Wir bauten an einer verheißungsvollen Stelle mit Kraut und überhängen Bäumen auf, und ich versuchte es diesmal mit einer neuen Taktik. Mein Futter bestand aus Groundbait, Dosenmais, Fischöl, anderen Ölen, Pellets und zerschnittenen Boilies. Mit 4 Kilo dieser Mischung wollte ich unter Wasser eine richtige Geruchswolke verbreiten. Ans Haar kamen kleine Snowmans mit PVA-Sticks. Kollege Markus versuchte es währenddessen mit Pellets. Die Ruten standen direkt neben der Liege, die Bremse geschlossen. Drillen im Liegen - einmal was Neues!


Abends überraschte uns ein ultraheftiges Gewitter, das aber schnell wieder vorbei war. Danach kamen die Fische. Irgendwann nach Mitternacht landete ich nach problemlosem Drill einen kleineren Schuppi.

Noch bevor der Morgen graute, vergriff sich ein 85 cm langer Wels an meinem Rig. Lieber wäre mir gewesen, er hätte den für ihn bestimmten Köder an Markus' Rute genommen, aber man kann ja nicht alles haben.

Der nächste Tag war die Hölle. Ich arbeitete von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, fuhr dabei ganz Kärnten ab, wurde gegen Abend wieder mal von einer hübschen Dame versetzt und kurz darauf von einer anderen eingeladen.
Ich befürworte es immer, wenn auch der weibliche Teil der Gesellschaft Interesse für mein Hobby zeigt. In speziellen und kostenlosen Einzelworkshops (Verpflegung und Übernachtung muss zur Verfügung gestellt werden) gehe ich in fünf bis zehn Kurseinheiten auf die wichtigsten Aspekte ein, wobei vor allem meine Stiff Rig Präsentationen im Vordergrund stehen (aber nur mit ummanteltem Material). Bei Interesse: polsi@gmx.at.
Am nächsten Tag erhielt ich durch Kollgen Tomster die Gelegenheit, einen der großen Kärntner Badeseen von einem privaten Steg auch zu beangeln. Schon ein komisches Gefühl, die Ausrüstung unter den Blicken von dutzenden Urlaubern aufzubauen, die die Uferpromenade bevölkerten. Die Abendstimmung war aufgrund der Straßenmusikanten und der allgemeinen Lebendigkeit des Ufers dann aber doch ganz schön

Die Ruten legten wir in Tiefen zwischen vier und 13 Metern ab, fütterten fleißig Kugeln, und durften auch ernten. Vier kleine Karpfen fanden den Weg in unsere Kescher, bevor um sieben Uhr morgen schon die ersten Pensionisten den See stürmten.




Direkt ging's weiter an die Krauthölle. Hier hatte Kollege Verschi mit einem ganzen Haufen anderer Angler bereits eine Nacht verbracht. Resultat: 15 Ruten, kein Fisch! Nach kurzer Lagebesprechung konnte ich ihn überreden, die Stelle zu wechseln, was sich als Glücksgriff erweisen sollte.

Doch den Nachmittag verbrachten wir erst einmal mit dösen, Kaffee trinken und ratschen. Sinnlos, bei dieser Hitze einen Köder zu platzieren. Geschlagene vier Stunden lag ich auf meinem Bedchair und wandelte durch's Reich der Träume, bevor mir meine innere Uhr sagte, dass es nun Zeit zum Ruten auslegen wäre.

Wir befischten hervorragende Spots, die schon im Frühjahr zahlreiche Fische brachten, und waren uns unserer Sache in dieser Nacht so sicher, dass wir praktisch schon hinter den Ruten auf den ersten Biss warteten. Umso enttäuschter waren wir, als der erste Fisch, der meinen Köder zwischen zwei Seerosenfeldern genommen hatte, nach kurzem Drill ausschlitzte. Scheiße!
Doch genau diese Rute ging in dieser Nacht noch zweimal ab und brachte zwei schöne Spiegler nach nervenaufreibenden Krautdrils. Come on!


Die Sonne heizte schon vom Himmel, und wir waren noch im Tiefschlaf, als plötzlich ein weiterer Dauerton die Stille durchbrach. Nun war es meine andere Rute. Im Nu waren wir über dem Fisch, dessen Bewegungen ich noch deutlich spüren konnte, doch nur wenig später zogen wir ungläublich ein abgerissenes Vorfach aus dem Kraut. Der Fluocarbon-Teil meine Kombirigs war unter der Schlaufe gerissen. Die Schuld gab ich einer Bleiolive, die ich zwecks schnellerem Hakeffekt am Vorfach angebracht hatte. Womöglich hatten ihre scharfen Kanten die Schnur durchgeschnitten.
Doch egal, ich hatte drei Nächte an drei verschiedensten Gewässern befischt und überall gefangen: Vom Gloryhole über den Badesee bis hin zur Krauthölle. Wer würde sich da noch beschweren?






