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bachforellen bewirtschaftung

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bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon red tag » 19.03.2008, 07:12

hallo leute!
wie schaut es bei euren revieren aus? habt ihr einen selbsterhaltenen bafo bestand ? oder muß in irgendeiner form besezt werden. würde mich sehr interessieren. bei meinen revieren ist es sehr unteschiedlich. in zwei wird seit jahrzehnten keinerlei besatz von bachforellen gemacht. in anderen werden kleine nebenbäche bewirtschaftet. die werden dann elektrisch abgefischt und die bafos umgesezt. in vielen werden aber auch fangfähige bafos aus der zucht besezt. was ich sehr interessant finde ist, dass die bafo in einen wirklich schönen,natürlichen,kaum besiedelten wiesenbach schlecht reproduziert und in einen verbauten niederungsbach mit vielen wehren und ausleitungen, stauen unsw gibt es einen wildbestand der enorm ist. wie schaut es bei euch aus? wie werden eure reviere bewirtschaftet.
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon Lupus » 19.03.2008, 10:16

Hallo red tag!
Die zwei von mir ständig befischten Reviere befinden sich in unmittelbarer Nähe zum Ballungsgebiet und natürlich wird da mit fangfähigem Besatz nachgeholfen. Aber es freut mich, dass unabhängig davon eine Eigenreproduktion stattfindet, wo es schon manchmal recht ergiebige Jahre gibt. Da gibt es sehr kleine Nebenbäche, wo sich auf diesem Sektor doch einiges abspielt, denn ich kann mich erinnern, dass wir Lizenznehmer voriges Jahr plötzlich sehr häufig Bachforellen im Teenageralter fingen. Die waren offensichtlich aus der Kleinkinderstube flügge geworden und in den Hauptbach abgewandert. Ist doch sehr schön, dass es so ist, oder?
Gruss. Lupus
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon temolo » 19.03.2008, 10:20

Grüß' Euch und willkommen in der Forellensaison 2008 !
Ich habe es diesbezüglich mit zwei Extremen zu tun.
Einerseits Mischgewässer in Wiener Stadtnähe bzw. in Wien, welche als Salmonidenreviere bewirtschaftet werden.
Andererseits den Oberlauf eines linksufrigen Enns-Zubringer in der Steiermark.

In erstgenannten Revieren ist schon allein auf Grund der (m.E. viel zu hohen !) Anzahl an Lizenzen und der für Forellen nicht wirklich optimalen Bedingungen ein Besatz mit fangreifen Fischen "üblich" , bzw. waren andere Besatzstrategien mäßig erfolgreich...
Und trotz des hohen Befischungsdrucks und der recht schwierigen Rahmenbedingungen (extreme Hochwässer, Fressfeinde, Futterkonkurrenz durch Aiteln und Regenbogenforellen) gibt es erstaunlicherweise doch ein - wenn auch nicht sehr üppiges - Eigenaufkommen an Bachforellen.
Das Ergebnis:
Eine aussichtsreiche und tlw. ganzjährige Forellenfischerei auf überwiegend fangreife Bafo's und Rebo's. Bafo-Kids & Teenager sind eher die Ausnahme. Die Qualität der Fische hängt vom jeweiligen Besatz-Lieferanten ab.

Das zweitgenannte Revier repräsentiert das genaue Gegenteil:
Erstklassige Wasserqualität, reich strukturiertes Gewässer, geringer Befischungsdruck, kurze Fischereisaison, kaum Entnahme. Der Besatzpflicht wird folgendermaßen entsprochen: Elterntiere werden dem Gewässer entnommen und abgestreift, die Brütlinge werden in zwei Seitenbächen ausgebracht und alternierend alle zwei Jahre in das Hauptgewässer umgesetzt.
Das Ergebnis:
Ausschließlich autochtone Wildfische in einer natürlichen Alters- und Größenklassenverteilung. Eine sehr anspruchsvolle und unglaublich faszinierende Fischwaid. Bachforellen von allerhöchster "Küchenqualität".

