
Philipp, wie ist deine bisherige Saison gelaufen? Wie viele Sessions hast du hinter dir und wie sieht es mit Fängen aus?
Hallo Daniel, erstmals danke für die Einladung zum Interview. Nach einigen persönlichen Berg- und Talfahrten musste ich so schnell es geht wieder ans Wasser und habe meine Saison ja schon im Februar gestartet, leider aber mit eher geringen Erfolgen, was zu diesem Zeitpunkt zweitrangig war. Als es wärmer wurde, hab ich ein neues Gewässer befischt, wo ich schon in der zweiten Nacht fängig wurde. Dies ist auch mein Zielgewässer für die heurige Saison. Weiters durfe ich einige große Naturseen befischen und schöne Fische fangen. Der erste richtig dicke wanderte letzte Woche in mein Netz.

Ja, das bisherige Highlight war mit Sicherheit ein 19 Kilo schwerer Spiegler, den du an einem großen See überlisten konntest. Was ist dir durch den Kopf gegangen, als du dieses Monster im Kescher hattest?
Als erstes? Ehrlich gesagt hab ich den Burschen unterschätzt und ihn auf maximal 13 kg geschätzt. Bruno, mit dem ich heuer schon einige Sessions bestritten habe, wusste es aber besser. Ich hab mich extrem über den Jungen gefreut, da er der erste dickere Fisch des Ansitzes war. Ich war erleichtert, dass meine Köderpräsentation endlich den erhofften Erfolg gebracht hatte, und was ich mir gedachte habe? - "Yes! genau so soll es sein!" Und wenn ich mich recht entsinne, haben Bruno und ich einen Freudentanz aufgeführt!

So, lass uns nun zum taktischen Teil kommen: Wie waren die Begleitumstände des Fangs, wie Wetter, Tiefe, Futterplatz, etc.?
Du kennst doch meinen Spitznamen " the early carp", und genau so war es wieder. Nach zwei Nächten ohne größeren Erfolg nahm ich das Gebiet noch mal genau unter die Lupe und fand eine vielversprechende Stelle zwischen 4 und 6 Metern Tiefe, wo ich mit einem Partikelmix größflächig fütterte. Das Wetter roch förmlich nach Karpfen: S-SW Wind und strahlender Sonnenschein im Wechsel mit kurzen Schauern. Was will das Karpfenherz mehr? Als meine Funkbox am Morgen des vierten Tages ihre Engelstöne spielte, wusste ich, dass ich alles richtig gemacht hatte.

Du hattest also zwei Nächte keinen Biss, dann einen neuen Spot befüttert und nach einer weiteren Nacht genau am neuen Platz den Biss, wenn ich das richtig verstehe. Wie lange würdest du deine Köder maximal an einem bestimmten Spot anbieten, bis du an eine neue Stelle wechselst?
Das geschieht bei mir intuitiv. Wenn ich überzeugt bin, dass die Fische an meinem Spot vorbei ziehen, dann kann es leicht sein, dass ich auch länger als zwei Tage den Platz befische. Manchmal kann man an solch einem Platz wahre Sternstunden erleben. Meistens ist es aber so, dass ich eine Rute an einem vielversprechenden Platz fische und mit der zweiten aktiv nach den Fischen suche.
Hast du eine ausgeklügelte Futterstrategie verfolgt oder instant gefischt?
Zum Thema Futter möchte ich folgendes sagen: Da ich Student bin, sollte alles so billig wie möglich sein. Ich bevorzuge Partikel in jeglicher Form, und das hat mir auch dieses Mal den gewünschten Erfolg gebracht! Ich habe den Bereich zu Beginn großflächig angefüttert und das jeden Tag wiederholt, also kann man nicht von einer ausgeklügelten Futterstrategie sprechen. Der Vorteil für mich war der, dass ich den See schon seit zwei Jahren befische und schon einiges über das Fressverhalten unserer Rüssler gelernt habe.

Hattest du keine Angst, mit der Partikelfütterung Horden von Weißfischen und Satzkarpfen auf deinen Platz aufmerksam zu machen? Und wenn du sagst "großflächig", möchte ich noch genauer nachfragen: Wie viel Kilogramm hast du täglich auf welcher Fläche verteilt?
Ich habe ca. 25 Kilo Partikel im feuchten Zustand auf einer Fläche eines Eishockeyfeldes verteilt. Mir war bewusst, dass durch das großflächige Füttern auch unzählige Weißfische und Satzkarpfen auf das Gebiet aufmerksam werden würden, aber das passiert immer. Ich habe eine altbewährte Variante genutzt und meinen Köder abseits des großen Futterplatzes angeboten, was wieder mal zum Erfolg führte.
Ist dir die Zusammensetzung des Partikelmixes wichtig oder achtest du einfach nur darauf, dass du möglichst viel "Masse" zusammen bekommst?
Mein Partikelmix beinhaltet keine Wunderdinge, sondern besteht aus altbewährten Zutaten wie Weizen, Hanf, Tigernüssen und eventuell Mais. Das alles lasse ich in einem großen Fass quellen.

Welches Rig hast du verwendet – und was noch viel wichtiger ist – warum gerade dieses?
Wie du weißt, bin ich ein großer Freund des KD-Rigs und fische es seit 2 Jahren in allen Präsentationsformen (Sinker, Pop-Up, Snowman usw.). Ich bin bei solchen Sachen eher der praktische Typ und versuche, meine Rigs so simpel wie möglich zu halten. Genau das habe ich beim KD-Rig im vollen Maße, und ich habe Vertrauen in das Rig, was für mich das Wichtigste ist. Du hast ja selber vor kurzem einen schönen Fisch auf diesem Rig gefangen, oder?
Stimmt, obwohl ich anfangs meine Probleme mit dem Rig hatte. Für welchen Hakenköder hast du dich entschieden?
Die Köder zum Erfolg waren zwei aufgepoppte Tigernüsse mit einem Dragon Baits Pop-Up.

Das heißt, du hast mit einem Partikelköder über einem Teppich von Partikeln gefischt. Achtest du darauf, dass dein Hakenköder zum restlichen Futter passt oder würdest du auch so weit gehen und über dem Partikelteppich eine harte 30er Kugel anbieten?
Ich bin in der Hinsicht eher konservativ und lasse meine Hakenköder nicht großartig von meinem restlichen Futter abweichen, außer wenn ich einen Snowman fische, denn dann bevorzuge ich gewisse Reizköder als Auftriebsköper.

Was hast du anglerisch in diesem Jahr noch so vor?
Man sagt ja, dass man sich Ziele setzen soll, aber das sind bei mir heuer nicht dicke Fische oder ein spezieller Fisch, sondern ich möchte einfach eine schöne Zeit mit den Jungs am Wasser verbringen.
So soll es sein! Danke für das Interview!






