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Die Europäische Aalverordnung

Gesetze, Vorschriften und Gebote die das Angeln betreffen

Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 04.11.2009, 16:52

Ein Thema, welches durchaus auch für Österreich Auswirkungen haben kann.

Am 2. November erschien im Weser Kurier ein Artikel mit der Überschrift „Der Aal macht sich dünn“. Was viele Angler in den letzten Jahren bereits feststellen mussten, wurde zum Inhalt des Berichtes. Der Aal gilt als bedrohte Tierart, nachdem festgestellt wurde, dass sein Bestand um beinahe 95 % zurückgegangen ist.
Schuld an der Misere sind in erster Linie veränderte Bedingungen durch den Klimawandel, Wegfischen der jungen Glasaale vor der europäischen Küste, neue Parasiten (Schwimmblasenwurm) Flussverbau oder Kraftwerksturbinen. Nicht zuletzt sorgt der Kormoran durch ungehemmtes Fressen seiner Lieblingsbeute für eine starke Dezimierung des Aals.
EU-Staaten wie Irland, Portugal, Spanien und Frankreich befischen gezielt die aus der karibischen Sargasso-See zurückkehrenden Jungaale vor der europäischen Küste, um sie an Aalfarmen oder als Delikatesse zu horrenden Preisen nach Asien zu verkaufen. Vereine müssen inzwischen bis zu 1000 Euro pro Kilo Besatzaal zahlen, um den Bestand in ihren Gewässern zu sichern.

Mit dem Erlass der Europäischen Aalverordnung will die EU dem jetzt einen Riegel vorschieben und hat weit reichende Bestimmungen zum Schutz des Aals erlassen. Viele Länder haben bereits ein Aal-Management eingeführt, das drastische Einschränkungen von Fangquoten bis hin zu einem generellen Verbot beinhaltet. In Holland beispielsweise besteht schon im Sommer ein zweimonatiges Fangverbot für alle Erwerbsfischer. Ihre Einkommensverluste werden in dieser Zeit durch Subventionen gemildert. In Deutschland erstellt man einen Aal-Bewirtschaftungsplan, dessen Daten für die Weser durch die Obere Fischerei-Behörde und Niedersachsen geliefert wurden.

Das Ziel ist, dass mindestens 40 % aller Blankaale ihren Weg zum Laichen ins Meer zurück finden müssen. Um diese Zahl zu ermitteln, müssen zurzeit neben den Berufsfischern auch alle Hobbyfischer, die mit Körben und Reusen Aale fangen, ihre Fangmengen beim Amtsfischer Koch-Bodes in Bremen melden. Sollte diese Zahl von 40 % nicht erreicht werden, so werden auch alle Angler ihre Fänge melden müssen. Dann dürfte auch eine Quotenregelung zum Aalfang spruchreif werden.
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Beitragvon Hellvis » 04.11.2009, 17:08

In meiner Gegend (OÖ) heißt es immer, es gibt keinen natürlichen Aalbestand. Die hier herumschwimmenden Aale sind aus Besatzmaßnahmen und können auch nicht zwecks Fortpflanzung ins Meer zurück.
Hier geht der Aalbestand daher zurück, weil nicht mehr besetzt wird.

Stimmt das?
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 04.11.2009, 17:22

Hallo Hellvis,

das kann ich mir nicht vorstellen. Aale gibt es überall auf der Welt, und wo nur ein Zugang vom Meer in Flüsse vorhanden ist, steigt er auf bis in die kleinsten Bäche. Lediglich dort, wo Flüsse durch Staumauern ohne Fischtreppen verbaut sind, könnten dem Aal Grenzen gesetzt sein. Es ist bekannt, dass er in feuchten Nächten auch über Land gehörige Strecken zurücklegen kann. Also dürfte auch in Seen und Teichen, die in der Nähe eines Fließgewässers liegen, ein natürlicher Aalbestand vorhanden sein.

Quellbäche, oder sehr kalte Seen dürften hingegen nicht zu den bevorzugten Gewässern des Aales gehören.

