red tag hat geschrieben:hallo wolfgang!
sehr interessant dein bericht! klingt alles recht gut wie ihr eure wasser bewirtschaftet. schaut bei uns wirklich anders aus. es gibt viele reviere und verschiedene bewirtschafter die halt unterschiedlich arbeiten. neu ist mir auch, dass die äsche bei euch eigentlich nicht heimisch ist.mfg red tag
Hallo Red Tag,
sagen wir mal so, die Äsche
gilt bei uns als nicht heimisch.
Man geht bei dieser Betrachtung davon aus, daß die beiden großen Ströme Elbe im Süden und Oder im Osten die ursprügliche Verbreitungsgrenze der Art waren.
Das heißt also praktisch, daß unsere ganzen Ostseezuflüsse äschenfrei gewesen sein sollen, während die Elbzuflüsse die von Norden aus Richtung Elbe fließen Äschen beheimaten könnten, nun das tun sie tatsächlich(Stepenitz/Dömnitz), nur liegen diese Zuflüsse überwiegend im Bundesland Brandenburg.
Ob diese Festlegung nun zu 100% richtig ist, ist eine ganz andere Frage, zumal der Fisch im benachbarten Schleswig/Holstein und in Dänemark als heimisch gilt!
Da die Äsche nun bei uns nicht als heimisch gilt, verfügt sie über keine gesetzliche Schonzeit und darf wie schon geschrieben nicht besetzt werden.
Da aber alle Gewässer die Äschen beinhalten als Salmonidengewässer klassifiziert sind, hat man dort durch die für Salmonidengewässer geltenden gesetzlichen Bestimmungen die Möglichkeit, der Äsche in diesen Gewässern sowohl eine Schonzeit als auch ein Mindestmaß zu geben.
Die Äschenbestände sind bei uns nicht sehr hoch, es gibt lediglich ein Gewässer(Nebel) mit einem stabilen Bestand, ein weiteres Gewässer(Gehlsbach) verfügt über einen schwankenden Minimalbestand(Art gerade so nachweisbar), der ebenfalls aus einem Besatz um 1974 hervor geht. In der Warnow, in welche die Nebel einmündet ist seit einigen Jahren eine selbsttätige Ansiedlung der Äsche zu beobachten, die Fische stammen aus der Nebel. Der Bestand in der Warnow ist jedoch sehr gering und starken jährlichen Schwankungen unterworfen.
Ich persönlich war damals(1971 u.1974) gegen den Äschenbesatz, nicht weil die Art nicht heimisch war, sondern weil ich Zweifel an positiven Folgen für das betreffende Gewässer hatte. Meine Zweifel bestätigten sich in den ersten Jahren nach den Besatzversuchen, die Gesamtertragsfähigkeit des Gewässers(in Kg/ha) ging deutlich zurück, die Anzahl der Bachforellen sank, auch ging die Durchschnittsgröße der Forellen ging stark zurück.
Der erste Äschenbesatz(Jungäschen aus der Zucht,Herkunft Thüringen) schlug fehl, die Fische wuchsen zwar gut ab, laichten aber nicht ab.
Der zweite Versuch mit Laichäschen aus der in der Nähe liegenden brandenburgischen Stepenitz glückte.
Allerdings zeigten die Äschen in den ersten Jahren eine Massenvermehrung bei sehr geringen Fischgrößen, was sich auf den Bafo-Bestand wie geschildert negativ auswirkte. Erst nach etlichen Jahren begann sich das Ganze wieder zu regeln, die Äschen wurden weniger, dafür größer, die Zahl der Bafos stieg wieder an, auch normalisierte sich die Durchschnittsgröße der Bafos wieder.
Meine Ansicht zum Äschenbesatz mag subjektiv geprägt gewesen sein, da das betreffende Gewässer trotz seiner Kleinheit gerade für kapitale und kapitalste Bachforellen stand und so liebte ich es eben.
Übrigends gilt der Lachs zumindest in Mecklenburg ebenfalls als nicht heimische Art, es gibt für ehemals autochthone Bestände in den Ostseezuflüssen keine historischen Nachweise, eine Ausnahme bildet das Stromsystem der Oder ganz im Osten Vorpommerns.
Somit gibt es in Mecklenburg auch keine Förderung/Besatz von Lachsen.
Da es gelegentlich zu zahlenmäßig geringen Lachsaufstiegen von Lachsen bei uns kommt, die mit den Meerforellen mitschwimmen und meist aus nichtgeprägten dänischen Besatzfischen(oft markiert/tätowiert) bestehen, die direkt in die See besetzt werden und somit kein Homing haben, wäre es zumindest möglich daß sich mal solche Bestände ansiedeln, diese wird man dann natürlich auch schützen. Aber zu dem Thema sind bei den verantwortlichen Stellen, Verbänden/Naturschutzorganisationen u.s.w. noch nicht alle Messen gesungen.
mfg
Wolfgang