Es brennt! (von Markus Suppanz)
Es brennt. Es brennt unter den Fingernägel, es brennt auf den Lippen. Es brennt wie das Fischmehl in der Hakenwunde. Es ist 21 Uhr, und nach einem zu langen Arbeitstag bin ich im Eiltempo Richtung Stadtgrenze unterwegs. Nach dem obligatorischen Stopp an der Tankstelle, um eine möglichst schnelle, ungesunde und kosteninneffiziente Ernährung zu erhaschen, komme ich eine halbe Stunde später am Teich an. Alleine! Perfekt! Es ist Ende September, überdurchschnittlich warm, doch soll sich in der restlichen Nacht eine Kaltfront breit machen.

Neun Stunden später krieche ich durchnässt und übermüdet aus meinem Unterstand. Der Regen hat mich voll erwischt. Als ich mein nasses und verdrecktes Tackle zurück ans Auto schleife, wechsle ich ein paar Worte mit einem Hechtfischer. Geht wohl nix seit Wochen hier. Irgendwie nimmt er mich auch nicht richtig ernst, mir war halt nicht kalt, und sechs Karpfen zählen auch nicht so viel wie König Esox. Egal. Der Herbst ist da, Big Fish Time!

Seither sind fast zwei Monate vergangen. Acht Wochen, in denen ich mir den Arsch wund saß am Heimatgewässer, an der steirischen Schottergrube, am Kärntner Moorsee und wieder am Heimatgewässer. Highlights: Zwei Halbstarke auf gepoppten Fake-Mais. Singlehook arty carpy.


Alles andere klingt gut, hat aber bei mir nicht funktioniert: Viel Futter, wenig Futter, immer nah am Fisch, aber nie gehakt. Stiff-Rigs, Mono, Braid, langes Rig, kurzes Rig und zu guter Letzt das Kreuz mit dem KD.

Ein Blick in den Nachbarswimm, dort zeichnen die Gesichtszüge meines Angelkameraden ein ähnliches Bild. Man fängt zwar hin und wieder, vom fetten Herbstspiegler aber keine Spur. Die gängigen Internetforen bestätigen es: Statt heroischer Fangmeldungen und neuen Seerekorden Selbsthilfegruppen für Extraordinary-Baitroller. Schoko-Knoblauch – klingt doch lecker.
Wenig Fisch heißt viel Zeit zum Grübeln. Bin ich am besten Weg diesen Herbst wieder übertölpelt zu werden oder gelingt mir doch noch der eine oder andere Fang? Ich denke schon, nur bezweifle ich mittlerweile die Theorie vom Goldenen Herbst. Meine Fangbücher sprechen Bände: Meine besten Ergebnisse hatte ich immer im Frühjahr bis zur Schonzeit. Schon komisch, doch woran liegt das? Die Motivation ist eine andere! Während es mir im Frühjahr eher darum geht, nur die trockene Heizungsluft hinter mir zu lassen und im Freien zu sein, habe ich im Herbst meist das Ziel der magischen 20. Während ich März und April mehr Zeit für die Location verwende, verlasse ich mich im Herbst zu sehr auf den Hunger der Gelben. Bait and wait quasi. Was ich jedoch leider übersehen habe ist, dass die dauernden Wetterkapriolen vom Altweibersommer bis zum Schneesturm alles andere als appetitanregend waren. Es fällt mir außerdem zu oft zu schwer, mich in stockdunkler Nacht trotz guter Bedingungen noch außer Haus zu zwingen.

Ich denke, wir sollten es einsehen. Das große Fressen wird auch heuer ausbleiben. Zu launisch springen die Hektopascal auf und ab, zu kalt ist der nächtliche Nordwind, zu stark die Mittagssonne in der verholzten Bucht. Ich komme mir zwar selber manchmal ziemlich cool vor hinter meinen Edelstahlbanksticks, doch bin ich immer noch kein Kaltblüter. Wie es ihnen wohl geht, wenn selbst uns Menschen das Wetter auf den Kreislauf schlägt? Ich weiß es nicht.
Anyway, trotz höchstem mentalen Chaos wird mich heuer erst die Eiszeit von meinen Ruten trennen. Versprochen. Learning by doing, vielleicht klappt's ja mit einem Schneefoto für die Usergalerie, kommt sicher hart. Braucht ja niemand zu wissen, dass es im Bivvy 25 petroleumbefeuerte Grad hat. Einzig: Den Tennisarm vom Wurfrohr spar ich mir jetzt wieder.







