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Friends again

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Friends again

Beitragvon Polsi » 14.10.2010, 16:43

Hey, hier die neuestes Story von meinem Blog. Diesmal kein Fangbericht. http://fishing-addict.blogspot.com


Als moderner, fanatischer Angler tendiert man immer ein wenig dazu, sich selbst etwas zu vernachlässigen. Das zeigt sich etwa beim "Fressverhalten": Während sich die Karpfen an hochwertigsten, sündteuren HNV-Boilies laben, die man kiloweise ins Wasser kippt, nimmt der Angler selbst mit einem lauwarmen Dosengulasch vorlieb. Je günstiger desto besser. Inzersdorfer und Felix ist da noch Luxus.

In meinem Fall betrifft diese masochistische Ader vor allem die Bekleidung. Jahrelang verwendete ich ausrangierte Alltagskleidung am Wasser. Sieht nicht nur Scheiße aus, sondern ist außerdem völlig ungeeignet für Minustemperaturen, kalten November-Nebel, nasses Gras, Regenfälle, Hagel und Schweißausbrüche angesichts kreischender Bissanzeiger und rauchender Rollenbremsen. In den letzten Jahren baute ich mir aber so etwas wie eine Anglergarderobe auf. Diese beinhaltet: 2 Hosen, eine davon abzippbar, einen Fleece-Pullover mit Kapuze, eine Fleece-Jacke, einen zweiteiligen Thermoanzug, zwei Garnituren Thermounterwäsche für unterschiedliche Kältegrade, eine Regenhose zum Drüberziehen und einige T-Shirts. Natürlich alles in gedeckten Naturfarben, aber kein Realtree- oder Flecktarn-Design (Gott bewahre!).

Tja, ihr werdet es sicher schon erraten haben: Es fehlten bisher die passenden Schuhe! Kommt man während der warmen Jahreszeit mit so ziemlich jedem Schlapfen zurecht, kann es spätestens ab Oktober in alten Turnschuhen so richtig ungemütlich werden. Kälte und Nässe verwandeln die Füße zu Eisklumpfen. Nicht einmal eine heiße Wärmflasche im Schlafsack kann dann noch helfen. Kurz gesagt: Es mussten neue Schuhe her!

Wäre da nicht ein Problem: Es gibt nur eine Sache, die ich mehr hasse als Fleischfischer und vegetarische Lasagne, und das ist das Einkaufen von Schuhen. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf ein Kindheitstrauma. Hieß es damals "Schuhe kaufen gehen", konnte ich den Tag gleich abschreiben. Stunde umd Stunde verbrachte ich mit meiner Mutter in jedem Schuhgeschäft der Stadt und ließ mir von weiblichen Al Bundys gefühlte 100 Paare Schuhe anziehen. Zwar wurde ich gelegentlich nach meiner Meinung gefragt, wie mir die jeweiligen Schuhe denn gefallen würden, doch das war nur alibihalber. Am Ende entschied der Geschmack meiner Mutter. Verständlich, schließlich musste ja sie für die ausgewählten Schuhe aufkommen. Als besonders schlimm empfand ich, dass nicht einmal sicher gestellt war, dass ich am Ende tatsächlich mit einem Paar neuer Schuhe nach Hause gehen konnte. Oft genug wurde einfach "nichts Passendes gefunden". Zwar bin ich noch heute dankbar für die Übernahme der durch den Schuhkauf entstandenen Kosten, doch der langwierige Prozess des Auswählens war die reinste Tortur für mich. Noch heute mache ich einen großen Bogen um jedes Schuhgeschäft!

