Ich bin seit meiner Kindheit Angler und nun seit mehr als 20 Jahren leidenschaftlicher Raubfischangler. Bei mehr als 100 Angeltagen pro Jahr konnte ich bereits fast alle heimischen Raubfische überlisten.
Fast, denn der König der Raubfische fehlte mir noch, der Huchen. Ich bin in der Nähe der Enns aufgewachsen, die ja als gutes Huchengewässer gilt. Der Huchen war hier schon immer als Mythos allgegenwärtig, aber nur wenige Spezialisten konnten ihn auch wirklich fangen. Schon als kleiner Junge habe ich immer ehrfurchtsvoll zu den Fängern aufgeschaut und geträumt dass ich irgendwann auch einmal dazu gehöre.
Diesen Kindheitsraum konnte ich mir leider nicht erfüllen, es hat sich einfach nie die Möglichkeit dazu ergeben. Als Jugendliche war uns das Fischen auf Huchen nicht gestattet und später hatte ich einfach keinen gleichgesinnten Angelkumpel, oder einen Kollegen der mich in die Geheimnisse des Huchenfischens eingeweiht hätte. Danach zog es mich familiär in den Osten, wo es leider keine geeigneten Gewässer für Huchen gibt.
Bei einem gemeinsamen Zanderfischen am Lipno lernte ich dann Christian Lang kennen, der in Thalheim in der Steiermark lebt. Christian ist ein richtiger Tüftler beim Fischen und die Ladefläche seines VW Amarok erinnert an einen Liefertransporter eines Angelgeräte Großhändlers. Ich habe noch in keinem Angelgeschäft mehr japanischen Spezialköder gesehen als auf der Ladefläche seines Transporters. Dadurch hatten wir natürlich sofort einen Draht zueinander, denn auch der Inhalt meiner Fischerhütte kann sich ohne weiteres mit dem Angebet eines gut sortierten Angelgeschäftes messen. Bei einem gemütlichen Abendessen konnten wir viele Erfahrungen austauschen und über interessante Fischarten, Köder und Gewässer diskutieren. Es war eines dieser Gespräche nach Mitternacht, wo wir dann auch über die Huchen gesprochen haben. Ich erzählte Christian von meinem Kindheitsraum und er sagte, dass er da eine private Strecke der Mur in Pacht hat und ich doch gerne mal zum ihm zum Huchenfischen kommen kann. Christian angelt seit vielen Jahren auf Huchen, ist sehr erfahren und betreibt auch eine private Huchenzucht. Er versprach, dass er sich bei mir melden würde, wenn die Voraussetzungen für den Fang eines Huchens gut sind.
Am 5. Dezember war dann plötzlich Christan am Telefon und hat mir von den Huchenfängen der letzten Tage erzählt. Er meinte, dass ich unbedingt noch dieses Wochenende an die Mur kommen sollte, denn die Bedingungen sind jetzt gerade besonders gut.
Ich war natürlich sofort begeistert und musste jetzt nur mehr meine Frau dazu von der Tatsache überzeugen, dass ich auch dieses Wochenende wieder nicht zu Hause sein werde. Wir einigten uns auf einen Kompromiss, dass ich nur Freitag und Samstag fahre, im Tausch gegen eine Shoppingtour am folgenden Wochenende.
Am Freitag wollte ich so gegen 10 Uhr aufbrechen, damit wir am Nachmittag schon am Wasser sein können, denn bei Einbruch der Dämmerung sollte die beste Zeit sein.
Der Tag begann ganz normal, meine jüngere Tochter hatte 40 Grad Fieber und ich bekam einen Anruf aus der Firma, dass bei uns im Geschäft in der Nacht eingebrochen wurde. So habe ich zuerst einen Arzt besorgt, dann ein Polizeiprotokoll unterschrieben und konnte erst um 3 Uhr weggefahren. Ich war daher erst um 5 Uhr in Thalheim an der Mur und wurde von Christian herzlich empfangen.
Wie schon beim Zanderfischen am Lipno ging Christian auch beim Huchenfischen sehr professionell ans Werk.
Handgefertigte Huchenruten von Websta, http://www.websta.at, bestückt mit 5000er Rollen Shimano Stella, bespult mit einer geflochtenen Schnur mit 30kg Tragkraft. Christian überlässt beim Huchenfischen nichts dem Zufall, als Köder verwendet er auch ausschließlich die Spezialköder mit dem Namen Huchenspezi, die er selbst mitentwickelt hat und auch bei Websta erhältlich sind.
