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Beitragvon Polsi » 02.09.2011, 07:47

Nachdem ich eine Woche Non-Stop-Angling und aufs ganze Jahr bezogen bereits über 70 Nächte an allen möglichen Gewässertypen hinter mir hatte, erwartete ich eigentlich, dass die Lust aufs Angeln langsam nachlassen würde, doch das Gegenteil war der Fall. Inspiriert durch haufenweise englische Karpfenliteratur begann ich, mir intensiv Gedanken über die kommenden Monate zu machen.

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Ich verspürte nicht den Drang, die typischen Bereiche meiner Hausgewässer weiter zu befischen. Da fiel mir wieder ein Gewässer ein, das von 99 % der Karpfenangler vollkommen außer Acht gelassen wird. Kein Platz für Zelte, ein realistisches Maximalgewicht von etwa zehn Kilo, eine relativ kleine Wasserfläche, Stellen, die oft nur Platz für eine Rute bieten und viele Hindernisse sind für die Carphuntergemeinschaft genügend Gründe, ein Gewässer, bzw. einen Gewässerbereich in Ruhe zu lassen. Umso besser für mich. Hier würde ich meinen favorisierten Stil des Karpfenangelns - dezentes, feinfühliges Fischen auf kurze Distanzen, teilweise sogar unter der Rutenspitze - zu meiner vollsten Zufriedenheit durchziehen können.

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Aufgrund der Tiefe der Region hätte ich hier auch eine gute Chance auf Herbst- und - sofern es das Eis zulässt - Winterkarpfen. Ich schaffte es von nun an, fast jeden Tag nach der Arbeit am Wasser zu sein, und sei es nur für ein paar Stunden. Die meisten Sessions dauerten nur von fünf oder sechs Uhr abends bis allerspätestens Mitternacht und brachten auch nicht viel. Doch ich war mich sicher, dass ich den Bereich durch den stetigen Eintrag von kleinen Mengen Futter an verschiedenen Stellen zum "Laufen" kriegen würde. Oft saß ich stundenlang am Wasser und lauschte den Geräuschen an der Oberfläche. Anhand dessen war ich mir sicher, dass sich hier eine nicht zu verachtende Anzahl von Karpfen herumtreiben musste.

Nach einer Nacht, in der ich nur einen Satzkarpfen verhaften konnte, entschloss ich mich dazu, eine weitere Nacht im Gloryhole zu verbringen. Dort ging alles wie von selbst: 25er Boilies an zwei Spots, ordentlich Kugeln drüber gefüttert, und ab die Post. Der erste Fisch war ein kampfstarker Spiegelkarpfen, leider mit verletzter Schwanzflosse, aber ansonsten in einem guten Zustand.

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Später landete ich wieder einmal ein Kätzchen. Auch wenn viele Karpfenangler die Welse nicht ausstehen können, sind sie bei mir doch willkommen, solange sich ihre Bisse in Grenzen halten. Dieses Exemplar hatte meinen Futterplatz völlig leergeräumt, denn beim Fotografieren waren die Kugeln in seinem Bauch ganz deutlich zu spüren.

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In den frühen Morgenstunden kam ein weiterer heftiger Run. Der Fisch legte eine erste rasante Flucht hin und setzte sich dann im Kraut fest. Nichts ging mehr. Erst übte ich Druck auf den Fisch aus, ohne zu wissen, ob er noch gehakt war. Als das nichts brachte, öffnete ich den Rollenbügel und wartete darauf, dass der Fisch von selbst herausschwimmen würde. Nachdem das auch nicht funktionierte, ging ich nach einigen Minuten wieder auf Spannung und versuchte, die Schnur zu lösen. Irgendwann gab das Kraut nach und ich war wieder in direktem Kontakt. Gottseidank, der Karpfen war noch dran und schwamm brav in Richtung Ufer. Dort entbrannte unter der Rutenspitze ein heftiger Drill, den ich aber für mich entscheiden konnte. Ein wunderbarer Spiegelkarpfen musste ein Fotoshooting über sich ergehen lassen.