Fazit:
Als bekennender Fischverwerter und leidenschaftlicher Fliegenfischer kann ich beiden Varianten sehr viel abgewinnen.
Trotzdem war der Fang eines 100% wilden 52-er Bafo-Methusalems im Bergbach ein unvergleichlich eindruckvolleres Erlebnis als der Fang eines jeden noch so prächtigen Besatz-Fisches .....
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon Fish(k)ing » 19.03.2008, 10:51

Werte Kollegen,

dieses Thema ist wohl derzeit eines der allergrößten Streitpunkte bei uns Fliegenfischern.

Für mich stellt sich dieses überaus komplexe Sachlage etwa folgendermaßen dar...

Aus einer Vielzahl von unterschiedlichen Gründen und mindestens ebensovielen Unbekannten hat sich der wildwüchsigen und selbstreproduzierenden Bachforellenbestand in sogut wie allen Gewässern dramatisch verschlechtert. Ich möchte hier gezielt nicht auf die für mich persönlich verantwortlichen Gründe und Ursachen eingehen (weil wir sie sowieso nicht klären werden können!!).

Fakt ist, das sehr viele Gewässer nichtmehr ohne Besatzmaßnahmen auskommen. Welche Art von Besatz nun die "bessere" oder "beste" Variante ist, oder welche "schlechter" ist wird auch nicht ohne weiteres klärbar sein. Meiner Meinung nach ist diese Frage sowieso individuell auf jedes Gewässer und jedes Revier unterschiedlich anzuwenden.

Am Beispiel der Schweiz sieht man jedoch eines sehr gut, nämlich das ein Besatzverbot von Regenbogenforellen nur eines hervorgebracht hat -> Nun wird halt garnix mehr gefangen, nichtmal die verteufelte Regenbogen!

Ich hab ein paar Zahlen gehört welche vor einigen Jahren (ich glaub vor 15 Jahre) an einem Ybbs-Revier erhoben worden sind (3000-4000 Fische auf den Hecktar), heute dürfte der Bestand bei etwa 20-25% der damaligen Erhebung liegen (geschätzter Wert). Auf den Befischungsdruck würde ich dieses Problem jedoch nicht schieben.

Meine Antwort zusammengefasst:
Besatz ist leider an sehr vielen Revieren notwendig.
Soweit möglich würde ich einen Besatz im Brütlings-stadium in Nebenbäche (soweit vorhanden) einbringen und diese später abfischen und umsetzen (ist aber nicht immer möglich).

Lg
Der Fluß wurde bei der großen Überschwemmung der Welt begraben und fließt aus dem Keller der Zeit über Steine. Auf einigen der Steine befinden sich zeitlose Regentropfen, unter den Steinen sind die Wörter. Doch einige Worte wird man nie verstehen.
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon die Fliege » 19.03.2008, 18:59

Hi

In meinem Revier werden die Nebenbäche elektrisch abgefischt und in der Pitten ausgesetzt. Die Nebenbäsche sind nicht zum fischen freigegeben damit sie in Ruhe anwachsen können. Die befischbare Strecke hat fast 12 Km und hat nen wirklich schönen Bestand. Einige Gesatz regenbon sind zwar drinn aber der Rest ist eigen Nachwuchs aus den Nebenbächen. Mir wurde gesagt das letztes Jahr von den Mitgliedern ungefähr 130 Fische entnomen wurden. Was ja wirklich wenig ist für die Strecke. Ich hoffe ihr seit auch so zufrieden mit eurer Strecke.

Lg
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon Wolfgang » 19.03.2008, 20:11

Nun ist es ja so, daß ich in einer anderen geographischen Region zu Hause bin, auch die bewirtschaftungsrechtlichen Grundlagen völlig andere als bei Euch sind.
Der Begriff Bachforellen-Bewirtschaftung trifft hier bei uns nicht so ganz zu, besser wäre bei uns der Begriff Salmonidengewässer-Bewirtschaftung.
Bei uns ist es so, daß alle Salmonidenstrecken im Bundesland M/V in einer bewirtschaftenden Hand liegen, wie die rechtlichen Dinge bei uns in der Beziehung liegen, habe ich eventuell schon mal hier im Forum beschrieben, ich will deshalb darauf verzichten, es würde auch den Rahmen sprengen und zu Off-Topic werden.

