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Der Geruchsinn des Fischers

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Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Lupus » 04.06.2011, 09:38

Hallo Freunde!
Eine hoffensichtlich unterhaltsame Abwandlung versuche ich heute für Euch niederzuschreiben.
Normalerweise reden wir ja oft vom Geruchsinn des Fisches, unseres Beuteobjektes, aber ich habe im Laufe der vielen durchfischten Jahre immer wieder bestimmte Gerüche in der Natur wahrgenommen, die mich sozusagen zum jeweiligen Zielfisch geleitet hatten.
Auch wenn es landläufig heißt, dass einer, der - sagen wir einmal so - seit seiner Jugend dem Tabakgenuß nicht gerade abgeneigt ist, einen schlechteren Geruchsinn hat (die Ärzte nennen das in anderen Zusammenhängen so charmant " als Risikofaktor besteht ein Nikotinabusus seit der Jugend), so muß ich in meinem früheren Leben eine im 1. Monat schwangere Frau gewesen sein. Deshalb reckt es mich meistens beim Geruch von bestimmten Speisenkombinationen, die ich nicht mag, und vergrämt mich wie die launische Äsche zu längerer Nulldiät.
Anders beim Fischen: Die Gerüche und Düfte der Natur sind für mich die eindeutigsten Zeichen, dass ich instinktiv gleich spüre, was anglerisch jetzt zu tun ist.
Schwemmt nach dem lästig langen Winter der erste Vorfrühlingsregen die letzten häßlichen grauen Schneereste von den Straßen weg, so beginnt es in den Gärten und an den GEwässerufern so angenehm nach feuchter Erde zu riechen. Vor allem zeitig in der Früh nach einer durchregneten Nacht ist das ganz stark zu spüren, und da weiß ich nur mehr eines: Jetzt wacht in der Au die Fischwelt auf: Karpfen, Schleie, Brachsen werden hochaktiv und eine herrliche Fischerei an den noch vom Winter vergilbten Schilfkanten beginnt, wenn auch schon richtig schöne Blaserlspuren diese Fische auf ihrer Nahrungssuche verraten.
Der erste Vorfrühlingskarpfen im Kescher, und der feuchte Lettenerdengeruch rundherum, und ich bin wieder der glücklichste Mensch. Das Angeljahr hat begonnen mit den Friedfischen.
Noch sind ja die Raubfische bis 1.6. bei uns geschont, und auch die Fliegenfischerei muß eventuell noch ein paar Tage warten. Aber ab 16. März frühestens ist auch da etwas los. Die ersten Wochen Fliegenfischerei verbringe ich naturgemäß nicht in höheren Lagen, sondern in den stilleren Waldbächen der Laubwaldzonen. Auch hier habe ich meine duftenden Lenzboten, bevor ich meinen ersten Wurf nach Rotgetupften wage: Das ganze Tal riecht nach Bärlauch. So ist dieser typische Bärlauchgeruch für mich mit den ersten Rotgetupften Jahr für Jahr verbunden.
Im Mai ist an den tiefer gelegenen Flüßchen oft so ein eigenartig schwerer Geruch. Das etwas weichere Wasser mit den manchmal schlickigen Uferkanten, wo die Maifliege schlüpft, liegt in der Nase und es beginnt wieder ein Kapitel der hohen Zeit des Fliegenfischens.
In der Au dagegen riecht die Pappelblüte schon ganz stark. Ein Anzeichen für mich, dass sich Karpfen und Brachsen langsam für den Laichvorgang vorbereiten. Ebenso aber ist es ein Zeichen für mich, in den ufernahen verkrauteten Bereichen schöne Schleien herauszukitzeln.
Beginnt es bei den abendlichen Spaziergängen durch mein Wohnviertel so schwer und süßlich nach Lindenblüten und Jasminblüten zu duften, weiß ich, dass die beste Zanderzeit vor der Türe steht. Das ist immer mit Beginn des Monats Juni, und da auch der Hecht erst ab dieser Zeit bei uns frei ist, beginnt eine Zeit, wo ich außer für diese beiden Raubfische, vor allem aber den Zander jetzt, anglerisch sonst eher mit Scheuklappen ausgestattet bin. Komme ich etwa spätabends nach Hause nach erfolgreicher Zanderpirsch und trinke noch ein Glas Wein im Garten, so rieche ich den herrlichen Lindenduft und weiß wieder, warum ich erfolgreich war.
Im Hochsommer flüchte ich zumindest für 2 Wochen aus der heißen Stadt in die steirische Bergheimat. Riecht es nach Tannen, nach Moos und diesen eigenartigen Flechten auf den Laubbäumen, so assoziiere ich das mit den herrlichen Salmoniden der glasklaren Bäche und Flüsse dort, und Forelle, Äsche, Saibling werden meine Beute sein.
Wieder daheim, immer noch Hochsommer ist Frühaufstehen angesagt, um die schlauen Karpfen zu überlisten. Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber ich bilde mir ein Karpfen „riechen zu können”. Wenn frühmorgens einige Karpfen in den Schilfbuchten „schlagen” und dann fleißig zu grundeln beginnen, erzeugt das Gas der Blaserln einen ganz eigenartigen Geruch. Es ist nicht nur das Sumpfgas, es ist etwas anderes „karpfiges” auch dabei. Und dann dauert es nicht lange zum ersehnten Biss, und die frühmorgendliche Ruhe verwandelt sich in einen aufregenden Drill mit einem schweren goldflankigen Cyprinus.
Meldet sich im September langsam der Herbst und die Nächte sind kühler, so riecht die Au bei meinem morgendlichen Gang zum Wasser ganz eigenartig herb. Es ist nicht mehr dieser schwerer süßliche Geruch von einigen Monaten zuvor, sondern es liegt etwas anderes „in der Luft”. Jetzt beginnt die beste Zeit auf Esox mit der Spinnrute.
Gleichzeitig haben die kleinen Flüßchen in den etwas tieferen Lagen einen eigenartigen Duft: Überall sprießt das Springkraut mit seinen violetten Blüten und dieser ganz schwere süßliche eigenartige Duft, der auch ein bisschen nach Waschmittel riecht, vermischt mit dem leicht muffigen Uferschlickgeruch zeigt mir, dass jetzt die Bachforelle schon geschont ist und eine herrliche Zeit beginnt, in den tieferen Lagen, in den eher von menschlicher Hand verbauten Gewässern mit ihrer etwas spröderen Romantik mit meinem Fliegengerät auf die Regenbogenforelle, oder wo sie vorkommt, natürlich in erster Linie die Äsche zu fischen. Das ist dann mein Fliegenfischerherbst mit seinen herbstlichen Düften am Wasser.
Immer kürzer werden die Tage, die Fliegenfischerei lasse ich jedenfalls dort sein, wo auch gute Bachforellenbestände sind, um die Fische zu schonen. In der Au riecht es immer herber nach dem zu Boden gefallenen Laub, das Ufergras ist schon gelb, aus der Ferne von den Kaminen der Häuser riecht es nach Hausbrand, es ist schon recht kalt, und mein Sinn steht nach Hecht.
Kommen gegen Ende des Jahres, Ende November/Anfang Dezember noch wirklich kalte Winde dazu, wo man schon vermeint, „Schnee zu riechen”, so bringt mir ein letzter schöner Raubfisch – ein Hecht oder auch ein Zander , im bleichen Ufergras liegend zu Bewußtsein, wie schön abwechslungsreich dieses Jahr wieder war. Dieser letzte Fisch wird ritualmäßig immer für den Verzehr mitgenommen. Schön schwer wiegt er im Rucksack. Durch die schon finsteren Straßen sehe ich Fenster mit den ersten Adventdekorationen, und daheim erwartet mich ein gutes Stamperl, und die ersten mürben Bäckereien und frisch geschälte Mandarinen schaffen die richtige Vorweihnachtsstimmung. Meine Frau verübelt mir nicht, dass ich beim ersten „Verschnaufen” daheim, beim „Fischerstamperl” inmitten des Duftes des ersten Adventsonntages noch nicht ganz die Hände gewaschen habe, denn auch der leichte „Hechtgeruch” an den Händen gehört noch zum Abschied vom Fischjahr dazu.
Euer Lupus
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon hesi » 05.06.2011, 08:49