Da es schon dunkel war, gingen wir sofort ans Wasser und machten unsere ersten Würfe. Es war unheimlich schwierig für mich, da ich mich bei Dunkelheit an einem Fluss zurechtfinden sollte den ich bei Tag noch nie gesehen hatte. Ohne Fischkontakt gingen wir nach zwei Stunden ins Hotel und ließen den Tag ausklingen.
Am nächsten Tag ging es um 9 Uhr wieder ans Wasser und meine Motivation war trotz der tiefen Temperaturen auf dem Höhepunkt. Ich hatte nicht sehr große Erwartungen hinsichtlich eines Fangerfolges, aber ein Fünkchen Hoffnung fischt da trotzdem immer mit.
Schon bald waren die ersten Würfe gemacht und unsere Gummifische und Huchenzöpfe durchpflügten das glasklare Wasser der Mur. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt standen wir teilweise bis zu den Hüften im eiskalten Wasser und nichts konnte uns von der Jagd auf den König der Raubfische abhalten. Schon bald hatte ich einen zaghaften Biss und konnte kurz darauf eine feiste Regenbogenforelle am Huchenzopf fangen.
Wir befischten viele schöne Kehrströmungen, tief unterspülte Uferkannten, Übergänge von schnell fließendem Wasser zu beruhigten Bereichen. Es folgte Wurf auf Wurf und auf einmal stoppte der Köder, Biss.
Sollte der Traum vom ersten Huchen schon beim ersten Ausgang wahr werden, ging es mir durch den Kopf. Ich setzte einen Anhieb und der Köder kam mir entgegen geflogen, so als wollte mich der Fisch damit anspucken. Ein riesiger weißer Fischleib wand sich noch in einem kräftigen Schwall an der Oberfläche und verschwand ganz langsam. Oh Gott, vermasselt, das könnte mein erster Huchen sein, aus der Traum. ich wollte fast hinterher schwimmen. Es wäre aber auch zu leicht gewesen, aber auch zu schön.
Nach einer kurzen Essenspause ging es weiter und die Sonne verschwand schon langsam hinter den hohen Bergen. Es ist schon schwierig sich nach der warmen Stube noch einmal zu motivieren und wieder ins das kalte Wasser zu steigen.
Auch wenn ich nicht mehr damit gerechnet habe an diesem Tag noch eine zweite Chance zu bekommen, wollte ich jedenfalls trotzdem nicht aufgeben. So befischten wir die unterschiedlichsten Stellen, die alle so schönen Namen haben wie Forellentumpf, Huchentumpf oder Wundertumpf bis zum Einbruch der Dunkelheit ab. Auf einmal kam der Biss, hammerhart, wie ein Blitz, der völlig unerwartet in die Rute einschlägt. Ob ich es wirklich noch schaffte anzuschlagen kann ich jetzt gar nicht mehr sagen, die Rute verneigte sich sofort ehrfurchtsvoll in einem Halbkreis vor dem König der Mur. Der Fisch stellte sich mitten in die starke Strömung und ließ sich nur sehr langsam bewegen. Mehrmals riss der Huchen Schnur von der Rolle und flüchtete immer wieder in die starke Strömung. Als ich ihn dann in das seichte Uferwasser dirigieren konnte begann er noch mehrmals zu springen, doch durch das starke Gerät konnte ich den Fisch relativ sicher führen und im knietiefen Wasser mit einem beherzten Griff an die Schwanzwurzel landen. Mein Freudenschrei war sicher noch in Judenburg zu hören, ich hatte es entgegen aller Wahrscheinlichkeiten geschafft, bereits an meinem ersten Angeltag auf Huchen erfolgreich zu sein. Der Fisch wurde noch im Wasser fotografiert und sofort schonend zurück gesetzt.
Nach einem Schluck Huchenwasser verabschiedete ich mich von Christian und fuhr mit einem staken Grinsen im Gesicht nach Steyr zurück.
Die Freude ist immer noch groß und möglichweise muss ich mir den Lächler operativ aus dem Gesicht entfernen lassen, danke Christan für den wunderschönen Angeltag.







