
Sieben Autos am Parkplatz, und das an einem Montag!? Man merkte deutlich, dass Urlaubszeit herrschte. Ich befürchtete das Schlimmste und entschloss mich erst einmal zu einem kurzen Rundgang. Wie sich herausstellte, war der Befischungsdruck für einen Wochentag zwar hoch, doch noch annehmbar, also wechselte ich nicht das Gewässer und blieb am Gloryhole. Ich setzte mich an den zweiten Platz, da mir der erste unsympathisch erschien und platzierte meine Rigs im Freiwasser. Links von mir fischte ein Bekannter auf Zander in der Uferregion. Alles schien paletti.
Diesmal probierte ich ein neues Rig aus, bei dem ich ein mehrer Gramm schweres Flying Backlead direkt am Vorfach zwischen zwei kleinen Bleischroten befestigte, in Anlehnung an die Montagen von Ronny de Groote und Markus Lotz. So wollte ich den Haken rascher zum Drehen bringen und die Spitze so schnell wie möglich Richtung Unterlippe dirigieren, um einen noch besseren Hakensitz zu erreichen und um zu vermeiden, dass sich die Karpfen im Maulwinkel haken. Klang theoretisch zwar gut, doch ich hatte bisher noch keinen Fisch damit können.
Es dämmerte schon, als sich rechts von mir eine Partie mit etwa vier Leuten niederließ. Der Gedanke, dass hier gleich ein Boot sechs bis acht Schnüre quer durch den Tümpel spannen würde, behagte mir gar nicht, und als mir dann noch ein Nachwuchs-Karpfenprolet über die Schnüre ruderte, war das Maß voll. Innerhalb von fünf Minuten hatte ich gepackt und versuchte mein Glück am Platz "Iron Gap", wo ich links und rechts völlig freie Wasserfläche hatte. Die Distanzmarkierung bis zum kleinen Seerosenfeld hatte ich vopn einer vorhergegangen Session noch auf der Schnur, deshalb konnte es sofort losgehen! Nur wenige Minuten später lagen zwei Snowman-Rigs mit PVA-Sticks und ein paar verstreute Futterkugeln in verheißungsvollen Arealen. Dennoch glaubte ich irgendwie nicht mehr so recht an einen Erfolg, bis die Funkbox dann doch einen Run meldete. Es hatte funktoniert!
Der Fisch schwamm im Halbkreis auf mich zu, ohne viel Druck zu machen, und setzte sich sofort in einem der ins Wasser hängenden Bäume fest. Super! Kein Vorwärts, kein Rückwärts, und vor allem kein Boot in der Nähe, um den Fisch befreien zu können. So blieb mir nichts anderes übrig, als die Schnur auf Spannung zu halten, doch auch das änderte nichts an der beschissenen Situation. Ich ließ locker und drehte die Bremse auf - und siehe da: Der Fisch nahm Schnur. Wieder nahm ich Kontakt auf, wieder das gleiche Spiel: Kein Weiterkommen. Was sollte ich tun? Meine Rute signalisierte mir noch deutlich, dass der Fisch hing, also handelte ich kurz entschlossen. Ich zog mich bis auf die Boxershorts aus und stieg mitsamt Rute und Kescher ins Wasser. Wohlgemerkt: Ich wusste zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wie groß der Fisch war. Es hätte ebenso ein Satzler sein können. Am steinigen Ufer verlor ich einige Mal den Halt und ging mitsamt der Rute in der Hand auf Tauchstation, bevor ich mich im hüfttiefen Wasser endlich stabilisieren konnte. Unglaublich, aber wahr - der Fisch hing noch, hatte sich sogar befreit und schwamm nun im Freiwasser seine Runden! Jetzt durfte ich mir keinen Fehler erlauben.
Nun entbrannte der eigentliche Drill erst. Der Karpfen war augenscheinlich richtig wütend und pflügte seinen Körper durchs Wasser, während meine Rollenbremse kreischte. Als er das erste Mal nach oben kam, ahnte ich bereits, einen etwas Größeren am Haken zu haben, doch der Kämpfer erschrak angesichts meines Adoniskörpers und ging abermals in die Offensive. "10 plus mindestens". Irgendwann glitt schließlich ein massiger Leib in die Keschermaschen. Der erste Versuch hatte geklappt, der Fisch war mein!
Zurück am Ufer befestigte ich den Kescher mit einem Bankstick und nahm als erstes das Handy in die Hand. SMS an die gesamte CCC-Crew (und einen Steirer): "Bin am Gloryhole und hab was richtig Fettes im Kescher!" SMS an das wartende Weibchen zuhause: "Stell zwei Biere kalt, heut wird noch angestoßen."
Der Phantomwaxxler erklärte sich bereit, mir beim Fotografieren zu helfen und war wenig später vor Ort, um das "Brett" zu begutachten. Der Körper des Schuppenkarpfens füllte die gesamte Abhakmatte aus. Der 6er Anaconda-Haken hing bombenfest in der Unterlippe und wäre niemals ausgeschlitzt. Das Maul war makellos und ohne Hakenspuren, nur eine einzige fehlende Schuppe an der Flanke störte das fabelhafte Schuppenbild. Einziges Makel an diesem Fisch war die arg in Mitleidenschaft gezogene Schwanzflosse, wobei ich mir nicht erklären kann, woher dieser Schaden stammen könnte. Egal, es war ein genialer Fisch und mit 17,6 Kilo wahrscheinlich einer der drei größten im ganzen Gloryhole.


Für mich war dieser Karpfen nicht nur ein super Fang, sondern auch wieder eines von vielen Beispielen, dass sich kurzfristiges Moven und schnelles Reagieren auf Angeldruck durchaus lohnt und es immer einen Versuch wert ist, die eigene Faulheit zu überwinden.
Tausend Dank gehen an den Phantomwaxxler dafür, dass er um Mitternacht statt sich in die Heia zu legen ans Wasser fuhr, um großartige Fotos von dem Fisch und mir zu machen. Danke geht auch an alle, die mein Handy im Nachhinein mit SMS-Petris überflutet haben!






