Im flachen Wasser einer kleinen Schilfbucht bemerke ich einen Schilfhalm, der sich ohne Windeinfluß bewegt. Da muß ich doch einmal genauer nachsehen.
Ich entdecke zwei Hechte, offensichtlich im Laichgeschäft, die sich von mir nicht sonderlich stören lassen, das Weibchen dürfte so um die 80cm gehabt haben, das Männchen ca. 35cm.
Sie schwimmt langsam etwas herum, er drängt sich immer an ihre Seite. Kopf an Kopf schwimmen die beiden ein paar Kreise und Schleifen, nur ca. eineinhalb Meter von mir entfernt.
Dann geschieht etwas, das ich so noch nie gesehen oder davon gelesen hätte: sie schwimmt ganz langsam rückwärts, das Männchen bleibt mit dem Kopf an ihrem Kopf, der Körper sinkt allerdings nach unten, bis er senkrecht im Wasser steht. Dann dreht er sich herum, seine Flanke blitzt kurz auf und .... SCHNAPP! hat das Weibchen den kleinen Hecht kopfvoran zu zwei Drittel im Maul.
Er windet sich nur ein, zweimal, dann verschwindet er langsam, und interessanterweise ohne irgendwelche Schluckbewegungen im Maul des Weibchens.
Und das alles fast zu meinen Füßen, genau in der Viertelstunde, die ich dort verbrachte.
Daß Hechte zu Kannibalismus neigen, ist ja bekannt aber daß das auch während der Laichzeit so ist, ist mir neu.
Was ich mir denke ist, daß das Weibchen eventuell noch gar nicht so richtig in Laichstimmung war und dafür hungrig nach dem Winter dem Reflex der aufblitzenden Flanke nicht widerstehen konnte.
Und - auch wenn es bis zum 1.Mai noch ein paar Wochen dauert - Wobbler in Hechtdekor werden sicher in der Tasche sein.





