
Mein fahrbarer Untersatz war damals eine alte, weiße Vespa. Irgendwie schaffte ich es an diesem Tag, das lärmende Ungetüm mit meinem minimalistischen Tackle, meiner Freundin samt Picknickkorb und mich selbst zu beladen. Mit Durchschnittstempo 35 dauerte die Fahrt an die Drau eine gute Dreiviertelstunde, doch das war zu dieser Zeit egal, denn die Fahrten mit der Vespa waren meist ein Abenteuer für sich. Und was gibt es schöneres, als an einem warmen Sommertag mit T-Shirt und kurzer Hose, Frau am Rücksitz und Angelgerät durch die ländlichen Gegenden zu ziehen und bei offenem Visier den Fahrtwind zu genießen?
Am Wasser angekommen, fing ich mir in einem kleinen Hafenbecken schnell ein paar Köderfische und konnte Tina - so der Name der damaligen LAP - einen farbenprächtigen Sonnenbarsch präsentieren. Klar, dass dieser unter gar keinen Umständen als Köder verwendet durfte. Und so musste halt eine weniger bunte Rotfeder dran glauben.

Der Tag war traumhaft, und so tummelten sich an diesem Uferabschnitt auch einige andere Angler. Mit einer Dosenmaiskette wollte ich Karpfen und Schleien verführen, während der Köderfisch auf Grund einen faulen Räuber überzeugen sollte. Einer der vielen Vorteile, wenn man eine Dame mit am Wasser hat, ist, dass man sich niemals Gedanken über die Verpflegung machen muss. Was nervt mich die Lebensmitteleinkauferei heute? Ein fettiges Kotelette, dazu zähes Gebäck vom Vortag, um ja nicht vor dem Angeln noch einkaufen zu müssen und wertvolle Zeit zu verschwenden, so sieht meine Standardverpflegung aus. Doch ist eine Frau im Spiel, kann man sich auf Top-Kulinarik schon fast verlassen. Ein liebevoll eingeräumter Picknickkorb, darin knuspriges Gebäck, selbst gemachter Kartoffelsalat, würzige Aufstriche und kühle Getränke. Das sieht für den Angler mindestens so appetitlich aus wie für die Schleie ein saftiges, lebhaftes Wurmbündel, das sich auf einem Teppich aus süßem Dosenmais windet.
Ich selbst rechnete nicht wirklich mit einem Fang, denn die Schwierigkeit der Drau war mir schon damals bekannt. Doch rückblickend würde ich sagen, dass dieser Sommer so perfekt war, dass ich ein Schneider schon fast ein Ding der Unmöglickeit gewesen wäre. Und so lief dann auch die Schnur der Köderfischrute in Klängen vom geöffneten Rollenbügel. Im Kescher landete ein Hechtlein, gerade maßig, das die letzten Stunden seines Lebens im Setzkescher verbringen musste. Ich war wahnsinnig stolz, diesen Fisch im Beisein meiner damaligen Herzensdame fangen zu können und selbstverständlich musste ich nun mit meinen 18 Jahren den Jäger spielen, der die essbare Beute nach Hause bringt.

Zuhause wurde der Fisch in feinster Art und Weise gewürzt und im Backrohr zubereitet. Dazu gab es Petersilienkartoffeln und eine wirklich grandiose Knoblauchsauce, bei der meine Geschmacksknospen noch heute verrückt spielen, wenn ich nur daran denke. Und so ging ein rundum gelungener Tag zu Ende. Es sollten viele weitere folgen.





