Anstatt auf Nummer sicher zu gehen und den Erfolgsplatz der letzten Sesssion wieder zu befischen, entschloss ich mich, ans andere Ende des Teiches überzusetzen, zu einer Stelle, an der ich bisher noch nie geangelt hatte. Auf diese Art und Weise würde ich das Gewässer nach und nach gut kennen lernen. Diesmal war wieder meine Freundin Andrea mit von der Partie. Sie war mir beim Ablegen der Ruten behilflich und kümmerte sich mit selbst gemachtem Chili um die Verpflegung.
Zur Location: Ganz links fand ich eine Bucht mit vielen überhängenden Bäumen, die förmlich nach Karpfen roch. Ich ließ mir bewusst Zeit mit dem Abstasten des Grundes und legte mich schließlich auf eine nur etwa 60 Zentimeter tiefe Sandstelle in Ufernähe fest. Hier konnte ich die Fische direkt in einem Areal befischen, in dem sie sich sicher fühlten, hatte aber noch genug Freiraum, um einen gehakten Karpfen von den Hindernissen fern zu halten. Ich brachte einen harten, zurecht geschnittenen 24er Boilie in Position und fütterte dazu nur wenige Handvoll Dumbells, um die Fische zum Fressen anzuregen.

Die zweite Rute legte ich hingegen ganz nach rechts, aber wiederum in Ufernähe. Hier befand sich ein Schilfgürtel, von dem aus der Grund steil auf etwa zwei Meter abfiel. Direkt am Fuße dieses Steilufers platzierte ich einen Fluo Pop-Up am Hinged Stiff Rig.
Der Tag wurde verdammt warm - so warm, dass ich einen ersten Schwimmversuch unternahm. Überraschend, wie warm das Wasser schon war!

Ich war schon wieder trocken und angezogen, als ich einen Biss in der Bucht registrierte! Mitten am Tag, eigentlich untypisch hier! Der Fisch bewies Stärke und ließ sich nur schwer von den Bäumen fern halten, doch schließlich kam er ins Freiwasser, wo ich ihn in Ruhe ausdrillen konnte! Andrea hielt das Drillgeschehen fotografisch fest. Jetzt nur nichts falsch machen!





Der Karpfen kämpfte ausdauernd und forderte mich immer wieder, doch schließlich lag der Schuppi im Kescher! Etwa acht Kilo brachte der Milchner auf die Waage. Die Session war bereits jetzt ein Erfolg!

Mittlerweile hatte sich die örtliche Mopedgang eingefunden, die mit ihren Gefährten ständig direkt am Ufer auf und ab fuhren. Natürlich genau an dem Ufer, an dem mein Pop-Up lag. Als die Burschen und Mädels dann noch den Anschein machten, über Nacht bleiben zu wollen und zu angeln, machte ich mich schon auf das Schlimmste gefasst, doch glücklicherweise verhielten sich die Jugendlichen vorbildhaft und verwandelten das Ufer in der Nacht nicht in ein Partygelände.
Wir lagen schon auf unseren Liegen unter dem Sternenhimmel, als mich ein Vollrun von links wieder auf die Beine beförderte. Der Fisch saß kurz fest, weshalb ich ihn mit dem Boot entgegen fuhr. Als ich bei ihm ankam, war er schon im Freiwasser und ich konnte ihn relativ problemlos keschern. Wieder ein Schuppi, ein wenig kleiner als sein Vorgänger.

Ich hatte anscheinend einen Hotspot gefunden! Doch als ich wieder hinaus fuhr, um die Rute abzulegen, bemerkte ich, dass der Fisch im Drill meine Boje komplett verzogen hatte! Shit! Es blieb mir nichts anderes übrig, als mein Ruder zum Abklopfen des Grundes zu benutzen, um zumindest grob wieder in den Bereich meines Spots zu kommen. Irgendwann war ich so halbwegs zufrieden und senkte den Köder gemeinsam mit ein paar Futterboilies wieder hinunter.
Der nächst Biss kam um drei Uhr morgens, abermals von links! Ich hatte also wieder am richtigen Platz abgelegt. Ich bemerkte schon im Drill, dass der Fisch wohl etwas kleiner sein würde. Zum Ende hin vermittelte mir die Rute einige schnell aufeinander folgende Schläge in der Schnur. Höchst seltsames Drillverhalten für einen Karpfen, dachte ich. Des Rätsels Lösung wurde sichtbar, als der Fisch auf der Matte lag. Der Milchner hatte ein recht stark missbildetes Rückgrat! Am Fressen schien es ihn aber nicht zu hindern.

Die Nacht wurde überraschend kalt, auf unseren Sleeping Covers bildete sich sogar Reif. Ich hatte Mühe, mich im Schlafsack warm zu halten. Am frühen Morgen gab dann schließlich auch die Pop-Up Rute einige Töne von sich. Ein perfekter Schuppi, der kleinste der Session, bildete den Abschluss dieser traumhaften Session.