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Ich hatte nun zwei Tage und Nächte nicht geschlafen und brauchte unbedingt eine Auszeit. Zuhause fiel ich ins Bett und schlief bis zum späten Nachmittag. Doch schon am nächsten Tag war ich direkt nach der Arbeit wieder unterwegs zu meinem kleinen Paradies. Es musste doch irgendwie möglich sein, hier regelmäßig Karpfen zu fangen, schließlich hatte ich es im vorigen Herbst auch geschafft. Doch es war wie verhext, auch an diesem Abend bleiben meine Bissanzeiger stumm. Waren alle Fische aus dem Kanal hinaus gezogen? Ich konnte es mir nicht vorstellen. Zudem kam ein starkes Gewitter auf, das gar nicht mehr aufhören wollte. Ich kauerte mit den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen unter einem winzigen Schirm und wartete auf eine gute Gelegenheit zum Zusammenpacken. Bevor ich losfuhr, kämpfte ich mich noch durch Geäst und Sträuchter und befütterte ein paar Spots mit Kugeln und einem pervers stinkenden Partikelmix, den mir der Phantomwaxxler gratis zur Verfügung gestellt hatte.

Ich machte mir nicht einmal mehr die Mühe, die nassen Ausrüstungsgegenstände aus dem Auto zu räumen. Wozu denn auch? Am nächsten Tag hätte ich sie ohnehin wieder gebraucht. Wieder traf ich am frühen Abend am Gewässer ein und schlenzte meine Montagen an ihre vorbestimmten Plätze. Ich bemerkte, dass die Weißfischaktivität stark zugenommen hatten - vielleicht eine Folge meiner Futteraktionen? Im Laufe des Tages bemerkte ich hinten im Kraut eine minimale Bewegung. Sofort fixierte ich den Bereich und beobachtete angestrengt. Da, noch einmal. Eine kleine Welle. Nicht das Springen einer Laube oder das Rauben eines Hechte, sondern höchstwahrscheinlich ein Karpfen. Gut, dass ich die Distanzmarkierung für diesen Spot auf der Hauptschnur belassen hatte. Sofort holte ich eine Rute ein, warf weit abseits vom Platz, an dem ich den Fisch beobachtet hatte und kurbelte, bis der Knoten beim Leitring der Rute erschien. Danach klippte ich die Schnur in den Clip der Rolle. Ein kleiner gelber Pop-Up und ein PVA-Stick landeten auf diese Weise punktgenau direkt vorm Kraut. Ich ließ das Blei an gespannter Schnur absinken. Ein leichtes "Donk" in der Rute verriet mir, dass die Montage perfekt gelandet war.

Ich erhielt gerade Besuch, als der Hanger plötzlich nach oben schnellte. Sofort war ich an der Rute und bemühte mich, den gehakten Fisch von den Hindernissen am anderen Ufer fernzuhalten. Schnell hatte ich den Karpfen unter Kontrolle und schaffte es, ihn übers Netz zu ziehen. Mein Besuch hob das Netz an - und der Fisch war mein.

Vorsichtig hievte ich das Tier auf die nasse Abhakmatte. Es war ein wunderschöner, absolut makelloser Schuppenkarpfen. Der Kollege, der ihn gekeschert hatte, entpuppte sich als talentierter Fischfotograf und setzte das Prachtexemplar perfekt in Szene. Aufs Wiegen verzichteten wir, denn wenn die Fische so aussehen, ist die Kilozahl doch nebensächlich, oder?

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In den kommenden Updates wird es um den weiteren Verlauf an diesem Gewässer gehen, bevor ich mich wieder einmal für eine Woche aus dem Internet verabschiede. Seid gespannt!
May you build a ladder to the stars and climb on every rung, may you stay forever young.

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Re: Home Sweet Home

Beitragvon pauli97 » 02.09.2011, 08:05

ich glaub den ersten karpfen hat ein freund von mir vor 3 tagen gefangen,mit ca neun kilo...
in der lassseiner bucht oder?

lg
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Re: Home Sweet Home

Beitragvon Muskelman » 02.09.2011, 08:17

Super Bericht!

Und richtig tolle Fische! :applaus:
Fisch on? Heftn!
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