Ich erinnere mich an ein Buch aus meiner Jugend, so um die 1960 herum. Es hieß "Haie, Thun- und Tintenfische", und der Autor beschrieb die Wanderung von Glasaalen in "Wolkendichte" in oberbayerischen Gebirgsbächen.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Lupus » 04.11.2009, 17:45

Hallo Freunde!
Also allwissend bin ich nicht, aber soweit ich es kenne, gibt es in Österreich ein natürliches Vorkommen nur im nördlichen Waldviertel, wo Entwässerung Richtung Nordsee, über die Tschechei über Moldau Richtung Elbe geht.
In der Donau wird der Mangel an natürlichem Aalvorkommen damit begründet, dass der Aal beim Abwandern ins Meer bei seiner Laichwanderung am Ende des Lebens sofort auf Tiefe ginge, was im Schwarzen Meer nicht geht, weil in der großen Tiefe, die der Aal dann anstrebt, kein Sauerstoff ist.
Aale waren in den späten Sechzigern Siebzigern bei uns ein Modebesatzfisch. In jedes bessere Wasserloch wurden Satzaale besetzt und das hat eine Zeitlang das Gleichgewicht ziemlich in Unordnung gebracht. Kaum wollte man Schleienfischen mit Wurm, hing so ein Schnürsenkel dran, oder beim Zanderfischen mit totem Köfi stürzten sich halbstarke Aale drauf. Dann wurden recht schöne große Raubaale gefangen, und jetzt ist der Aal in diesen stehenden Gewässern eine auslaufende Institution.
Ich weiß jetzt nur nicht, ob es vielleicht in Vorarlberg im Rheintal von Rhein/Bodensee ein natürliches Aalvorkommen gibt. Ich muss zugeben, dass örtlich bedingt der Aal bei mir und vielen anderen meiner Landsleute wohl als Zielfisch mittlerweile eine eher untergeordnete Rolle spielt, wiewohl ich natürlich in den Zeiten, als es ganz gute Stücke gab immer wieder einen schönen fetten Aal auf Tauwurm oder toten Köderfisch fing oder noch fange.
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Aalbestand in Österreich

Beitragvon Chriswim » 04.11.2009, 21:32

Bild

Der Aal ist zweifellos rückläufig. Einige Erkentnisse:

Wer kennt nicht die Geschichten von Aalfängen in großen Stückzahlen. Vor 15-20 Jahren waren gerade an unseren Seen im Salzkammergut noch Fänge von 10-20 Stück pro Nacht an der Tagesordnung. Solche Erzählungen habe ich schon lange nicht mehr gehört geschweige den selbst erlebt. In den letzten Jahren konnte ich in der Donau oder im Attersee zwar immer wieder Aale fangen. Es waren allerdings nie mehr als 2-3 Stück pro Tag.

Wer oder was ist aber schuld am Rückgang des Bestandes? Ich behaupte es gibt keinen Schuldigen – auch nicht der Ausbau der Wasserkraft. Der Aal ist mit Ausnahme des Flüsschens Lainsitz im Waldviertel nämlich kein einheimischer Fisch und kann sich in Österreich nicht natürlich vermehren!

Aber alles von Anfang an. Wie wir alle wissen kann der Aal nur in der Sargasso See laichen. Diese befindet sich im Atlantik in der Nähe der Bahamas. Aale im Laichfähigen Alter, je nach Breitengrad und Ökosystem zwischen 4-20 Jahren, treten die Reise bis in die Sargasso See an und sterben nach dem Ablaichen dort ab. Die Aale legen während ihrer Reise zur Sargasso See mehr als 5000km pro Jahr und ohne etwas zu fressen gegen den Golfstrom zurück. Die geschlüpften Larven schwimmen mit dem Golfstrom und erreichen als 7cm lange Glasaale, nach rund 3 Jahren, die europäischen Küstengebiete. Dann ziehen die Aale über die Flüsse zurück in ihre Heimatgewässer von wo sie nach einigen Jahren die beschwerliche Reise zur Sargassosee antreten.

Nach Angaben des WWF kommt der Aal der Atlantischen Küste Nordafrikas und Europas (inklusive Nordsee, Ostsee und Mittelmeer) sowie in Teilen Asiens vor. Wie wir alle wissen mündet die Donau allerdings in das schwarze Meer. Damit wäre der Aal in der Donau, mit all ihren Zuläufen, kein heimischer Fisch. Eine wissenschaftliche Begründung warum der Aal nicht über den Bosporus in das schwarze Meer zieht konnte ich leider nicht finden. Eine mögliche Erklärung liegt im niedrigen Sauerstoffgehalt der tiefen Schichten im Schwarzen Meer. Eine andere Möglichkeit wäre, dass für die Larven der Weg über das Mittelmeer bis zum schwarzen Meer, ohne die Unterstützung des Golfstromes, zu weit ist.

