Fast zwei Wochen waren seit meinem letzten Karpfenansitz vergangen. Nur eine kurze Feedersession ließ sich zwsichen Beruf, Studium und sonstigen privaten Verpflichtungen einschieben. Doch nun hatte ich wieder eine Nacht Zeit, die ich unbedingt am Wasser verbringen wollte. Da ich vom Vorabend noch leicht angeschlagen war, wählte ich diesmal den Weg des geringsten Widerstandes - normalerweise ganz und gar nicht mein Stil, aber diesmal musste es so sein: Tackle ins Auto, fast direkt ans Wasser fahren, keine Bootsarbeit und den Rest des Tages herumliegen.

Gut, ganz so ohne Hintergedanken hab ich den Trip dann doch nicht geplant: Die Stelle ist bekannt für zeitweise ganz passable Fänge an mittleren Karpfen und steht aufgrund ihrer leichten Erreichbarkeit immer unter Futter. Zwei Argumente, die meine eigene Unlust, das Tackle kilometerweit mit dem Trolley spazieren zu fahren, noch unterstützten. Zudem musste ich morgens bereits um 6 Uhr aufstehen und mich wieder der Arbeit widmen, weshalb ich mich für die Parkplatzstelle entschied.

Ins Wasser flogen eine 24er Kugel am Blowback-Rig und ein 20er Fluo Popi am Hinged Stiff Rig, das ganze mitten in den Schlamm hinein. Per Schleuder fütterte ich mehr als großflächig etwa einen Kilo Boilies über die beiden Rigs - das sollte reichen.
Der restliche Tag verging unspektakulär, darum stellte ich erstmal den Gaskocher an.

Heinz Cup to Go. Ein Fertiggericht der besseren Sorte, allerdings auch dementsprechend teuer. Laut Verpackung angeblich ohne chemische Geschmacksverstärker, aber dennoch dermaßen intensiv, dass man Mühe hat, den Geschmack im Mund wieder los zu werden.

Am Abend gab's dann was Traditionelles: Lavanttaler Brettlause mit Trockenwürstel direkt vom Bauern und einem guaten Kas! Wer kann da schon widerstehen? Ich auf jeden Fall nicht.

In der Nacht wurde ich von einem brachialen Vollrun geweckt. Der Fisch schaffte es sogar, die Rute aus dem sehr hart eingestellten Backrest zu ziehen. Doch als ich Kontakt aufnehmen wollte, holte mich Ernüchterung ein. Der Fisch war ausgestiegen... Mist! Der Ring am Blowback-Rig war bis zum Öhr hinaufgeblasen, das Blei im Safetyclip fast ausgeklingt. Definitiv ein Karpfen... Chance vertan, Pech gehabt. Danach blieb es bis zum Morgengrauen ruhig. Ich genehmigte mir noch schnell einen Kaffee, bevor ich mein Tackle um 6.30 Uhr ins Auto verstaute und wieder Richtung Heimat fuhr.
Keine Frage, es ist ganz angenehm, wenn das Auto fünf Meter weit entfernt steht. Der nicht verwandelte Biss hat gezeigt, dass man sogar an vollkommen überlaufenen Stellen noch mit Fischen rechnen kann. Dennoch bin ich mir sicher, dass mit konstanten Fängen nur diejenigen rechnen können, die auf eigenen Pfaden wandeln und den Weg des geringsten Widerstandes gerne gegen einen Trampelpfad voller Dornen, Wurzeln und Schlaglöcher austauschen.






