Hallo Freunde!
Ich hatte in einem anderen Beitrag, gewissermaßen in Form von Reminiszenzen einen meiner Mentoren, den hochverehrten Gebhard alias Royal Coachman erwähnt und vor kurzem kam es dazu, dass ich über eine seiner Thesen sinnierte, die da in etwa so lautete:
Der (Fliegen)fischer macht in seiner Karriere 3 Phasen durch:
In der ersten Phase will er so viele Fische fangen wie möglich.
In der zweiten Phase will er einen möglichst großen Fisch fangen.
In der dritten Phase will er einen ganz bestimmten Fisch (unter ganz bestimmten Umständen) fangen.
Als ich vorige Woche an einem glasklaren, sehr sehr verwachsenen Bächlein mein Glück versuchte, fiel mir beim vorsichtigen Durchblicken durch das fast undurchdringbare Weidendickicht der Uferbereiche eine recht schöne Äsche auf. Aus Erfahrung wußte ich, dass es unmöglich gewesen wäre, an einer leichter zugänglichen Stelle einfach hinzuwaten und sie anzufischen, da jedes Waten unter diesen Bedingungen in dem außerdem recht langsam fließenden Bächlein jeden Fisch sofort verscheucht hätte.
Nicht, dass „mein Leben davon abhing, diesen doch recht normalen Fisch zu fangen“! Aber ich wollte unter den gegebenen Bedingungen wissen, wie weit ich gehen kann bei der Taktik. Wie werde ich werfen? Wie werde ich durch experimentieren draufkommen, welche Fliege den Fisch zum steigen bringt? Vor allem, weil er ja nicht stieg!
Also zwängte ich mich ganz vorsichtig irgendwie zwischen die Büsche und „hing“ mehr oder weniger in der Böschung, mich mit der linken Schulter irgendwie an einem dünnen Weidenstamm fixierend, um nicht kopfüber in´s Wasser zu fallen. Irgendwie gelang es mir, die Rute in Richtung Fisch zu bringen und schon kam die nächste Schwierigkeit: Es war nämlich völlig unmöglich, einen Wurf im normalen Sinn zu tätigen, weil hinter mir gar kein Platz war, auch rechts und links nicht. Also zog ich einige Klänge Schnur von der Rolle ab, und brachte die Schnur durch schnelles hin und her wippen in Schlangenlinie vor mich auf die Wasserfläche hinunter, um genug Schnur für einen Rollwurf zur Verfügung zu haben.
Irgendwann (nachdem sich auch die Fliege oder das Vorfach um einen Ast gewickelt hatte und erst wieder vorsichtig gelöst werden mußte) passte die Situation für einen zaghaften Rollwurf und schon trieb meine Fliege knapp neben der Äsche vorbei. Nach drei Driften wusste ich, die Äsche reagiert nicht. War ja auch zu erwarten. Lesebrille raus, neue Fliege angebunden, wieder nichts. Wieder Brille auf, andere Fliege, was schon schwieriger wurde, weil ich inzwischen schon so schwitzte, dass mir die Brille anlief. Zwischen Versuchen, die Brille zu säubern, den Schweiß von der Stirne zu wischen und leisem Fluchen schaute ich immer wieder auf´s Wasser. Die Äsche stand immer noch am selben Platz.
Bei einem hellbrauen Palmer wurde sie schließlich etwas aufmerksamer, sie schien kurz das Angebot „anzuschnuppern“.
Letztendlich knüpfte ich eine braune Sedge an, die ich sonst eher zum Abendsprung nehme und wirklich: Die Äsche nahm völlig arglos mit ihrer typischen Drehung und dem typischen „Schmatzer“ die Fliege und hing. Es war faszinierend, so von der Nähe und im klaren Wasser die Anfangsphase des Drills zu sehen, wie sie zunächst noch an der selben Stelle blieb und sich mehrmals um die eigene Achse drehte, bevor sie energisch flußabwärts flüchtete und in die Tiefe strebte.
Ich habe sie nicht fotografiert, weil ich solche Aktionen nicht für nötig halte, vor allem wenn es ein empfindlicher Fisch ist und jeder eh weiß, wie eine Äsche aussieht.
Es war zwar mit geschätzten 42 cm nicht meine Größte, aber ein Fisch, der mir sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Was die eingangs erwähnten Zeilen betrifft, so habe ich in den paar Jahren, seit die Fliegenfischerei fest in mein anglerisches Programm gehört, oft an diese Theorie von Gebhard denken müssen.
Die erste Phase hatte ich ja ganz gut überstanden. Die zweite schien ich ausgelassen zu haben, denn irgendwie fehlte mir bis jetzt der Virus, einen „personal record“ aufzustellen und „für´s Forum“ (oder gar identisch in mehreren Foren?) fotomäßig recht weit vorgestreckt zu präsentieren (womöglich noch „cool“ mit Fliegenrute zwischen den Zähnen – Schock!).
War das geschilderte Erlebnis dann so etwas wie „die dritte Phase“? Rückfälle in die erste Phase sind aber nicht ausgeschlossen, hängt wohl von der Tagesverfassung ab.
Gruß. Lupus




jetz weiß ich warum aus mir nie ein Fliegefischer werden wird "mir fehlt das Esoterische"


