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Eine sensible Frage

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Eine sensible Frage

Beitragvon Lupus » 16.05.2011, 06:12

Hallo Freunde!

Etwas, das mir am Herzen liegt: Ich sehe immer wieder Fotos von stolzen Fängern mit prächtigen laichvollen Fischen (zuletzt Karpfen) . Kann es sein, dass der verstärkte C&R –Boom uns insoferne „beruhigt“, dass wir getrost auf diese Fische angeln, weil sie ja sowieso zurückgesetzt werden?
Ich bin beispielsweise jetzt punkto Karpfen von meiner Kindheit bis vor wenigen Jahren damit „aufgepäppelt worden wie ein Säugling mit der Babymilch“, dass die Karpfen im Mai Schonzeit haben. Jetzt ist die Differenzierung Zuchtform keine Schonzeit, Wildform dagegen schon.
Ich bin mir auch dessen bewusst, dass in unseren Breitengraden aus Karpfenlaich kaum etwas wird, sich der Laich meistens wieder zurückbildet. Andererseits sterben immer wieder große Karpfen oder andere Fische an Laichverhärtung.
Mir selber bereiten Fangbilder von Fischen mit laichprallem Bauch kein großes Wohlbehagen, denn es kann für den Fisch in dieser Situation, auch wenn ja wie wir wissen, gerade voll im Laichgeschäft befindliche Fische eh nicht beißen, nicht ein ziemlich großer Stress sein, im Drill wo er um sein Leben kämpft (er weiß ja nicht, dass er wieder zurückgesetzt wird) auch noch einen vollträchtigen Bauch zu haben.

Schließlich würde ich auch keiner schwangeren Frau eine zu große Anstrengung zumuten.

Auch bei Raubfischen (abgesehen, dass in meinen Revieren zum Glück gleich ab 1.1. bis
31.5. Raubfischschonzeit ist), würde ich mich nicht wohlfühlen, eine laichpralle Hechtdame bewusst zu befischen und zu fotografieren.
Ein anderes Beispiel ist die Äsche: Fast überall ganzjährig geschont (Entnahmeverbot). Aber gibt uns das die Berechtigung, gezielt im Frühjahr Äschenschulen anzuwerfen, wo die Äsche Frühjahrslaicher ist? Nur weil „ja eh nichts passieren kann, weil man sie ja eh nicht mitnimmt“. Da macht man besser einen Bogen um die Äschenschulen und sucht sich die Verstecke der Forellen aus. Hunderprozentig läßt sich ja nichts vermeiden, aber bitte nicht wegen Fotos und Fangberichten solche Fische intensiv beangeln.
Ich würde mir wünschen, dass bei der Ausübung der Fischerei der persönliche Wunsch nach Fangfotos/Fangberichten etwas weiter hinter den Gedanken rückt, wie ich schutzbedürftige Fische möglichst total in Ruhe lasse (und auch zwar nicht reproduzierende, aber dafür schwerstens laichvolle Karpfen erregen mein Mitleid, sodass ich sie nicht haken und drillen will) .

Gruß. Lupus
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Beitragvon chrisi1989 » 16.05.2011, 06:24

Ja Lupus du hast recht!
Ich hab den selben fehler am Wochenende begangen beim Feedern, da ja im moment alle Weißen geschont sind bis auf den Döbel bei uns !
Und ich warf trotzdem die Feeder aus in dem Wissen das die Weißen den köder finden werden
War nicht 100% richtig von mir

Was mich aber gewundert hat war das die Brassen keinen laichausschlag hatten und zwar keine einzige davon! An was kann das denn liegen?
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Techtrancer » 16.05.2011, 06:30

wasser ev noch zu kalt
ich hab ind er donau sogar im herbst brachsen gefangen die noch nen laichausschlag hatten!
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Lupus » 16.05.2011, 06:36

Hallo Chrisi!
Danke für die ehrliche Antwort! Ich finde es immer am schönsten, wenn man an eigenen Beispielen versucht, zu lernen oder Denkanstöße zu bekommen.
Was die Brachsen betrifft: Ich glaube, durch den warmen April hatte sich einiges verschoben und Brachsen mit Laichausschlag sah man schon Anfang April. Da kann es sein, dass sie bei Euch schon abgelaicht haben.
Die Schonzeiten sind ja Richtlinien, wo man ´halt auf keinen Fall den Fisch entnehmen darf, aber die sind ja kein hundertjähriger Kalender und so kann sich in der Natur alles verfrühen oder verzögern.
An einem sehr flachen Altarm, der oft schon im Spätwinter von der Sonne erwärmt wird, sah ich Brassen mit Laichausschlag sage und schreibe schon im Februar!
Ideal war es in meiner Kindheit: Zwar nicht gesetzlich gedeckt durch das Fischereigesetz, aber funktionell gut: Ich fischte an einem Privatwasser in NÖ. Die Karpfen hatten wie seit eh und je laut Gesetz von 1.-31.5. Schonzeit. Und der Pächter kam jedes Jahr zu mir und sagte „Bua, des Joah woa a kalter Frühling. Tamma die Karpfen von 15.5. – 15.6. schonen.“ Und richtig sah man dicke Karpfenbrummer in der ersten Juniwoche , wo sie ja eigentlich schon „frei“ gewesen wären, an ihren jahrhundertealten Laichplätzen in einem ganz kleinen Seitenarm versammelt.
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon chrisi1989 » 16.05.2011, 06:49