Trotzdem noch ein paar Grundvoraussetzungen wie sie hier gegeben sind.

Regenbogenforellenbesatz ist bei uns grundsätzlich verboten(Ausnahme sind Fischteiche/Zuchtanlagen und Angelteiche).
Die Äsche kommt bei uns zwar seit den 70er-Jahren durch Besatz vor, gilt aber als nicht als einheimischer Fisch und darf somit ebenfalls nicht besetzt werden(historisch für die Gegend nördlich der Elbe und zwischen Elbe und Oder nicht belegt).
Die vorhandenen Bestände stehen aber unter einem passiven Schutz.
Der Besatz mit fangfähigen Fischen ist ebenfalls nicht erlaubt (Ausnahmen eventuell nach Katastrophen/Totalverlusten u.s.w.).
In vielen Salmonidengewässern oder salmonidenführenden Gewässern ist eine Trennung der Bachforellenbestände von denen der Meerforelle nicht mehr möglich, da es sich eher um teilwandernde Forellenbestände handelt.

Grundsätzlich wird bei uns seit Jahrzehnten der Weg der nachhaltigen Bewirtschaftung bestritten.
Alle Bestände an Salmo trutta bei uns waren bis vor ca.15 Jahren völlig autochthon.
Die Bestandsdichten sind nie mit denen von Besatzstrecken vergleichbar gewesen, sondern es wurden auch in Gewässern ohne jeglichen Befischungsdruck nur die für unsere Niederungsbäche typischen natürlichen Bestandsdichten erreicht, diese sind nicht so dicht wie in Mittelgebirgsgewässern.
Da diese Gewässer nur begrenzte Entnahmemengen vetragen, erfolgt eine Regulierung über die Angelkartenzahl und die erlaubte Entnahmemenge, Releasen aus hegerischen Gründen ist in M/V erlaubt und wird auch praktiziert.
Da die Gewässer ihre eigenen Gegebenheiten haben, ich sprach die geringen, natürlichen Bestandsdichten an und eine sehr gute Gewässerkenntnis bedingen, hält sich die Zahl der Angler insbesondere der Gastangler in gewissen Grenzen, die eingefleischten einheimischen Angler, die meist auch stark in die Bewirtschaftung eingebunden sind üben sich sehr stark in Selbstbeschränkung in der Entnahmemenge und haben meist ihre eigenen "Schonmaße" die meist bei 45-50cm für "Bachforellen" liegen.

In den letzten 15 Jahren kam es zu Veränderungen an den Beständen zumindest in den Gewässern, die durch Renaturierung wieder für Wanderfische passierbar wurden und in die Ostsee münden.

Teilweise begannen plötzlich sogenannte "Bachforellenbestände", nachdem ihr Heimatgewässer durchlässig gemacht wurde, sich ihres Wandertriebes zu erinnern und wandelten sich zu teilwandernden Beständen, dies insbesondere an sehr küstennahen Gewässern, das hat zur Folge, daß die stationären Forellenbestände in starkem Maße sinken.

Dazu kam, daß man damals anfing die nahezu verschwundenen Meerforellenbestände stark zu fördern, so wurden bestimmte ausgewählte Gewässer sehr stark mit Meerforellenbrütlingen und Smolts besetzt.
Diese Besatztätigkeit dauert noch heute an, so werden jährlich ca. 500.000 Meerforellenbrütlinge in momentan 17 ausgewählte Gewässer besetzt.
Wobei Gewässer in denen sich die Fische sicher etabliert haben und die Selbstreproduktion einen entsprechenden Grad erreicht hat nicht weiter besetzt. Es gibt jedoch auch Gewässer die als reine Aufwachsgewässer benutzt werden, meist sind es stark verbaute Gewässer, die keinen selbsttätigen Aufstieg ermöglichen und deren Zustand so schnell nicht verändert werden kann.Teilweise sind aber diese Gewässer sehr gut für die Jungfische geeignet und eine Abwanderung ist problemlos möglich.
Die Förderung der Meerfrorelle wird auch in den nächsten Jahren noch fortgeführt, da die Gesamtbestände noch zu gering sind.
Da Meerforellen nicht so ein ausgeprägtes Homingverhalten haben wie etwa Lachse und stark dazu neigen selbsttätig neue Lebensräume zu erobern, erreichen sie auch Gewässer und Gewässerbereiche, die vorher nur stationäre "Bachforellen" aufwiesen und beeinflußen diese.
Andererseits steigen Meerforellen auch in Gewässer auf, in denen es keine Salmonidenbestände gab, bereits nach kurzer Zeit etabliert sich dann dort ein kleiner Bestand stationärer Fische.