In einer Entscheidung der Europäischen Kommission vom April 2008 wird festgehalten, dass das Schwarze Meer und die angeschlossenen Flusssysteme keinen natürlichen Lebensraum für den Europäischen Aal im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1100/2007 des Rates bilden. Diese Feststellung basiert unter anderen auf der folgenden, vorsichtig formulierten, Begründung.

„Es ist unwahrscheinlich, dass bei Einsetzung in die mit dem Schwarzen Meer verbundenen Flüsse eine umfangreiche Anzahl von Aalen die Geschlechtsreife erreichen und die Laichwanderung in die Sargassosee erfolgreich abschließen könnte. Außerdem ist es unwahrscheinlich, dass eine beträchtliche Anzahl junger Aale in die mit dem Schwarzen Meer verbundenen Flüsse aufsteigen, die Geschlechtsreife erreichen und dann ihre Laichgründe aufsuchen würde.“

Diese wagen Formulierungen zeigen wie unsicher selbst die Wissenschaft in dieser Frage ist.

Wenn nun aber die Donau keinen ursprünglichen oder nur einen sehr kleinen Aalbestand hat. Woher kommen und kamen die vielen Aale? Die Erklärung dafür kann nur im Aalbesatz liegen.

Schon von 1909 gibt es Aufzeichnungen über Besatzmaßnahmen im Attersee. Damals wollte sich die Berufsfischerei eine weitere Einnahmequelle sichern. Der Aalbesatz erfolgte nicht nur im Attersee. Auch in vielen anderen Seen und Teichen und auch der Donau wurden und werden Aal besetzt. Seit den 70iger und 80iger Jahren geht allerdings der Aalbesatz massiv zurück. So wurde zum Beispiel im Attersee seit den 70iger Jahren kein Besatz mehr durchgeführt.

Da Aale normalerweise im Alter von max. 20 Jahren nach dem Ablaichen in der Sargasso See sterben wird häufig von diesem Wert als maximales Alter ausgegangen. Würde dieser Wert stimmen müsste der Aal am Attersee schon seit einigen Jahren ausgestorben sein. Er wird aber auch dort noch regelmäßig und in allen Größen gefangen. Also dürfte der Aal deutlich älter als 20 Jahre werden. Der WWF geht davon aus, dass Aale bis zu 50 Jahre, in Gefangenschaft sogar bis zu 80 Jahre alt werden können.

Warum aber gibt es zum Beispiel am Attersee sowohl kleine Exemplare von 50cm und große Exemplare von 1 Meter und noch mehr. Wachsen die Aale so langsam? Wird nach wie vor besetzt? Vielleicht kann diese Frage recht einfach über das Geschlecht der Aale beantwortet werden.
Im Gegensatz zu den weiblichen Aalen werden die männlichen Aale nämlich nur 50-60cm groß. Somit wären die kleinen gefangenen Aale Männchen und die großen Aale Weibchen.

Zur Beantwortung der Eingangsfrage hier die gesammelten Erkenntnisse:

* Aale können sich (wahrscheinlich) in der Donau nicht auf natürlichem Weg vermehren. D.h. in die Donau und ihre Zuflüsse aufsteigen.
* Aale sind daher in der Donau kein heimischer Fisch.
* Der aktuelle Aalbestand in Österreich stammt aus Besatzmaßnahmen.
* Aale werden bis zu 50 Jahre alt
* Der Aalbesatz erreichte in den 60iger Jahren seinen Höhepunkt und ist seit damals stark rückläufig.


Wird der Aal also in Österreich aussterben? Wenn ja – wann? Auf Basis der oben angeführten Erkenntnisse lautet die Antwort: „Ja, der Aal wird in Österreich in den nächsten Jahrzehnten langsam, aber sicher aussterben wenn kein weiterer Besatz erfolgt!“


Das der Aal trotzdem ursprünglich ein in Österreich heimischer Fisch ist, haben wir dem Flüsschen Lainsitz zu verdanken. Dieser in Österreich entspringende Fluss hatte schon immer einen guten Aalbestand, da er über die Moldau und die Elbe mit der Nordsee verbunden ist. Diesem gutem Aalbestand verdankt auch die Waldviertler Gemeinde Aalfang ihren Namen. Diese Gemeinde war bereits im 16 Jahrhundert für die guten Aalfänge an den künstlich angelegten Wehren bekannt.

