Hallo Lupus,
Deine Erfahrung decken sich im Großen und Ganzen mit der meinen. Ich kann das gut nachvollziehen. Allerdings bin ich noch nicht so weit, die Fische mit meiner Trockenen zu steigen zu bringen. Das liegt zum einen wohl an meinen Wurfkenntnissen, zum anderen auch an den Gewässern die ich befischen darf. An der Dagnitz, zur Maifliegenzeit, gibt es wirklich nichts spannenderes, wenn die selbstgebunden Maifliege von einer Forelle genommen wird. Nur habe ich nicht viele Abschnitte am Revier, die ein sauberes Präsentieren (und damit auch Wurftraining) ermöglichen würden. Ich muß zugeben, daß ich auch da mit (unbeschwerte) Nymphe fische. In klaren Gewässern wie der Dagnitz ist das dreidimensionales Fischen, weil auch, oder vor allem die Tiefe zum Fisch stimmen muß. Bissanzeiger verwende ich persönlich keinen. Sicher verpasse ich so 2/3 der Bisse (Nachdem ich Oliver Kite's "nymphfishing in practice" gelesen habe bin ich aber auch schlauer geworden). Wer billig und einfach Fische haben will, geht nicht zum fischen, sondern in den Supermarkt.
Die sogenannten "classic" Revier schrecken mit, um ehrlich zu sein, ab. Ich halte fischen für eine sehr persönliche Sache. Wie und mit was man "seinen" Fisch fängt soll sich, im gewissen Rahmen, jeder mit sich selbst ausmachen. Wenn ich allerdings die Auflagen einiger Reviere lese, dann kann man ja nur mit seinem Rechtsanwalt zum fischen gehen. Da wird von der Stiefelhöhe, über die Hakengröße, bis zur Netzweite des Keschers alles reglementiert. Das reizt mich wirklich nicht. Ein gewitzter Fisch, der eben die Fliege verschmäht weil sie nicht richtig auf dem Wasser hockt, oder der unter einem Busch steht und nur ab und zu herausschießt, den zu überlisten macht für mich einen Reiz aus. Wie der Gerald gesagt hat, muß ich mich mit dem Gerät den Gegebenheiten am Wasser anpassen. Ich will ja Fische fangen, aber halt nicht um jeden Preis. Das heißt nicht notwendigerweise Plumpsnymphen oder Bissanzeiger, Streamer, Polyleader. Kann aber, wie z.b. an der warmen Fischa notwendig sein. Ich glaube darauf bezieht sich auch deine Bemerkung zum "besseren Fischer". Nicht besser als andere Fischer, aber die Messlatte für einen selbst höher legen.
Ich war z.b. 3 mal in Finnland zum Lachs fischen. Nur wollte ich, nicht wie die Finnen, Tubenfliegen mit 80 gr. Blei an der Spinnrute durch den Fluß pflügen, sondern partout meinen ersten Lachs mit der Fliegenrute fangen. Die Finnen haben mäßig gefangen, ich blieb Schneider. Enttäuscht? Nein, weil ich denke ich kann das schaffen einen Lachs mit der Fliegenrute zu fangen. Es wird wohl noch eine vierte oder fünfte Reise brauchen, bis ich mir diesen Traum erfüllen kann.

Also ein besserer Fischer, weil ich nichts gefangen habe? Sicher nicht.
Aber einer der weiter von seinem ersten Lachs an der Fliegenrute träumen darf und sich närrisch freut, wenn ich ihn fange, so wie ich mir es vorgestellt habe.
Gruß
Oliver