäre zum Tümpelfischer geworden. Der Lago difficile, der "schwierige See" hat mich mit seinen wunderbaren Bewohnern belohnt, obwohl ich ihm so lange untreu gewesen war. Doch die Leidenschaft ist wieder entbrannt, und eins ist sicher: I'll be back





