
So reifte die Idee heran, einen ganzen Nachmittag der Old School-Angelei auf Karpfen zu widmen. Inspiriert vom Altmeister Chris Yates, der in seinen Videos nur mit Rute, Kescher, Tasche und Hut bewaffnet die schönsten Karpfen auf die Schuppen legte, wollte ich es dieser Legende gleichtun. Schon bei der Zusammenstellung des Gerätes fühlte ich mich in meine Kindheit und Jugend zurückversetzt, doch ich wollte es sogar NOCH puristischer angehen!
So bestand mein Tackle aus folgenden Utensilien: Rute, Kescher, Abhakmatte, Rucksack und ein kleiner Falteimer mit ein paar Köderdosen. Im Rucksack befand sich eine Dose mit den nötigsten Kleinteilen, meine Kameratasche und eine Jause. So ausgerüstet konnte ich innerhalb weniger Sekunden den Platz wechseln, sollte das nötig werden. Schon auf der Fahrt zum Wasser bemerkte ich, dass das Wetter schöner war als vorhergesagt. Dennoch hoffte ich auf nicht zu viel Betrieb am See. Meine Gebete wurden erhört, denn nur da und dort trieb sich ein Badegast herum.

Mein erster Rundgang galt den Schleien, doch die ließen sich natürlich nicht blicken. Das hatte ich bei diesen Wetterbedingungen auch nicht erwartet. Also suchte ich die Stelle auf, wo ich meinen letzten Stalking-Karpfen fangen konnte und warf dort kurzerhand meine Montage per Unterhandwurf aus. Zwei, drei Hände Partikel (Mais/Gerste/Weizen) folgten und sollten die Fische zum Fressen animieren. Meine Montage bestand nur aus 0,28er Hauptschnur, einem etwa 80 cm langen Stück Fluorocarbon und einem 6er Haken mit weitem Bogen, der mit einem Klassiker bestückt war: Mais/Made-Kombi. Zwei kleine Bleischrote sorgten für das nötige Wurfgewicht.


Ich selbst nahm direkt neben der Rute auf der zusammengerollten Abhakmatte Platz. So wäre ich quasi hautnah dabei, wenn sich ein Fisch für meinen Köder interessieren würde.

Die Spannung stieg! Gebannt starrte ich auf den Punkt, wo meine locker durchhängende Schnur das Wasser berührte. Da, sie zieht ab! Anschlag und - nix! Die Maden ausgelutscht, das war wohl eines der vielen Rotaugen. Also neu beködert und wieder raus mit dem saftigen Köder.

Schon nach wenigen Minuten zog die Schnur zügig ab, der Anschlag saß und die Bremse kreischte auf. Das ging ja schnell - ich war völlig verblüfft und überrascht! Der Karpfen entwickelte auf die zehn Meter Wurfdistanz eine unheimliche Kraft, weshalb sich der Drill zwischen den versunkenen Bäumen in einen richtigen Eiertanz verwandelte. Der Fisch kämpfte ausdauernd, doch dann hatte ich ihm im Kescher. Ich war hin und weg vor Freude! Es hatte funktioniert! Mit primitivsten Mitteln hatte ich einen wunderschönen Fisch gefangen. Gewogen habe ich ihn nicht, schätze ihn aber auf ca. 5 Kilo. Tat das gut, dem modernen Karpfenangeln einmal zu entsagen und mit den ganz alten Methoden Erfolg zu haben.


Wie sollte es jetzt weitergehen? Ich entschloss mich, den Spot ruhen zu lassen und weiter zu ziehen, doch zuvor warf ich noch ein paar Hände Partikelmix ein. Eine weise Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Nun begann mein Rundgang ums Ufer. An allen verdächtigen Stellen warf ich meinen Köder aus und wartete für etwa 30 Minuten. Zugleich befütterte ich einige Spots sparsam, um sie später nochmalsbeangeln zu können. Doch die Karpfen taten mir keinen Gefallen und zeigten sich nicht in Fresslaune. Nach einigen Stunden war ich wieder an dem Spot angelangt, wo ich den ersten Fisch haken konnte. Wieder beförderte ein Unterhandwurf den Köder auf Distanz, und wieder musste ich nicht lange warten, bis sich die Schnur in Bewegung setzte. Der Drill war Action pur! Der Fisch - obwohl kleiner als der vorige - setzte alle seine Kraft ein, die Bäume zu erreichen, und ich schwitzte Blut und Wasser, bis ich ihn ins Freiwasser bugsieren konnte. Doch auch hier wollte er nicht aufgeben und setzte zu weiteren Fluchten an. Ich dachte an nix anderes mehr, wollte nur noch diesen Fisch in den Kescher bringen, und ich schaffte es! Ein weiterer schöner Spiegler! Der Haken saß fest im Maulwinkel.

Nun wusste ich also wie der Hase lief. Ich machte alles gleich wie vorher, versenkte noch ein paar Partikel am Spot und ging weiter, um andere Stellen zu befischen. Auch den Schleien stattete ich wieder einen Besuch ab, doch abermals waren diese nicht zuhause. Auch die anderen Karpfenspots, so verführerisch sie auch aussahen, brachten keinen einzigen Biss, worauf ich natürlich wieder am Ausgangsplatz landete. Ich hatte anscheinend ein Areal gefunden, wo sich die Fische aufhielten.
Leider waren mittlerweile auch viele Rotaugen und Minibarsche am Platz, die meinen Köder nicht in Ruhe ließen, also musste ich auf gekochten Hartmais umsteigen. Doch auch das funktionierte! Ein weiterer Biss brachte einen kleinen Schuppi-Satzler ans Tageslicht, der die Session abschloss!

Aus meiner Sicht war der Nachmittag ein voller Erfolg! Ohne groß Tackle schleppen zu müssen und ohne lange Wartezeiten konnte ich mit einfachen Mitteln drei schöne Exemplare meines Zielfisches fangen! Einfach genial!





