Hallo Freunde!
Eine hoffensichtlich unterhaltsame Abwandlung versuche ich heute für Euch niederzuschreiben.
Normalerweise reden wir ja oft vom Geruchsinn des Fisches, unseres Beuteobjektes, aber ich habe im Laufe der vielen durchfischten Jahre immer wieder bestimmte Gerüche in der Natur wahrgenommen, die mich sozusagen zum jeweiligen Zielfisch geleitet hatten.
Auch wenn es landläufig heißt, dass einer, der - sagen wir einmal so - seit seiner Jugend dem Tabakgenuß nicht gerade abgeneigt ist, einen schlechteren Geruchsinn hat (die Ärzte nennen das in anderen Zusammenhängen so charmant " als Risikofaktor besteht ein Nikotinabusus seit der Jugend), so muß ich in meinem früheren Leben eine im 1. Monat schwangere Frau gewesen sein. Deshalb reckt es mich meistens beim Geruch von bestimmten Speisenkombinationen, die ich nicht mag, und vergrämt mich wie die launische Äsche zu längerer Nulldiät.
Anders beim Fischen: Die Gerüche und Düfte der Natur sind für mich die eindeutigsten Zeichen, dass ich instinktiv gleich spüre, was anglerisch jetzt zu tun ist.
Schwemmt nach dem lästig langen Winter der erste Vorfrühlingsregen die letzten häßlichen grauen Schneereste von den Straßen weg, so beginnt es in den Gärten und an den GEwässerufern so angenehm nach feuchter Erde zu riechen. Vor allem zeitig in der Früh nach einer durchregneten Nacht ist das ganz stark zu spüren, und da weiß ich nur mehr eines: Jetzt wacht in der Au die Fischwelt auf: Karpfen, Schleie, Brachsen werden hochaktiv und eine herrliche Fischerei an den noch vom Winter vergilbten Schilfkanten beginnt, wenn auch schon richtig schöne Blaserlspuren diese Fische auf ihrer Nahrungssuche verraten.
Der erste Vorfrühlingskarpfen im Kescher, und der feuchte Lettenerdengeruch rundherum, und ich bin wieder der glücklichste Mensch. Das Angeljahr hat begonnen mit den Friedfischen.
Noch sind ja die Raubfische bis 1.6. bei uns geschont, und auch die Fliegenfischerei muß eventuell noch ein paar Tage warten. Aber ab 16. März frühestens ist auch da etwas los. Die ersten Wochen Fliegenfischerei verbringe ich naturgemäß nicht in höheren Lagen, sondern in den stilleren Waldbächen der Laubwaldzonen. Auch hier habe ich meine duftenden Lenzboten, bevor ich meinen ersten Wurf nach Rotgetupften wage: Das ganze Tal riecht nach Bärlauch. So ist dieser typische Bärlauchgeruch für mich mit den ersten Rotgetupften Jahr für Jahr verbunden.
Im Mai ist an den tiefer gelegenen Flüßchen oft so ein eigenartig schwerer Geruch. Das etwas weichere Wasser mit den manchmal schlickigen Uferkanten, wo die Maifliege schlüpft, liegt in der Nase und es beginnt wieder ein Kapitel der hohen Zeit des Fliegenfischens.
In der Au dagegen riecht die Pappelblüte schon ganz stark. Ein Anzeichen für mich, dass sich Karpfen und Brachsen langsam für den Laichvorgang vorbereiten. Ebenso aber ist es ein Zeichen für mich, in den ufernahen verkrauteten Bereichen schöne Schleien herauszukitzeln.
Beginnt es bei den abendlichen Spaziergängen durch mein Wohnviertel so schwer und süßlich nach Lindenblüten und Jasminblüten zu duften, weiß ich, dass die beste Zanderzeit vor der Türe steht. Das ist immer mit Beginn des Monats Juni, und da auch der Hecht erst ab dieser Zeit bei uns frei ist, beginnt eine Zeit, wo ich außer für diese beiden Raubfische, vor allem aber den Zander jetzt, anglerisch sonst eher mit Scheuklappen ausgestattet bin. Komme ich etwa spätabends nach Hause nach erfolgreicher Zanderpirsch und trinke noch ein Glas Wein im Garten, so rieche ich den herrlichen Lindenduft und weiß wieder, warum ich erfolgreich war.
