Dort erwartet mich schon ein schöner, netter Müllhaufen. „Angler sind Naturschützer“, liest man leider nur in den Fachzeitschriften, deren Redakteure sich bemühen, das Image der Angler in der Öffentlichkeit aufzubessern – vollkommen ungerechtfertigt, wenn man sich die Schweinerei anschaut. „Die meisten so genannten Angler sind saufende Proleten, die aus jedem Naturparadies in wenigen Tagen eine Müllhalde machen“ passt da schon besser. Wohl gemerkt ist die Uferreinigung des zuständigen Vereines gerade einmal drei oder vier Wochen her. Doch die Vereinsmitglieder – Respekt für ihr Bemühen – sind in ihrer Gutmütigkeit selber schuld: „Für wos den Müll mitnehman? Mocht eh da Verein“ scheint die allgemeine Meinung zu sein. Würde mich interessieren, was passieren würde, ließe man die Reinigungsaktin für ein paar Jahre aus...

Schnell ist das Jolly beladen und ich setze über. Ich mache alles exakt gleich wie bei der letzten Session. Eine Rute zum „unproduktiven“ Seerosenfeld, die andere ein etwa 110 Metern Distanz in eine kleine Bucht, ein paar Futterboilies dazu, und passt!

Am Abend genieße ich ein Baguette mit Schinken und angeschmolzenem Camembert, dazu eine Dose kühles Stiegl. Doch das zweite Baguette kann ich nicht einmal fertig essen, da geht schon die Rute in der Bucht ab.


Ich pumpe mich zum Fisch, doch der ist schon längst weg. Das Vorfach war einfach so gerissen… Ungläubig schüttle ich den Kopf. Das kann doch nicht sein… Doch es ist so, und es bleibt mir nichts anderes übrig als neu zu montieren. Gottseidank hatte ich schon ein paar Rigs vorbereitet.
Noch vor Einbruch der Dunkelheit ist alles wieder in bester Ordnung, die Fische können kommen. Ich nächtige wieder unter freiem Sternenhimmel. Noch vor Mitternacht kommt wieder ein Biss auf der Buchtrute. Der Karpfen bohrt sich sofort tief ins Kraut, so dass ich beim Hinfahren nicht einmal weiß, ob da überhaupt noch was drauf ist, doch schließlich kann ich den Fisch aus dem Dickicht befreien. Es ist ein schöner, schlanker Schuppi. Das bisher einzige Erfolgserlebnis der letzten sechs oder sieben Tage.

Ich führe noch ein paar lebhafte SMS-Konversationen mit meinen angelnden und nichtangelnden Freunden über die Geschehnisse der letzten Woche, bevor ich eindöse. Es ist schon fast hell, als mich der Bissanzeiger weckt. Anhand der Bewegungen des Hängers hätte ich zu 100 Prozent auf eine Brachse getippt, doch die scheinen mich zumindest bei dieser Session zu verschonen, und ich bändige einen weitern Karpfen. Nach einigem Hin und Her ist der Spiegler im Kescher. Er ist zwar keiner von den ganz großen, aber sehr massiv gebaut und schwerer als gedacht.

Ich lege die Rute wieder aus – diesmal mit einem Pop-Up – und haue mich wieder in den Schlafsack. Wirre Träume fressen sich durch meine Hirnwindungen, bis mich strahlender Sonnenschein weckt.