Zusammengefasst kann man also feststellen, daß die Meerforelle die Bestände der stationären "Bachforellen" stark beeinflußt.
Das kann zur Folge haben, daß in betroffenen Gewässern der Bestand an stationären "Bachforellen" nahezu verschwindet und fast nur noch Jungfischstadien der Meerforelle beherbergt, zuzüglich eines geringen stationären Bestandes recht kleinwüchsiger (Meer-)Forellen, die von der Meerforelle als eine Art Genreserve für Aufstiegskatastrophen herausgebildet werden.
Da Meerforellen oftmals die gleichen Laichplätze wie stationäre "Bachforellen" benutzen kommt es zum einen zu einer Durchmischung der beiden Lebensformen, auch kann man feststellen, daß die größeren Meerforellenmilchner bei den Revierkämpfen in der Laichzeit eben durch ihre Größe die meist kleineren "Bachforellenmilchner" in die Flucht schlagen und somit dominieren. Auch laichen Meerforellen oft ca.2 Wochen nach den "Bachforellen", findet das auf dem gleichen Laichplatz statt, so werden die Laichgruben der "Bachforellen" oft wieder aufgeschlagen und deren Eier sind dem Untergang geweiht.
An Gewässern, die von vorn herein solche teilwandernden Bestände hatten(trifft bei uns nur für die Warnow zu) bevorzugen die stationären "Bachforellen" etwas andere Laichplätze mit feinerem Substrat an denen sie ebenfalls etwa 10-14 Tage vor den Meerforellen laichen, hier ist der Einbruch der stationären Bestände nicht so krass.

Das Ganze ist natürlich aus anglerischer Sicht nicht ohne Folgen.
Da die Meerforelle bei uns auch in Fließgewässern(1.April- 1.September) beangelt werden darf, führt das zu einem gewissen Ausgleich zu den gesunkenen "Bachforellenbeständen", da oftmals auch über Frühjahr/Sommer Meerforellen in den Flüssen vorhanden sind.


Das Ganze ist noch stark in Bewegung, nicht abgeschlossen und sehr interessant zu beobachten.


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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon red tag » 19.03.2008, 20:42

hallo wolfgang!
sehr interessant dein bericht! klingt alles recht gut wie ihr eure wasser bewirtschaftet. schaut bei uns wirklich anders aus. es gibt viele reviere und verschiedene bewirtschafter die halt unterschiedlich arbeiten. neu ist mir auch, dass die äsche bei euch eigentlich nicht heimisch ist.
mfg red tag
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon derGraf » 19.03.2008, 20:44

Hallo Leute

das ist ein Thema das für mich persönlich sehr wichtig ist was unterschiedlichen Gewässer angeht kann ich jetzt noch kein Urteil abgeben weil ich bis jetzt nur die FischerDagnitz intensiv befischt habe und die ja einen echt guten Bachfo. bestand hat...

aber meiner Meinung nach ist die einzige wirklich gute art einen Besatz einzubringen ist die aufzucht in den Nebenbächen den so wächst der Besatz in einer Realitäts nahen Umgebung auf und kann sich richtig ernähren und es sterben sicher weniger der besetzten Fische als aus einem Zuchtteich kommender Besatz

aber in vielen Revieren ist das leider nicht möglich

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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon Wolfgang » 19.03.2008, 20:48

red tag hat geschrieben:hallo wolfgang!
sehr interessant dein bericht! klingt alles recht gut wie ihr eure wasser bewirtschaftet. schaut bei uns wirklich anders aus. es gibt viele reviere und verschiedene bewirtschafter die halt unterschiedlich arbeiten. neu ist mir auch, dass die äsche bei euch eigentlich nicht heimisch ist.mfg red tag


