Als moderner, fanatischer Angler tendiert man immer ein wenig dazu, sich selbst etwas zu vernachlässigen. Das zeigt sich etwa beim "Fressverhalten": Während sich die Karpfen an hochwertigsten, sündteuren HNV-Boilies laben, die man kiloweise ins Wasser kippt, nimmt der Angler selbst mit einem lauwarmen Dosengulasch vorlieb. Je günstiger desto besser. Inzersdorfer und Felix ist da noch Luxus.
In meinem Fall betrifft diese masochistische Ader vor allem die Bekleidung. Jahrelang verwendete ich ausrangierte Alltagskleidung am Wasser. Sieht nicht nur Scheiße aus, sondern ist außerdem völlig ungeeignet für Minustemperaturen, kalten November-Nebel, nasses Gras, Regenfälle, Hagel und Schweißausbrüche angesichts kreischender Bissanzeiger und rauchender Rollenbremsen. In den letzten Jahren baute ich mir aber so etwas wie eine Anglergarderobe auf. Diese beinhaltet: 2 Hosen, eine davon abzippbar, einen Fleece-Pullover mit Kapuze, eine Fleece-Jacke, einen zweiteiligen Thermoanzug, zwei Garnituren Thermounterwäsche für unterschiedliche Kältegrade, eine Regenhose zum Drüberziehen und einige T-Shirts. Natürlich alles in gedeckten Naturfarben, aber kein Realtree- oder Flecktarn-Design (Gott bewahre!).
Tja, ihr werdet es sicher schon erraten haben: Es fehlten bisher die passenden Schuhe! Kommt man während der warmen Jahreszeit mit so ziemlich jedem Schlapfen zurecht, kann es spätestens ab Oktober in alten Turnschuhen so richtig ungemütlich werden. Kälte und Nässe verwandeln die Füße zu Eisklumpfen. Nicht einmal eine heiße Wärmflasche im Schlafsack kann dann noch helfen. Kurz gesagt: Es mussten neue Schuhe her!
Wäre da nicht ein Problem: Es gibt nur eine Sache, die ich mehr hasse als Fleischfischer und vegetarische Lasagne, und das ist das Einkaufen von Schuhen. Zurückzuführen ist diese Tatsache auf ein Kindheitstrauma. Hieß es damals "Schuhe kaufen gehen", konnte ich den Tag gleich abschreiben. Stunde umd Stunde verbrachte ich mit meiner Mutter in jedem Schuhgeschäft der Stadt und ließ mir von weiblichen Al Bundys gefühlte 100 Paare Schuhe anziehen. Zwar wurde ich gelegentlich nach meiner Meinung gefragt, wie mir die jeweiligen Schuhe denn gefallen würden, doch das war nur alibihalber. Am Ende entschied der Geschmack meiner Mutter. Verständlich, schließlich musste ja sie für die ausgewählten Schuhe aufkommen. Als besonders schlimm empfand ich, dass nicht einmal sicher gestellt war, dass ich am Ende tatsächlich mit einem Paar neuer Schuhe nach Hause gehen konnte. Oft genug wurde einfach "nichts Passendes gefunden". Zwar bin ich noch heute dankbar für die Übernahme der durch den Schuhkauf entstandenen Kosten, doch der langwierige Prozess des Auswählens war die reinste Tortur für mich. Noch heute mache ich einen großen Bogen um jedes Schuhgeschäft!
Doch diesmal musste ich da wieder mal durch, schließlich ging es um's Angeln. Ich versuchte mir die Sache schön zu reden: "Eigentlich ist das ja kein richtiger Schuhkauf, sondern zur Hälfte schon fast ein Tacklekauf" oder so ähnlich. Nervös betrat ich auf Anraten von Markus "the Carpus" Suppanz den Sports Experts in Klagenfurt. In diesem Moment sollte sich alles ändern. Es erschien mir ein blonder Engel, und ich erkannte erst auf dem zweiten Blick, dass es sich hier um eine Kundenberaterin handeln musste. In den folgenden 15-20 Minuten erlebte ich ein absolutes Musterbeispiel für ein perfektes Verkaufsgespräch. Die besagte Dame kannte sich tatsächlich mit den angebotenen Produkten aus - ein Umstand, der vor allem in Angelfachgeschäften nicht unbedingt alltäglich ist und mich direkt überraschte. Ich schilderte meine Wünsche: Wasserdichtheit, gute Wärmedämmung, Atmungsaktivität und Leistbarkeit, und Fr. Sports Experts ging gemeinsam mit dir die Regale durch, um gleich ein paar Schuhe in die Vorauswahl zu übernehmen.
Im Laufe des Gespräches offenbarte mir die schuhkundige Dame, dass auch ihre beiden Söhne Angler wären, und sich sogar am gleichen Gewässer wie ich aufhalten würden. Jetzt war ich mir absolut sicher, dass diese Frau wissen musste, was ein Mann wie ich braucht, zumindest schuhmäßig! Ich ließ mich diesmal nicht durch die vielen Sonderangebote locken, sondern entschied mich für ein Produkt der Marke Columbia, das einen absolut robusten Eindruck machte und zudem perfekt saß.


Beeindruckt von den Verkaufs- und Beratungsfähigkeiten von Fr. Sports Experts war ich ja ohnehin schon, doch jetzt setzte sie ihr gesamtes Talent ein und plötzlich fand ich mich in der Sockenabteilung wieder. Nie hätte ich gedacht, jemals 20 Euro für ein Paar Socken auszugeben, doch seit gestern bin ich stolzer Besitzer eines Paares Outdoorsocken der Marke "Falke".
Würde es nur in jedem Schuhgeschäft eine Verkäuferin mit den Qualitäten von Fr. Sports Experts geben, ich möchte gar nicht wissen, wie viele nervige Stunden ich mir in meinen Kindheitsjahren erspart hätte. Schuhe-kaufen und ich, wir sind wieder Freunde! Wer hätte das gedacht?