Hallo Lupus,
Danke für diesen schönen Beitrag. Nicht nur dass du damit ein gutes Thema eröffnet hast, auch deine - wie ich finde sehr positive - Einstellung zum abgerundeten Fischerjahr (aus Allroundersicht) wurde abermals deutlich.
Was die Gerüche betrifft hast du natürlich ganz recht: was für den Nichtfischer vielleicht nur "Mief" ist, kann für den passionierten Angler eine ganze Gefühls- und Erfahrungswelt bedeuten.
So müffelt zum Beispiel für mich mein Karpfenkescher nicht nach einem Angeltag wenn ich ihn in die Hütte trage: ich würde eher sagen er riecht nach Sieg. :D
Und ähnlich wie du verbinde ich die Gerüche der Jahreszeiten mit den verschiedenen Fischarten. Der jetzt süss und schwer durftende Hollunder ist zB für mich ein Karpfensignal. Das herb und nach Schwammerl duftende Herbstlaub ein Zeichen für Hecht und Regenbogenforelle, usw.
Aber ich assoziiere auch gewisse Speisen mit der Fischsaison. ZB. Erdbeeren - das ist für mioch Karpfenzeit, oder wenn die Kirschen reif sind sind die Aitel dran...
Einen weiteren Aspekt möchte ich auch noch aufzeigen, nämlich die "nicht natürlichen" Gerüche, die sich trotzdem in die Anglerwelt einprägen. Es gibt ja auch eine Menge Dinge, vorallem die (unter anderem auch neu gekaufte) Ausrüstung, die ganz eigentümliche Geruchsnoten haben. Sei es der Gummifisch oder die neue Wathose. Auch diese, teils gar nicht so angenehm sondern plastikmäßigen Gerüche, nehme ich trotzdem für einen kurzen Moment gerne wahr - denn darin ist schon eine Menge Vorfreude enthalten! :wink:
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Kaindlau » 05.06.2011, 17:27