Hallo Red Tag,

sagen wir mal so, die Äsche gilt bei uns als nicht heimisch.
Man geht bei dieser Betrachtung davon aus, daß die beiden großen Ströme Elbe im Süden und Oder im Osten die ursprügliche Verbreitungsgrenze der Art waren.
Das heißt also praktisch, daß unsere ganzen Ostseezuflüsse äschenfrei gewesen sein sollen, während die Elbzuflüsse die von Norden aus Richtung Elbe fließen Äschen beheimaten könnten, nun das tun sie tatsächlich(Stepenitz/Dömnitz), nur liegen diese Zuflüsse überwiegend im Bundesland Brandenburg.

Ob diese Festlegung nun zu 100% richtig ist, ist eine ganz andere Frage, zumal der Fisch im benachbarten Schleswig/Holstein und in Dänemark als heimisch gilt!

Da die Äsche nun bei uns nicht als heimisch gilt, verfügt sie über keine gesetzliche Schonzeit und darf wie schon geschrieben nicht besetzt werden.
Da aber alle Gewässer die Äschen beinhalten als Salmonidengewässer klassifiziert sind, hat man dort durch die für Salmonidengewässer geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Möglichkeit, der Äsche in diesen Gewässern sowohl eine Schonzeit als auch ein Mindestmaß zu geben.

Die Äschenbestände sind bei uns nicht sehr hoch, es gibt lediglich ein Gewässer(Nebel) mit einem stabilen Bestand, ein weiteres Gewässer(Gehlsbach) verfügt über einen schwankenden Minimalbestand(Art gerade so nachweisbar), der ebenfalls aus einem Besatz um 1974 hervor geht. In der Warnow, in welche die Nebel einmündet ist seit einigen Jahren eine selbsttätige Ansiedlung der Äsche zu beobachten, die Fische stammen aus der Nebel. Der Bestand in der Warnow ist jedoch sehr gering und starken jährlichen Schwankungen unterworfen.

Ich persönlich war damals(1971 u.1974) gegen den Äschenbesatz, nicht weil die Art nicht heimisch war, sondern weil ich Zweifel an positiven Folgen für das betreffende Gewässer hatte. Meine Zweifel bestätigten sich in den ersten Jahren nach den Besatzversuchen, die Gesamtertragsfähigkeit des Gewässers(in Kg/ha) ging deutlich zurück, die Anzahl der Bachforellen sank, auch ging die Durchschnittsgröße der Forellen ging stark zurück.
Der erste Äschenbesatz(Jungäschen aus der Zucht,Herkunft Thüringen) schlug fehl, die Fische wuchsen zwar gut ab, laichten aber nicht ab.
Der zweite Versuch mit Laichäschen aus der in der Nähe liegenden brandenburgischen Stepenitz glückte.
Allerdings zeigten die Äschen in den ersten Jahren eine Massenvermehrung bei sehr geringen Fischgrößen, was sich auf den Bafo-Bestand wie geschildert negativ auswirkte. Erst nach etlichen Jahren begann sich das Ganze wieder zu regeln, die Äschen wurden weniger, dafür größer, die Zahl der Bafos stieg wieder an, auch normalisierte sich die Durchschnittsgröße der Bafos wieder.
Meine Ansicht zum Äschenbesatz mag subjektiv geprägt gewesen sein, da das betreffende Gewässer trotz seiner Kleinheit gerade für kapitale und kapitalste Bachforellen stand und so liebte ich es eben.

Übrigends gilt der Lachs zumindest in Mecklenburg ebenfalls als nicht heimische Art, es gibt für ehemals autochthone Bestände in den Ostseezuflüssen keine historischen Nachweise, eine Ausnahme bildet das Stromsystem der Oder ganz im Osten Vorpommerns.
Somit gibt es in Mecklenburg auch keine Förderung/Besatz von Lachsen.
Da es gelegentlich zu zahlenmäßig geringen Lachsaufstiegen von Lachsen bei uns kommt, die mit den Meerforellen mitschwimmen und meist aus nichtgeprägten dänischen Besatzfischen(oft markiert/tätowiert) bestehen, die direkt in die See besetzt werden und somit kein Homing haben, wäre es zumindest möglich daß sich mal solche Bestände ansiedeln, diese wird man dann natürlich auch schützen. Aber zu dem Thema sind bei den verantwortlichen Stellen, Verbänden/Naturschutzorganisationen u.s.w. noch nicht alle Messen gesungen.


