von Lupus » 19.05.2006, 05:47
Alles kann mal leider nicht lesen, wenn man in der Zeit, wo das gepostet wurde, auf Urlaub war. Da nunmehr ein separater thread eines neuen users aufgemacht wurde, schreibe ich jetzt:
Den Grundlsee (und vor allem Toplitzsee) habe ich von 1970 - Anfang der 90er Jahre jedes Jahr 2-4 Wochen befischt. Da meine Familie ein Haus in der Gegend hat, verbringe ich auch jetzt noch jedes Jahr wenigstens eine Woche dort. Zum Fischen habe ich allerdings bessere Möglichkeiten hier in Wien.
In den zitierten Jahren, immerhin eine Zeitspanne von über 20 Jahren konnte ich eine kontinuierliche Verschlechterung der Fischerei bemerken.
Zur Anfangszeit gab es keine Hechte oder Barsche in dem See. Der Leitfisch war der Seesaibling, und wer nicht schleppen auf Saibling ging, fing sonst sehr sehr schöne Forellen.
Daneben gab es als Nichtsalmoniden Aiteln, Unmengen von Seelauben (Mairenke), und ganze Schwärme von Elritzen. Wegen der hohen Lage laichten die Cypriniden meistens erst Ende Juni Anfang Juli und das Wasser im Toplitzbach war meistens regelrecht schwarz von zigtausenden Mairenken, die vom Grundlsee bis zum Toplitzsee hochstiegen und an flachen Stellen ablaichten. Dazu kamen die schier endlos vorhandenen Elritzen. An den Bachmündungen oder Seeausläufen war ein Gewimmel an Fischen und das Ablaichen lockte wieder zahlreiche Salmoniden an. Es war eine Freude, am Abend zahlreiche Ringe von steigenden Forellen zu sehen.
Dann hiess es irgendwann auf einmal, es seien Hechte im Grundlsee. Bald sah man auch immer wieder einen Hecht stehen und so um 1980 herum standen an seichten Stellen des Sees zahlreiche Junghechte.
Mein wahrer Lehrmeister der Salzkammergutfischerei, der Kalß Alois (schon lange in den ewigen Fischgründen weilend) warf damals frustriert das Handtuch bezüglich Salmonidenfischerei und verbrachte seinen Lebensabend damit, in seiner selbstgefertigten Zille mit lebenden Elritzen massenweise kleine Hechte zwischen 20-40cm herauszubefördern. Was er damit machte, weiß ich nicht. Hechte sollten ja nach Meinung aller raus (wobei mir nie jemand Antwort geben wollte, wie die Hechtn denn dort reingekommen seien). Sein verbitterter Kommentar immer "Koa Schwanzl mehr drinn in dem See, ois umbrocht´, leere Gewässer, ois sch....". Dass der Bedauernswerte auch noch sukzessive um seine Gehwerkzeuge gekommen war, verschönerte seinen Lebensabend auch nicht und machte mich ungemein traurig.
Dennoch fing ich am Toplitzsee jedes Jahr einige schöne Forellen und Seesaiblinge, wobei mir allerdings der drastische Rückgang der Fische auffiel. Alle Cypriniden waren von einer Pilzkrankheit befallen.
Ich weiß nicht, was mit diesen Seen los ist. Ich habe in den 70er Jahren in dem damals wirklich verdreckten Donaukanal mehr gesunde Fische gefangen als dann in Gößl, wo jedes Aitl, jeder Weißfisch Flecken hatte und lebendig verfaulte. Jetzt dieser Hechtbandwurm......
Den endgültigen Todesstoß dürften die Barsche gebracht haben. Wahrscheinlich haben die Lebendköderfischer von irgendwo Barsche eingeschleppt (ich hatte ja zu meinem Erstauen bei Seepavillion in Grundlsee eine Mords-Schleie schwimmen gesehen) .
Elritzen, welche eine wichtige Nahrung für Forellen waren, gibt es fast nicht mehr.
Der Toplitzbach, angeblich ein Musterbeispiel für die "Urforelle" war voriges Jahr ausser ein paar winzigen Forellchen und sonst Aiteln leer.
Was das Hechtfischen betrifft. Schon voriges Jahr sollte es seitens der Anglerschaft den Hechten an den Kragen gehen so wie bei der topiceröffnung beschrieben. Die zwei Wochen, wo ich am See war und auch mit den "Lokalmatadoren" sprach, wurde kein nennenswerter gefangen.