"Seas Joe, was machen die Fisch?"
"Jo, heit geh i wieder."
"I geh erst am Sonntag wieder... Stausee."
Da fiel mir ein, dass es eigentlich Freitag war und es keinen Grund gab, nicht heute auch angeln zu gehen. Spontan verabredete ich mich mit Joe für den heutigen Abend an seinem Haugewässer. Nach Dienstschluss packte ich den Ferrari in den Citroen und dann ging es sofort los in Richtung Steiermark.

Der Abend war einer der guten Sorte. Joe fing zwei Fische, einen schönen Schuppi und - was uns alle besonders freute - einen seiner Zielfische, einen wunderschönen Scaley, für den ich wahrscheinlich töten würde und den er ungewogen wieder zurücksetzte. Er war angesichts dieses Resultats komplett "over the moon" und so euphorisch, dass er das Angeln für heute abbrach und sich aufs Feiern verlegte. Wer kann es ihm verdenken?


Als es dämmerte, besuchten uns einige andere Karpfenangler an unserem Platz und wir genossen gemeinsam ein Bier - das heißt, jeder genoss sein eigenes. Ich hatte noch immer keinen Biss, doch das machte mich nicht nervös. Ich wusste, meine Zeit würde noch kommen. Ich wusste, ich hatte alles richtig gemacht.
Joe feierte an einer anderen Stelle weiter und ich döste auf meiner Liege dahin. Plötzlich, um etwa 23 Uhr, war ich wieder hellwach. Ich schlug die Augen auf, schälte mich aus dem Schlafsack und setzte mich angespannt hin. Ich wusste rein instinktiv: Wenn ein Biss kommt, dann jetzt, zwischen elf und zwölf. Und ich sollte wieder recht behalten. Erst ging die linke Rute ab. Kleiner gelber Pop-Up am Hinged Stiff Rig. Ans Ufer kam ein schöner Schuppi zwischen acht und zehn Kilo. In dem Moment, als sich die Keschermaschen um den Fisch schlossen, kam wie aus dem Nichts ein Run auf der anderen Rute. Shit, was sollte ich jetzt machen? Ich hatte keinen zweiten Kescher dabei. Doch der Fisch nahm mir die Entscheidung ab und verabschiedete sich vorzeitig.

Mittlerweile war Joe wieder aufgetaucht, und so konnten wir vom nächsten Fisch - ein Schuppler der gleichen Kategorie - ein Gemeinschaftsfoto machen.

Mittlerweile war ich schon sehr müde. Ich stieg in den Ferrari, brachte die Rute wieder an den Spot und setzte mich mit Joe vor unsere Unterstände, um noch etwas zu quatschen. Joe, der alte Minimalist, hatte nich einmal eine Liege mitgenommen und hatte vor, am Stuhl zu schlafen. Na dann, viel Spaß. Wenige Stunden später hatte er sich schon ins Auto verzogen. Ich hingegen verlor in der Nacht einen Fisch, war aber zu müde, wieder rauszufahren und angelte mit nur einer Rute weiter. Diese ging im ersten Morgenlicht ab und brachte diesen schönen Spiegler.

Danach kam es ganz dick. Ich hatte beide Montagen an Land und war unschlüssig, ob ich nochmal rausfahren sollte. Schließlich entschied ich mich doch dazu, was sich als der richtige Weg herausstellen sollte. Kaum 15 Minuten nachdem der Ferrari wieder angelegt hatte, erhielt ich einen langsamen Biss auf ein Snowman-Rig. Der Fisch zog träge und unaufhaltsam seine Bahnen. Immer wieder kamen große Blasenteppiche an die Oberfläche. Keine Kopfstöße, nur Gewicht und Kraft.

Ich wusste, das war ein Besserer. Als der Fisch zum ersten Mal die Oberfläche durchbrach und ich einen massigen Leib erspähte, der die 15-Kilo-Grenze wahrscheinlich sprengen würde, wurde ich langsam nervös und war heilfroh, als Joe den Kescher im richtigen Moment anhob. High Five! Er war drin! Yeah! Ein kurzer Blick: Es war Spalti, einer der größten und schwersten Bewohner dieses Gewässers, mit einem Kreuz, so breit wie die Thekensitzer in meiner Stammkneipe um ein Uhr morgens. Seinen Namen erhielt er aufgrund seiner gespaltenen Brustflosse auf der linken Seite.
Wir kamen jedoch gar nicht dazu, den Fisch auf die Matte zu heben, denn kaum war er im Kescher, erhielt ich noch einen Biss auf die Pop Up-Rute. Das konnte doch nicht wahr sein! Der Fisch ließ sich leicht herandrillen, doch als ein seltsam geformter Kopf aus dem Wasser schaute, wussten wir, dass wir es hier nicht mit einem Karpfen zu tun hatten. Joe rannte los und lieh sich von einem anderen Angler einen zweiten Kescher. Der Fisch war mittlerweile in Ufernähe gekommen und gab sich zahm, doch wer diese Art schon einmal drillen durfte, weiß, was das heißt, nämlich: Das Schlimmste kommt noch! Wenn dieser Fisch in Ufernähe ist, gibt es nur eins: Bremse lockern und hoffen, dass der Haken angesichts der explosionsartigen Fluchten hält. Unausgedrillt gekeschert haben diese Torpedos schon den einen oder anderen Kescher einfach in der Mitte durchgerissen. Ich gab mir größte Mühe, den Fisch, der weit über einen Meter lang war, ordentlich auszudrillen, und es funktionierte! Das Glück war wieder auf meiner Seite. Mit größter Umsicht hievten wir diese exotische Kreatur auf die Abhakmatte. Ein weißer Amur mit 14,8 Kilo!

Nun mussten wir uns aber noch Spalti kümmern, der noch im Kescher verweilte und sich ein wenig erholte. Joe ließ es sich nicht nehmen, das Teil allein aus dem Wasser zu heben. Mir war es recht, denn mir stand noch eine kurze Fotosession mit diesem Ausnahmefisch bevor. 20,6 Kilo zeigte die Waage an! Ich konnte es nicht glauben!



Ans Auslegen dachte ich danach natürlich nicht mehr! Bei einem guten Kaffee ließen Joe und ich diese denkwürdige Session Revue passieren. Mit diesem Ergebnis - Joe fing seinen Zielfisch, ich den Dicken - konnten wir vollkommen zufrieden sein. Vergessen war der Blank beim letzten Mal, als ich an diesem Gewässer war. Bedanken möchte ich mich bei Joe für die nette Einladung und die tolle Session. Gerne komm ich wieder mal vorbei!






), aber das würde ja nur beweisen das die Angler die dort fischen sehr behutsam mit den Fischen umgehen...