Servus @Lupus

Ich habe schon darauf gewartet, das wieder ein Beitrag von dir kommt, der zum Nachdenken anregt, und die Phantasie beflügelt.
Diesmal verführst uns du in das Reich der Düfte. Köstlich deine Ausführungen über gewisse Speisen. :lol:

Für mich als Donaufischer ist es der Typische "Altarm" Geruch, der im Frühjahr beginnt mit dem Bärlauch und sich dann im Sommer steigert wenn das Wasser fast modrig riecht, und der viele wie zum Beispiel meine Frau zum "recken" bringt. :lol:

Nur einmal wurde mein Geruchsinn auf eine harte Probe gestellt, als ich aus bequemlichkeit eine fertige Futterkorbmischung gekauft habe, und die dann nach dem Kontakt mit Wasser einen derart künstlich chemischen Geruch von sich gab, der mich zum "recken" brachte.

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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Lupus » 06.06.2011, 05:57

Hallo hesi, hallo Kaindlau!
Freut mich sehr, dass Euch meine Geschichte gefallen hat. Ich war mir nicht einmal mehr sicher, ob ich sie reinstellen soll, sie ist mir erst jetzt eingefallen wegen der Lindenblüten und Zander, und ich dachte, sie wäre was für den Winter, wo mehr gelesen wird, aber wie man sieht, gehts auch jetzt.
Danke auch für den Hinweis, dass auch andere Gerüche als die der Natur mit Fischen assoziiert werden. Bei mir war es von Kind auf auch immer der typische Geruch vom Rollenöl. Damals musste man ja viel mehr die Rollen noch ölen und pflegen als heute. Meine alten "Trixi-Rollen" hatten auch wenn man die Spule runtertat, diesen eigenartigen Geruch, wo ich im Winter beim Instandhalten Vorfreude für die nächste Saison hegte.
Ja, und der Kescher mit seinen Gerüchen ist auch ein Kapitel für sich.
Gruß. Lupus
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Romario » 06.06.2011, 09:31

