

Nach zehn Stunden Fahrt, während der natürlich keiner von uns ein Auge zukriegte, mussten wir erst einmal die Zeit bis 8.30 Uhr totschlagen, um unsere Karten kaufen zu können. 30 Euro für eine Woche - ein äußerst humaner Preis. Während wir warteten, statteten wir der Brücke einen Besuch ab und beobachteten den Sonnenaufgang, der die beeindruckende Kulisse in blaues Licht tauchte.


Ein Problem stellte die Unterbringung des Autos dar. Es brauchte einige Irrfahrten, bis wir schließlich ein Restaurant mit Seezugang fanden, bei dem wir parken und von dem aus wir direkt in See stechen konnten. Doch die eigentliche Arbeit lag noch vor uns. Zwei große Schlauchboote, komplett mit E-Motor und Echolot, wurden mit Vorräten und Futter für eine Woche, Kleidung, Liegen und Angelgerät beladen. Das Wetter war traumhaft, aber sehr warm, weshalb ein kurzes Bad im See sehr willkommen kam.



Dann ging die Reise endlich los. Wir rechneten eigentlich mit einem vollkommen überlaufenen Cassien, doch mithilfe eines Fernglases wussten wir bald, was so los war. Der Anfang des Westarms war mit Angelschnüren abgespannt, die Ufer mit Zelten übersät.

Doch der Südarm zeigte sich überraschenderweise fast menschenleer. Das wurde auch von einem deutschen Kollegen bestätigt, der seit einer Woche am so genannten "Bivvy Point" saß und bereits drei oder vier schöne Karpfen fangen konnte. Von ihm erfuhren wir auch, dass es im ebenfalls stark frequentierten Nordarm eher schlecht lief. Die Offenheit der Angler am Cassien überraschte uns ein wenig, schließlich waren wir die für Österreicher typische Geheimniskrämerei gewohnt, doch am Cassien verhielten sich alle Kollegen entgegenkommend und gaben ihre Infos gerne weiter.
Wir entschieden uns, die ersten Nächte angesichts des geringen Befischungsdrucks im Südarm zu verbringen. Vor uns taten sich riesige Wasserflächen auf, doch sorgfältige Recherche und mitgebrachtes Kartenmaterial erleichterten die Orientierung. Unsere Wahl fiel auf den "Pylone", zu deutsch Strommasten, eine felsige Halbinsel, umgeben von weitläufigen Buchten. Der Südarm des Cassien ist geprägt von einem kargen Landschaftsbild. Der steinige Boden, die trockene, dornige Vegetation und die zerklüfteten Felsen erinnern nicht selten an Mexiko. Wir richteten uns zwischen ein paar kleinen Bäumen ein, um wenigstens ein bisschen Schatten genießen zu können. Unsere acht erlaubten Ruten verteilten wir zwischen neun und 15 Meter Tiefe, da wir erfahren hatten, dass die Cassien-Karpfen im Sommer eher tief, im Winter hingegen oft sogar extrem flach zu fangen sind. Für uns war der erste Tag gelaufen. Wir erholten uns von den Anstrengungen der letzten 24 Stunden und genossen die atemberaubende Landschaft.

Ich hoffte zwar auf einen schnellen Biss, doch war nicht allzu überrascht, als ich am Vormittag ohne Hilfe der Funkbox erwachte.

Gegen Mittag erkundeten wir unser Areal mit dem Echolot und gaben uns Mühe, unsere Rigs möglichst sinnvoll zu positionieren. Ich blieb bei meiner traditionellen Boiliepräsentation und mischte meine großen Futterboilies nur mit ein paar Tigernüssen, während Bruno seiner Experimentierfreude wieder freien Lauf ließ.

Es wurde wieder sehr warm und windig, was das Ablegen vom Boot aus nicht gerade erleichterte, und bis acht Montagen zur Zufriedenheit aller liegen, vergehen schon einmal ein paar Stunden. Doch wer für seine Fische arbeitet, wird auch belohnt, dachten wir zumindest. Es sollte unsere zweite und gleichzeitig letzte Nacht im Südarm werden, denn am nächsten Tag wollten wir in den begehrten Nordarm moven. Nach Einbruch der Dunkelheit meldete einer meiner Bissanzeiger eine Aktion und ich kurbelte meinen ersten Cassienfisch ans Ufer - einen Katzenwels.

Um etwa vier Uhr morgens weckte mich ein Run und ich drillte kurz darauf meinen ersten vermeintlichen Karpfen aus diesem Stausee. Er entpuppte sich leider als Wels um die 80 cm. Glory Hole Deja vú!


Fortsetzung folgt!







