
Was macht ein fanatischer Angler an seinem Geburtstag? Genau, angeln! Diesmal kehrte ich den Kärntner Karpfen den Rücken zu und widmete mich anderen Bartelträgern: Den Barben der Steiermark!


Wie schon im Vorjahr traf ich mich mit dem dortigen Barbenexperten Mike, um zwei Tage mit der Feederrute an der Mur zu verbringen. Das Wetter war seit vielen Tagen konstant schön und der Wasserstand perfekt für eine gemütliche Feedersesson. So kam es, dass uns der erste Tag schon einige ausgeprägte Beißphasen und eine Menge spritziger Drills bescherte! Die Strömung war sehr moderat und wir kamen mit 80 Gramm schweren Futterkörben locker aus.




Um zu verhindern, dass kleine Barben den Köder zu tief nehmen, benutzten wir Korda Maggot Clips in X-Small, die wir an abriebfeste Monorigs mit starkdrähtigen 8er-Haken montierten. Kräftiges Gerät war notwendig, denn die ersten rastanten Fluchten einer gehakten Barbe sind einfach nicht zu halten. Zudem hat der Fisch die Angewohnheit, am Anfang des Drills vollkommen am Grund zu kleben, was widerstandsfähiges Material erforderte. Hauptschnüre zwischen 0,28 und 0,30 mm und dementsprechende Vorfächer waren zwingend notwendig.

Der Biss einer Barbe ist nicht zu übersehen. Die Spitze verbeugt sich mehrmals ruckartig, und in den meisten Fällen ist der Fisch schon gehakt. Oft folgt dann ein kurzer Moment, in dem gar nichts geht, bevor die Barbe die erste Flucht startet und wie ein D-Zug durch den Fluss rast! Einfach nur extrem!










Nach jedem Drill ist es absolut lebenswichtig, Vorfach und Hauptschnur zu kontrollieren. Diese Komponenten waren in unseren Drills solchen Belastungen ausgesetzt, dass wir teilweise nach jedem Fisch das Vorfach und die ersten paar Meter der Hauptschnur erneuern mussten. Langweilig wird einem beim Barbenfischen also nie, man hat ständig was zu tun: Rigs binden, füttern, drillen, werfen. Bei uns kam noch hinzu: Sich vor der Hitze schützen. Aufgrund der ständigen Anwesenheitspflicht neben der Rute ist es schon fast unmöglich, beim Feeder einen Platz zu finden, der den ganzen Tag im Schatten liegt und noch genügend Platz zum Werfen mit den langen Flussruten bietet. So mussten wir die Nachmittage bei weit über 30 Grad Celsius in der prallen Sonne verbringen. Sonnenschutzfaktor 50 (!!!), Sonnenbrille, Kopfbedeckung und 30 Liter Wasser machen's möglich.



Als vom Kraftwerksbau geplagter Fluss weist die Mur in diesem Abschnitt eine recht monotone Struktur auf: Schlammkante, Flussbett, Schlammkante, so sieht's aus. Der angeschwemmte Schlamm an den Ufern ist so tief, dass man dort beim Versuch, gute Releasefotos zu machen, auch mal bis zu den Oberschenkeln und noch weiter einsinken kann. Rauskommen ist dann ohne fremde Hilfe ein echtes Problem.


Unterhalb der Schlammkante besteht größte Hängergefahr. Am Ufer stehende Bäume lassen ihre Wurzeln teilweise dort hinein wachsen, zusätzlich wird dort jede Menge Treibholz und anderer Unrat angeschwemmt. Obwohl wir die meisten Fische landen konnten, mussten wir auch den einen oder anderen Verlust hinnehmen. Ein Flusstorpedo, der sich einmal in einem Hinderniss festgesetzt hat, lässt sich normalerweise nicht mehr so leicht lösen. Ein Fisch, der sich bereits weiter draußen müde schwimmt, ist leichter über die Kante zu kriegen und kann dann in aller Ruhe ausgedrillt werden. Leider waren aber auch Exemplare dabei, die genau wussten, wo sie hinmussten und schnurstracks die Hindernisse aufsuchten.


Barben brauchen was zum Fressen! Mein Futter bestand aus River/Cheese-Futter von Timar, Kürbiskernmehl, Dosenmais, Hanf, Weizen und Pellets in unterschiedlichen Größen. Nicht nur per Futterkorb wurde das gute Zeug ausgebracht, sondern auch per Futterschleuder. Aufgrund der Strömung ist es kein Nachteil, konstant dafür zu sorgen, dass Futter vorhanden ist, um das Interesse der Fische auf den Hakenköder zu lenken. Obwohl es eine ganze Palette erprobter Barbenköder gibt, kamen bei uns ausschließlich die Klassiekr ans Haar: Lebendige, dicke, proteinreiche Maden!



Die Durchschnittsgröße unserer Fische war recht hoch, und jeder von uns konnte seine alte Personal Best-Marke knacken, Mike sogar zweimal! Er stellte seine jahrelange Erfahrung und sein Können unter Beweis, indem er viel mehr Bisse verzeichnen konnte als ich. Der zweite Tag brachte zwar auch einige sehr gute Fische, doch die Abstände zwischen den Bissen wurden trotz konstanter Fütterung immer länger. Angesichts der Hitze entschlossen wir uns, es früher gut sein zu lassen und packten unser Zeug zusammen.


Mit dem Ergebnis der Sessions können wir beide vollkommen zufrieden sein, und eins ist sicher: I'll be back!







