
Ich wollte versuchen, die wenigen Stunden, die ich bei meinen Kurzansitzen an diesem Teich verbringe, noch besser auszunutzen, doch wie sollte mir das gelingen? Ich begann zu kombinieren: Meine Boilie only-Taktik, also ausschließlich mit Boilies füttern und auch damit angeln - hatte im Sommer und Herbst auch kurzfristig sehr gut funktioniert, doch nun schien es, als ob die Fische ausbleiben würden. Wenn ich hier fing, dann nur bei Overnightern tief in der Nacht bzw. in den Morgenstunden, also lange nach dem eigentlichen Anfüttern. Daraus schloss ich, dass die Fische jetzt im April einfach noch nicht voll aktiv sind und zu langsam fressen. Das heißt, ich war meist längst wieder zuhause, bevor ankommende Fische auf meinen Hakenköder stoßen konnten. Folglich brauchte ich etwas, um die Fische schneller an den Haken zu bekommen, ohne meine ganze Fütterungstaktik über den Haufen zu schmeißen, denn ich wusste, dass ich mit einer Partikelfütterung oder ähnlichem nur Horden von Weißfischen und Satzkarpfen anlocken und die Großen vergrämen würde.
Des Rätsels Lösung lag in meiner Tiefkühltruhe: Eine Dose feinster Stickmix, bestehend aus fischem Grundfutter, kleinen Low Oil-Pellets, etwas Dosenmais, Makrelenfilets aus der Dose samt Saft sowie etwas Salz und Pfeffer. Ich wollte meinen Boilie only-Ansatz einfach durch einen kleinen PVA-Stick am Haken erweitern, der unter Wasser mitten im Boiliefeld seine ganze Lockwirkung entfalten und interessierte Fische schneller zum Biss verleiten soll.


Es rock förmlich nach Karpfen, als ich um 17 Uhr ankam. Das Wetter war trüb, doch es war für heute abend nur leichter Regen vorausgesagt. Meine Lieblingsstelle war frei, die Distanzmarkierungen noch auf der Schnur, ich konnte also loslegen. Doch das Wetter erschwerte mein Vorhaben: Stürmische Windböjen rissen meinen provisorisch aufgestellten Schirm aus dem Boden und heftiger Regen weichte die Erde unter meinen Füßen auf. So viel zum leichten Niederschlag. Die Feuerwehrsirenen der Nachbarorte drangen an meine Ohren.

Irgendwie schaffte ich es, die Rigs mit den PVA-Sticks im Regen an ihre Plätze zu bringen: Ein Snowman in etwa 10 Meter Distanz, eine normaler Sinker etwas weiter raus. Mit einer Präzisionsschleuder aus dem Matchbereich verteilte ich etwa 20 Boilies grob in der Nähe der Rigs. Das sollte erst einmal reichen. Alles war auf den schnellen Erfolg ausgerichtet.
Per Telefon unterhielt ich mit meinem Angelkollegen Bruno über unsere guten Erfahrungen bei diesem Sauwetter, als die Uferruter auch schon abging. Wow, so schnell hatte ich nicht mit einer Aktion gerechnet! Der Fisch kämpfte anfangs hart, ermattete aber rasch und war beim ersten Versuch im Netz. Als ich den Fisch auf die Matte hob, war ich sicher, einen der größeren Teichbewohner erwischt zu haben. Erst beim Fotografieren - die Kamera unter dem Schirm, ich mit Fisch im strömenden Regen - erkannte ich, dass es sich um eine alte Bekannte handelte. Es war Dirty Diana, ein Spiegler, den ich im Vorjahr bereits fangen konnte und der seinen Spitznamen seinem normalerweise nicht gerade schönen Erscheinungsbild verdankte. Doch im Vergleich zum Vorjahr sah der Fisch um Längen besser aus, weshalb ich das Exemplar auch nicht gleich erkannte. Und auch das Gewicht von fast genau 12 Kilo konnte der Fisch über den Winter halten. Ich freute mich über den guten Zustand des Fisches und darüber, dass meine Vorgehensweise aufgegangen war, denn ich war mir sicher, dass mein Hakenköder einer der ersten Boilies war, den der Spiegler auf meinem Futterplatz aufgenommen hatte.


Nach dem Biss hatte ich Zeit, das Chaos unter meinem Schirm ein wenig zu ordnen. Durchnässt war ich eh schon, also versuchte ich nur, das wichtigste bzw. empfindlichste Tackle vor den Wassermassen zu schützen. Wenig später erhielt ich einen zögerlichen Biss, abermals auf der Uferrute, doch ich konnte ihn nicht verwandeln und schob ihn gleich mal auf die hier haufenweise vorkommenden Brachsen. Ich warf erneut aus und fütterte eine Handvoll Boilies nach.

Als es dämmerte, hatte zumindest der Wind nachgelassen, doch der Regen wollte nicht aufhören. Es war schon fast dunkel, als ein weiterer wütender Karpfen Schnur von meiner Rolle riss. Er kämpfte ausdauernd, doch die vielen nervösen Kopfstöße zeigten mir, dass ich nicht mit einem Kapitalen rechnen konnte. Die Freude war dennoch groß, als der gut genährte Schuppi seinen Weg in den Kescher fand. Der Haken hatte im Maulwinkel gefasst und war während des Drills ein wenig gewandert, weshalb ich die Hakenwunde mit etwas Antiseptikum behandelte.

Ich blieb noch bis 22 Uhr, kassierte noch einen Fehlbiss auf der Freiwasserrute, und trat dann zufrieden den Heimweg an. Die Session war für mich ein gutes Beispiel, wie man mit kleinen Änderungen in der Strategie viel erreichen kann. Zwei schöne Karpfen in weniger als fünf Stunden sind Beweis genug.







