Doch in diesem Jahr sollte es endlich wahr werden. Ich hatte ein geeignetes Gewässer für mein Vorhaben gefunden: Tief, klein und mit einem guten Bestand. Außerdem wusste ich, wo sich die Fische derzeit aufhielten. Während ich über die Autobahn jagte, "Being Nothing" von Nightrage voll aufgedreht, befürchtete ich angesichts der vergangenen eiskalten Nacht schon, eine zugefrorene Wasserfläche vorzufinden, doch vor Ort fiel mir ein Stein vom Herzen. Der Teich war frei und befischbar, nur am Ufer waren einige kleine Bereiche von einer dünnen Kruste bedeckt.
Es versprach, ein äußerst schöner Tag zu werden, als ich meine Ausrüstung am Ostufer aufbaute, mit der Absicht, von hier aus die tiefen Gewässerbereich bequem anwerfen zu können. So wie die Sonnenstrahlen auf die Wasseroberfläche trafen, zeigte sich hier auch schon das Leben. Kleinfische stiegen auf und junge Hechte raubten was das Zeug hielt.
Ich montierte gerade ein paar Reserverigs, als sich die schlaff durchhängende Schnur der rechten Rute spannte, den leichten Hanger nach oben zog, dann aber sofort wieder erschlaffte. Trotzdem griff ich zur Rute und nahm Kontakt auf. Insgeheim erwartete ich eigentlich, die lose Montage einzukurbeln, doch satter Widerstand deutete auf einen Karpfen hin, der sich an meinem Pop Up-Rig gehakt hatte. Super! Der Drill verlief problemlos, und schon bald konnte ich die goldene Winterschönheit für die Kamera präsentieren. Der Haken saß perfekt in der Unterlippe. Mein erster Dezemberkarpfen!

Den restlichen Tag über tat sich nicht viel, und nur allzu schnell brach die Dämmerung herein, die mir zuvor aber noch einen wunderbaren Sonnenuntergang bescherte. Der Abend wurde sehr kalt, und gegen 19 Uhr bildete sich das erste Oberflächeneis. Ich konnte förmlich zusehen, wie es sich langsam über die ganze Wasserfläche ausbreitete. Nun war es für mich Zeit zu gehen. Als ich die Montagen einkurbelte, hörte und spürte ich förmlich, wie die Schnüre durch das frische Eis schnitten. Vielleicht war es die letzte Session der Saison, wer weiß.