Das war sicher ein schöner Anblick !
Was mir jedoch beim Fischen sehr gefiel war das ich sah das der Bestand sehr gut ist !
An was ich aber auch dachte war das sicherlich einige gewisse "fischer" alle mit nach Hause genommen hätten obwohl sie geschont sind!
Denn wenn man wen fragt auf was er fischt zb sagt er auf Barben denn die sind ja nicht geschont und das am 07.05.2011
Woddurch ich ihn gleich darauf aufmerksam machte !
Ich weiß die Schonzeiten auch nicht auswendig und genau aus dem Grund schau ich bevor ich fischen geh ins lizenzbuch und vergewissere mich !
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Köfi » 16.05.2011, 08:15

Ich verstehe das "schlechte Gefühl" zwar sehr gut, aber bin auch zu egoistisch, als dass ich (mit meinen beschränkten Möglichkeiten) im Mai ganz auf das Fischen verzichten würde. In meinem Donauabschnitt dürfen wir zur Zeit absolut nicht räubern. Nachtfischen ist sowieso verboten. Und als Anfänger ist es unmöglich selektiv in so einem schwierigen Gewässer zu fischen. Wenn ich also das Wohl der Fische in den Vordergrund stellen würde, dürfte ich im Mai gar nicht in der Donau angeln und dafür bin ich aber zu egoistisch. Sorry, aber ich warte nicht bis Juli, wo mich dann die Gelsen vom Wasser vertreiben.
LG Fritz
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Hellvis » 16.05.2011, 08:17

Hallo Lupus,

eine Lösung kann ich natürlich auch nicht anbieten, sondern nur meine Einstellung. Ich habe eingentlich kein Problem, wenn jemand hier Fische äräsentiert, die kurz vorm Laichen stehen. Dem Fisch wäre es zweifellos am liebsten gar nicht gefangen zu werden. Ob er allerdings mit erkennbarem Laichbauch oder auch im Sommer gefangen wird macht für mich keinen Unterschied.
Ich kann jetzt nicht so recht erkenne, warum das Fischen auf laichschwere Fische ein Verbrechen ist und "normales" Fischen (C&R?) absolut legitim. Ich tue mir mit dem Gedanken schwer, dass jemand den Fang von laichschweren Fischen als "Verbrechen" ansehen kann und gleichzeitig C&R toleriert. Mir ist klar, dass sich laischschwere Fische ungern fangen lassen - das gilt aber gleichermaßen für Fische außerhalb der Laichzeit. Einen Schutz - wie bei schwangeren Frauen - halte ich nicht für notwendig. Fisch ist Fisch. Das Argument mit einer schwangeren Frau ist doch etwas weit weg.

Mich selsbt betrifft das ausschließlich bei Barschen. Sobald die zu erwischen sind, wird auch gefischt. Ohne schlechtes Gewissen wegen dicken Bäuchen.

Für mich schließt sich da noch eine Frage an. Darf man in der Schonzeit auf die geschonte Art fischen (von den Vorschriften her). Vor allem bei C&R-Karpfenanglern oder auch Hechtfischern (wo aufgrund der Köderwahl der Zielfisch klar ist) wird hier immer wieder gestritten. Das betrifft aber sicherlich auch die (eigentlich geschonten) Äschen @Lupus.
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Lupus » 16.05.2011, 08:31

Hallo Hellvis!
Ich habe mir die Überschrift wohl länger überlegt als den eigentlichen Text. Daher „sensible Frage“, also verstehe ich den Begriff „Verbrechen“ nicht ganz. Ich stelle nichts und niemanden an den Pranger, sondern wollte einfach diese Überlegung einbringen, und wissen wie Ihr es dazu haltet.
Ich finde nämlich solche Diskussionen interessanter als „Petri zu Deinen Fängen“-Phrasen garniert mit Smilies….
So wie in der Vergangenheit von mir angeregte und gerne angenommene Diskussionen zu „Renaturierung von Fließgewässern“ oder „Eulogie an die Regenbogenforelle“
Gruß. Lupus
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Redmire Pool » 16.05.2011, 08:52

Hallo Lupus!

Ich war heuer im Mai noch gar nicht fischen - hat aber mit einem steifen Genick/Krankenstand (ich werde alt) und mom. Arbeitsstreß zu tun - ansonsten muss ich mich nach der Decke strecken - sprich: wenn es die Zeit zulässt, bin ich am Wasser! Bin also ebenfalls ein Egoist... Ich gehe mit der Kreatur immer so sorgsam wie möglich um, egal ob mit Rogner, die prall gefüllt oder im Spätherbst, wo der Fisch einfach nur dick ist.

