Leseprobe aus
Der perfekte AnglerSchmerzhafte ErfahrungenIn der Schule hatte ich kein Wort von meinen ersten Aalen erzählt. Viele meiner Mitschüler standen auf dem Standpunkt, Angeln sei doof. Ich ahnte, welches Ungemach mich überkommen würde, wenn ich von meinem neuen Hobby berichten würde. Lange Zeit verheimlichte ich meine Passion, erfand Ausreden, wenn andere sich mit mir zum Spielen verabreden wollten. Lieber ging ich allein meiner Wege, die mich stets zu den Aalen führten. Umso erstaunter war ich, als ich eines Tages bemerkte, dass sich meine besten Klassenkameraden miteinander verabredeten. Sie taten geheimnisvoll und bemühten sich, niemanden, nicht einmal mich, in die Sache einzuweihen. Ich hatte schon einige Zeit befürchtet, die beiden hätten Geheimnisse vor mir. Es schien, als wollten sie mich nicht bei ihren Vorhaben mitmachen lassen, doch konnte ich keinen Grund dafür erkennen. Waren meine besten Freunde dabei, sich von mir abzuwenden? Was hatte ich getan, dass sie mich augenscheinlich plötzlich nicht mehr mochten? Wie froh war ich, als sich herausstellte, dass sie einfach nur zum Angeln wollten und dieselben Ängste hatten, wie ich. Wer wollte schon als doofer Langweiler gelten?
Ich hatte inzwischen „aufgerüstet“. Meine Angelruten bestanden nicht mehr aus kurzen Knüppeln, sondern schon aus zusammensteckbaren Bambusteilen. Mit meinem sehr knappen Taschengeld gehörte ich bereits zu den Stammkunden im hiesigen Angelgeschäft, wo ich meine Haken lose kaufte, anstatt bereits fertig gebunden. Der Inhaber des Geschäfts, Onkel Schorse, zeigte mir die Knoten, mit denen man sie bombenfest an der Vorfachschnur befestigen konnte. Das sparte ungemein Geld. Ich lernte viel von dem alten, immer freundlich lächelnden Mann.
Es war aufregend. Meine Mitschüler lehrten mich, dass man manchmal verbotene Wege gehen musste, um seinen Horizont zu erweitern. Bislang gab es in meinem Anglerleben eine Reihe von Tabus, zu denen das Angeln in der großen, gefährlichen Weser gehörte. Auch ein altes Ziegeleigelände in der Nähe, auf dem sich eine ganze Reihe verwilderter, halb zugewucherter Teiche befanden, durfte ich nicht betreten. So war mir bislang immer der Gang zur Aue geblieben. Als wir uns am Nachmittag wie verabredet trafen, berieten wir, wohin wir wollten.
„Aue!“, sagte ich.
„Ziegelei!“, erwiderten beide. Ich war überstimmt. Was sollte ich machen? Ich musste mich der Mehrheit beugen. Ob die Eltern das verstehen würden? Ich ahnte, dass ich es noch herausfinden würde.
Die Räder wurden im Gebüsch versteckt, und wir kletterten den steilen Hang hinab, der beinahe ohne Ufersaum am See endete. Das Gelände war glitschig wie Schmierseife, und bald hatte ich große Klumpen des schweren Bodens nicht nur an den Stiefeln hängen. Wir fanden Halt an einer schmalen Landzunge, die zwei Teiche von einander trennte. Meterhohes Schilf verschluckte uns und wir kämpften uns auf einem kaum erkennbaren Trampelpfad weiter vorwärts.
„Hier ist es gut“, meinte Thomas, ließ seine Klamotten fallen und begann einen Wurm auf den Haken zu spießen.
„Jo!“, meinte Norbert, warf sein Gepäck von sich und tat es Thomas gleich.
„Wenn ihr meint“, stimmte ich zu und alsbald schwammen auch meine beiden Posen auf der glatten Wasserfläche des Sees. Ich bekam den ersten Biss, die Pose wurde vehement unter die Oberfläche gerissen. Ich schlug hastig an. Ein Fisch, ich hatte wahrhaftig einen richtigen Fisch gefangen. Nicht sehr groß, aber immerhin. Ein gelbgrün gestreifter Barsch, der seine Flossen weit abspreizte. Ich griff nach ihm, um ihn vom Haken zu lösen.
„Vorsicht, die haben Stacheln!“, rief Thomas. Leider ein wenig zu spät, denn diese Erfahrung hatte ich eine Sekunde vorher selber gemacht. Tief drangen die spitzen Strahlen der Rückenflosse in meine Haut. Nahezu augenblicklich spürte ich ein Brennen und Jucken, die Hand schwoll an den Einstichstellen rasch an. Die beiden Jungen lachten laut, es gab doch nichts Schöneres als Schadenfreude. ...
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Wie es weitergeht, steht im Buch. Mein Verlag möge mir verzeihen, dass ich diesen Textauszug hier eingestellt habe. Aber nach einer so netten Aufforderung ...
