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Nymphe im Wandel der Zeiten

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Nymphe im Wandel der Zeiten

Beitragvon Lupus » 23.10.2009, 05:25

Hallo Freunde!
Aufgrund einer Antwort von Freund @Royal Coachman zu einem Thema beim Fliegenbinden (Nymphe) will ich dieses Thema eröffnen.
Ich hatte ja schon einmal mit der Fliegenfischerei vor 35 Jahren eher halbherzig begonnen, bis ich dann erst 2005 wieder echtes Interesse an der Materie fand und bis heute schwerstens infiziert bin.
Damals, und auch in alten klassischen Fachbüchern dokumentiert, waren Nymphen noch nicht so verbreitet wie heute, und überhaupt kannte man die heute so stark verbreiteten Goldkopf, Tinhead , Tungsten etc. Köpfe noch nicht. Sollte eine Nymphe schwer sein, also für tiefes Fischen, so waren es die berühmten Ritz C etc, oder die von Klejch entwickelte berühmte Gacka-Nymphe für tiefe Kreideflüsse.
Als ich 2005 wieder anfing, war in den Läden alles voll mit den Goldkopfnymphen, und auch am Stammtisch meiner zukünftigen Hauswässerchen sagten mir, dem neugebackenen Neuling die Alteingesessenen "nimmst ein Goldkopf-Nymphers, wirst schon sehen...".
Tatsächlich klappte das auch gut und ich muß auch zugeben, dass der Großteil meiner Nymphen in den Fliegenschachteln so gestaltet ist.
Allerdings reizt mich beim Nymphenfischen am ehesten, einen Fisch nicht "blind", womöglich mit Controller zu haken, sondern zu sehen, was sich tut, und das Ganze vielleicht - so mir möglich ist und die Sichtverhältnisse es zulassen, eher aktiv zu beeinflussen. Immer klappt es ja nicht und geht gar nichts, oder sieht man gar nichts, bleibt immer noch die Plumpserei mit den Kugerln.
Aber interessieren würden mich schon verschiedene Standpunkte, und dann noch eines: Ich glaube gelesen zu haben, dass für feinere Nymphenfischerei, also jetzt nicht die Plumps-Fischerei, auch die Gestaltung des Vorfaches sehr wesentlich ist. Einfach von Trockenvorfach (meistens gezogen geliefert) dann die Nymphe draufknüpfen soll nicht so ideal sein. Ich las da etwas von einfach nur 2 Sektionen zusammenknüpfen, damit das Vorfach besser im Wasser "schneidet". Wäre sehr interessant für mich, da mehr zu erfahren.
Ich freue mich schon auf Antworten.
Liebe Grüße und Petri Heil. Lupus
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Re: Nymphe im Wandel der Zeiten

Beitragvon posti » 23.10.2009, 09:23

Servus,
also bei mir sieht's folgendermaßen aus:
Plan A: Trockenfliege
Plan B: Nassfliege oder Trockenfliege nass gefischt
Plan C: Nymphe
Plan D: entweder wieder Trockenfliege oder Gasthaus...

Ich halte es da ähnlich wie mein lieber Freund der Gebhard (Royal Coachman): "... nix fangen kann ich mit der Trockenfliege auch, aber es macht viel mehr Spaß!" ;-)
Grundsätzlich finde ich, sollte jeder seine Vorlieben, seinen Stil finden. Natürlich auch angepasst den örtlichen Gegebenheiten. Es macht die Trockenfliege in einem reinen Put and Take Gewässer wahrscheinlich wenig Sinn, wenn die Fische ausser der Tagga-Fliege ;-) nix kennen. Und bei hohem, trüben Wasser wird wahrscheinlich der Streamer das Mittel der Wahl sein (sofern erlaubt).
Dass die Goldkopf-Muster (in verschiedensten Ausprägungen) Fischbringer sind, steht sicher ausser Frage - Roman Moser hat dieses Potential erkannt, als er diese Idee damals von Amerika zu uns gebracht hat. Wenn man aber gleich zu Beginn des Angeltages mit Goldkopf anmarschiert, nimmt man sich selbst die wahren Highlights des Fliegenfischens.
Allerdings als reine Plumpsfischerei würde ich die GK-Nymphe nicht pauschalieren, gibt es doch auch die Kugerl in winzigen Größen (ich binde gerne kleine Nympherl mit 1,5 mm - 2 mm GK auf 18er Hakerl).
Ich persönlich fische am liebsten - wie schon gesagt - mit der Trockenfliege mit feinen Ruten wo und wann immer es möglich ist. Zum Beispiel mit meiner 2-3er RST oder jetzt natürlich mit meiner Neuerwerbung, einer 2er Gespließten *megafreu*.

