von koppenkitzler » 26.07.2011, 14:11
Hallo Lupus!
Das Phänomen der "gut gefüllten Scheibtruhe" in längst vergangenen Zeiten findet sich wirklich überall,da gebe ich Dir recht.
Anscheinend wurden die Flüsse in der mageren Nachkriegszeit systematisch halbleer gefischt und die karge Zeit förderte gleichzeitig auch solche Übertreibungen,oder aber die geschilderten Fischmassen entsprangen einfach nur der Phantasie,sozusagen als Wunschtraum.
Aber:
Gerade aber in der Mur,welche noch bis in die 80iger Jahre eine Wassergüte von IV hatte,stimmt diese Sache mit dem damaligen Fischreichtum.
Es wurden Unmengen an großen Barben,Karpfen und Aiteln gefangen.Enorme Weißfischpopulation.
Das dreckige Wasser mit dem gleichzeitigen Nahrungsreichtum war schuld.
Als in den letzten Jahren eine Güteklasse 2 erreicht werden konnte,freute man sich,Äschen wuchsen ab,Huchen ebenso.
Nur war insgesamt die Biomasse extrem verringert,weil das Wasser eben sauberer war.
Zusätzlich fielen in den 90iger Jahren die Kormorane ein,die den Rest erledigten.
In einem Grazer Fischereiverein(mit mehreren Revierstrecken verschiedener Fließgewässer) wurden in den 60iger Jahren noch 4000 Salmoniden pro Jahr mitgenommen,letztes Jahr knapp unter 400(!).
Die Mitgliederzahl ist dabei seit 100 Jahren die Gleiche(40).
Was sicherlich stimmt,ist das abseits von natürlichen und unnatürlichen Veränderungen(z.B.Stau,Begradigungen),sich der Befischungsdruck sicherlich verzehnfacht hat.
Ich kenne leider genug photographische Dokumente(etwa Fischexkursionen meines Urgroßonkels)die belegen wie gut die "Alte Gute Zeit "tatsächlich war.
Sie war nämlich,vom fischereilichen Standpunkt aus gesehen ,wirklich golden.
Der Urgroßonkel ging nämlich wirklich noch auf angesagten Hecht und kam mit drei schönen Stücken nach Hause.
Mein Vater,ein eingefleischter Fischerlaie,schleppte in den 60iger jahren einen rostigen Blinker ein paar Stunden durch den Millstättersee und fing prompt drei grössere Küchenhechte,obwohl er vom Angeln keine Ahnung hatte(bis heute).Das sind wahre Familiengeschichten,belegt durch Photos.
Wenn ich jetzt meinen Blinker durch den Millstättersee schleppe,fange ich wahrscheinlich gar nichts.......
Zanderangler und Wallerangler an Kärtner Seen wurden ausgelacht,wenn sie einmal geschneidert hatten(das kam so gut wie nie vor).
Am Ossiachersee gingen die Fischer im schmutzigen Wasser ZANDER HOLEn,sie fischte nicht richtig auf Zander,sie holten sie sich für die nächste Mahlzeit.
Paradox ist,das eben mit der Verbesserung der Wasserqualität durch Ringkanalanlagen und Kläranlegen bis in die 80iger Jahre hinein,es oft zu einer Verschlechterung des Fischbestandes kam.
Ein gutes Beispiel sind Murunterlauf und Ossiachersee.
L.G.Bernhard
I
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koppenkitzler am 26.07.2011, 16:15, insgesamt 1-mal geändert.