Am Nachmittag kontaktierte ich allerdings Markus "Carpus Urbanus" Suppanz, der nun seinerseits vorhatte, die Herausforderung der Krautgrube anzunehmen. Ich musste augenblicklich an die Heerscharen von Karpfenproleten und Fleischfischern denken, die wochenends an meinem Kurzsessiongewässer kampieren und verglich diese Situation innerhalb von Sekundenbruchteilen mit der Idylle an der Krautlacke. Schon hatte ich mich umentschieden und stand kurz darauf wieder am Ufer, Luft in mein Jolly pumpend. Markus brachte Claudia mit. Umso besser. Frauen am Wasser brachten mir bisher immer Glück, und außerdem sind sie immer ein Garant für gutes Essen. So auch diesmal. Es gab Backhendl mit Strangerlsalat. Ich ergänzte das Mahl mit Kartoffeln, Mannerschnitten und Cola.

Der Abend war lau und chillig, doch irgendwie war ich innerlich angespannt, so wie ich es immer bin, wenn ein Biss bevorsteht. Noch vor Mitternacht ging schließlich Markus' Rute ab, so wie ich es erwartet hatte. Er fuhr mit dem Boot hinaus in die Dunkelheit, um den Fisch aus seiner grünen Deckung befreien und kam mit einem schlanken Schuppenkarpfen mit einer auffälligen geteilten Rückenflosse zurück. Ein Anfang war gemacht.

Als Markus mit dem Auslegen fertig war, kam plötzlich starker Wind auf, der von baldigem Regen kündete. Markus und Claudia machten es sich in ihrem Zelt gemütlich, ich harrte unter meinem Schirm aus. Zaghaft fielen die ersten Tropfen, weshalb ich auf einen kurzen Schauer hoffte, doch schon kurze Zeit später schüttete es wie in Strömen. Mein Kopfbereich und mein Bivvytable waren vom Schirm abgedeckt. Von der Körpermitte abwärts lag ich aber im Freien, meinen Schlafsack schützte ich mit einem Bedchaircover vor dem Regen, was auch ganz gut funktionierte. Schlaf bekam ich dennoch wenig. Ich vertrieb mir die Zeit mit Mannerschnitten, Fachliteratur und Luckys.
Es war schon hell, als sich meine linke Rute meldete und mich weckte. Der Hanger wanderte langsam nach oben und verharrte in dieser Position. "Braxx Attack", fürchtete ich und latschte widerwillig ins Boot, wo ich gleich in knöcheltiefes Wasser stapfte. Schuhe und Socken waren jetzt also auch noch nass.
Ich pumpte mich zum Fisch, der sich plötzlich heftig wehrte und mit Volldampf durch das Kraut pflügte. Der Safety Clip hatte das Blei bereits frei gegeben, was den Drill erleichterte, aber dennoch sammelte sich kiloweise Kraut in der Schnur. Der Karpfen kam schließlich an die Oberfläche, doch ihn über den Kescher zu ziehen gelang mir nicht wirklich, da der Fisch in einem riesigen Krautball steckte. Irgendwie schaffte ich es dann, den Kescher unter das grüne Monstrum zu kriegen, woraufhin der Spiegler direkt ins Netz schwamm. Glück gehabt!
Der Regen hatte mittlerweile aufgehört, und ich konnte einen wunderschönen, wohlgenährten und dunklen Karpfen mit schwarzem Rücken und schwarzem Kopf präsentieren. So ein Exemplar wollte ich immer schon einmal fangen. Majestätisch gleitete der Spiegler nach ein paar Fotos zurück in sein verwachsenes Reich.

Meine komplette Ausrüstung war nass: Boot, Liege, Taschen, Kleidung, aber glücklicherweise auch Kescher und Abhakmatte. Am Horizont blinzelte bereits die Sonne durch, als wir mit voll beladenen Booten wieder Richtung Parkplatz ruderten. Die Session hatte sich gelohnt!