Endlich Lupus danke!
Danke für diesen Bericht und den Ausflug ins oliofaktorische.
Mir gehts ähnlich: Auch für mich waren Düfte und Gerüche immer, selbst in früher Kindheit stets präsent und oft auch bezeichnend.
So riecht finde ich JEDE Großstadt anders. Egal ob sie am Meer oder ganz weit im Landesinneren liegt.
Jede größere Stadt die ich bereist habe, hat sich mit ihrem Geruch in mein Hirn eingebrannt - und wenn ich das zweite mal dorthinkomme, dann öffnet sich wieder das Kastl im Hirn und ich erkenne wieder den ganz speziellen Geruch. Hat mich schon immer fasziniert und beschäftigt mich schon lange.
Ja und beim Fischen ist es ebenso. Ich verbinde den Bärlauch-Geruch im März mit der beginnenden Rapfen-Saison und wenn der Flieder blüht steigen bei uns die Aiteln so richtig ein. Ja und wie du gesagt hast - sobald die Pappeln und Linden blühen und ihren ganz eigenen Gerucht verbreiten gehts mit den Karpfen los.
Und ja, Karpfen kann man riechen!!! Meine Freundin lacht mich immer aus, wenn ich an den Bach vor meinem Haus gehe und rieche, aber es stimmt, durch das Grundeln steigen Gärgase auf und dieses vermoderte riecht einfach. Zuästzlich ist der Karpf zu der Jahreszeit wirklich oft ganz nach am Ufer im seichten Wasser und da verströmt er auch den ganz speziellen Geruch.
Und im Hochsommer - in dieser trockenen Hitze am Nachmittag beginnt die ausgetrocknete Erde auf den Feldern ganz eigenartig "scharf" zu riechen - und das in der Kombination mit den meist dann frisch geschnittenen Sommerheu zeigt mir den Weg zum Hecht. Dann suche ich ganz schattige Plätze unter alten Bäumen über dem Wasser, wo sich der Räuber versteckt und abkühlt.
Aja und der Geruch im Spät-Herbst, wenn die Felder umgeackert werden - kennst du den??
Der ist mein Zeichen für die letzte Barben-Jagd im Jahr.
greets
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Lupus » 07.06.2011, 06:14

Hallo Romario!
Danke auch Dir für diese wirklich aufschlussreichen ergänzenden Ausführungen.
Den Geruch von abgeackerten Feldern, den Du erwähnst! Ja, an den kann ich mich jetzt wo Du es sagst, erinnern.
Es ist nämlich so, dass ich seit langem zum herbstlichen Hechtfischen nur mehr in die Augebiete meiner Hausgewässer gehe, wo der Anmarsch vom Damm her durch den Wald geht, also keine Felder dort sind.
Aber die ersten 10 Jahre, wo ich fischte, war das an einem Altarm und Baggersee oberhalb von Tulln, und da musste ich natürlich immer durchs Tullner Feld und ich kann mich gut erinnern, wenn ich im Herbst auf Hechtn/Zanderpirsch fuhr, war bald nach Überschreitung des Riederberges, vor allem dann bei den Orten Sieghartskirchen, Langenrohr etc. dieser typische Geruch, den Du da beschreibst. Spätestens, wenn ich eine Lulu-Pause machte, bekam ich das mit. Aber ich glaube, der Feldgeruch schwappte machmal auch bis in die Au durch, ausserdem glaube ich, waren damals manche Flächen in den Auen auch noch landwirtschaftlich genutzt.
Jedenfalls stimmts: Das ist der Geruch, der die herbstliche Raubfischpirsch anzeigt.

Ein anderer Duft, den ich mit Fischen, diesmal wieder mit Forellen in Verbindung bringe, ist eigentlich eine eher subjektive Erfahrung und hat nichts d i r e k t e s mit dem Ufer- oder Wasser- oder Fischgeruch zu tun:
An einem kleinen Fluss , etwa 15 Autominuten von mir entfernt, wo ich gerne mit der Fliege fische, ist eine Kaffeefabrik angesiedelt, und wenn die den Kaffee rösten, liegt ein herrlicher Kaffeeduft in der Luft.
Als ich das erste Mal mit meiner Frau das Gewässer, noch bevor ich zu einer Lizenz kam, erkundete, roch es auch so herrlich nach Kaffee. Wir wussten aber nicht, dass der dort gemahlen und verpackt wird, sondern suchten das erste Beisl auf, was wir sahen, in der Annahme, dass die dort so einen herrlichen Kaffee zubereiten. Das dann vor uns hingestellte „G´schloder“ belehrte uns eines besseren. Es war wohl nicht der Duft aus diesem Beisl.
Egal: Manchmal wird meine Fliegenfischerei auf Forellen oder Aitel eben von diesem Kaffeeduft begleitet, und wenn ein kräftiger Westwind geht, vor allem im Vorfrühling, wenn die Bäume noch kahl sind und nichts abhalten, kann ich ganz zeitig in der Früh diesen Duft sogar bei mir daheim riechen, wenn ich auf die Strasse in die Arbeit gehe. Da denke ich dann natürlich auch immer an „mein“ geliebtes kleines Flüsschen, wo ich so schöne Stunden einfach auf die Kürze so verbringen kann.
Gruß. Lupus
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Hellvis » 07.06.2011, 08:19