Nachtrag: einer fixen Schonzeit steh ich sowieso eher skeptisch gegenüber - wie oft schon, war der Mai arschkalt und die Fische laichten erst im Juni....
Zuletzt geändert von Redmire Pool am 16.05.2011, 08:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Hellvis » 16.05.2011, 08:53

Hi Lupus,

um mein Posting diesbezüglich etwas präziser zu machen: ich habe Verbrechen unter Anführungszeichen gesetzt um anzudeuten, dass es das im Wortsinn wohl nicht ist. Man kann aber ganz einfach meine Aussage (im SInne Deines Titels) auch so lesen: ich finde es nicht [url]fragwürdig[/url], wenn jemand Fische fängt und im Forum präsentiert. Das unabhängig davon, ob die Fische erkennbar kurz vorm Laichen stehen oder nicht.
In meine Überlegungen sind keine Fällt mitbedacht, wo der Schutz für laichende Fische zur Bestandserhaltung notwendig ist. Ich gehe also davon aus, dass ein gefangener Barsch - selbst wenn er durch den Fang im schlimmsten Fall nicht mehr ablaicht - bei der Reproduktion nicht merkbar abgeht.

btw: die schwangeren Karpfen im anderen Thread sind ein respektabler Fang, aber potthäßlich.
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Redmire Pool » 16.05.2011, 08:56

Hellvis hat geschrieben:btw: die schwangeren Karpfen im anderen Thread sind ein respektabler Fang, aber potthäßlich.


Sers, Schönheit liegt im Auge des Betrachters - mir gefallen die kugelrunden Fische! (egal ob mit Laich oder einfach nur blad)
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Captain » 16.05.2011, 10:21

Servus,

jetzt muß ich eine Lanze für alle Karpfenfischer in Niederösterreich berechen: Der Karpfen darf ganzjährig befischt werden, und mit einem z.B. 24mm Boilie kann im Normalfall kein anderer Fisch an die Angel gehen. Selektiver geht es wohl kaum, beim Befischen von Raubfischen, Salmoniden oder diversen Friedfischen sieht die Sache ganz anders aus! Ich befische im Mai selbstverständlich den Zielfisch Karpfen, warum auch nicht?! Wenn jemand Fangfotos von einem in der Schonzeit befindlichen Fisch daherkommt, sieht die Sache klarerweise anders aus, Fische in der Schonzeit dürfen nicht beangelt werden.
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon chrisi1989 » 16.05.2011, 10:42

@Captain

Das ist schon klar das die nicht beangelt werden dürfen
Jedoch willst du mir jetzt erklären ich soll meine Feederruten in den Keller stellen solange auch nur ein einzelner Weißfisch geschont ist ?
Der Döbel ist bei uns nicht geschont und der beißt genau so beim Feedern auf Grund wie jeder andre auch !
Auch der Barsch hat gezeigt das er sich die Maden schmecken lies !
Brassen Rotaugen usw lassen sich da eben nicht ausschließen
Dürfte ich also deiner meinung nach auch nicht mit Frühstücksfleisch Feedern???
Schmeckt bekanntlich einem Döbel, jedoch verschmähn Barben dies auch nicht
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Köfi » 16.05.2011, 12:52

@Chrisi; Die Feederer sind ja auch eine spezialisierte Gruppe und bei dieser Technik ist wahrscheinlich keine Fischart auszuschließen. Allerdings stellt sich da schon eher die "sensible Frage", ob ich die geschonten Fische auch noch stundenlang in einen Setzkescher pferchen muß. Ich fische auch im Mai mit Korb und Wurm und kann so sicher nicht verhindern, dass ein laichender / geschonter Fisch an den Haken geht, aber zumindest wird er dann im Wasser recht sanft vom Schonhaken gelöst und verabschiedet. Ist zwar auch nicht 100%ig "edel", aber beruhigt ganz gut das Gewissen gegenüber der Kreatur.
LG Fritz
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Re: Eine sensible Frage

Beitragvon Lupus » 16.05.2011, 13:02

Köfi hat geschrieben: die "sensible Frage", ob ich die geschonten Fische auch noch stundenlang in einen Setzkescher pferchen muß.

Hm, zu dieser sensiblen Frage stellt sich meine unsensible Frage dazu, wer denn um Himmels Willen auf den Gedanken kommen könnte, geschonte Fische zu hältern? Das kann ordentliche Konsequenzen bei Kontrollen geben.
Was soll es überhaupt bringen, Fische die man wieder zurücksetzt, erst zu hältern? Das einzige „Hältern“ vor dem Zurücksetzen geschonter oder auch nicht geschonter Fische, was ich praktiziere ist, dass ich den vielleicht müdegedrillten Fisch schön gegen die Strömung halte, damit er wieder Kraft bekommt. Wenn man spürt, dass er wieder lebhaft wird, auslassen und schon schwimmt er wieder.
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