where to go." (Charles Bukowski, "The Roominghouse Madrigals: Early Selected Poems, 1946-1966")
Der Himmel verdunkelte sich und ein kühler Wind kam auf, als ich mit einer Schleuder und einem Eimer Boilies bewaffnet am Ufer der "Parkplatzstelle" stand und eine Kugel nach der anderen auf die Reise schickte. Ich war vollkommen allein im Revier. Ich hatte mich nach einem anstrengenden Arbeitstag zu einem spontanen Nachtansitz aufraffen können, und wie schon bei der Session zuvor musste diesmal alles schnell gehen. Nicht, weil ich wenig Zeit hatte, sondern weil ein mächtiges Gewitter auf mich zuzurollen schien. In weiser Voraussicht hatte ich schon im Vorhinein mein kleines Shelter aufgebaut und die Liege sowie weitere wichtige Gegenstände in Sicherheit gebracht.

Diesmal probierte ich etwas für mich Neues aus: Anstatt wie sonst zwei Spots in unterschiedlichen Distanzen anzulegen, setzte ich alles auf eine Karte. ich verteilte ich absolut weitflächig etwa 1,5 Kilo Boilies und warf danach beide Montagen nur wenige Meter versetzt in diesen Bereich.
Kaum war ich mit dem Anfüttern fertig, kam der Regen. Das Wasser durchweichte den Boden unter meinen Füßen und verwandelten das Ufer in eine Schlammwüste. Alles, was nicht in der Sicherheit des Shelters verweilte, wurde durch den aufspritzenden Matsch völlig verdreckt. Ich wagte mich nur noch einmal kurz hinaus, um meine Rigs an den Spot zu befördern und machte es mir dann auf meiner Liege bequem.

Die Zeit nutzte ich, um einen Helden meiner Jugend wieder zu entdecken: Den dirty old man himself, Mr. Henry Charles Bukowski. Mit seinen Romanen "Factotum", "Post Office", "Women", "Ham on Rye" und seinem Letzwerk "Pulp" sowie seinen vielen Gedichtbänden ("Love is a dog from hell") hat er mir vor etwa fünf oder sechs Jahren einige unterhaltsame Stunden bereitet. Nur heute lautete das Motto nicht "Beer & Bukowski", sondern "Boilies & Bukowski". Diesmal nahm ich mir wieder einmal den Roman "Women" mit dem deutschen Titel "Das Liebesleben der Hyäne" vor, eines von Bukowskis rohsten, aber gleichzeitig spannendsten Werken. Die Zeit verging, die Bissanzeiger blieben stumm.

Der Regen hörte die ganze Nacht nicht auf, und ich schlummerte bereits vor Mitternacht ein, was eine Besonderheit ist, denn für gewöhnlich schlafe ich beim Angeln mit einer extremen inneren Anspannung, was oft zur Folge hat, dass ich mich am nächsten Tag wie gerädert fühle. Doch diesmal sorgte der niederprasselnde Regen sowie das zarte Bio-Kalbssteak und der delikate Kartoffelsalat dafür, dass ich erst spät am Morgen aufwachte.

Gerade recht, um einen Fallbiss an der rechten Rute zu bemerken. Ein fettes Rotauge von etwa einem Kilo hatte es geschafft, sich am Rig mit der steinharten 25er-Kugel aufzuhängen. Hier eigentlich keine Seltenheit.
Der Regen hatte aufgehört, und ich konnte in aller Ruhe zusammenpacken, nicht jedoch, ohne mir vorher einen Kaffee zuzubereiten. Irgendwie gefallen mir diese Null-Aufwand-Sessions kurz nach der Arbeit immer mehr, auch wenn die Erfolge bisher ausgeblieben sind...
"being alone never felt right. sometimes it felt good, but it never felt right." (Charles Bukowski - "Women")