In Linz (Urfahr) gab es auch eine Kaffee-Rösterei. Als Jugendlicher ist mir der Geruch auch noch in Erinnerung - ich verbinde das aber nicht mit herrlichem Duft, sondern als ausgewachsenen Gestank.
Einen typischen Angelgeruch kenne ich eigentlich (mit eienr Ausnahme) nicht: da ich viel in meiner Freizeit herumgehe, Rad fahre, Schwammerl suche und auch fische, ist jetzt nix typisch fürs Angeln. Die Ausnahme ist jetzt auch nicht wieder von der angenehmen Seite: an der Ager kann man schön fliegenfischen. An einem ganz besonders schönen Abschnitt befindet sich in der Nähe eine Tierkörperverwertung (der Abschnitt wird daher TKV-Gerade genannt). Der Geruch aus dieser TKV hat sich mir auch als "Fisch-Geruch" eingeprägt. Ich gebe aber zu, dass ich die Angeltage bevorzuge, an denen der Wind die Düfte vom Wasser wegweht.
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Lupus » 07.06.2011, 08:31

Hallo Hellvis!
Bezüglich „schlechterer Gerüche“ beim Fischwasser ist natürlich Tierkörperverwertung schon sehr krass.
Bekannt sind ja auch (oder waren als es noch vermehrt ungeklärte Abwässer gab) die Abwässereinläufe, etwa von Schlachthöfen, wo man viel Aitel oder Barben fangen konnte.
Auch in meiner Jugendzeit am Donaukanal in Wien rannen noch viele Abwässerkanäle hinein, und Grundfischen war keine Riesenfreude, wenn man vom Peryl immer das Heislpapier abzupfen musste. Aber Fische waren viel mehr als heute dort. Und wenn an einem schwülen Abend oder vor oder nach Regen die Kanäle richtig stanken, stand einem guten Fischfang nichts im Wege.
Beim Fliegenfischen ist Kuh- oder Stallmist in der Nähe des Ufers auch oft von Vorteil wegen ordentlichem Insektenschlupf.
Das hat sich auch bei meinem Freund @Koppenkitzler eingeprägt, als wir zusammen vor nicht allzulanger Zeit fischen waren: Am Vormittag stieg noch nichts und wir fischten fleißig mit der Nymphe, bis wir an eine Stelle kamen, die in der Nähe eines Kuhstalles war.
Nach der Mittagspause trennten sich zunächst unsere Wege, und ich fand blöderweise nicht mehr die Stelle vom Auto her, ich war zu weit gefahren. Als wir uns dann kurze Zeit später wieder sahen, war meine lakonische Aussage „i wüü beim Kuhstall mit der Trockenfliege fischen“.
Also fuhren wir hin, und tatsächlich ging es gleich „schwapp schwapp“ und beide konnten wir gut fangen. Freund Koppenkitzler machte daraus fast ein „geflügeltes Wort“ (er will beim Kuhstall mit der Trockenfliege fischen).
Gruß. Lupus
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon red tag » 07.06.2011, 18:24

Hallo Lupus!
Wirklich sehr schön geschrieben! Mir geht es ähnlich mit den Bärlauch und im Sommer mit den Springkraut. Wer sich für die Welt der Gerüche interessiert sollte auf jeden Fall das Parfum von Patrick Süskind lesen, ein wirklich tolles Buch.
Ich stehe auch auf den eigenartigen Geruch von den ganzen Bindematerial. So eine Mischung aus Mottenkugeln, abgezogenen Tierhäuten, Federn unsw :D
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Sixpack » 07.06.2011, 18:54

Finde auch, dass dies wieder mal ein grandioser Beitrag zum Thema Fischen war -Danke Lupus!
Der Beitrag hat mich wieder an all die Kleinigkeiten erinnert, die auch zu einer Session gehören....und sich unterbewusst, wie das bei Gerüchen halt so ist, ins Gehirn gegraben haben....
An der Thaya gibts zB. eine Felswand an der man vorbei muss um ans Wasser zu gelangen - es riecht dort irgendwie modrig....je nasser es ist, umso mehr riechts...die Wand ist voll mit Moos und Farn - es ist für mich einer der angenehmsten Gerüche die ich kenne, da es für mich immer mit Fischen verbunden ist...und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern. Wer kennt das nicht -man riecht einen bestimmten, bekannten Geruch und assoziiert sofort mit bereits erlebtem....
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Lupus » 08.06.2011, 05:18