Im Hochsommer flüchte ich zumindest für 2 Wochen aus der heißen Stadt in die steirische Bergheimat. Riecht es nach Tannen, nach Moos und diesen eigenartigen Flechten auf den Laubbäumen, so assoziiere ich das mit den herrlichen Salmoniden der glasklaren Bäche und Flüsse dort, und Forelle, Äsche, Saibling werden meine Beute sein.
Wieder daheim, immer noch Hochsommer ist Frühaufstehen angesagt, um die schlauen Karpfen zu überlisten. Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber ich bilde mir ein Karpfen „riechen zu können”. Wenn frühmorgens einige Karpfen in den Schilfbuchten „schlagen” und dann fleißig zu grundeln beginnen, erzeugt das Gas der Blaserln einen ganz eigenartigen Geruch. Es ist nicht nur das Sumpfgas, es ist etwas anderes „karpfiges” auch dabei. Und dann dauert es nicht lange zum ersehnten Biss, und die frühmorgendliche Ruhe verwandelt sich in einen aufregenden Drill mit einem schweren goldflankigen Cyprinus.
Meldet sich im September langsam der Herbst und die Nächte sind kühler, so riecht die Au bei meinem morgendlichen Gang zum Wasser ganz eigenartig herb. Es ist nicht mehr dieser schwerer süßliche Geruch von einigen Monaten zuvor, sondern es liegt etwas anderes „in der Luft”. Jetzt beginnt die beste Zeit auf Esox mit der Spinnrute.
Gleichzeitig haben die kleinen Flüßchen in den etwas tieferen Lagen einen eigenartigen Duft: Überall sprießt das Springkraut mit seinen violetten Blüten und dieser ganz schwere süßliche eigenartige Duft, der auch ein bisschen nach Waschmittel riecht, vermischt mit dem leicht muffigen Uferschlickgeruch zeigt mir, dass jetzt die Bachforelle schon geschont ist und eine herrliche Zeit beginnt, in den tieferen Lagen, in den eher von menschlicher Hand verbauten Gewässern mit ihrer etwas spröderen Romantik mit meinem Fliegengerät auf die Regenbogenforelle, oder wo sie vorkommt, natürlich in erster Linie die Äsche zu fischen. Das ist dann mein Fliegenfischerherbst mit seinen herbstlichen Düften am Wasser.
Immer kürzer werden die Tage, die Fliegenfischerei lasse ich jedenfalls dort sein, wo auch gute Bachforellenbestände sind, um die Fische zu schonen. In der Au riecht es immer herber nach dem zu Boden gefallenen Laub, das Ufergras ist schon gelb, aus der Ferne von den Kaminen der Häuser riecht es nach Hausbrand, es ist schon recht kalt, und mein Sinn steht nach Hecht.
Kommen gegen Ende des Jahres, Ende November/Anfang Dezember noch wirklich kalte Winde dazu, wo man schon vermeint, „Schnee zu riechen”, so bringt mir ein letzter schöner Raubfisch – ein Hecht oder auch ein Zander , im bleichen Ufergras liegend zu Bewußtsein, wie schön abwechslungsreich dieses Jahr wieder war. Dieser letzte Fisch wird ritualmäßig immer für den Verzehr mitgenommen. Schön schwer wiegt er im Rucksack. Durch die schon finsteren Straßen sehe ich Fenster mit den ersten Adventdekorationen, und daheim erwartet mich ein gutes Stamperl, und die ersten mürben Bäckereien und frisch geschälte Mandarinen schaffen die richtige Vorweihnachtsstimmung. Meine Frau verübelt mir nicht, dass ich beim ersten „Verschnaufen” daheim, beim „Fischerstamperl” inmitten des Duftes des ersten Adventsonntages noch nicht ganz die Hände gewaschen habe, denn auch der leichte „Hechtgeruch” an den Händen gehört noch zum Abschied vom Fischjahr dazu.
Euer Lupus






