Gerade recht kam mir der Vorschlag von Markus L., doch einmal ein neues Gewässer anzuchecken. Doch leichter gesagt als getan. Markus hatte noch keinerlei Erfahrung von meiner Lebensweise und so kam es, dass er mich an besagtem Samstag um 6 Uhr morgens nicht zuhause antraf, sondern in eine andere Ortschaft fahren musste, wo ich die Nacht nach einem Umtrunk verbracht hatte und dort mittlerweile durch die Straßen irrte.
Kurz nach acht war es geschafft: Wir standen am Teich. Eine schöne, vielleicht vier Hektar große Lacke, umgeben von herbstlichen Schilfgürteln, aber mitten im Industriegebiet. Irgendwie ein ungewohntes, aber durchaus reizvolles Ambiente. Wie im Lehrbuch drehten wir erst einmal eine Runde um das Gewässer, um eventuelle Fischaktivitäten zu registrieren, doch alles lag ruhig da. Kein Lebenszeichen aus Richtung Wasser. Unsere Platzwahl fällten wir schließlich auf Basis von Erfahrungen, die Markus an diesem Gewässer bereits machen konnte. Ich verwendete ausschließlich auffällige, kleine Pop-Ups in Verbindung mit PVA-Sticks, um herumcruisende Fische schnell auf den Hookbait aufmerksam zu machen.

Markus versuchte sein Glück auf Räuber und verwendete Köderfische und Fischfetzen an leichten Laufbleimontagen. Würde bis Mittag kein Biss erfolgten, wollten wir moven.

Das Wetter war ausgesprochen mild, und wir konnten die Sonnenstrahlen sogar im T-Shirt genießen.

Am späten Vormittag setzte sich die Schnur von Markus' Rute ruckartig in Bewegung und blieb gleich darauf wieder stehen. Nach ein paar Minuten das selbe Spiel. Ich kannte dieses Verhalten eigentlich nur von den lästigen Signalkrebsen beim Zanderangeln, doch diese sollten in diesem Teich gar nicht vorkommen. Markus wurde es zu blöd und er schickte sich an die Rute zu kontrollieren. Unter Tonnen von Kraut entdecken wir schließlich den Übeltäter: Ein kleiner Hecht, der den Köderfisch runtergewürgt hatte. Der Haken saß etwas tiefer, doch glücklicherweise verwendete Markus nur einen Einzelhaken, so dass wir ihn ohne Verletzungen des Fisches lösen konnten.

Unterbrochen wurde der Vorgang allerdings vom meiner Rollenbremse, die rasant Schnur freigab. Schon war ich im Drill - der erste seit langem und eine Wohltat für die Seele. In Anbetracht des kalten Wassers war der Fisch überraschend lebhaft. Ein kleiner Spiegelkarpfen in perfektem Zustand. Wunderbar!




Ein Raubfisch und ein Karpfen in fünf Minuten - wer will da noch moven? Also verbrachten wir auch den restlichen Tag an diesem Platz. Die Abenddämmerung brachte einen brutalen Biss auf Markus' Fischfetzenmontage, allerdings konnte er den Räuber nicht haken.

Gegen acht Uhr abends entschlossen wir uns, die Session zu beenden. Ich war zufrieden. Ein neues Gewässer beangelt, und gleich einen Karpfen gefangen. Kein Grund, sich zu beklagen. Zurück in Wolfsberg schlüpfte ich vom Fischeroutfit direkt in den Sakko und verweilte bis 3 Uhr morgens in meiner Stammkneipe. Nice...