Zu den Vorfächern:
Beschwerte Nymphen an Trockenfliegenvorfächern stellen grundsätzlich kein Problem dar. Umgekehrt wärs schwieriger. Muss man allerdings schnell auf Tiefe kommen, ohne aber viel Gewicht verwenden zu können, dann sind die konisch gezogenen Vorfächer nicht ideal. Da ist ein normales paralleles Monofil oder FC wesentlich besser, da es nicht so aufschwimmt.
Bei Tungsten kann man wahrscheinlich auch das Abschleppseil des Autos verwenden :lol:
posti
 

Re: Nymphe im Wandel der Zeiten

Beitragvon Lupus » 23.10.2009, 15:50

Hallo posti!
Danke für Deine ausführliche Antwort.
Ich dachte schon, wo sind unsere ganzen Fliegenfischer geblieben?
Das mit Plan A-D deckt sich auch ziemlich genau mit meinen Zielsetzungen.
Wenn es nur geht, bevorzuge ich die Trockenfliege, einfach weil es am meisten Spass macht. Und schon oft habe ich wunderschöne Fische zum Steigen verleitet, die sonst an und für sich kein Steigeverhalten zeigten.
Meine allerletzte Wahl ist eigentlich immer der Streamer. Eben bei trübem Hochwasser oder so. Vielleicht entgehen mir dadurch so manche kapitale Forellen, aber ich bin nun einfach kein Streamerfischer.
Bei der Nymphe hast Du mir auch große Hilfe punkto Vorfach geleistet. Denn auch ich bin jetzt überzeugt, dass die gezogenen Vorfächer nicht das Gelbe vom Ei für reines Nymphenfischen sind. Es ist nur oftmals so, dass man dringend eine Nymphe versuchen muss, weil es die ultima ratio erscheint, und dann zu faul ist zum Vorfach wechseln.
Sollten aber bei mir Plan A und auch B von vorneherein aufgrund der Verhältnisse ausscheiden, werde ich paralleles Monofil nehmen, oder eben zweigeteilt...
Gruß. Lupus
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Re: Nymphe im Wandel der Zeiten

Beitragvon red tag » 23.10.2009, 17:42

hallo lupus,hallo posti!
sehe ich ähnlich wie posti. es gibt aber gerade bei uns im industrieviertel sehr viele reviere zb warme fischa wo so gut wie nie ein fisch steigt auch die fischerei mit unbeschwerten nymphen so gut wie sinnlos. es ist natürlich nicht die klassische fliegenfischerei aber in solchen revieren fische ich auch gerne mit streamer oder schweren nymphen. man darf ja dort auch mit der spinnrute fischen.
auch ist die fischerei dort mit fliegenrute und schweren fliegen nicht gerade einfach.
das ist natürlich auch nicht sonderlich sportlich an einen gepflegten,gut mit der fliege befischbaren wasser gleich die schwersten teilen
zu fischen. am anfang meiner laufbahn war ich den schweren fliegen noch ein wenig aufgeschlossener. mit der zeit verwendete ich sie aber viel seltener. bei beschwerten nymphen die ich tief fischen möchte verwende ich in der regel durchgehend 0,16 oder 0,18er.
bei unbeschwerten verwende ich ein konisches vorfach bei den ich eine relativ lange spitze anknote.
fg red tag
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Re: Nymphe im Wandel der Zeiten

Beitragvon Royal Coachman » 26.10.2009, 21:26

Hallo Freunde !
Ich möchte nicht die Gold- oder Tungstenkopfnymphen verteufeln, auch ich werfe mal in ein tiefes Wehr eine hinein.