Doch diesmal musste ich da wieder mal durch, schließlich ging es um's Angeln. Ich versuchte mir die Sache schön zu reden: "Eigentlich ist das ja kein richtiger Schuhkauf, sondern zur Hälfte schon fast ein Tacklekauf" oder so ähnlich. Nervös betrat ich auf Anraten von Markus "the Carpus" Suppanz den Sports Experts in Klagenfurt. In diesem Moment sollte sich alles ändern. Es erschien mir ein blonder Engel, und ich erkannte erst auf dem zweiten Blick, dass es sich hier um eine Kundenberaterin handeln musste. In den folgenden 15-20 Minuten erlebte ich ein absolutes Musterbeispiel für ein perfektes Verkaufsgespräch. Die besagte Dame kannte sich tatsächlich mit den angebotenen Produkten aus - ein Umstand, der vor allem in Angelfachgeschäften nicht unbedingt alltäglich ist und mich direkt überraschte. Ich schilderte meine Wünsche: Wasserdichtheit, gute Wärmedämmung, Atmungsaktivität und Leistbarkeit, und Fr. Sports Experts ging gemeinsam mit dir die Regale durch, um gleich ein paar Schuhe in die Vorauswahl zu übernehmen.

Im Laufe des Gespräches offenbarte mir die schuhkundige Dame, dass auch ihre beiden Söhne Angler wären, und sich sogar am gleichen Gewässer wie ich aufhalten würden. Jetzt war ich mir absolut sicher, dass diese Frau wissen musste, was ein Mann wie ich braucht, zumindest schuhmäßig! Ich ließ mich diesmal nicht durch die vielen Sonderangebote locken, sondern entschied mich für ein Produkt der Marke Columbia, das einen absolut robusten Eindruck machte und zudem perfekt saß.

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Beeindruckt von den Verkaufs- und Beratungsfähigkeiten von Fr. Sports Experts war ich ja ohnehin schon, doch jetzt setzte sie ihr gesamtes Talent ein und plötzlich fand ich mich in der Sockenabteilung wieder. Nie hätte ich gedacht, jemals 20 Euro für ein Paar Socken auszugeben, doch seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines Paares Outdoorsocken der Marke "Falke".

Würde es nur in jedem Schuhgeschäft eine Verkäuferin mit den Qualitäten von Fr. Sports Experts geben, ich möchte gar nicht wissen, wie viele nervige Stunden ich mir in meinen Kindheitsjahren erspart hätte. Schuhe-kaufen und ich, wir sind wieder Freunde! Wer hätte das gedacht?
May you build a ladder to the stars and climb on every rung, may you stay forever young.

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Re: Friends again

Beitragvon Oldman » 14.10.2010, 18:26

Hallo Polsi!

die ich mehr hasse als Fleischfischer

Das nehme ich dir übel :mrgreen: :mrgreen: :mrgreen:
Doch mir den Schuhen hast du eine gute Wahl getroffen.
ich habe ähnliche
Stiefel-300x257.jpg
Stiefel-300x257.jpg (16.06 KiB) 304-mal betrachtet

Ich habe sie von Aldi ich glaube bei Euch heißt der Hofer.

Gruß Oldman
wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen ist,
wirst du festellen, dass man Geld nicht essen kann
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Re: Friends again

Beitragvon Sixpack » 14.10.2010, 19:48

Eigentlich wäre mir ein Foto des blonden Engels lieber gewesen..... 8)
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Re: Friends again