Ich hoffe mir ist es gelungen etwas Licht in die Geschichte der Aale in Österreich zu bringen. Bei der Recherche zu diesem Text habe ich viele, mehr und weniger wissenschaftliche, Berichte gelesen und daraus meine Meinung gebildet. Mir ist klar geworden, dass sich selbst die Wissenschaftler in vielen Bereichen sehr unsicher sind und vielleicht das letzte Wort in der Geschichte der Aale im Donauraum noch nicht gesprochen ist.

In jedem Fall freue ich mich über Eure Meinung! Wenn du also noch weitere Informationen oder interessante Quellen zu diesem Thema hast melde dich ganz einfach unter redaktion@rotauge.at wir freuen uns!

WiM

weitere Informationen:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/Lex ... 292:DE:NOT" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.wwf.at/downloads/cms_uploade ... er_aal.pdf" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Aal" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.oekf.at/Forum/viewtopic.php? ... 5e3401e4a2" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.aalfreunde.de/Sections-article24-p1.html" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

http://www.geomix.at/oesterreich/Nieder ... lfang.html" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;" onclick="window.open(this.href);return false;

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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 04.11.2009, 23:30

Bravo, chriswim, Dein Artikel ist eine reife Leistung.

Allerdings sind ein paar Stellen darin, die mir nicht wirklich fundiert vorkommen.
Unter anderem berichtest Du davon, dass noch immer Aale in allen Größen gefangen werden. Ich gehe davon aus, dass auch Fische unter 50 cm gefangen werden, die man getrost als Jungaale einstufen könnte. Ich sehe es als möglich an, dass vielleicht auch nicht in dem Maße, wie in Nord-und Ostsee, so aber doch ein gewisses Kontingent an Jungaalen die Wanderung schafft und in die Donau aufsteigt. Reste von Besatzmaßnahmen aus Anno Tobak zweifle ich an.

Dann heißt es, der Aal wäre kein heimischer Fisch, da er sich nicht in der Donau vermehrt. Dann ist der Aal in ganz Europa kein heimischer Fisch, denn in keinem europäischen Gewässer vermehrt er sich, wie Du ja auch sehr richtig in dem Absatz über die karibische Sargasso-See angeführt hast. Das hindert aber den Aal nicht daran, in alle europäischen und afrikanischen Flüsse aufzusteigen, und ihr Leben bis zur Laichreife dort zu verbringen. Mag sein, dass es Gebiete gibt, wo es für Anguilla schwieriger ist, als anderswo.

Es sind sicher viele kleine Faktoren, die das negative Ergebnis liefern.
Die Chinesen für ihre lukullischen Gelüste zu verurteilen, wäre sicher falsch. Genau so, wie den Kormoran abzuschießen, nur weil er den Aal zu seinem Llieblingsspeisefisch erklärt hat. Man muss wirklich bei der Industrie ansetzen, die alles tut, um die Bedürfnisse der Menschen zu befriedigen. Und das um jeden Preis. Es ist die reine Profitgier, die große Firmen dazu bringt, die Meere leerzufischen.

Es gibt nationale Fischereiaufsichten, die solche Gesetze auf See überwachen und die Kutter kontrollieren. In Holland werden sehr strickt die Binnenfischer in der zweimonatigen Fangpause kontrolliert. Die Subventionen die man ihnen zahlt, fangen den Einkommensverlust nicht auf, sind mehr eine ideelle Entschädigung. Aber die Fischer wissen selber, dass etwas geschehen muss, weil sie sonst innerhalb kurzer Zeit überhaupt keine Aale mehr fangen.

Ich gebe zu, der Aal ist mein Lieblingsfisch. Ich mag diesen unheimlichen, schleimigen Gesellen, bin mit ihm aufgewachsen. Meine ersten selbstgefangenen Fische aus einem kleinen Geestbach waren zwei stattliche Aale. Das war so um 1965 herum. Zu der Zeit fingen wir als Kinder in dem kleinen Bach Unmengen an Aal, ein Tagesfang reichte, um die Räuchertonne anzuheizen. Wenn in der Weser die Flut auflief, zogen die Aale mit dem Wasser in die Gräben und Bäche, und an bestimmten Stellen konnten wir sie mit der bloßen Hand fangen. Viele Geschichten um den Aal sind in meinen Büchern nachzulesen. Nach vielen Jahren habe ich begonnen, wieder in dem Geestbach zu fischen. Ich bin jedesmal ohne Aale nach Hause gegangen. Es war, als ob es dort nie welche gegeben hätte.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Chriswim » 04.11.2009, 23:54