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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon Lupus » 20.03.2008, 06:29

Hallo Wolfgang!
Auch ich möchte Dir herzlich für diese wirklich interessanten Infos danken. Von den Äscheneinbürgerungen in der Neben hatte ich auch schon vor langem gelesen, auch über den Hinweis, dass die Äsche nur in einigen Flüssen weiter südlich in der Republik vorkam/vorkommt, wie etwa in der Goldenen Aue.
Gruss. Lupus
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon red tag » 20.03.2008, 06:45

hallo wolfgang!
dein wissen über die fischbestände unsw finde ich grossartig.ich habe in einen buch (der vernachlässigte edelfisch: die äsche von alexis dujmic) nachgeschaut. dort wird die verbreitung der europ. äsche in ganz deutschland angegeben. ist aber sicher nicht so detaliert. es geht auf der karte eher um die wesliche,nördliche unsw .ausbreitung der äsche. wenn die äsche sich wohlfühlt kann sie sich sehr gut behaupten. ich kenne revierteile wo sie sich in lezter zeit sehr breit machte. bafos obwohl sie ja eigentlich andere nischen haben sind jezt selterner. die äsche neigt aber sowieso von natur aus zu stärkeren schwankungen in ihren beständen.
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon Wolfgang » 20.03.2008, 11:22

Das historische Fehlen der Äsche in Mecklenburg kann(!!!) eventuell mit dem ursprünglichen Charakter der hier vorhandenen Fließgewässer begründet werden.
Die Gewässer hier, die Nebel macht da eine gewisse Ausnahme halten sich nicht an die üblichen Regionseinteilungen.
Es sind fast alles Seenabflüsse beziehungsweise Flüsse welche im Oberlauf Seen durchfließen.
Die Quellbereiche sind oft sehr klein und von niedriger Strömungsgeschwindigkeit, in den durchflossenen Seen sammeln sich jedoch unzählige winzige Rinnsale, so daß aus dem See dann ein richtiger Fluß herausläuft.
Sinnigerweise entsprechen die Bereiche unmittelbar nach dem Seenauslauf eher der Blei(Brassen)region, das ablaufende Wasser ist als Oberflächenwasser im Sommer recht warm, die Strömungsgeschwindigkeit gering. In Waldlagen(Buchenmischwald) und beim Durchströmen von Torflagern, mit Eintrag von kaltem Tiefenwasser kühlt der Fluß herunter und wird salmonidentauglich
Nun gibt es hier viele gestaffelt in der Gegend herum liegende große und kleine Endmoränenrücken, welche die Eiszeit hinterließ. Wenn so ein Fluß solche Endmoränenrücken durchbricht, bekommt er dort auf kurze Strecken ein erhebliches Gefälle mit hoher Strömungsgeschwindigkeit. Diese Strecken sind meist nur um einen Kilometer lang, dann verfällt der Fluß wieder in die Brassenregion, bis zur nächsten Schwelle. Um diese Durchbrüche bilden sich dann Inselbestände der (Bach/Meer)Forelle, wobei diese auch die Zone unterhalb des Durchbruchs auf einige Kilometer bewohnen, obwohl hier eher die Brassenregion herrscht, meist findet man gerade die großen Exemplare dort. Ist der Bereich der Brassenregion jedoch sehr lang findet man ab einem bestimmten Punkt kaum noch Forellen, erst wieder am nächsten Endmoränendurchbruch.
Diese Inselpopulationen kommunizieren aber durch die Laichwanderungen im Herbst, sind also nicht dauerhaft isoliert.

Was also fehlt ist eine Art Äschenregion, wir haben also nur kurze typische Abschnitte der reinen Forellenregion, mit direktem Übergang in die Brassenregion. Das könnte man als Grund für das natürliche Fehlen der Äsche anführen.