Beitragvon Lupus » 15.10.2010, 05:33

Hallo Polsi!
Danke für diese wirklich humorvolle und sehr wahrheitsgetreue Geschichte und gratuliere zu Deinem Kauf.
Komisch, in Deinem Alter und auch noch viel viel länger war es bei mir auch so, dass mir völlig wurscht war, was ich beim Angeln anhatte und meistens waren es irgendwelche alten Jeans, ausrangierte Hemden und T-Shirts, ausgetretene Turnschuhe und so.
Irgendwann zog ich mir den ersten Hexenschuss zu, weil die Hemden und Leiberln meist welche waren, die von hundertmal Waschen (bis sie Angelkleidung wurden und nicht mehr gewaschen wurden) viel zu kurz geworden waren. Daher passierte es, dass ich beim Hinsetzen wohl von hinten „bauchfrei“ war und die feuchte Nachtluft tat ihr übriges und am nächsten Tag konnte ich mich nicht mehr rühren vor Kreuzschmerzen.
Die kalten Turnschuhe verpassten mir die ersten Blasenentzündungen, und last not least war da noch etwas: Der ärmliche „Fetznlook“ trug nämlich ziemlich dazu bei, dass man eher von Nichtanglern blöd angesprochen wurde oder blöde Bemerkungen zu hören waren.
Seit längerer Zeit trage ich beim Angeln fast ausschließlich Jagdbekleidung. Ich bin zwar kein Jäger, aber das Zeug gefällt mir von den gedeckten Farben und ist zwar etwas teurer, aber von wirklich guter Qualität und wurde mir nie wieder kalt. Auch im Sommer sind leichte Jagdhosen und entsprechende Hemden gut. Und der Vorteil ist, das dieser Look irgendwie eine Distanz schafft. Die Leute quatschen einen nicht blöd an sondern halten einen für den Förster oder vielleicht einen Beamten von der MA 49 (Forstdirektion Wien), bei dem das, was er gerade tut (angeln) sicher auch offiziell und aus was weiß ich – hegerischen Gründen --- erfolgt. Jedenfalls sagt keiner mehr „jö schau´, des do is sicha a Schwoazfischa, los hau ma Staana eini“.
Zu Schuhgeschäften als Kind: Natürlich mögen Kinder das nicht. Wenn´s um meine eigenen Schuhe ging schon gar nicht. Komischerweise gefielen mir als kleiner Bub schon große schlanke womöglich blonde Frauen und ich fand es irre aufregend, wenn sie lang und ausgiebig hochhackige Schuhe anprobierten und während meine Mutter vielleicht für sich selbst irgendwelche „bequeme und praktische Schuhe“ suchte, ging ich auf die „Pirsch“ nach hübschen Frauen mit langen Beinen in Killer-Heels .
@oldman! Keine Sorge, er meint mit Fleischfischer nicht jemanden, der ab und an mit Freude einen selbstgefangenen Fisch verzehrt, sondern nur solche, die alles niederknüppeln, was sie fangen, obwohl vielleicht die Tiefkühltruhe schon voll ist.
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Re: Friends again

Beitragvon Oldman » 15.10.2010, 10:21

Hallo!
@oldman! Keine Sorge, er meint mit Fleischfischer nicht jemanden, der ab und an mit Freude einen selbstgefangenen Fisch verzehrt, sondern nur solche, die alles niederknüppeln, was sie fangen, obwohl vielleicht die Tiefkühltruhe schon voll ist.


Keine Sorge ist schon richtig angekommen.

Gruß Oldman
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Re: Friends again

Beitragvon D.D. » 15.10.2010, 11:23

Ich denke, dass solche Probleme wirklich nicht auf die leichte Schulter zu nehmen sind.
Vielleicht kann nicht nur eine gute Beratung bei Schuhen helfen sondern der Ursprung wirklich gefunden und behoben werden
http://www.fwf.ac.at/de/abstracts/abstract.asp?L=D&PROJ=J2853
http://chris-mybusiness.blogspot.com/

do the voices in my head bother you?
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Re: Friends again

Beitragvon Oldboy » 15.10.2010, 14:54

Polsi schrieb: Während sich die Karpfen an hochwertigsten, sündteuren HNV-Boilies laben, die man kiloweise ins Wasser kippt, nimmt der Angler selbst mit einem lauwarmen Dosengulasch vorlieb. Je günstiger desto besser. Inzersdorfer und Felix ist da noch Luxus.


Interessant, ich mache es genau umgekehrt - die Karpfen bekommen einen Mix aus Müsliresten, Semmelbrösel, Billighaferflocken, Diskonthartmais und was sich sonst noch so anbietet, während sich der kleine Oldboy an Pata-Negra-Schinken, Portwein und Stilton labt ... preislich wirds insgesamt wohl Deiner Variante gleichen, aber - besser ich als der Fisch.

Beste Grüße, Oldboy
All the romance of fishing exists in the mind of the angler and is in no way shared by the fish ...
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