Hallo Claus,

die Kernaussage ist, dass die Jungaale nicht über das schwarze Meer in die Donau und ihre Zuflüsse ziehen und daher dort nicht heimisch sind. Damit ist die Donau und ihre Zuflüsse nicht mit den Gebieten Nord-/ & Ostsee zu vergleichen. Wie gesagt stammen meine Aussagen im Bericht aus verschiedensten Quellen (siehe weitere Informationen) - sind also nicht meine Mutmaßungen. Und ich möchte betonen, dass ich mich über jede weitere fundierte Erkenntnis sehr freue. Aussagen wie "Reste von Besatzmaßnahmen aus Anno Tobak zweifle ich an." sind mir da allerdings nicht fundiert genug.

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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Lupus » 05.11.2009, 06:35

@Chriswim!
Ist ja super, was Du schreibst.
Nur, im Grunde genommen hatte ich eigentlich das, was Du anführst (Waldviertel-Entwässerung zur Nordsee, Donau-Schwarzes Meer) schon selber in meinem Posting geschrieben (allerdings eher "aus dem Bauch heraus" meinem Leben als Angler entsprechend, ohne Verweise auf andere Links) . Ein Forum ist dazu gedacht, Gedanken aufzugreifen, zu kommentieren und gegebenenfalls weiterzudiskutieren. Wenn jeder mehr oder weniger parallel dazu schreibt, bleiben es eher eben von einander abgegrenzte Solo-Darbietungen.
Zurück zum Thema:
Bezüglich der Frage, ob der Aal in der Donau irgendwann heimisch war (was ich eben, wie wohl viele, wegen der Anti-Sauerstofftheorie in den tiefsten Bereichen Schwarzmeer bezweifle) wurde schon letztes Jahr anläßlich einer LO Versammlung diskutiert, weil ein Mitglied meinte, man solle doch wieder Aale in einen ganz bestimmten Wiener Hafen einsetzen, damit sie die Schwarzmeergrundelplage in Griff bekommen, die Aale würden diese Viecher fressen, andere dagegen nicht (was wie wir inzwischen wissen auch nicht stimmt) . Nun ist es aber so, dass Aale in Wiener Gewässer nicht mehr besetzt werden dürfen.
Ein Spezialgebiet für sich selber ist der Neusiedler See an der Österr. Ungarischen Grenze. Durch sein leicht salzhaltiges Wasser (ähnlich wohl wie vielleicht manche Küstengewässer in Nord/Ostdeutschland) mit trübem Wasser und meistens Wind dürfte es den Aalen sehr behagt haben. Ich kann mich noch erinnern, wie mir mein Vater, als ich noch ein Knabe war, aus der damals noch existenten Arbeiterzeitung Berichte vorlas, dass "schon wieder 1 Million Glasaale" in den Neusiedlersee eingesetzt wurden. Damals wurde sowas noch besonders gelobt. Genauso wie sich jeder um den "Weissen Amur" riss, der die bösen Wasserpflanzen frisst, damit die Leute wieder in der Alten Donau schwimmen können.
Mich würde interessieren, was ein Neusiedlersee-Fischer (@RobGoneFishing!) über die Situation des Aales in diesem Gewässer (eynst und jetzt) zu berichten hat. Wie weit wirkte sich das starke künstlich geschaffene Aalvorkommen negativ auf den sonstigen Fischbestand aus (Laich)? Seit wann wird nicht mehr Aal besetzt, bzw. wird etwa noch Aal besetzt?
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 05.11.2009, 10:04

Chriswim hat geschrieben:* Aale können sich (wahrscheinlich) in der Donau nicht auf natürlichem Weg vermehren. D.h. in die Donau und ihre Zuflüsse aufsteigen.
* Aale sind daher in der Donau kein heimischer Fisch.


Chriswim hat geschrieben:Hallo Claus,

die Kernaussage ist, dass die Jungaale nicht über das schwarze Meer in die Donau und ihre Zuflüsse ziehen und daher dort nicht heimisch sind. WiM


Ach so, Du setzt die natürliche Vermehrung gleich mit der Zuwanderung. Ich hätte da jetzt eher auf die geschlechtliche Vermehrung getippt. Gut, so gesehen, hast Du Recht.

