Eine kleine Karpfengeschichte, Fotos leider nur vom Handy:
Nachdem mein Unterbewußtsein heute morgen alle Versuche meines Handys mich rechtzeitig für einen geplanten Kurztrip
nach Kärnten zu wecken eiskalt ignoriert hat nutzte ich den verbleibenden (Nachmit)Tag für einen Ausflug an ein Altwasser,
Teil von meinem Murrevier. Als einzige Vorbereitung knetete ich mir einen Ballen Ölteig, verfeinert mit etwas Zimt und
einer Prise Salz. Nicht unbedingt weil ich mir davon bessere Fänge versprach sondern mehr weil das Zeug grad neben
meiner Teigschüssel herumgestanden hat. Angegangen bin ich den Ausflug schwer minimalistisch, meine Uraltmatch, ein
Kofferl mit Kleinzeug, Hocker, Gaberl und ein kleiner Klappkescher sollten reichen. Nicht einmal eine Abhakmatte packte ich
ein, erstens erwartete ich kaum was mächtigeres als ein paar Rotaugen und zweitens wußte ich das es dort jede Menge
weiches Gras zum versorgen etwaiger gekescherter Fische gab. Der promovierte 'Hanta' möge mir verzeihen.
Nach einem kurzem Spaziergang durch tiefsten Dschungel fand ich ein kleines Platzerl, frei von Totholz mit genug Platz
für einfache Pendelwürfe und baute dort mein Zeug zusammen - Schwimmer, Bleischrot, Hakerl, fertig. Ein paar Teigbrösel
gefüttert, Radler geöffnet und gewartet - genauso hab ich als Kind (wenn auch ohne Radler) unzählige Stunden am Parkteich
verbracht. Als mein Schwimmer nach einer halben Stunde den ersten Tanz hinlegte war auch meine Vorfreude ähnlich kindlich
wie damals, einfach eine lässige Fischerei.

Der erste Hefter ging ins Leere, doch schon der zweite mündete in einem kurzen, aber wegen des Platzmangels sehr heftigen
Drill. Ein kleiner Schuppi schoß da in Höllentempo die Uferböschung entlang, nicht einmal einen Kilo schwer aber wunderschön
herbstlich-goldig wie ich nachdem Keschern festellen konnte. Mein erster Karpfen heuer, klein, aber die Freude war groß.

Der durfte natürlich wieder schwimmen, genauso wie seine 6 Artgenossen die ich während der nächsten drei Stunden fing.
Ich glaubte es kaum, sicher gibt es dort einen gesunden Bestand an Schuppis aber ein derartiges Bissfest hatte ich nicht
erwartet. Bis 3 Kilo hatten sie, einer schöner wie der andere. 3 weitere verlor ich nach kurzem Kontakt. Von Rotaugen,
Karauschen oder Aitel keine Spur, nur Karpfen hatten Interesse für meinen Teig.

Beim Einpacken fiel mein Blick auf mein Barschsteckerl, welches seit meinem letzten Kärntenausflug sein Dasein in meinem
Kofferraum fristen musste. Eine Runde damit kann nicht schaden dachte ich, bis auf einen kleinen versemmelten Hecht blieb
die allerdings ereignislos. Dafür hinterließ mich eine Beobachtung reichlich perplex: Schon beim Weg zum Karpfenplatz fiel
mir eine Schneise mit 'gefällten' Bäumen auf, da dachte ich aber eher an einen mäßig motivierten Landwirt den wohl mitten in der
Fällerei die Freude daran verlassen hat. Jetzt bei näherer Betrachtung stellte sich heraus das hier kerngesunde Bäume teils
entwurzelt, teils mit zerschmettertem Stamm gestürzt wurden. Das ganze begann in 15m Entfernung mitten im Wald und endete
bei einer Breite von ca. 5 Metern direkt mit ins Wasser gestürtzten Bäumen. Es sah im Ernst so aus als ob ein Kleinflugzeug
in meinem Altwasser notladen mußte. Einen Sturm schloß ich kategorisch aus, der Rest des Waldes war völlig unberührt.

Bei ein paar abschließenden Lockerungswürfen in den angrenzenden Mühlgang dämmerte es mir schließlich: Auf einem interstellarem
Touristenkreuzer muß die unerwartete Entdeckung das man in den Weiten des Kosmos wohl doch nicht ganz allein sei derartige
Begeisterung ausgelöst haben das zur Feier des Events gleich mehrere Flaschen hochprozentiges geköpft wurden. Der Navigator
feierte offensichtlich mit, was in einer Notlandung auf meinem Altarm endete. Offensichtlich bekam man das Schiff wieder flott,
ich war ja lausallein, ein paar Tropfen Flüssigkryptonit wurden aber wohl hinterlassen was den Altwasserkarpfen die
Fähigkeit zur Vermehrung via Teilung verlieh, sonst eher eine Sache unserer Einzelligen Verwandten.
Das erklärte einfach Alles, die Schneise sowie die guten Karpfenfänge, es muß wohl so gewesen sein...