von Lupus » 29.09.2010, 05:48
Hallo Techtrancer!
Ich stelle gewiss nicht Deine sicher vorhandenen Kenntnisse in Sachen feiner Friedfischangelei mit Matchrute oder Stecker in relativ hindernisfreien Hafengewässern etc. in Frage.
Aber punkto Karpfenfischen einmal ganz allgemein ist Dein Ratschlag hin zu 16er Peryl und Matchrute am Karpfenrevier vielleicht doch einer kleinen Korrektur bedürftig:
Zweifelsohne eine feine Sache in krautfreien „Stadtrevieren“ wie Häfen, Kanälen, oder in frischgebaggerten Kiesgruben. Und vor allem für den Fischer, der nicht nur Karpfen fangen will, sondern in erster Linie eine „bunte Strecke“ legen will.
Praktisch alle klassischen Karpfengewässer, die meine Kollegen und ich kennen, zeichnen sich aber durch sehr starken Krautbewuchs, ausgedehnte Schilfgürtel und dichte Seerosenfelder und eventuell auch noch reichlich Totholz aus. Und die wenigen scheinbar hindernisfreien Stellen sind oft unter der Oberfläche mit Makrophyten (Schlingplanzen) bewachsen. Auch ein nicht kapitaler Karpfen schießt mit unbändiger Kraft sofort in diese Hindernisse und der Widerstand, den man mit einer Matchrute entgegenhalten kann, ist praktisch ein Nichts.
Manchmal kann man mit Matchrute recht gut zu Beginn der Saison angeln, in der einzigen Zeit, wo vielleicht wirklich kein Kraut ist, aber auch nicht an allen Stellen. Ich selber praktiziere das recht gerne, wenn ein milder Winter ist und man sogar im Jänner/Februar eisfrei fischen kann, sonst eben in den ersten zwei/drei Wochen nach der Eisschmelze.
Aber noch etwas sollte man nicht vergessen: Du, und vielleicht auch ich lieben die Abwechslung, also man freut sich, wenn nicht nur ein Karpfen beisst, sondern den ganzen Tag etwas los ist, also auch Brachsen, schöne große Rotäugeln, Schlei´ usw.
Die Mehrzahl der Karpfenfischer aber will keine Beifische sondern nur den Zielfisch, und auf den sollte man wirklich mit gerätetechnisch maximaler Sicherheit fischen.
Ich bin überzeugt, dass jeder Karpfenspezialist mit „karpfentauglichem“ Gerät das ganze Jahr über seine Fische fängt.
Nur selber werde ich es wahrscheinlich nicht so schnell nachmachen, weil ich mich im Herbst im Mischwasser eher auf den Hecht/Zander konzentriere und in den Fliegengewässern auf die Äsche.
Deshalb schätze ich mich auch nicht als d e n Karpfenprofi in der kälteren Jahreszeit ein. Den einen speisefischtauglichen „Weihnachtskarpfen“ für die Familie werde ich „noch schaffen“ müssen, da bin ich zuversichtlich, aber sonst nütze ich Herbst-Frühwinter wie gesagt für andere Fische.
Gruß. Lupus