Ich würde gerne mal einen "Donau-Angler oder Fischer" dazu hören, der Aal-Erfahrung besitzt.
Gibt es dort wirklich keine Fänge von kleinen Aalen unterhalb der 50 cm-Grenze? Hat dort tatsächlich niemand offensichtliche Jungaale gefangen?
Es wäre ein Beweis dafür, dass eine begrenzte Zuwanderung erfolgt.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Lupus » 05.11.2009, 10:33

Petrusautor hat geschrieben:
Ich würde gerne mal einen "Donau-Angler oder Fischer" dazu hören, der Aal-Erfahrung besitzt.
Gibt es dort wirklich keine Fänge von kleinen Aalen unterhalb der 50 cm-Grenze? Hat dort tatsächlich niemand offensichtliche Jungaale gefangen?
Es wäre ein Beweis dafür, dass eine begrenzte Zuwanderung erfolgt.

Sehr geehrte Petrusautor!
Tja, wenn Du ein bisschen lesen würdest, was andere schreiben, wäre die Antwort schon erfolgt gewesen. Ich habe mich doch deutlich ausgedrückt, dass der Aal einmal ein Modebesatzfisch war (bevor es untersagt wurde, nicht heimische Arten zu besetzen). Nochmals zum Mitschreiben: In unzählige Gewässer wurden kleine Satzaale besetzt (Donauhäfen sowieso, also Kuchelauer, Freudenauer, Ölhafen und Alberner Hafen in Wien) und logischerweise hat man dann kleine Aale haufenweise im Donaubereich gefangen. Da bei Besatzfischen logischerweise auch Weibchen und Männchen dabei sind, und wie wir alle wissen, die Männchen selten über 50cm groß werden, kommt es klarerweise vor, dass auch Jahre, nachdem mit dem Besatz aufgehört wurde, von den überalterten Restexemplaren einige dicke große über Meter Lange Aale dabei sind, die eben Weibchen sind, und andere, die nur 40 cm lang sind. Beide aber sind ziemlich alt. Jeder nach Geschlecht hat beinahe seine Maximalgröße erreicht. Und logischerweise fange ich hin und wieder solche Exemplare.
Ich wurde, als in einem dieser Gewässer vor ein paar Jahren massenhaft kleine tote Aale gefunden wurden (ca. 40-45 cm lang) gefragt, wieso diese kleinen Dinger gestorben sind und meine Antwort, die ich denke, dass sie richtig ist, war, dass es an Altersschwäche eingegangene tote Männchen waren. Das liegt eben in der Natur der Sache, dass der Aal, der nicht zu seinem ursprünglichen Geburtsort am Ende des Lebens zum Laichen abwandern kann, sozusagen geschlechtlich "unbefriedigt" irgendwann an Altersschwäche stirbt.
Gruss. Lupus
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 05.11.2009, 14:01

Lieber Lupus,

ich kann und habe alles gelesen. Um es mal so mit den Worten eines großen Dichters zu sagen:

"Die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube".

Allein sauerstoffarmes Wasser kann nicht der Grund für den Aal sein, nicht einzuwandern. Ich kenne noch den Zustand unserer deutschen Industrie-Ab-Flüsse aus meiner Jugend, die zwar kaum Sauerstoff enthielten, aber dafür giftstoffbelastete Aale.

In der Zwischenzeit habe ich mich schlau gemacht und einen Bericht gefunden vom Naturwiss. med. Ver. Innsbruck, http://www.biologiezentrum.at" onclick="window.open(this.href);return false;, in dem klargestellt wird, dass ein von Schwefelwasserstoff vergiftetes Tiefwasser des Schwarzen Meeres den wandernden Aalen ein unüberschreitbares Hindernis ist.

So kann es natürlich sein, dass die genannten Gewässer von Natur aus "Aalfrei" sind. Eigentlich schade, dass der Aal dort nicht in natürlicher Form vorkommt, er würde mir sicher fehlen, wenn er ganz verschwinden würde. Wollen wir hoffen, dass noch lange Zeit wenigstens ein Teil eures Landes noch "Aalland" ist.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Lupus » 05.11.2009, 17:16

Petrusautor hat geschrieben:So kann es natürlich sein, dass die genannten Gewässer von Natur aus "Aalfrei" sind. Eigentlich schade, dass der Aal dort nicht in natürlicher Form vorkommt, er würde mir sicher fehlen, wenn er ganz verschwinden würde. Wollen wir hoffen, dass noch lange Zeit wenigstens ein Teil eures Landes noch "Aalland" ist.

