Auf Grund der eher spärlichen Antworten nehme ich an, dass es hier im Forum eher sehr wenige Fans dieser edlen (kommt nicht von teuer!) Ruten gibt.
Interessant ist, dass tatsächlich der Preis eines der Hauptargumente gegen die Grasruten ist. Wobei man am Wasser aber eine Vielzahl Kohlfaserruten (nicht nur Fliegenruten!) sieht, die einer Gespließten im Preis nicht wirklich viel nachstehen. Wenn man von den Utopie-Preisen einiger Hersteller einmal absieht - Kunifax hat dies ja schon erwähnt.
Ich denke auch, wenn man den Preis einer Gespließten dem Preis einer von Hand aufgebauten (davon gibt es eine Menge) Kohlefaser entgegenstellt, ist der Preis auch relativiert.
Es wird auch immer das hohe Gewicht einer Gespließten als Manko angegeben. Da muss man aber unterscheiden, ob man von einer teilweise mehr als 30-jährigen (!) Gespließten spricht, oder von einer modernen, in der Regel sehr viel leichteren Rute. Eine moderne Gespließte in der Schnurklasse #4 hat ein Gewicht von weniger als 100 Gramm (obwohl teures Nickelsilber verbaut wurde). Bei den Kohlefaserruten findet in der Regel Aluminium Verwendung.
Empfindlich (beim Werfen) ist eine Gespließte eigentlich nicht, sofern man auf's Timing achtet. Die den Grasruten eigene Aktion muss man mögen - ich möchte sie nicht mehr missen.
Empfindlich auf Bruch ist eine Gespließte überhaupt nicht. Beispiel: Ein Goldkopf an die Spitze einer Kohlefaserrute hinterlässt in der Regel eine Verletzung des Materials, welche sehr häufig im Drill zum Bruch der Spitze führt. Der selbe Goldkopf an die Spitze einer Gespließten erfordert lediglich einen Tupfer Lack, damit sie wieder schön ist

Vielleicht ist es ja auch interessant, wie viele Arbeitsschritte zur Herstellung einer Gespließten (ca. 40 Arbeitsstunden für eine Standardrute) erforderlich sind?
EIne grobe Auflistung:
- Aussuchen eines geeigneten Bambusrohres
- spleissen des Bambus (für eine 2-teilige Rute werden 12 Spleisse benötigt)
- ablängen der Spleisse (inkl. Bedacht auf Knotenversatz)
- gerade richten der Spleisse
- verpressen der Blattknoten
- schleifen der Blattknoten
- vorhobeln der Spleisse
- härten der Spleisse
- hobeln auf das finale Tapermaß der Spleisse
- verleimen der Spleisse
- drehen und montieren der Steckhülsen
- aufwickeln der Ringe mit feinster, englischer Seide.
- versiegeln der Ringwicklungen
- mehrmaliges Lackieren der Rute
- verkleben der Korkscheiben (ca. 30 Stück feinster, hochwertiger Kork) und anschließendes Schleifen des Griffes
- drechseln, fräsen und mehrmaliges Lackieren des Rollenhalters (hier findet normalerweise edles Wurzel- bzw. Maserholz Verwendung)
- drehen und polieren der Nickelsilberbeschläge für den Rollenhalter
- Montage von Griff und Rollenhalter
Um keinen falschen Eindruck zu hinterlassen, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass ich auf KEINEN FALL Werbung für die Gespließten machen möchte. Ich meine nur, dass es vielleicht ganz interessant sein kann, wenn man einen kleinen Einblick in die Welt der Gespließten bekommt. An den Antworten zu meiner Eingangsfrage kann man ja erkennen, dass es viel mehr Vorurteile als Wissen diesbezüglich gibt.
Und nein, werte Angelfreunde, ein dekadentes Produkt für gut betuchte Snobs und Puristen ist eine Gespließte auf keinen Fall. Die Liebhaber von Gespließten sind vielmehr Liebhaber schöner Handwerkskunst auf sehr hohem Niveau

. Jeder Raucher "investiert" jährlich wesentlich mehr Geld in sein Laster

Ich würde mich freuen, wenn diese Diskussion - fernab von gemästeten Monsterfischen (ich spreche hier von Forellen) - fortgesetzt würde.