Nun sind jedoch nahezu alle Gewässer in den letzten Jahrhunderten den Tätigkeiten des Menschen unterworfen, ihr Strömungsverlauf wurde stark verändert, zuletzt insbesondere in den 70er-Jahren durch umfangreiche Begradigungen, Verbauungen, Meliorationsmaßnahmen u.s.w..

Nun sind in den letzten Jahren aber viele dieser Gewässer mit großem Aufwand renaturiert worden, teilweise ist wieder die vollständige Durchlässigkeit hergestellt worden.
Trotz all dieser Renaturierungsmaßnahmen bleiben doch die Folgen der wasserbaulichen Veränderungen zum Teil bestehen, so die oftmals vorgenommene Verkürzung der Flußläufe durch das Begradigen.
Da das Gesamtgefälle des Flußes aber gleich bleibt, ergibt sich durch das Verkürzen der Gesamtlänge eine Erhöhung des Gefällewinkels und damit der Strömungsgeschwindigkeit, da die regulierenden Wehreinbauten großteils entfernt wurden.

So ergeben sich aus heutiger Sicht sehr wohl Bereiche, die für die Äsche geeignet erscheinen und zum Teil auch genutzt werden, wenn ich die Selbstbesiedlung zum Beispiel der Warnow mit Äschen so beobachte.
Ob die Gewässer für höhere Äschenbestandsdichten gut sind ist eine andere Frage, da in den Gewässern sehr viele Nebenfische vorkommen, auch Prädatoren wie Barsch, Hecht teilweise sogar Zander, in wie weit sich die Äsche da durchsetzen kann und stärkere Bestände entwickeln kann ist nun die Frage.
Regulative Maßnahmen wie Bestandsregulierungen der Prädatoren durch Abfischung u.s.w. kommen nicht in Betracht, da eher ein rein natürlicher Fischbestand als Bewirtschaftungsziel gilt und da gehören Raubfische nun mal dazu.
Ich hoffe mal das geht nicht zu weit am Ausgangsthema vorbei !

mfg
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Re: bachforellen bewirtschaftung

Beitragvon red tag » 20.03.2008, 17:04

hallo wolfgang!
wieder super interessant! ist sicher das richtige einmal abzuwarten wie sich die äsche macht. wir haben hier einen kleinen fluss die fischa dagnitz sie ist ein fließgewässer in der ebene sehr ähnlich den englischen kreideflüssen. in österreich ein sehr seltener gewässertypus.sie wird aussschließlich aus grundwasser gespest. hat daher eine gleichmäßige temperatur bei großen nahrungsreichtum. die salmoniden haben daher hervorragende lebens und abwachsbedingungen. die gewässersohle besteht aus kies, unterbrochen von sandig-lehmigen partien und feinen kalkschlamm in den ruhigwasserbereichen. die strömung ist eher mäßig. charakteristisch ist die ungemein reiche entwicklung untergetauchter pflanzen.
die probleme sind: durch ihren natürlichen nahrungsreichtum ist die fischa sehr empfindlich gegen überdüngung. die überhöte schwebstoff-fracht führt bei fehlender geschiebedynamik rasch zu verfestigung der flusssohle, die zu einer schwer reversiblen zerstörung der laichplätze für kieslaicher führen. es gibt ja nie hochwasser,der wasserpegel ist das ganze jahr sehr konstant. auch wir der fluss schon seit ewig für die energiegewinnung genutzt. vor allen war dort lange die textilindustrie angesiedelt. die ist zwar längst verschwunden doch die werke gibt es noch immer. daher gibt es relativ wenig geignete laichplätze für salmoniden. adulte fische leben zwar im paradies. können aber nur bedingt für nachwuchs sorgen. die bewirtschaftung mi der bachforelle erfolgt durch abfischen von nebenbächen und in der erichtung von laichplätzen. auch werden in geringen mengen regenbogenforellen besezt.
die äsche soll auch in den 70-80er jahren in größeren,selbsterhaltenen beständen vorgekommen sein. sie wurde dann immer weniger. einige besatzversuche schlugen fehl. es gibt zwar noch äschen aber sie sind recht selten.
so lieber wolfgang jezt habe ich dir einmal einwenig von einen wasser in der nähe von wien erzählt. da du dir so mühe gibst uns deine reviere neher zu bringen.
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