von Lupus » 23.09.2010, 06:34
Hallo!
Ich bin ja bemüht, Zusammenhänge zu verstehen und so es möglich ist, etwas Hintergrundwissen zu verwenden. Allerdings ist dann immer die Gefahr, dass die Stellungnahme zu kopflastig aus der Sicht des Fischers wird.
Deshalb kann ich nur ganz vorsichtig versuchen, zum Thema Biber etwas zu formulieren.
[Vielleicht gelingt es mir dabei sogar das kleine Kunststück, was einer der Vorschreiber nicht schafft….., nämlich unbestimmte Artikel in voller Weise auszuschreiben (einen statt ´nen, eine statt ´ne…..)……, jedoch….ich schweife ab…]
Kann es sein, dass die Wiederbesiedlung von seit Generationen ausgestorbenen Tieren manchmal doch nicht ganz unproblematisch ist, wenn sich die Gegebenheiten seitdem stark verändert haben?
Die ersten ganz zaghaften Spuren von Bibern sah ich irgendwann Mitte oder Ende der 80er Jahre bei der Mühlleitner Furt (Kühwörther Wasser-Untere Lobau) und zwar, nachdem ich in der Zeitung gelesen hatte, dass versuchsweise einige Biber-Päärchen in der unteren Lobau ausgesetzt wurden.
Meine Freude war groß, als ich einen kleinen, zugespitzt angeknabberten Baum sah. Solchen Anblick kannte ich bislang nur aus Naturfilmen.
Nur hat sich die Population sehr, sehr stark ausgebreitet und da jedes Tier oder jede Familie seinen/ihren eigenen Platz braucht, haben sich die Biber immer mehr in besiedelte Gebiete gewagt.
Einen Biber zu beobachten ist heute keine Schwierigkeit mehr. Sie haben auch strapazierte Naherholungsgebiete zu beherrschen gelernt, wo tagtäglich hunderte Badegäste und massenhaft freilaufende Hunde die Vorherrschaft haben.
Kann es sein, dass in einer intakten Landschaft wie Kernzonen des Nationalparkes unterhalb von Wien sich jene Tiere konstant behaupten konnten, die „am stärksten“ sind, und die schwächere, ungeliebte Konkurrenz muss hingegen in weniger ideale und stark vom Menschen frequentierte Gebiete ausweichen?
Wenn ich mir nämlich an einer Schottergrube im 22. Bezirk das Treiben der Biber ansehe, so scheint es eher der Mut der Verzweiflung zu sein, der sie dazu treibt, fast gnadenlos alles, was in die Luft ragt und Äste und Blätter hat, niederzustrecken? Oder entlang des Treppelweges an der Donau? Bäume, die nicht härteste Blessuren aufweisen, sind dort schon eine Seltenheit.
Ein kleines Stück Wald an jener Schottergrube (früher war das die einzige Zone, wo im Sommer etwas Schatten war und man …. von Wildbadenden verschont, ein wenig fischen konnte) ist jetzt ein Baumfriedhof. Es ist faszinierend und bestürzend zugleich, zu sehen, mit welcher panikartigen Energie hier fast alle Bäume niedergestreckt wurden, und zwar nicht nur im unmittelbaren Uferbereich, sondern auch weiter hinein in das Festland.
Wenn man jetzt an einem der wenigen verbliebenen und recht unattraktiven Plätzen versucht, zu fischen (diese „Plätze“ wurden von den Badegästen und Hunde-Steckerlwerfern, die täglich dort sind errichtet, und zwar interessanterweise trotz Nationalpark in harter, dauerhafter Verbauung, dass es schon fast professionell aussieht), dann kreuzen in den einzigen stillen Morgenstunden zahlreiche ausgewachsene Biber das „Revier“ und irgendwann hört man an einer sowieso nicht mehr befischbaren weil verwüsteten Stelle ein Knabbern, und plötztlich macht es „krawumm“ und der nächste Baum ist niedergestreckt.
Ich hoffe, meine Darstellung ist nicht zu subjektiv (klar… ein Fischer, der ärgert sich nur, dass er keine Plätze mehr hat, wo er fischen kann). Aber es kommt mir wirklich so vor, dass die unkontrolliert starke Population nicht einmal die Biber glücklich macht, denn es dürften eher Kämpfe um Reviervorherrschaften mit den damit verbundenen Verdrängungen sein, die seit einigen Jahren den Biber so auffällig erscheinen lassen.