Jedenfalls würde das von Natur aus "Aalfrei" auf die Gewässer meines üblichen Aktionsradius (Wiener Raum) zutreffen. Nun, ich verstehe Deine Vorliebe für den Aal schon nach geographischem Hintergrund bestens. Schließlich ist mir als seit Jugendzeiten eifriger Leser von diversen deutschen Angelzeitschriften und Fachbüchern bekannt, dass der Aal ein sehr beliebter Angelfisch ist, so las ich auch über das "Pöddern", was ich recht witzig fand.
Bei uns jedenfalls war es mit dem Aal eher eine vorübergehende Geschichte. Ich habe mich natürlich schon über den einen oder anderen schönen Aal als Beifang gefreut, meist mit totem Köderfisch. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, sind die Hauptzielfische bei den meisten bei uns andere Arten, deshalb weiß ich auch, dass es Angler aus Gegenden wo der Aal traditionell DER Zielfisch ist, also bei Euch dort oben, so ein Bestandsrückgang viel mehr schmerzt.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 05.11.2009, 23:31

Da hast Du recht. Es schmerzt wirklich.

Wo Du es ansprichst, das Poddern ist tatsächlich eine ganz eigene Fangmethode für Aale. Was man aber dabei erleben kann, im Dunkel der Nacht, wenn Kälte und Feuchtigkeit durch die Kleider zieht, Nebelschwaden wie Geister über das Wasser wehen, und sich Deine kleine, heile Welt nur auf den von einer Petroleumlampe karg erhellten Bereich im Boot erstreckt, habe ich in meinem neuen Buch "Petrus' starke Truppe" aufgeschrieben.

Unbekannt dürfte bei euch auch die Art der Aalfischerei mittels Sperrlage sein. Eine Art der Aaljagd, die sich ebenfalls in den Nächten abspielt, und darum genau so unheimliche Momente wie spannende Abenteuer in sich birgt. Nachzulesen in "Vom Angelkahn zur Motoryacht", einem Buch, das im letzten Jahr veröffentlicht wurde.

Spannung, Spaß und Abenteuer, in, an, und auf dem Wasser.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Hellvis » 06.11.2009, 09:44

In einigen Salzkammergut-Seen (vom Traunsee weiss ich es sicher, glaube aber auch andere Seen) war/ist das Aalfischen auch beliebt. Wenn man ein paar Nächte investiert, kann ich mir nicht vorstellen, dass man keinen Erfolg hat. Die Fänge gehen aber merklich zurück.
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Re: Die Europäische Aalverordnung

Beitragvon Petrusautor » 06.11.2009, 13:31

Servus, nehmts mir nicht übel, aber die ganze Geschicht erscheint mir in sich unlogisch.
Ich kenne eure Standpunkte ja nun, auch die wissenschaftlichen Hintergründe. Und doch hatte ich das Gefühl, dass da was nicht stimmen kann. Heute Nacht ist es mir eingefallen.

Die Donau entspringt in Deutschland, dort, wo in Seen und Teichen Aalbesatz vorgenommen wird. Aale wandern über Land, von Teichen in Flüsse, auch von Fluss zu Fluss, von Bach zu Bach. Niemand kann sagen, der in Deutschland fließende Donauabschnitt wäre aalfrei.
Und was ist mit dem Rhein-Main-Donau-Kanal? Er stellt eine direkte Verbindung mit der Nordsee her. Es besteht also durchaus die Möglichkeit, dass, wenn auch keine großen Mengen, so doch aber ein Aalbesatz durch die Hintertür stattfindet. Diese Aale werden auch nicht den Weg über das Schwarze Meer zurück zum Laichgebiet nehmen, sondern über die Route, über die sie einwanderten, auch wieder zum Laichen abwandern.

Ich denke, dass also die Donau niemals ganz aalfrei sein wird. Wenn die Aale des ehemaligen künstlichen Besatzes eines Tages ausgestorben sein werden, wird es noch immer Aale geben, wenn er auch sicher nicht in dem Maße vorhanden sein wird, wie man es sich wünschen würde. Die Natur findet immer Schlupflöcher, und manchmal hilft der Mensch ihr auch dabei, solche zu schaffen.
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