@red tag!
"Das Parfum" , schon schön makaber, nicht wahr. 25 Morde oder so, wenn ich mich erinnere und zum Schluss ziemlich grotesk. Soweit ich weiß, hat Süskind auch geschrieben "Der Kontrabass", stimmts?
Ja, was das Springkraut betrifft: Das warst ja Du, der mir dann endlich sagen konnte, wie diese Pflanze heißt. Sie war mir irgendwie misteriös. Schon als Kind fiel mir der Geruch auf, als ich einen "Onkel" zum Forellenfischen zum "Lagl-Tragen" begleiten durfte, und da können Jahrzehnte vergehen, diesen Geruch vergißt man nicht.
@sixpack:
Das mit der nassen Felswand kann ich mir deshalb so gut vorstellen, weil ich - wie eingangs erwähnt auch jedes Jahr in´s steirische Salzkammergut fahre und von dort diesen Moos - und Farngeruch auf nassem Felsen so gut kenne.
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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon hecht1401 » 08.06.2011, 06:02

Danke Lupus!

Es riecht auch jeder gefangene Fisch irgendwie anders! Einen sehr intensiven Geruch hinterlässt die Rotfeder an der Hand des Anglers! Oder der Geruch der Thymallus Thymallus!
Aber mein Lieblingsgeruch ist dieser spezielle Duft an den Fingern nach dem Schuppen und ausnehmen eines Hechtes!

Und am meisten den Geruch am nächsten Tag beim einsteigen ins Auto, wenn man bei warmen Temperaturen den Kescher + Setzkescher und eventuell noch den Kübel mit den Tauwürmern über Nacht gelagert hat!

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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Kaindlau » 08.06.2011, 11:27

hecht1401 hat geschrieben:Und am meisten den Geruch am nächsten Tag beim einsteigen ins Auto, wenn man bei warmen Temperaturen den Kescher + Setzkescher und eventuell noch den Kübel mit den Tauwürmern über Nacht gelagert hat!


Servus @hecht1401

Das ist der Klassiker :lol: (mit der Variante aufgeweichte Heilbutt Pellets im offenen Kübel)

Wenn meine Frau das Pech hat, und als erste Einsteigt, dann höre ich praktisch den ganzen Tag nichts von ihr, weil sie "kocht" :D
Wenn wir zusammen einsteigen, dann ünterdrücke ich den "Würgreiz", und sage "so schlimm ist es nicht", und meine Frau wirft mir nach einigen Minuten "Schnappatmung" Blicke zu die nichts gutes verheißen.

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Re: Der Geruchsinn des Fischers

Beitragvon Lupus » 08.06.2011, 12:46

Hallo Hecht 1401, hallo Kaindlau!

Also der Geruch der ersten Thymallus an schöner Flußstrecke ist natürlich auch etwas, was ich ehrfurchtsvoll „beschnuppere“. Das erinnert mich fast an die Aussage eines Innsbrucker Chauffeurs, der bei einem Festival am Iselberg die Ehre hatte, Miles Davis persönlich 3 Tage lang durch die Gegend zu chauffieren, wofür er ein signiertes Album und einen Händedruck erhielt und sagte „jetzt wasch´ ich mir 14 Tag lang ned die Händ´“ . Auch ich wollte bei meiner allerersten Äsche (man sagt ja immer, das ist eine Art Kür auf dem Weg zum Fliegenfischer) meine Händ´ gar nimmer waschen.

Was die Heilbutt Pellets betrifft: Ich hatte mit sowas noch nie gefischt und werde es wahrscheinlich auch nicht tun. Das passt nicht in meine Lebensplanung als „Halbstarker“, der lieber breitgefächert auf Durchschnittsfischerln angelt, als die Riesen (Karpf oder Waller) mit doch recht anrüchigen Ködern zu betören. Und wie ich eingangs geschrieben habe, dass ich wohl in meinem Vorleben eine schwangere Prinzessin auf der Erbse war, würde mir meine empfindliche Nase die Pellets auch verbieten.
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