Schnell war alles aufgebaut und die beköderten Rigs flogen an ihre Plätze, einmal nur etwa 15 Meter vom Ufer entfernt, einmal in etwa 65 Meter Entfernung, in die Mitte dieses flachen Gewässers. Ich vertraute auf Schneemann- und Sinkermontagen, kombiniert mit extrem stark riechenden PVA-Sticks, um die Fische schnell auf meinen Hakenköder aufmerksam zu machen. Backleads hielten die Schnur am Grund und sorgten dafür, dass die Fische nicht mit einer gespannten Schnur in Berührung kamen. Danach schleuderte ich Boilies in die Nähe der Rigs, wobei ich die Einschlagswellen nach dem Werfen als ungefähres Ziel verwendete.

Solange es hell war, herrschte tote Hose, doch schon in der Dämmerung vernahm ich den einen oder anderen Pieper. Die PVA-Sticks hatten natürlich nicht nur Karpfen, sondern auch alle anderen Fischarten angelockt. Ich hoffte nur, die patroullierendne Brachsen, Rotaugen und Giebel würden sich nicht haken und den Karpfen das Feld überlassen.
Endlich machten sich aktive Fische auch an der Oberfläche bemerkbar. Ganz deutlich hörte man die Waller mit den typischen Schmatzgeräuschen rauben und die Karpfen springen. Schon vor Mitternacht war es so weit. Der Hanger der Distanzrute schoss nach oben und verweilte dort. Ich nahm Kontakt auf und spürte schwachen Widerstand. Ich vermutete einen kleinen Karpfen, doch an die Oberfläche kam abermals ein kleiner Wels, diesmal mit 66 cm. Die Viecher scheinen derzeit sehr aktiv zu sein.

Noch während ich den Babywels versorgte, kam Leben in die Uferrute. Ein großes Rotauge von über 30 cm hatte sich den Dumbell einverleibt und war perfekt gehakt. Mein erstes Rotauge aus diesem Gewässer - zwar ein Grund zur Freude, aber ich hakte den Fisch gleich im Wasser ab.
Nachdem ich mich wieder hingelegt hatte, erfolgte abermals ein Biss auf der Distanzrute. Die Rolle gab einige Zentimeter Schnur frei, doch blieb dann stehen. Ich holte ein und wusste sofort, dass hier ein Fisch meinen Haken losgeworden war, denn der Ring des Blowback-Rigs war bis zu den Windungen des No Knots hinaufgeblasen. Ein untrügliches Zeichen. Ich beeilte mich, die Rute wieder startklar zu machen. Überraschend schnell kam der nächste Biss auf die selbe Rute, doch diesmal hing der Fisch und lieferte mir einen ordentlichen Kampf. Im Freiwasser setzte er sich in vereinzelte Krautflecken fest, doch ich konnte ihn jedes Mal sanft herauspumpen. Als der Fisch in Ufernähe kam, erschien die Silhouette eines anständigen Karpfens im Wasser. Ich wurde nervös, denn das Exemplar gab sich noch lange nicht geschlagen. Als der Fisch schließlich im Kescher war, fiel mir ein Stein vom Herzen, denn ich wusste, dass ich hier etwas ganz Besonders gefangen hatte.
Die Waage zeigte 10,4 Kilogramm, doch bei so einer Schönheit ist das Gewicht doch nebensächlich. Ein wunderbarer Spiegler mit fünf einzelnen Schuppen an der Flanke, drei großen Schuppen oberhalb der Bauchflosse und unzähligen winzigen Perlschuppen im Schwanzbereich. Zudem war der Fisch in Topform, und - so wie das Maul aussah - schon sehr lange nicht mehr gefangen worden. Mein Haken hing bombenfest in der Unterlippe und hinterließ nicht mehr als einen winzigen Einstich. Einfach großartig!

Um etwa vier Uhr morgens erfolgte die Zugabe am selben Spot. Ich landete wieder einen Spiegler, doch diesmal deutlich kleiner als sein Vorgänger.

Nachdem ich neu ausgeworfen hatte, kontrollierte ich die Uferrute, weil ich das Gefühl hatte, dass hier irgendwas nicht passte, und ich hatte recht. Der Haken hatte das Haar aufgespießt, was das Rig in seiner Effektivität bestimmt extrem eingeschränkt hatte. Also wurde auch diese Rute neu positioniert.
Erst als es schon hell war, kam wieder Leben in die Sache. Diesmal an der Uferrute. Doch der Fisch war kein Karpfen, sondern entpuppte sich als schöner Giebel, den ich gleich wieder schwimmen ließ.
Fazit: Insgesamt vier Fischarten, ein wunderschöner Karpfen, noch dazu mit über 10 Kilo, ein weiterer kleiner Karpfen und ein Wels. Schon komisch, wie schnell sich die Dinge ändern können. Vor allem war es für mich interessant zu sehen, wie scheinbar tote Plätze durch ein bisschen Futter und 24 Stunden absoluter Ruhe wieder richtig lebendig werden konnten.