Aber es ist mir einfach zu langweilig, vielleicht auch noch mit einem Bißanzeiger und einer schweren Goldkopfnymphe zu fischen. Aus meinem heurigen Fischertagen darf ich Euch zwei Beispiele erzählen.

1. Anfang September, Ammer unterhalb der Echelsbacher Brücke, ein Wildwasser erster Güte. Wir kamen hin, am Vortag ein Gewitter, noch etwas erhöhter Wasserstand. Bachforellenwasser mit eigenem Regenbogenstamm (siehe Erich Stoll!) und Äschen aber nur mehr vereinzelt, da durch den Kormoran stark geschädigt. Das Wasser war leicht angestaubt und die Überlegung war Nymphe oder etwas anderes. Ich entschied mich für Attractor-Flies nach Randall Kaufmann, also Schlitterfliegen, die über die Wasseroberfläche gezogen werden und eine Herbst-Caddis imitieren, die Probleme beim Schlüpfen hat. Der Erfolg war durchschlagend, und damit Ihr Euch was vorstellen könnt, das funktioniert in etwa so wie das Jerken auf Hecht. Die Bisse sind von ungeheurer Vehemenz und ich konnte binnen zwei Stunden einige Stücke mit über 40 cm landen.

2. Ende August G., starkes Gewitter am Vortag zu meiner Überrasschung die G. trübe mit stark erhöhtem Wasserstand (beim obersten Wehr konnte ich nicht mit den Stiefeln durchwaten!)mein Freund probierte schwere Nymphen und fing hin und wieder einen Fisch. Ich zog wieder den Attractor übers Wasser , die Forellen stritten sich darum.

An beiden Gewässern waren keinerlei Stiege zu sehen und Nymphen wurden nur genommen, wenn diese zufällig den Fischen ins Maul schwammen.

Fliegenfischen ist eine so tolle Sache, man kann so viel Verschiedenes ausprobieren und sicher hat der Goldkopf seine Berechtigung aber mit der Bevorzugung dieser "Plumpsfischerei" bringt man sich um viele tolle und befriedigende Erlebnisse.

freundlichst
Royal Coachman

PS: Lupus und Posti kennen die G.!
Royal Coachman
 

Re: Nymphe im Wandel der Zeiten

Beitragvon Lupus » 27.10.2009, 06:19

Hallo red tag!
Bei der Notwendigkeit, schwere tiefgehende Nymphen und natürlich auch Streamer zu verwenden, habe ich auch gleich an die typischen Flüsse gedacht, die Du auch genannt hast. Diese Flüsse wurden oder werden noch zum Antrieb von Mühlen etc. verwendet und natürlich steigen Fische dort nur selten. Da würde man andernfalls über die Köpfe der Fische hinwegfischen. Danke auch Dein Hinweis für das Vorfach.

Hallo Royal Coachman!
Genauso ist es mir im Spätsommer an meinen Hausgewässern gegangen. Die Schlitternymphe war der absolute Bringer. Auch der VErgleich mit der Jerkfischerei ist sehr zutreffend, die Fische "knallen" so richtig drauf. Ich nehme dann sicherheitshalber immer ein stärkeres Tippet und schaue, dass ich ein wenig Reserveschnur zum "Nachfüttern" bei der Hand zu haben, wenn es fest "eini-rumpelt".
Dagegen war ich gestern am niedrigen geradezu glasklaren Bach und konnte die Fische mit leichter Nymphe auf Sicht fangen. Es ist also wirklich so, dass man nur flexibel sein muss. In meinem ersten Jahr mit der Fliege war ich das noch nicht und so hing am Ende meistens die Goldkopfnymphe, und nur wenn ich wirklich Steiger sah, wurde auf Trocken umgestellt. Ich bin zwar natürlich kein Profi, aber die steigende Flexibilität hat mir immer mehr Fische und vor allem immer mehr Freude und verwertbare Eindrücke gebracht.
Gruß und Petri Heil. Lupus
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